Ausgabe 
31.3.1895 Zweites Blatt
 
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1895

Sonntag den 31. März

Zweites Blatt.

Nr. 77

Amts- und Anzeigeblutt für den tireis Giefzen»

Ulli

chratisöeikage: Gießener AamilienSlätter

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g- lO'/s Uhr. tm galt

totale* « Provinzielle»

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itiWtUtr, Ittftdfltt, ackevhdmrr, aventütUtt, rbachtk,

nur wünschen, daß sie auch von anderer Seite verbreitet werde, damit jeder Lehrer sie erhält, und daß bald eiae ähnliche Schrift für die Gymnasien, Realschulen und anderen höheren Lehranstalten folgt.

mtnifgjHntfter v. Hammerstetn verwahrt sich gegm diese Angriffe, die er hier tm Reichstage nicht wiederholen wolle

Abg. Frhr. o. Hammerstetn (cons.) spricht für die Vorlage und wundert sich, daß der Reichskanzler dm Nutzen des Antrages ntd)t StaatSsecretar v. Marschall führt auS, daß der Antrag schon wegen der Handelsverträge nicht auSsührbar sei; er wenigsten« ver­wahre sich dagegen, nach zwei Jahrm schon mit den Verttagsmachtm WiCbtabg.*91?cbt e r"(frf. Vp): Seine Freunde hätten sich fdjon oft gegen den Antrag ausgesprochen, dah ste eS heute nicht Mehr für nöthtg hielten, ihre ablehnende Haltung zu wieder holen-

Nach einer persönlichen Bemerkung deS Abg. Plötz wird ein Vertagung«antrag Lieber angenommen.

Morgen 1 Uhr Fortsetzung.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für bat (ofaenben Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr.

vierteljähriger jL»eeee*e*U,trist 2 Mark 20 Pfg- mit Vringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Spedition und Druckerei:

Kchulstrahe Zlr.7. Fernsprecher bl.

Die Verschlimmerung der Parteizersplitte­rung im Reichstage.

Man muß eS anerkennen, daß nach der Niederlegung | der Acmter seitens der bisherigen Präsidenten, der Reichstag | sich am letzten Mittwoch rasch und correcr wieder constttutri, I und die Herren Abgeordneten Frhr. v. Buol (EentrumS- I parlei) als Präsidenten, Reinhold Schmidt (freisinnige I Volkspartei), als ersten Bicepräfidenten, und Spahn (Een- I rrumSpartet), als zweiten Vicepräfidenteu an feine Spitze I gestellt hat. Gleichzeitig muß aber auch hervorgehoben I werden, daß durch diese neueste parlamentarische Entwicke- I luug sich die Parteizersplitterung tm Reichstage noch ganz | bedeutend verschlimmert hat, denn wenn auch der Reichstag I schon seit Jahren keine einheitliche Mehrheit mehr besaß, so I sanden doch vor der durch den Mehrheitsbeschluß vom 23. März I heroorgerufenen Verbitterung der Partewerhälrniffe oft Ver- I ständtgungen der Parteien über eine gemeinsame Haltung bet I den Abstimmungen über die Regierungsvorlagen statt, und I eS konnte schließlich eiwaS Positives zu Stande kommen. I Alle diejenigen Polit ker, welche eS nicht geradezu blindlings I auf die Heraufbeschwörung unberechenbarer Gefahren ab« 1 gesehen haben, müffen doch auch zugeben, daß der Reichstag I unmöglich seine Aufgabe in der Ablehnung aller Regierungs­vorlagen erblicken kann, bei der jetzigen Entwickelung der I Dinge dürften aber die Ablehnungen der Regierungsvorlagen die Regel bilden, denn die Lonfervativeu und Nationallibe- raten haben selbst in den Fällen, wo sie auf die Mitwirkung derFreisinnigen Vereinigung" unter RickertS staatSmänni- icher Leitung zu rechnen haben, keine Mehrheit, können also positiv nichts durchsetzen.

Die neuen, der Zahl nach die Mehrheit besitzenden Parteien, | die EentrumSpartei mit den Polen und Welfen, die frei- | finnige VolkSpartei und die Socialdemokraten sind nun aller- ! dingS ohne jeden Zweifel stark genug, jede Regierungsvorlage abzulehnen, aber sie find ganz außer Stande, irgend eine Regierungsvorlage von grundsätzlicher Bedeutung gemeinsam auzunehmen oder sich über ein gemeinsames politisches ActionS- Programm zu verständigen, denn diese drei Parteien reprasen- rtren solche scharfen Gegenfätze im politischen Leben, daß jedes positive Zusammenwirken ganz ausgeschloffen ist. UeberdieS muß auch den Thatsachen entsprechend hervorgehoben werden, daß die drei am meisten umstrittenen Fragen der politischen Gegenwart, die sogenannte Umsturzvorlage, ferner die agrarische Frage nebst dem Anträge Kanitz und daS ReichS- ftnanzreformproject mit der Tabaksteuervorlage eine weitere Zersplitterung und Verbitterung in die ReichSlagSparteien getragen haben, denn von allen politischen Parteistandpunkten und Principienfragen abgesehen, ist schon auS socialen und wirthschaftlichen Gründen eine Mehrheitsbildung über dir genannten drei Vorlagen, bezw. Anträge gänzlich auS- geschloffen. Wir befinden unS daher ohne jeden Zweifel in sehr unerfreulichen parlamentarischen Zuständen, von denen so leicht keine Erlösung zu erwarten ist, denn selbst eine ReichStagSaufiöiung und ReichStagSneuwahl wäre unter den jetzigen Umständen ein sehr bedenkliches Mittel, um eine Verbefferung der parlamentarischen Verbältniffe zu erreichen.

PemiWtw-

Die Maßigkettssache in der BoUSfchule. Der preußische CultuSmtnister hat kürzlich etwa 17,000 MäßigkeitSschrisren angekauft, um fie an die Schulen zu vertheilen- daS gleiche ist in Baden und mehreren anderen Staaten in den letzten Monaten geschehen. Damit haben diese Minister anerkannt, daß auch die Volksschule an der Vorbeugung der Unmäßig- keil mitarbeiten muß. Sie ist dazu in der That in hohem Maße berufen. DerDeutsche Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke" har einen glücklichen Griff gethan, als er vor einiger Zeit einen Preis aussetzte für die beste Ant­wort auf die Frage: »Was kann die Schule und besonders der Lehrer zur Förderung der Mäßigkeitssache thun?" Er that auch einen glücklichen Griff, als er unter den vielen etngegangenen Abhandlungen eine Schrift des Lehrers Heinrich Droste in Meschede als die brauchbarste auserwählte, um diese nun in vielen Tausenden zu ganz billigen Preisen (40 Pf. bei Einzelbezug, 10 Pf. bei Maffenbestellung) zu verbreiten. Diese Schrift ist denn auch von den EultuS- ministerien angekauft, daneben dann noch die Arbeit des BereinSgeschäftSführerS Dr. W. Bode in HildesheimZum Schutz unserer Kinder vor Wein, Bier und Branntwein", die zu den gleichen Preisen von dem Versaffer zu beziehen ist. Der Trunk hat ja viele Ursachen- zu den allerwichtigsten gehört aber die Unwissenheit über die Gefahren der Getränke. Diele taumeln ahnungslos in das Elend hinein, weil fie Niemand gewarnt und aufgeklärt hat. Gleich nach der Eon- firmation entscheidet sich für viele daS Schicksal ihres CharacterS. Ob in der ersten Freiheit die Heranwachsenden sich an die Unmäßigkeit gewöhnen oder sich davon fernhalten, ist für das Wohl ihres ganzen Lebens und nicht blos ihrer eigenen Person, sondern ihrer Familie und ihrer wetteren Um­gebung entscheidend. Wenn auch bei manchem alle War­nung und Belehrung nichts nützt, so wäre es doch frevel- hast, sie zu unterlaffen. Die Schule kann gar nichts BeffereS thun, als einem Fehler vorzubeugen, der Hab und Gut, Glück und Ehre, Tugend und Leben verschlingt. Wie nun ! Schule und Lehrer und Überhaupt Jeder, der mit der Kinder- erziehung zu thun hat, ohne ihre sonstige Aufgabe zu ver­nachlässigen, ihre Pflegebefohlenen gegen oie tausendfältigen Verführungen zur Unmäßigkeit wappnen können, ist in der oben erwähnten Schrift meisterhaft ausgeführt. Wir wollen

Hosen ic. M

Deutsche* Reichstag.

72. Sitzung. Freitag, den 29. Marz 1895.

Ein Antrag Auer auf Einstellung eines gegen den Abg. Herbert (Soc.) schwebend.» Strafverfahrens wird debattelos angenommen. Ebenso erfolgt^ die Genehmigung des Gefammt - Etats.

Es folgt der Antrag Kanitz. m .

Abg. Graf Kanitz (cons.) befürwortet seinen Antrag, indem er etwa Folgendes ausführt: Der Schutzzoll von 35 Mk. genüge nicht um dem Getreide ausreichende Preise zu sichern. Heute standen die

Preise unter den Producttonekosten. Die Laubwttthe könnten nicht den Industriellen zu L.ede ihr« ProductionSkosten dadurch herab­mindern, daß fie die Production steigern. Wenn die Getreidepretse nicht wenigstens die Productiontzkosten ersetz-n, so müsse die Land- wtrthschaft rettungslos zu Grunde gehen. Redner sucht sodann die Einwände zu widerlegen, welche seinen Antrag als undurchführbar und mit den Handelsverträgen in Widerspruch stehend dezeichnen, bestreitet, daß hierdurch eine Brodvertheuerung eintreten würde und daß fein Antrag eine focialistische Tendenz habe. Durch die An­nahme feines Antrages würde die Einnahme de« Reiches an Ee- treidezöllm um rund 150 Millionen Mark sich steigern, auch der unheilvollen Speculation an der Produclenbörse ein Ende gemacht

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geitttti öffentlich vtlßtigm

zu scheuen. ai , , t .

Der Getreidemarkt. Ganz unerwartete Preis stet gerungen auf dem amerikanischen Getreidemarkte und die Wahrnehmung, daß auf den einheimischen Markten gar nicht so enorm große Vorräthe vorhanden find, haben tn letzter Woche eine Steigerung der Preise für Weizen und Roggen hervorgerufen. Da zu den erhöhten Preisen aber auck daS Angebot wieder stärker hervortrat, so ist die Preis erhöhung nur mäßig gewesen. In Berlin und Leipzig wurde gekauft i We,zen per 20 Centner zu 124 bis 145 Mk., Roggen zu 116 bis 123 Mk., Gerste zu 94 bi» 165 Mk., Hafer zu 108 bi» 140 Mk.

n An« der Wetterau, 29. März. Der Kreistag von Büdingen faßte einen für die Wetterau sehr wichtigen Beschluß dadurch, daß er die Erbauung einer KreiSstraße von Unter- Widdersheim zur Staatsstraße Nidda Berstadt genehmigte. Hierdurch wird die Verbindung zwischen der holzarmen Wetterau und der waldreichen südwestlichen Abdachung deS Vogelsbergs auf die kürzeste Weise hergestellt.

Mchmer Anzeiger

Kmerat-Wnzeiger.

Der chlttztier Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montag».

Die Gießener Si»«ttte»»lL1ter werben dem Anzeiger »öchmtlich dreimal deigelegt.

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musterhaftester Weise einstndirt. BlS in die kleinen Detail» war alles sorgfältigst vorbereitet, so daß die Aufführung deS schwierigen Werkes seitens aller Darsteller geradezu al» vollendet zu bezeichnen war. Gewiß ist Herr Bauer durch die Hingebung Aller wesentlich unterstützt worden, viele- ist ihm durch talentirte Mitglieder deS verein- erleichtert worden, 1 trotzdem möchten wir das Gelingen des Ganzen, ohne Unter­stützung der Mitwirkenden, dem Dirigenten al- Verdienst zuschreiben. Sehr freuen würden wir unS, den so ungemem leistungSsähigen Verein bei einer großen ernsten chorifche» Leistung begrüßen zu dürfen, ^er nicht in g^chloffener Gesellschaft, der Sängerkranz braucht die Oeffentlichkett nicht

rühr*

* Wir verfehlen nicht, unsere geehrten Leser hiermit nochmals aus die in Nr. 76 d. Bl. bereits avifirte Ausstellung von Kuabeutzavdarbetteu, welche Sonntag, 31. März c., Morgens 11 Uhr, im Conserenzzimmer der Stadtknaben- schule (Nordanlage) stattfindet, aufmerksam zu machen. Wie bekannt, werden Kerbschnitt. und Papparbeiten ausgestellt.

» tzäugerkranz. Earnevalistische Adendunter- haltung am Donnerstag den 28. März, da- war das Signal, mit welchem die activen Mitglieder des Vereins ihre Damen und passive Mitglieder zusammenriefen. Hinzufügen wollen wir gleich, daß diesem Rufe zahlreich Folge geleistet i wurde, denn man ist gewiß, im Sängerkranz stets Gutes zu hören. Wenn nun auch der strebsame Verein sein Haupt- augenmerk wohl mehr auf die Pflege des edlen Männer- , gesangS gelegt hat, so wollen wir ihm eS keineswegs ver­übeln, wenn er sich auch mal der leichter geschürzten Muse dienlich machte, zumal er nach dieser Richtung hin über ganz famose Kräfte verfügt. Als Mannergesangverein horten wir eigentlich den Sängerkranz nur in Nr. 1 seines Programms, dafür aber ganz ausgezeichnet. Der flotte Walzer von Joh. StraußWein, Weib und Gesang" wurde mit Orchestcrbegleitung mit solchem Schneid gesungen, daß die weibliche Jugend fast bedauerte, nicht schon bei der letzten Nummer angelangt zu sein, denn der Vortrag erfreute neben Herz und Ohr auch die Beine. Die Throler-Gesellschaft : Rainer, die, wie daS Programm in Nr. 2 sagt, auf der ! Rückreise begriffen, zeigte ihr bekanntes, unwiderruflich letztes : Auftreten an. Merkwürdig conservirt hatte sich die Künstler- : schaar, fie war noch eben so jung, wie bei ihrem ersten Concert vor circa 30 Jahren. Nun, eS soll ja viele Familien Rainer geben, reiner gesungen aber hat unsres Wiffens bisher noch keine. Nr. 3, DaS Spukhaus von Kron, war ein musikalischer Scherz und zwar ein recht toller, gruselig ist trotzdem keiner geworden, im Gegentheil Alles hat herzlich gelacht. Die letzte Nummer brachte das prächtige Lieder­spiel von KoschatDer Schreckschuß", welches eigentlich den Titel Operette verdient. Herr Franz Bauer, der Dirigent des Vereins, hatte die Begleitung geschickt uiftrumentirt, außerdem ein sehr geschmackvolles Melodrama als Etnlage componirt und, was die Hauvtsache ist, das ganze Werk in

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Reichskanzler Hohenlohe: Der Antrag verlange An- und , Verkauf deS ausländischen Getreides für Rechnung des Rttches unter Ausschluß desjenigen, welches für den Verbrauch im Jnlande de- , stimmt fei. Hierin liege ein Einfuhrverbot für fremdes Getreide. Der Antrag Kanitz habe auch focialist sckre Tendenzen. Die BerufS- staiistik von 1892 weise nach, daß 15 Millionen Landleute gar kew Getreide produzieren und somit auch von dem Anträge xanitz keinen Nutzen haben könnten. Es mühten also zur Hebung। w , Landwirthschaft andere Maßregeln ergriffen werden. Die Regierung schlage vor. Börsen-, Branntweinsteuer-, Zuckersteuerreform und , Einschränkung der Transiiläger. Eine Herabsetzung der Düngermittel­tarife habe schon stattgefunden, ebenso fei ein Rentengutergesetz schon eingeiührt, endlich werde auch die WährungSfrage »u erwägen ein.

Aba. Uhden (sractionslos) beantraat commtssarische Berathung.

A^g. Paasche (ntl.) erkennt die Tendenz des Antrages der Landwrrthschaft zu Helten, an, kann jedoch demselben die fehlende Erkenntniß deS practischen LebenS nicht absprechen. Redner verbreitet sich dann noch über den socialifttschen Eharacter des AnttageS. ; 1 Abg. Plötz (cons.) führt aus, zur Abhülfe der Noth der Land- ; wirtschaft könne man kein besseres Miete! stnden, als den Antrag , Kanitz. Helfe man den Bauern nicht, so treibe man bieteiben der Socialdemokratie in die Arme. Redner wiederholt die Lkst-rn> m Abgeordnetenhause vorgebrachten Angriffe auf den LandwMhfchastS-

Anrilicher Tbeil.

Gießen, den 26. März 1895. vetr.: Die Anstellung der Kreisstraßenwarte.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die «Srotzh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Sie wollen, sow it aus Ihren Gemeindekaffen Gehalte an Straßenwarke bezahlt werden, die Gemeindeeinnehmer »eranlaffen, sofort mit der Kreiskaffe abzurechnen, damit diefe in den Besitz sämmtlicher Hauptquittungen gelangt.

Binnen 14 Tagen sehen wir Ihrem Bericht entgegen, daß diese Abrechnung ftattgefunden hat.

v. Gagern.

Riern- -latwtlne

14. unb 5. M

Lcb.Urigs-

ntccnen.

(Siebener Anzcrger

Anzeigen für den

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