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30.11.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 282 Zweites Blatt. Samstag den 30. November

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Der Ot-t-«-r Z-r-lger erscheint täglich, rit Lulnahm» bt» Montag».

Dir Girßener D>«ikte»ökä1t«r «erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal deigrlegt.

Gießener Anzeiger

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de, folgenden Lag erscheinenden Nummer bi» Borin. 10 Uhr.

HratisSeikage: Gießener Kamikienbkätler.

Alle Annoncen-Bureaux bei In« und Aullandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Fenilleton.

Verschiedene Busrtirre.

KriegSbllder von jetzt und damals.

Aon Moritz von Berg, Verfasser derUlanenbriefe".

(2. Fortsetzung.)

So stand ich da in den nassen Strümpfen und hörte eben von dem Burschen, daß kein, sage kein naheliegender Loilettengeqenftand zum AuSrau'ch gegen den durchnäßten da, sondern alle- auf dem Wagen sei.

In diesem Moment öffnete sich die Stubenthür und herein trat de« Colonen k> äftlgeS Töchterlein, ihr mit großem Holzschuh bewaffneter Fuß schleuderte m't gewaltigem K ach die Thüre zu, undgan$ schlecht servirt" setzte sie mit starker Hand auf den einzigen Tisch eine runde, irdene Schüffel mit einem breiartigen, bräur lichen Jnha't.

So, nun eten Se," sprach- und entschwand, nachdem fie noch einen hölzernen Löffel und ein Stück schwarze- Brod neben die Schüffel gelegt hatte.

Mein Hunger war, wie gesagt, phänomenal, und ich beschloß, jeglichem zu trotzen, wenn es möglich wäre. Halte mau doch so ost im letzten Kriege aus dem Kochgeschirr des Burschen, vor Metz in langen Biwaks mir Appetit ge» geffen, weßhalb sollte nicht auch dieses TopseS Inhalt zn genießen sein?

Zögernd näherte ich mich dem Tische, zögernd tauchte ich den Löffel n d-n Brei, wel t em verrätherilche Düite deS HetdethiereS (nach Madame de Stasi deS peuple eaarage), der Hetdeichnuke, nicht melneS L'ebltr'gSgeschöpfeS, entströmten, und energisch versuchte ich zu schlacken.

Der Versuch gelang, aber fragt mich nur nicht wie. Den« waS war deS Topsis Inhalt? O ÄrauS, Buchwetzen­brei mit Hamw'lfletsch unö großen Rosinen, daS Ganze, wahrscheinlich mir zu Ehren, mir Zucker und Muskatnuß bestreut.

DaS war mir zu arg, Fletsch mit Zucker, Mufkatruß

uaö g U56H Rosinen i|)0.t<ie .elvU eo größten HuugrrS Ansttrogungeu.

Ich oemühre mich, ein Stück des harten, schwarzen BrodeS herunterzuschlucken, doch auch dieses war ein trister Genuß, es rutschte schlecht. Verzweifelt ob dieser sruchtloien Bemühungen, umsurrt dabri von zahllosen Flregenschwä'M'N, die die Stube füllten, warf ich die noch übrigen naffen Kleidungsstücke von mir und stürzte mich, d-e Anforderungen meines Magens auf die Ankunft des Wagens verschiebend, mit einem Sprung in die thurmhohen Riffen der Butze, deren gewaltige Wogen über mir zusammenschlugen.

Mit dem gerechten Seufer:£), Marte!" schlief ich bald ein, tief und feit, und der Traum versetzte mich zurück in die Zett vor zehn Jahren, in daS sonnige Frankreich.

II.

An den Ufern der Marne.

Vive le printempe,

Vive la verdure,

Vive la jeuneaee,

Vivo la nature.

Salut au printempe,

Pniaque vient aana ceaae, Porter dana noi aena Une douce ivreaae.

Die goldene Morgensonve leuchtete vom Himmel herab, alle FrühlrngSstimmen waren erwacht, die kleinen Vögel sangen und die Blumen blühten.

Und auS dieser Morgenpracht erklang obigeS Lied, baß sie sang.

Wer war sie? Lassen Sie mich die Situation in kurzen Strichen vor Augen stellen.

Die Zeit:der letzte Kriegs gegen ,1a belle France*. Wenn der Waffenstillstand schon angefangen hatte, die er regten Wogen de- Krieges etwas zu fchltchteu, so hatte end- ltch jetzt Ler Abschluß deS Friedens die Ausgleichung zwischen den Gemüthern der beiden feindlichen Nationen begonnen. DaS Ulanenrrgiment, welches im Norden bei der ersten Armee die Kämpfe gegen den General Faidherbe und den

faticn Weiner aurgekämpft, war behufs 6oncentcatiun des ArmeeeorpS, zu welchem eS dem Namen nach gehö.l., und zu dem Zweck einer ersehnten Einschiffung in die Heimath, auf dem Marsche nach dem Süden von AmienS aus und durchzog die blühenden Gefilde der Marncufer unweit Eprrnat.

Die Ordre zu dem langen Marsch war erst am Nach- mittag deö heutigen Tages bei dem Regiment ringet, offen, der Ruhetag war auf den nächsten Tag verlegt und a. s üe« Marsch war ein Nachmittags- und Abendmarsch geworden, so daß meine EScadron, die ich schon damals als Rittme ster besaß, erst tm Dunkeln in Ay iur Marne bei Eperra d.-m Quarter sür zwei Tage, aukommen konnte.

ES war, wie gesagt, Friede, und die Natur hatte schein- bar, um auch ihre Zustimmung zu dem Frieden der.ker zu geben, ihr schönstes Kleid angezogen.

Der Maitag gl-ch dem schönsten Sommertage unserer Heimath und ringsum grünten und blüdten die Felde..

Auch wir Ulanen hatten uns verändert, die Verpuppung drS barten Winters hatte aufgehört, die Mäntel, Kai i)en, ShawlS, Pelzbandschuhe und wie alle die Wärmeutevsi ' n, oft in ben eigenthümlichsten Phantasiesormen, heißen m^rcn, sie waren verschwunden. Die Eitelkeit war wieder zu ih cm Recht ßftommtn; wie auS der häßlichen Puppe der sandige Schmettertibg, so hatte der Ulan sich auS dem Eslimo- gewand, den Mänteln, ShawlS rc. herauSgeschält. Er wurde kaum von skineu intimen Feinden, den Franzosen, erkinnt, die in dem schmucken Gewände daS Wesen nicht w cder« erkannten, das nach ihrer Ansicht häßlich auSsehen mußte, weil es ihnen stets, wie ein Butzemann, zum Fürchten häß­lich erschienen war.

Alle Kriegsmaßregeln, wie Marschsicherungen, borge» schickte Patrouillen u. s. w., hatten aufgehört, der Revolver war auS der Tasche an der Hüfte in den Koffer gewandert, auch wurde marschirt wie im Frieden, und daS im Ganz»« recht ungemüthliche WortKrtegScantonnement" wurde in Bezug der Quartiere nicht mehr angewaudt.

(Fortsetzung folgt)

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