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30.4.1895 Zweites Blatt
 
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Dienstag den 30. April

1898

Nr. 1OO

Zweites Blatt

Gießener Anzeig er

Generat-Z(nzeiger.

2lmts» und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Borm. 10 Uhr.

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Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehme« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Tlmtiidyer Tbeil.

Bekanntmachung, betr. die Niederlasiung des practischen Thierarztes Gerhard zu Hungen.

Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach dem Milzbrandreglement den Thierärzten zu­gewiesenen, sowie nach § 8 der Fleischbeschau-Ordnung und pos. 4 und 7 der Bestimmungen des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 4. Mai 1889, Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche betreffend, dem beamteten Thierarzt zukommenden Befugnisse für die Orte Hungen, Langd. Rodheim, Steinheim, Rabertshausen, Inheiden, Trais-Horloff, Utphe neben den seither hiermit betrauten Thierärzten dem practischen Thierarzt Gerhard zu Hungen übertragen worden sind.

Gießen, den 27. April 1895.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Gießen, den 27. April 1895. Betr. wie oben.

DaS Gkaßherzogliche Kreisamt (Sieten an die Großh. Bürgermeistereien Hungen, Langd, Rodheim, Steiuheim, Rabertshausen, Inheiden, Trais-Horloff und Utphe.

Unter Bezugnahme auf vorstehende Bekanntmachung be­auftragen wir Sie, die für Ihre Gemeinden in Betracht kommende Bestellung in ortsüblicher Weise verkündigen zu lassen.

v. Gagern.

Deutsche» Reich.

Berlin. 27. April. Das Kaiserpaar hat die Ab­sicht, am 4. Juni an der Gedenkfeier deS Pommerschen KürasfierregimentS in Pasewalk, dessen Chef die Kaiserin ist, theilzunehmen. An demselben Tage soll in Pasewalk daS von der Stadt errichtete Kaiser Friedrich-Denkmal enthüllt werden.

Berlin, 27. April. An der heutigen Sitzung der Reichs« tagß Commission zur Berathung deS Antrags Kanitz nahmen von der Regierung Staalssecretär v. Bötticher mit den Commtssaren und Geheimerath Schmidt vom Finanz­ministerium Theil. Abg. Dr. Lieber (Ctr.) beantragte, die Verhandlungen ftenographiren zu lassen. Dieser Antrag wurde angenommen. Abg. Graf Schwerin (conf.) sprach zu­nächst sein Bedauern aus, daß die Regierung, bevor der Reichstag entschieden, eine abweisende Haltung eingenommen

Feuilleton.

Die mißglückte SsirglingserMung.

Von O. v. Briesen.

(Nachdruck verboten.)

Der Oberst v. Loschwitz war ein alter Haudegen, der erst in vorgerückten Jahren sich dazu entschließen konnte, in den Hafen deS Ehestandes einzulaufen. Er that dies jedoch nur unter der Bedingung, daß, falls er mit Nach­kommenschaft bedacht werden sollte, Jungens vom ersten Moment an seiner speciellen Obhut, Sorge und Erziehung übergeben werden mußten, sogar auf das Darreichen der Flasche Haire sich dieser söimliche Contract zu erstrecken.

Da wollte das Ungefähr, daß der Klapperstorch, der es ausnehmend gut im Sinn hatte, ihm als erste Gabe gleich ein Zwillingspaar ins Haus brachte, einen Sohn und eine Tochter. Der alte Soldat, der manche Wunder­lichkeiten besaß, hatte in seiner übergroßen Herzensfreude nichts Eiligeres zu thun, als seinen sümmtlichen Leuten einen Ruhetag zu gewähren, denn er ging von dem Grund­sätze aus:Wenn mir etwas Angenehmes begegnet, so sollen auch meine Untergebenen ihr Theil davon abbekommen" - ju letzterem rechnete er noch einige Fässer Sier, die er jeder Compagnie zugegen ließ.

Bald nach der Geburt deS Pärchens machte der Oberst von seinem ausbedungenen Rechte Gebrauch und quartierte den zukünftigen Stammhalter hinüber in sein Zimmer, um Ujn mit dem Weiberzeuge gar nicht in Berührung kommen z.u lassen, da dasselbe nur darauf ausgehe, die Kinder zu verweichlichen.

Während seine Frau sür die ihr verbleibende Spröß-

babe und bat sodann um Annahme folgenden Antrags:Die Commission billigt den von den Antragstellern näher dar­gelegten allgemeinen Zweck des Antrages, anstatt der bis­herigen Preissteigerung durch Schutzzölle einen Ausgleich der Getreidepreise auf mittlerer Höhe zu suchen- vorbehaltlich jeder weiteren Entscheidung sowohl über die Zweckmäßigkeit und Durchführbarkeit der vorgeschlagenen Mittel, als auch über die Preishöhe, bei welcher ein Ausgleich wünschenß- werth erscheint." Ueber diesen Antrag entspinnt sich eine längere Debatte. Hierauf wird die Weiterberuthung auf Dienstag den 30. April vertagt.

Berlin, 27. April. DieUmsturz-Vorlage" soll nunmehr am 1. Mai zur zweiten Lesung im Plenum ge­langen, doch scheint diese Disposition noch keine endgültige zu sein. Die parlamentarischen Aussichten der Vorlage scheinen sich in letzter Zeit erheblich verschlechtert zu haben, speziell daS Centrum will, falls seine in der Commission durchgesetzten Verschärfungen der Vorlage nicht die Zustim­mung der Regierung finden, gegen den ganzen Entwurf stimmen, womit das Schicksal des Umsturz-GesetzeS selbst­verständlich besiegelt wäre. Eine interessante Wendung hat die außerparlamentarische Bewegung gegen dieUmsturz. Vorlage" durch den Einspruch der brandenburgischen Provin­zialregierung gegen die Proteste Petition des Berliner Stadt- verordneten-Collegiums in Sachen der genannten Vorlage erfahren. Die Regierung bestreitet dem Collegium die Zu­ständigkeit zu einem solchen Schritte, ja, der Oberpräsident von Achenbach ließ dem Stadtverordneten-Vorsteher sogar die Aufforderung zugehen, die Absendung der gedachten Petition an den Reichstag zu unterlassen, wobei Herr v. Achenbach mit einer Geldstrafe von 300 Mk. drohte. Die Petition war aber schon abgegangen, man kann nun den Verlauf dieses eigenthümlichen ConflicteS zwischen dem Berliner Stadtverordneten-Collegium und der Regierung mit Span­nung entgegensehen.

Berlin, 27. April. DaS Abgeordnetenhaus nahm heute in dritter Lesung die Gebühren Ordnung sür die Notare, desgleichen daß Gesetz betr. die Ehefrau-Bürgschaft im BIS- thum Fulda an. Ebenfalls zur Annahme gelangte die Vor­lage betr. die Errichtung einer General- Commission für Ost­preußen und der Antrag Gamp, die Staatsbehörden möchten beim Ankauf insbesondere von Land- und Forstwirthschafts- Erzeugnissen die inländischen Erzeugnisse bevorzugen. Nächste Sitzung Mittwoch. Verschiedene Anträge.

Wiesbaden, 27. April. DemWiesb. General-Anzeiger" zufolge starb gestern Abend der Landesdirector a. D. Christian Wirth im 69. Lebensjahre.

Leipzig, 27. April. In einer gestern dem Chefredacteur desLeipziger Generalanzeiger" zugegangenen Zuschrift er­klärt Hofprediger a. D. Stöcker, daß die ihm in den Mund gelegte Aeuß-rung über den Fürsten Bismarck, welche ein

lingshälfte eine Amme annehmen mußte, schaffte er für den Jungen sofort eine prächtige Kuh an, die der Bursche, nach­dem er den nöthigen Unterricht darin empfangen, je nach Bedürfniß zu melken hatte. Die Milch war ausschließlich für den Sprossen bestimmt, der, wie sich der Papa vor­genommen, alle Staubgeborenen, die bisher die Erde be­völkert, in jeder Hinsicht weit hinter sich lassen sollte. Am meisten Unbequemlichkeit verursachte die körperliche Sauber­keit des Jungen, der Oberst besaß jedoch ein solches In- structionstalent auch in diesen nicht berufsmäßigen Dingen, daß Johann, der in allem sehr anstellig war, das Baden, Trockenlegen u. s. w. in kürzester Frist gleich der vorzüg­lichsten Kinderfrau besorgte. Somit war dem Vater diese Last wenigstens von den Schultern genommen und er hatte sich ausschließlich der Ernährungsfrage zuzuwenden, die übrigens nicht so erhebliche Schwierigkeiten bereitete, wie er anfangs gedacht. Eine alte ausrangirte Feldflasche, welche er seiner Zeit als flotter Lieutenant sehr ins Herz geschlossen, stellte er als Milch lasche wieder in Dienst und merkwürdig, auch der Junge schien ein ganz besonderes Wohl- gefallen an der stattlichen Buddel zu finden, indem er schon am dritten Tage wie ein Alter daraus sog.

Die Mutter durfte vorläufig nicht ins Zimmer, da­gegen rapportine der Gemahl ihr jeden Morgen um sechs Uhr, daß der Bengel vorzüglich geschlafen und ihn, seine Wärterin, während der Nacht so gut wie gar nicht gestört habe. Mit dem Burschen hatte der Oberst jedoch häufigere Conferenzen, wenn ihm dies oder jenes nicht recht in Ord­nung zu sein schien.

So waren bereits einige Monate verflossen, die Mama hatte den Sohn auch schon mehrmals sich besehen dürfen, das heißt nur in der Gegenwart des Obersten, da wollte

französischer Journalist in diesen Tagen in der Zeitung Jour" in gehässiger Form veröffentlicht hat, vollständig erfunden sei.

München, 27. April. Der bekannte Schriftsteller Dr. Oscar Panitza hat sich am 30. April vor dem hiesigen Schwurgericht wegen nicht weniger als 93 Verbrechen wider die Religion zu verantworten. Diese Verbrechen wurden in dem von ihm geschriebenen Buch:DaS LiebeS-Concil" ge­funden, in welchem das katholische Dogma verspottet wird. Dr. Panitza konnte bis jetzt keinen Rechtsanwalt finden, der die Vertheidigung übernehmen will.

Att-land.

Wien, 27. April. Der Ziegelarbeiterstrike ist beendet. Sämmtliche Forderungen der Arbeiter wurden bewilligt.

Budapest, 28. April. Der Minister des Innern hat eine besondere Verfügung erlassen, der zufolge am 1. Mai im ganzen Lande Arbeiterversammlungen und Straßenaufzüge verboten find.

Lemberg, 27. April. Wie man derNeuen freien Presse" aus Lemberg meldet, herrscht in mehreren Bezirken Galiziens eine Flecken-Typhus-Epidemie. Von den Aerzten, welche die Regierung nach den verseuchten Orten entsandte, sind bereit- sieben gestorben.

Krakau, 27. April. Wie auß Petersburg gemeldet wird, hat der UnterrichtSminister an alle Rectorate eine Verfügung erlassen, die Studenten unter behördliche Aufsicht zu stellen. Den liberalen Studenten soll besondere Auf­merksamkeit zugewendet werden, da man neue Unruhen be­fürchtet.

Paris, 27. April. Die Königin von England wird zum Andenken an ihren diesjährigen Aufenthalt in Frankreich eine Gedenkmedaille prägen lassen.

Paris, 28. April. Aus Epinal laufen weitere schreck- liche Einzelheiten über die Katastrophe von Bonsey ein: Bisher find 80 Leichen gefunden worden. Der Material­schaden wird auf 50 Millionen geschätzt. Der Präsident der Republik entsandte einen Offizier nach dort, welcher den Ein­wohnern der betreffenden Ortschaften Geldmittel überbrachte. Der Minister deS Innern hat ebenfalls einen höheren Beamten noch Epinal geschickt. Der Bautenminister trifft heute aus Toulon an der Unglücksstätte ein. Sein CabinetSchef und der SchiffahrtSdirector trafen ebenfalls dort ein.

Paris, 27. April. Der Ausstand der Zündholz* ar b eiter geht seinem Ende entgegen. Die Manufacturen von Trelaze und Marseille beschlossen, die Arbeiter bedingungslos wieder aufzunehmen.

Petersburg, 27. April. Das Finanzministerium hat si der Junge bisweilen nicht mehr pariren und riß £en Mund zum Schreien auf trotz ernstlichen Verbotes von Seiten beß gestrengen Vaterß. Ein paarmal ließ sich derselbe die In­subordination gefallen, dann aber riß ihm der Geduldsfaden maß sollte auch auß einem Menschen dereinst werden, der sich nicht von zartester Jugend auf an den unbedingtesten Gehorsam zu gewöhnen vermag.

Vom Schlagen war der Oberst durchaus kein Freund er hatte sogar im 9jfgiment verboten daher mußten hier schon andere Mittel angewendet werden, um die nothwendige väterliche Gewalt nicht Schiffbruch erleiden zu lassen. Hier galt es allerdings, eine ziemlich harte Nuß zu knacken, doch der Soldat weiß sich immer schnell zu helfen, und so geschah eS auch in diesem Falle. Der Oberst sann nach und vergegenwärtigte sich, daß er sich stets eineß überaus trefflichen Schlafes erfreue, sobald er einen steifen Grog oder ein ähnliches liebliches Getränk hinter die Binde gegossen. Ließ sich dieser Umstand nicht in Betreff des Sohnes verwerten? Freilich, Grog, Punsch oder der- gleichen, mochte er dem jugendlichen Säufer denn doch noch nicht zumuthen- wie wäre es aber mit einigen Tropfen besten Cognacs, die man nöthigensalls in die Milch träufelte? Vielleicht wirkte ein Geringes dieses flüssigen Elements wohl- thuend und beruhigend, wenn der Junge durchaus nicht ein» duseln wollte.

Das Ergebniß war ein ganz erstaunliches- der Spröß- ling, wenn er die Feldflasche geteert hatte, dachte nicht ent­fernt mehr daran, ein längeres Concert anzustimmen, son­dern er drehte sich auf die Seite und schnarchte bald wie ein handlicher Grenadier.

(Schluß folgt.)