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29.12.1895 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt. Sonntag den 29. December I8M

Gießener Anzeiger

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Amtliche»- Theil.

Bekaimtmachmlg,

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

Die zu Rohrbach, Kreis Büdingen, Pohl-Göns, ÄreiS Friedberg, sowie zu Marbach und Marburg, KreiS Marburg, auSgebrochene Maul- und Klauenseuche ist erloschen und die Gehöft- bezw. GemarkuugSsperre aufgehoben.

Gießen, den 27. December 1895.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung.

betreffend die Maul- und Klauenseuche.

Zu Bindsachsen, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche auSgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden.

Gießen, den 27. December 1895.

Großherzogliches KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betr. Rothlaufseuche.

Die zu Burgbracht, KreiS Büdingen, auSgebrochene Rothlaufseuche ist erloschen.

Gießen, den 24. December 1895.

GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betr. Rothlausjeuche.

In einem Gehöfte zu Düdelsheim, Kreis Büdingen, ist bet einem Schwein die Rothlaufseuche festgestellt worden.

Gietzen, den 24. December 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

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Rockenberg, 24. December. Einen recht schweren SchickfalS- fLlag hat eine hiesige achtbare Familie betroffen. Ein in Gießen beim 116. Inf..Regiment dienender junger Mann, welcher im Herbst etngetreten war und wegen seiner guten Führung Weihnachtsurlaub erhalten hatte, traf am Samstag gesund und munter bei seinen Angehörigen dahier ein. Gestern besuchte er noch die Frühmesic. Nach Hause zurückgekehrt,

beschästigte er sich nvt Biehsüttern, bei welchem er von einem Unwohlsein befallen wurde und kurz darauf in einen starr- krampfähnlichen Zustand verfiel. Nach zwei Stunden ist der hoffnungsvolle junge Mann plötzlich verschieden. Die Trauer mit der schwerbetroffenen Familie ist eine allgemeine.

Wett. Bote.

Nidda, 23. December. Ein bemerkenSwertheS Weih­nachtsgeschenk erhält unsere Stadt insofern, als unsere Straßen und Gaffen, die seither keine sichtbar angebrachten Bezetch. nungen hatten, Straßenbenennungen auf blauen Porzellanschtldern mit weißer Schrift erhalten. Auch die Nummerirung der Wohnhäuser ist damit eine andere geworden. Jede Straße erhält ihre besondere Nummernrethe, ebenfalls meist auf blauem Grunde. Die Neuerung nimmt sich nett aus. Allerdings erhält die frühere einzige Berbindungsstraße zwischen Marktplatz und der Landstraße nach Friedberg, bezw. Scholten, die über die uralte Brücke über die Nidda an der sogen. Stadtmühle führt (dem Herrn Landtagsabgeordneten Erck gehörig) statt des dem DockSmund geläufigen NamenS Alte Gaffe" den NamenMühlstraße". Bei der letzten Volkszählung ergab sich hier eine onSanwesende Be­völkerung von 1796 Einwohnern. Darm st. Ztg.

Ranstadt, 24. December. Für daS ausscheidende Kr eiS- tagSmitglied, Herrn Landwirth Georg Mickel von Ober- Mockstadt, fand heute Ersatzwahl dahier statt. Herr Bürger­meister Birkenstock von hier wurde mit 12 von 15 Stimmen an dessen Stelle gewählt.

Lauterbach, 24. December. Vorigen Montag wurde am hiesigen Schöffengericht ein zwölfjähriger Junge, welcher vom Wagen herab einem Radfahrer mit der Peitsche einen Hieb versetzt hatte, zu 10 Mark Strafe und den nicht un­erheblichen Kosten verurtheilt. Bürgermeister Henkel in Engelrod, weicher s. Z. von dem Landgericht Gießen zu 1 Monat Gefängniß verurtheilt worden war, wurde diese Strafe durch die Gnade Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs in 50 Mk. Geldstrafe umgewandelt. Lauterb. Anz.

Worms, 22. December. Bei der Stadtoerordneten­wahl machten von 4340 Berechtigten nur 2043 von ihrem Wahlrecht Gebrauch Von den vom nationalliberalen Ver­ein ausgestellten 10 Kandidaten wurden 9 gewählt. Ein mir in Bor chlag gebrachter Vertreter der Arbeiterpartei mußte dem Führer der dcutschsreisinntgen Partei weichen.

Mainz, 22. December. Unlauterer Wettbewerb. DasM. Tgbl." berichtet: In ein hiesiges Ladengeschäft kam vorgestern eine Dame und verlangte einen in dem Schaufenster ausgestellten, mit genauer Preisangabe bezeich- u ten Gegenstand. Der Ladenbesitzer erflehte, daß er diesen Gegenstand nicht verkaufe. Da die Dame auf dem Ankauf bestand, ließ sich der Ladenbesitzer eine beispiellose Unhöflich- keil zu Schulden kommen- er nahm die Dame am Arm,

führte sie zur Ladenthüre und versuchte sie hinaus zu drängen. Der Vorfall hatte eine Menge Neugieriger herbeigelockt, die so entschieden Stellung gegen den Ladenbesitzer nahmen, daß sogar noch die Polizei interventren mußte. Der frag» liche Gegenstand war natürlich nur zur Anlockung de»- PublikumS mit einer so geringen PreiSnottrung irn Schau­fenster ausgestellt worden.

Vodevheim, 22. December. Am Donnerstag ftarfr hier der in einem Alter von 93 Lebensjahren stehende Landwirth Joh. Hubel. Ein im Jahre 1803 geborener, also 92 Jahre alter Bewohner unserer Gemeinde ist noch so rüstig, daß er seine Weinberge noch selbst bebaut. Ferner giebt eS in unserer Gemeinde noch ein im Jahre 1794 geborenes Mütterchen, daS heute 101 Jahre alt geworden ist. Voriges Jahr erkrankte die Frau an der Influenza, hat fich aber wieder vollständig erholt.

Ver»rschte»

* Koblenz 23. December. DieFranks. Ztg." theilte s. Z. mit, daß gelegentlich der patriotischen Feste am Niederwald- Denkmal im September d. I. auch Kümmelblättchen- spieler alsFeftgäste" eingetroffen waren und zahlreiche Festtheilnehmer gründlich gerupft hatten. Die Gauner wurden in Köln verhaftet und standen heute vor der hiesigen Strafkammer- es waren Johann Habbusch, Metzger auS Schöneberg, Fritz Schmiedecke, Schloffer aus Sonnenborn, und Gustav Adolf Adler, Koppelknecht aus OlterSdorf, sämmtlich wiederholt bestraft. Die Angeklagten erhielten je 2 Jahre Gefängniß und 5 Jahre Ehrverlust zuerkannt.

* Magdeburg, 22. December. Die hiesige Stadt- verordneten-Versnmmlung belchloß die Bert Heilung von 25,000 Mark an hilfsbedürftige und würdige Mitkämpfer aus den Kriegen 1864, 1866, 1870/71 und an Wittwen und Waisen solcher Personen bei Gelegenheit der 25jährigen Gedächtnißfeier der Wiedererrichtung des deutschen Kaiser­reiches am 18 Januar 1896.

* Dirschau, 21. December. In Damerau sind die Ge­höfte von 4 Gutsbesitzern uiedergebrannt. Biel Vieh ist in den Flammen umgekommen. Der Schaden beträgt über 200,000 Mk.

Böblingen, 21. December. Wie derSchw. M." be­richtet, ließ sich ein junger Handwerksbursche in die Wette ein, um ein Gläschen Schnaps über den schwach zugefrorenen unteren See zu gehen. Bald brach er ein- die auf sein Hilfegeschrei Herbcietlenden kamen leider zu spät.

* Bade« b. Wien, 26. December. Der hiesige Privatier Groß erschoß seine Gattin und dann sich selbst, weil er sein gelammtes Vermögen an der Börle verspielt und ge­fälschte Wechsel in beträchtlicher Höhe in Umlauf gesetzt hatte.

' Feuilleton.

Wochendrirse aus brr Resiben?.

(Originalbertcht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 27. December.

Die Feiertage Theater und Concerte. Zur Jahreswende.

Festlich und fröhlich find die Feiertage vorübergegangen. Am Abend vor dem heiligen Feste verkündete nach altem Brauch feierlicher Klang von den Kirchthürmen die Nähe der schönen Feiertage und bald blitzten durch die geschloffenen Fenster die lichten Sirahlen der angezündeten WeihnachtS« bäume. Der Geschäftsverkehr hatte in den letzten Tagkn vor dem Feste noch eine ganz erhebliche Steigerung erfahren. Waren anfangs die Aussichten für das Weihnachtsgeschäft nicht ge.-ade glänzend, so änderte fich dies vollständig in der letzten Woche. Auf den Straßen und in den Läden drängten sich die Käufer in dichten Schaarea und unsere Kaufleute machten so vergnügte Gesichter wie seit langer Zeit nicht. Sie dürsten nach allem, wa« man hört, mit dem WeihnachtS- feste 1895 zufrieden gewesen sein. Der kleinen Welt be­reitete das Hoftheater, wie alljährlich, schon am Tage vor dem Bescheerabeud ein frohes Fest durch die Aufführung eines hübich erdachten ul.d prächtig auSgestatteten Kinder- stückeS.Die dretHaulemännchen" lautete der vielversprechende Titel des anspruchSloftn WerkchevS, daS dem Vcrständniß der Kleinen völlig angepaßt war und natürlich enthusiaftrsch «ufgenomwen wurde. Als nun gar am Schluß das reizende BalletDer Kinder WeihnachtStraum" seine Wunder ent­faltete und Ueberraschung auf Ueberraschung folgen liefe, da war daS Entzücken der kleinen Zuschauer grenzenlos und heller Jubel erscholl, als der Vorhang über der Schlufe- »potheose fiel.

De> erste Feiertag brachte die üblichen Veranstaltungen in den Vereinen. Hier wurden die alljährlich wieder­kehrenden Ehr'stbavmfeiern veranstaltet, denen meistens ge­sellige Unterhaltungen folgten. Am zweiten Feiertage fanden auch öffentliche Vergnügungen in großer Zahl statt. Im Hoftheater war Richard WagnersLohengrin" angekündigt mit Herrn Bass er mann in der Titelrolle, doch behalten wir unS einen Bericht für daS nächste Mal vor. Schließlich sei nicht vergessen zu erwähnen, daß der erste Feiertag die Residenz im Schnee überraschte. So hatte denn der Winter seinen Einzug gehalten und damit dem Feste auch das rich­tige äußere Gewand gegeben.

Für die nächste Zeit bis Neujahr und darüber hinaus stehen mehrere interessante künstlerische Veran­staltungen in Aussicht. Im Hoftheater soll der Prächtig neu auSgestatteteSommeruachtStraum" am 1. Januar die Eröffnung des künstlerischen Feldzuges für 1896 bilden, bann wird der Münchener Gast Conrad Dreher, der hier jüngst so große Erfolge erzielte, wiederum erscheinen, ferner steht die Premier e der OperDalibor" von Smetana un­mittelbar bevor. Als sehr willkommen wurde von der Presse der Plan brr Hofiheater-Direction begrüßt, in Zukunft von Zeit zu Zeit sogenannteVolksvorstcllungen", in denen nur klassische Werke dargestellt werden sollen, zu halben Preisen aufzusühren. Natürlich wird auch der große nationale Festtag der Errichtung des Deutschen Reiches nicht ohne entsprechende würdige Feier vorübergeheu.

Ueber Einzelheiten der geplanten Veranstaltungen ist noch nichts bekannt geworden, nur vom Männerchor Humanitär" weiß man, daß er sein Stiftungsfest am 16. Januar in Rücksicht aus die Bedeutung des nahen GründungStageS des Reiches zu einer nationalen Feier gestalten will. Ein grofees Festconcert wird geplant und

ferner die Aufführung von lebenden Bildern, die durch melo dramatische Recitation miteinander verbunden werden sollen Im Mozartverein rüstet man sich zum nächsten Januar- concerte und der Musikverein wird, wie alljährlich so auch diesmal das Cäcilienfest durch eine kleine gesellige Feier festlich begehen.

Großes Interesse erweckte in dieser Woche die Hof­mann-Zeitz-Ausstellung im Kun st verein, deren Besuch freilich unter der Weihnachtszeit zu leiden hatte. Eine große Anzahl der Werke unseres jüngst verstorbenen Galerie-Jnspectors find dort zu einer CollectivauSfiellung zusammengeftellt und sie liefern einen trefflichen Einblick in daS rege Streben und Schaffen des der Kunst entrissenen Malers. Die durch seinen Tod erledigte Stelle harrt noch der Neubesetzung und in kunstliebenden Kreisen ist man all­gemein sehr gespannt darauf, ob wohl ein auSöbenbef Slünftler ober ein Kunstgelehrter auf ben wichtigen Poften berufen werden wird.

Indessen hat sich das alte Jahr seinem Ende zugeneigt. Es ist für die Stadt Darmstadt glücklich verlaufen und hat wiederum recht erfreuliche Fortschritte im communalen Leben gebracht. Daß auch daS Jahr 1896 einst im gleichen Sinne zu loben sei, ist der allgemeine Wunsch und besonders hoffen wir uns noch vor seinem Ende des Besitzes deS vielumstrittenen Schmerzenskindes der Stadt, der elektrischen Straßenbahn, erfreuen zu dürfen, deren Ankunft mit Sehnsucht erwartet wird. Den Lesern deSGießener Anzeigers" fenbenjoir auS der Rcsibenz bie besten Neujahrswünsche unb schließen den letzten Reflbenzdrief im alten Jahre mit einem fröhlichen

Prosit Neujahr!"