1894.
iffee salz. LL
VÖ,
'^4^ iben bet
915.-
1104.17
9e 367.42
1032.57
3419.16
93 92
1
91
m°Verein
r Haftpflicht.
Der Oienbant : Philipp Mopr. lt ~ ,WWchW.
1395.
Silbnrwte 83.25
Rmte 102.85
i 25.60
72.70
Kirchen von 1887 33.00
ntmb. Obl. 10150
)bL 105 20
hN-.A.Ml5.1M 104.35
W. Ä. Bl. 100.90 p.H.3Bl.untJ).19O4 105.50 Landw. Cred. Bk. 10350
Wien 3Wl
)ten
158
»eraldepot
Lfarta.M. bei Herrn lapp, Fahrgasse 93.
Brief Mi -H 81.15 -.-164.30 -.-(4.14’/»
Bo* unb N
ÜNg toMM 10 Uhr -Ävtvßerjirrßk.
IM***
jge Verkaufsstelle jgsen bei Herrn M. Schulhof.
136.8® 132.3° 127 2° 93.9°
144.- 148- 101-
138.5° 52.-
143.2« 147.- 114.«
138.9
52.f 136.0 132- 127.- 94.25 351*
^otthardbahn- Äll>z. Nordost ^.Mteloieer
ifn'ati- N in Erxoicn lh Th. 1°° • £&>•» ondu^eö- • .inMnven.
3‘ Th-10«
tzourse ee”1
228.-1?« iQijO 1851° !?p ZS
rfiseo WR Th 40 )(benb. w- 93,sv wj*?S •* cürl. It5,
;:5»j ,S* Stid)®'? 10 l bs. Oj 28.9« ^önJ'fS15 ? 14.- FreibE^ 10 14.1° Wilindtt" 24.0/
Lng-st^ 25.6
K*.'j "4i I
Rr. 24
Der -ießeuer Aureiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamikieuvkälter werdm dem Anzeiger wSchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Dienstag den 29. Januar
Gießener Anzeiger
Kenerat-Anzeiger.
1895
’--'S
Vierteljähriger AvouncmcntspreiS: 2 Mark 20 Pfg. mit Bringcrlohn. Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, Expedition unb Druckerei:
Kchnkstraße Ur.?. Fernsprecher 51.
Amts« unb Anzeigeblatt für den ‘Kreis Giefzen.
Hratisöeikage: Gießener Kamikienötätter.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für der» folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Vorm. 10 Uhr.
Alle Annoncen-Bureaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgv n.
Aus dem Verwaltungsbericht der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen
für daS Etatsjahr 1893/94.
(Fortsetzung.)
Auf dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege wurde im Berichtsjahre mit Rücksicht aus die noch im Gang befindliche Erweiterung der Wasserversorgung die Angelegenheit betreffend die unterirdische Entwässerung (Canalisatton) noch nicht entschieden. Dagegen ist inzwischen — neben einzelnen kleineren Ver- befferungen an „Fluthgräben" und Einfallschächten — die öffentliche Gesundheitspflege auf dem Gebiete der Wohnungsdesinfection dadurch erheblich gefördert worden, daß vom 6. October 1893 ab «ach Anschaffung der erforderlichen Geräthe, Ausrüstungsgegenstände unb TranSportwagen, nach Erbauung eines Desinfectionsschuppens im Bereich der neuen Kliniken, und nach Vereinbarung mit der Directton der letzteren wegen der Mitbenutzung des klinischen Des- infecttonsapparates die Stadt die Ausübung der Wohnungsdesinfection durch dazu von ihr bestellte, entsprechend ausgebildete Desinfectoren übernommen hat. Dementsprechend sind denn auch — ohne daß die Ausführung der Wohnungsdesinfection nach der neuen Einrichtung obligatorisch gemacht worden wäre — bis zum Schluß des Bertchts- jahres, also in nicht ganz sechs Monaten, immerhin 102 Wohnungs- deSinfecttonen ausgeführt worden, erleichtert allerdings durch eine Gebührenregelung, wonach die vollen, etwa den Selbstkosten entsprechenden Gebührensätze nur von solchen zu entrichten sind, welche mit einem Jahreseinkommen von über 2600 Mk. eingeschätzt find, wogegen die mit weniger als 1300 Mk. Einkommen oder gar nicht Besteuerten Gebühren überhaupt nicht und die mit 1300 Mk. biß 2600 Mk. Einkommen Eingeschätzten nur die halben Gebühren zu entrichten haben. — Diese mäßigen Sätze wurden mit ermöglicht durch das Entgegenkommen des Herrn Dtrectors der neuen Kliniken, Geh. Med.-Rath Dr. Riegel; fernere thatkräftige Unterstützung wurde dem Unternehmen ferner durch die Herren Prof. vr. Gaffky wnb Stadtverordneten Dr. Ploch. — Der nahe bevorstehenden Entschließung über die Canalisatton wegen wurde auch der Vertrag über die Tonnen abfuhr nur auf unbestimmte Zeit verlängert und von einer Verlegung der Abfuhr in die Nachtzeit noch abgesehen.
Die Vergrößerung des Friedhofes kam zur Ausführung; die inzwischen angestellten Untersuchungen wegen demnächstiger Anlage eines zweiten Friedhofs find zu einem abschließenden Ergebniß nicht gelangt. Der Bericht beklagt die Schwierigkeiten, welche Großh. Ministerium der Ermöglichung einer facultative» Feuerbestattung und damit zugleich einer Erleichterung der Aufgaben der städtischen Verwaltungen aus diesem Gebiete bereitet. — Unterm 28. Juni 1893 wurden neue Bestimmungen über die Bedingungen beschlossen, unter denen die Stadt die dauernde Unterhaltung von Gräbern Privater übernimmt. — Einer Anregung des Sanitätsvereins um Uebernahme des Leichenbestattungswesens auf die Stadt wurde der kurz vorher erfolgten Ermäßigung der Taxen «egen nicht stattgegeben; maßgebend für den ablehnenden Beschluß war besonders mit die Erwägung, daß die Regelung der ganzen Materie in der Richtung des Eingreifens der städtischen Verwaltung in daS gesammte Bestattungswesen zweckmäßig Hand in Hand erfolgen wirb mit der durch Anlage eines weiteren Friedhofes bedingten
Neuregelung der Friedhofsordnung wie mit der gleichzeitigen Errichtung eines größeren und zweckmäßigeren Leichenhauses.
Auf den 35 Vieh- und Krämermärkten waren aufgetriebn 15394 Stück Rindvieh gegen 18184 in 1892/93 und 10526 Schweine gegen 11034 in 1892/93. Der (scheinbare) Rückgang ist zu erklären aus der stetigen Zunahme des Handels an den Vortagen der Märkte. Eine Aenderung in dieser Hinsicht wird erst nach Verlegung des derzeitigen Viehmarktplatzes an eine geeignete Stelle mit gleichzeitiger Anlage eines Viehhofes ermöglicht sein; für letzteren würde die Nähe deS künftigen Güterbahnhofs zunächst ins Auge zu fasten sein.
Im Jahre 1893/94 wurden im städtischen Schlachthause geschlachtet: 1300 Ochsen (im Vorjahre 1299), 233 Faselochsen und Kühe (193), 1437 Rinder und Stiere (1282), 8363 Saugkälber, Stoppelkälber, Hämmel und Schafe (7295), 8016 Schweine (7760), 148 Pferde (149).
___________________________(Fortsetzung folgt.)___________________________
Cocakj und Brovinzielles.
E. Echzell, 27. Januar. Vor Schluß der Jagd (1. Febr.) wurde gestern noch einmal ein Treibjagen veranstaltet, wobei noch 80 Hasen zur Strecke gebracht wurden. DaS Treibjagen vor 14 Tagen lieferte 104 Hasen. Bei den Hühner- und Buschirjagden wurden stets Hasen erlegt, so daß die diesjährige Hasenjagd mehr als 200 Stück lieferte und da- her als sehr ergiebig bezeichnet werden muß. Der Rehstand in hiesiger Gegend ist fast noch besser als der Hasenstand, denn auf den Treibjagen in dem sog. Markwalde, der zwi- scheu Bisses und Geiß-Nidda liegt, wurden auf Treibjagen 84 Rehe und auf dem Anstande oder beim Buschiren ca. 14 Böcke, insgesammt 98 Stück Rehwild erlegt, was jedenfalls ein schönes Resultat genannt werden muß. Waidmanns Heil! — Für die hier zu gründende Molkereigenossenschaft zeigt sich nicht blvs hier am Orte selbst, sondern auch in der Umgegend lebhaftes Jntereste, weshalb das Unternehmen als gesichert betrachtet und mit dem Bau der erfor« derlichen Räumlichkeiten im Frühjahre begonnen werden kann.
H. Aus dem tzorloffthale, 25. Januar. Die lieber» zeugung, daß dem Bauer große Annehmlichkeiten und Bor- theile durch die Feldbereinigung und die Zusammenlegung der Grundstücke erwachsen, greift in unserer Provinz immer mehr um sich. Auch die Gemeinde i Heuchelheim ist von diesem Gedanken durchdrungen und hat j darum, da die Trace der Nebenbahn Friedberg—Nidda jetzt festliegt, die Feldbereinigung in Angriff genommen. — Im Laufe dieses Jahres wird der Gesangverein unserer Nachbargemeinde Reichelsheim sein goldenes (50jähriges) Stiftungsjubiläum feiern. Von den Stiftern im Jahre 1845 sind noch vier am Leben. — Das Thau-
Feuilleton.
»Heidi, Stiergrfechtl"
Von Karl Böttcher.
(Schluß.)
WaS jetzt geschieht — ich weiß es nicht. Eine Zeit- lang bin ich außer Stande, die unmenschlichen Grausamkeiten länger beobachten zu können. Entsetzt wende ich mich ab Born grauenvollen Schauspiel.
Als ich wieder hinunterblicke, glänzt im Sonnenschein ein frischer, rother Blutftreifen über den Sand. Im Todeskampfe hat sich der Schimmel nochmals erhoben und dabei diese Blutspur hinter sich hergezogen. Dann ist er verendet.
Auf einmal scheint es, als sei der Stier müde und der ganzen Auf- und Abjageret überdrüssig. Melancholisch läßt er seine großen Äugen im Zuschauerraume herum- irren, als wisse er, daß er bet all den ob seiner Qualen jubelnden Menschen keine Hilfe findet. So sucht er sie bei den Thteren, bei dem Cadaver eines von ihm gemordeten Pferdes. Dorthin flüchtete er, schnuppert auf dem weißen, blutüberströmten Fell herum, will sich jetzt sogar zum AuS- rahen daneben hinftrecken.
ES soll ihm nicht gelingen.
Sofort ist er wieder von den Stierkämpfern umringt. Einer springt ihm graziös über den Rücken, ein zweiter ichwenkt von Neuem daS Tuch, ein dritter packt ihn sogar bei den Hörnern. . . . KampfeSmüde ignorirt er all die Neckereien.
Da sausen drei neue Pfeile in seinen Rücken. . .
Augenblicklich springt er empor, brüllt und stellt sich seinen Peinigern. Hastig weichen diese zurück. In neu erwachender Wuth betrachtet er wieder das tobte Pferd, spießt eS auf die Hörner, schleppt es so einige Schritte durch
; die Arena, deren Sand sich mehr und mehr röthet, und , schleudert es dann weit von sich.
Unbändiges Beisallsgejohle . . Frauen jauchzen, SHnber { werden emporgehalten.
Jetzt schäumt der Stier sörmlich vor Wuth. Er bäumt - sich auf, rennt, den Schwanz erhoben, mehrere Male nach ' verschiedenen Seiten, donnert mit den Hörnern an daS Thor, : welches zu seinem Stall führt.
Rette sich, wer kann! Im Nu find alle Kämpfer jen« j seits der Brüstung.
Achtung!
Der Matador, einen langen, bloßen, funkelnden Degen j schwingend, tritt auf. Es gilt, dem wüthenden Thier den ; Todesstoß zu versetzen.
Die fiebernde Spannung erreicht den Höhepunkt.
Der Kämpfer stellt sich dem Stier gegenüber. Er fühlt, wie alle Blicke auf ihm brennen, weiß, daß jetzt ‘ Tausende erregt klopfender Herzen um fein Leben zittern, i darunter dort oben neben einer Loge seine Geliebte, seine ! alte Mutter, seine Schwester.
Beide Kämpfer, Mann und Stier, starren einander ; einen Moment lang an. . . - Ein einziges Straucheln des i Mannes, ein einziges Uebersehen einer Bewegung seines ! Gegners, auch nur eine Secunde Zögern beim nöhigen i Sprung — und bluttriefende Hörner durchbohren seinen Körper.
Entsetzliche Augenblicke — —
Todtenstille . . Ich höre nur das Schnaufen des wuth- schäumenden Thieres.
Viele Gesichter wenden sich ab — —
Und jetzt — jetzt senkt der Stier den Kopf. Er wird ihn aufspießen, den Matador.
Der aber stößt tbm im selben Moment in furchtbarem Schwung den langen Degen bis ans Heft in die Schulter, daß die Spitze neben dem linken Vorderbein wieder heraus- blitzt/und springt auf die Seite.
Rasendes BetfallSgeheul wiehert von allen Sitzen.
Wetter zu Anfang dieser Woche ließ die Horloff bedeutend anschwellen/ seit gestern ist das Waffer stark gefallen. Der heftige Sturm mit Schneegestöber hat die Schlittenbahn verdorben, denn große Strecken der Staatsstraßen sind ganz entblößt von Schnee.
V. "W. Vom westlichen Vogelsberge, 25. Januar. Eine besondere Anziehungskraft bilden in Bezug auf unsere Forst- producte die besten Sortimente der Bau-, Werk- und Nutzhölzer für ausländische Liebhaber. Es ist dies auch schon in Bezug auf den hohen Vogelsberg von anderer Seite im „Gießener Anzeiger" berichtet worden. In unserer Gegend wird gegenwärtig feines Eichenholz, tadellos in jeder Beziehung, möglichst lang und astfrei gesucht und sehr gut bezahlt. Derartige Stamme werden nach Mühlheim a. d. Ruhr verfrachtet und zu Schiffsbauzwecken verwendet. Außerdem sind größere Käsereien und Faßfabriken Liebhaber von gutem Elchenholze, das aber nicht so lang zu sein braucht, als dasjenige für Schiffsbauzwecke. Es bestätigt sich, daß die Eisenbahnen sehr bedeutend unter den Eichenstämmen der deutschen Forsten aufgeräumt haben, indem Jahrzehnte lang nur eichene Schwellen beim Bahnbau verwendet wurden. Diese sind jetzt so theuer geworden, daß man solche von Lärchenholz oder Eisen verwendet, obgleich sie die guten Eigenschaften der Eichenschwellen nicht besitzen.
* Heber Kaffee und Kaffeesurrogate ist in letzter Zeit viel Jntereffantes und Lehrreiches veröffentlicht worden. Einer der berufensten Schriftsteller, Kur- und Leibarzt Dr. Ger st er, Herausgeber der „Hhgieia", hat in seiner für Aerzte und Laien sehr beachtenswerthen Schrift: „Kaffee und Kaffeesurrogate in ihrer Bedeutung für de» practischen Arzt" (die Broschüre ist durch die Buchhandlung von Friedrich Fleischer in Leipzig gegen Einsendung von 50 Pfg. franco zu beziehen) folgende, auch auf dem letzten medicinischen Congreß in Rom von Dr. Stefanuzzi auf das lebhafteste befürwortete Thesen aufgestellt: 1. Der Bohnenkaffee hat als ständiges Genußmittel so große gesundheitliche Nachtheile, daß sein allmählicher Ersatz ärztlich anzustreben ist. 2. Von den Kaffeesurrogateu können nur solche ärztlich empfohlen werden, die an Geruch, Geschmack und Farbe dem Kaffee ähnlich sind, deren Zubereitung und Verpackung eine Garantie gegen Verfälschungen bieten und die für Gesunde und Kranke ein unschädliche- Nähr- ober Genußmittel geben. 3. Den erwähnten hygienisch- ärztlichen Anforderungen kommt zur Zeit der in Kathreiner's Malzkaffee-Fabriken hergestellte Malzkaffee am nächsten.
Hüte schwenken in die Luft, Taschentücher flattern- Blumen, welche sich begeisterte Damen von der Brust reißen, fliegen hinab in die Arena.
Siegesfreude blitzt auf im dunkelbraunen Gesicht des Matadors. Tief verneigt er sich nach allen Seiten.
Der arme Stier aber mit dem Degen im Fleisch wankt ein Paar Schritte vorwärts, wankt an den Cadaver eines Pferdes, schüttelt die blutigen Hörner und legt sich auf einmal todesmatt in den Sand, als wäre er auf einer grasreichen Trift, legt sich nieder, um — zu sterben. Noch ein Wenden des Kopfes, ein Stieren der großen, runden, gläsern er» scheinenden Augen, ein tiefes Keuchen — Plötzlich fällt er auf die Seite, die Beine weit von fich streckend.
Der Capellmeifter hebt den Tactstock. DaS Orchester setzt mit einem Trauermarsche ein, während das buntbebänderte Dreigespann wieder erscheint. Ein dicker Strick legt sich dem Stier um die Hinterbeine — fo wird er unter düsteren Marschklängen unb Beifallsklatschen beS Publikums zum Thor hinausgeschleift.
Die ersten Opfer wären tobt; bie Zuschauer befinden fich in prächtigster Blutdurst-Stimmung.
Rasch werben bie Pferbe-Cadaver beseitigt, wirb frischer Sand auf die Blutlachen gestreut, wirb der Kampfplatz gereinigt.
Jetzt geht auch die Trauermufik in einen flotten Galopp über unb verstummt bann ganz.
Wieder ein Trompeteufignal — ber zweite Stier jagt herein — —
Ach, ich hab übergenug!
Hastig trete ich hinaus in ben frischen, von Gibraltar herüberwehenben Meerwinb, hinaus in bie blüthenvolle, lachenbe Gotteswelt.
Ein beklemmenbeS Gefühl packt mich; ich weiß kaum, ist eS inniges Bedauern ber armen, zu Tobe gequälten Thiere ober tiefe Verachtung jener Menschen, welche habet ihr Vergnügen finden.


