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28.4.1895 Zweites Blatt
 
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Nr dS Zweites Blatt. Sonntag den 28. April

1898

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Kiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bei Montags.

Die Eiießen er Anmitten v lälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Gießener Anzeig er

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Alle Annoncen-Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

2lmtlid?er Theil.

Nachrichten über den Saatenstand im Grotzherzogthum Hessen um die Mitte deS Monats April 1894.

Zusammengestellt bei der Großherzoglichen Oberen landwirthschast- lichen Behörde.

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Provinzen

und

Saatenstand.

Note 1 sehr guter, 2 guter, 3 mittlerer, 4 geringer, 5 sehr geringer Stand

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Erhebungsbezirke.

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Provinz Starkenburg.

1

Kreis Bensheim......

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1

2

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2

Darmstabt......

3

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3

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2

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4

Erbach.......

3

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5

Groß-Gerau.....

2

1

1

6

Heppenheim.....

2

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1

1

7

Offenbach......

3

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2

2z

Durchschnitt für Starkenburg

2.6

i 2,2

i 2,1

2

1,7

Provinz Oberhessen.

8

Kreis Alsfelb.......

2

3

3

9

Bübingen......

2

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2

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10

Friedberg......

3

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3

11

Gießen.......

2

2

2

12

Lauterbach......

3,5

3,5

1,5

2

13

Schotten......

2

2

2

2

Durchschnitt für Oberhessen

2,4

2,6 2,2

2,2

Provinz Rheinhessen.

4,5

14

Landw. Vereinsbezirk Alzey . .

3

2,5

3

15

Bingen . .

2

2

2

3

16

Flonheim .

2

3

3

3

4

17

Jngrlheim.

2

2

2

2

3,5

18

Mainz . .

3

2

2

3

3

19

Rieder-Olm

2

3

3

2

5

20

Oppenheim

3

2

3

4

21

, Osthofen .

2

2

2,5

22

Pfeddersheim

2

2

2

2

4

23

Wöllstein .

2

2

24

Wöristabt .

3

3

4

5

25

WormS

2

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2

2

3

Durchschnitt für Rheinbessen

24

3

2,3

| 2,5

2 5

3,8

Durchschnitt für das Großderzogthum

2,5

2,6

1 2 3|| 23

2,1

3,8

Bemerkungen: Die Wintersaaten haben den außer­gewöhnlich kalten und langen Winter im Allgemeinen gut übeiftanden, da die starke Schneedecke einen vortrefflichen Schutz gewährte. In den klimatisch günstig gelegenen Erhebungsbezirken ist nicht«, in den ungünstiger gelegenen nur sehr wenig ausgewintert. Der Stand ist in den sämmtlichen LandeStheilen nahezu gleichmäßig ein mittlerer bis guter; nur für Spelz im Kreise Groß-Gerau und für Roggen im Kreise Bensheim wird der Stand als sehr gut bezeichnet. Wegen Auswinterung mußten bis jetzt nur im Erhebungsbezirk Erbach ca. 8pCt. der Wintergetreideselder, im Bezirk Mainz 10pCt Roggen umgepflügt werden. Im Bezirk Darmstadt wurden durch Schnecken­fraß im Herbste ca. 3pCt. zerstört. Klee (auch Luzerne) hat nur ganz vereinzelt Roth gelitten, und zwar theils infolge der Kälte (Erhebungsbezirk Dieburg), theils infolge zu üppigen Standes bei der hohen Schneedecke durch Ausfaulen (Erhebungsbezirk Alsfeld). Der Stand der Wiesen ist allgemein gut bis sehr gut. Die Nach­richten über den Stand der Weinberge lauten recht ungünstig, lieber mehr oder weniger starkes Erfrieren wird geklagt in den Er­hebungsbezirken Alzey, Bingen, Ingelheim, Mainz (15pEt. erfroren), Nieder-Olm, Oppenheim und Wöllstein. Aber auch in den übrigen Bezirken der Provinz Rheinhessen zeigen die Weinberge einen geringen bis sebr geringen Stand; nur der Bezirk Osthofen macht mit der Note 23 eine Ausnahme.

Gießen, den 24. April 1895.

Betr.: Die Ableistung des Huldigungs- und Verfasiungseides. DaS Grotzherzoglrche Kreisamt Gietzev an die Großherzoglichen Bürgermeistereien des Kreises mit Ausnahme derjenigen der Amts­gerichtsbezirke Grünberg und Homberg.

Die Ableistung des Huldigung-- und Verfassungseides der in Ihren Gemeinden neu aufgenommenen Ortsbürger, sowie derjenigen Großherzoglich hessischen Unterthanen, welche sich, ohne Ortsbürger zu werden, verheirathet haben, soll, wie nachstehend angegeben, stattfinden:

1) der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amis- gerichtsbezirken Lich und Butzbach gelegenen Ge­meinden des Kreises Gießen Freitag den 10. Mai d. I., Nachmittags 21/* Uhr in dem Rathhause zu Lich;

2) der Orts- und Staatsbürger aus den in den Amts­gerichtsbezirken Hungen, Laubach und Nidda gelegenen Gemeinden des Kreises Gießen Montag den 13. Mai d. I., Nachmittags 2 Uhr in dem Rathhause zu Hungen;

3) der Orts- und Staatsbürger aus den in dem Amts­gerichtsbezirk Gießen gelegenen Gemeinden Diens­tag den 14. Mai d. I., Bormittags 11 Uhr in dem Regierungsgebäude (auf dem Brand) zu Gießen.

Wir beauftragen Sie hierdurch, die betreffenden Personen zu den Terminen vorzuladen und, wie geschehen, unter An­gabe der Namen der Vorgeladenen anzuzeigen oder zu be­richten, daß Niemand vorzuladen war.

Halten sich derartige Personen auswärts auf, so wollen Sie deren Aufenthaltsort angeben.

v. Gagern.

Technische Fortschritte.

Dermatolin, ei« neues LederSl. Unter diesem Namen ist seit Kurzem eln Leder-Oel erschienen, welches in seiner Anwendung auf die Treibriemen aller maschinellen Betriebe so bedeutende Vortheile in sich vereinigt, daß eS zweifellos eine große Zukunft auf diesim Gebiet haben wird. DasDermatolin" mach! das Leder gegen atmosphärische Einflüsse unempsindlich, beseitigt das Schleifen und Abgleiten der Riemen von den Riemenscheiben, sowie das sonst so häusige Nachspannen derselben gänzlich und bewirkt dagegen eine volle Uebertragung der Krast selbst nach längerem Stillstand, außerdem erhöht eS die Festigkeit und Haltbarkeit der Riemen ganz bedeutend, da eS deren Brüchigwerden verhindert. Das Dermatolin ist in den meisten Staaten patentirt und wird nur allein hergestellt von der Patent Led«r-Oel-Fabrik in Bremen.

Wohl nur selten dürfte ein bauswirthschaftlicher Artikel sich fester in die Gunst der Hausfrauen aller Stände eingebürgert haben, als die von Max Elb in Dresden fabricirte Eh. A. Pasteurs Essta-Ester»-. Die Originalflacons, welche diese Effenz enthalten, sind durch einen Maßstab abgetheilt, der die zur Bereitung einer Weinflasche Tafelessia oder zuverlässigen Früchte-Einmache-Essig er­forderliche Menge Essenz aufs Genaueste anzeigt. Während früher das Laufen der Dienstboten nach Essig gar nicht aufhörte, hat man jetzt tn dieser Form 10 Liter Eisig im Haus und bereitet sich eine Flasche bei Bedarf tm Augenblick durch Verdünnen mit Wasser. Dieser selbstbereitete Essig bat den Wohlgeschmack und das Aroma guten Weinessigs, bleibt spiegelblank und wird von ärztlichen Autoritäten wegen seiner Reinheit als der gesündeste Essig empfohlen. Ganz besonders eignet er sich zum Einmachen und Conserviren, weil durch die Maßtheilung der dazu unbedingt erforderliche Stärkegrad genau und gleichmäßig getroffen wird und weil er gänzlich frei von Fäulniß-Keimen und Gährungsstoffen ist, die den Grund zur Ver- derbniß der Früchte bilden. Hier liegt eine in praktischer unb ge­sundheitlicher Beziehung gleich gediegene Neuerung vor; nur wolle man beim Einkauf der feit 20 Jahren rühmlich bekannten Original­flacons von Max Elb, Dresden, daraus achten, daß man die ächte, auf Etikette, Halsstreifen unb Kapsel mit besten Firma bezeichnete Waare unb nicht etwa eine in ähnliches Gewanb gekleidete Nach­ahmung erhält. 3650

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S. Klein

Marktstr. 4 Giessen.

Bankgeschäft

1045

Feuilleton.

Wochenbriefe aus der Residenz.

(Originalbericht beSGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt. 26. April.

Au8 dem Kuustlebeu. WohlthätigkettSfest. Hoher Besuch. Reuueu des Reitervereins.

Die vergangene Woche hat unS die Eröffnung einer leider nur kurze Zeit währenden Ausstellung gebracht, die in den Räumen der Kunsthalle veranstaltet ist. ES ist eine Sammlung von meisterhaft auSgesührten Portrats deS Münchener Meisters Franz von Lenbach, die das Jn- rereffe aller Kunstfreunde erweckt. Der Darmstadter Mäcen Baron v. Hryl hat dem Kunstverein die seiner Gallerte an­gehörigen Werke überlasten und dadurch weiteren Kreisen die Bekanntschaft mit den Schöpfungen eines der genialsten lebenden Maler vermittelt. Vor allem erwecken die Bis­marck-Porträts große Bewunderung, deren nicht weniger als drei ausgestellt sind. Dann find zwei wundervolle Bildniffe MoltkeS da, in denen deS Künstlers fabelhaftes Characteri- firungstalent zur vollen Geltung kommt. Ein Porträt Kaiser Wilhelms I., kurz vor dem Htnscheiden des greifen Monarchen in Pastelltechnik auSgesührt, verdient gleichfalls besondere Erwähnung, und schließlich seien noch die zahlreichen Pastell- skizzen genannt, die Damen auS hohen und niederen Kreisen darftellen. Die ganze Ausstellung ist mit vornehmem Ge­schmack arrangirt und verfehlt denn auch nicht, das kunst­sinnige Publikum in großen Schaaren anzulocken- geschloffen soll sie erst Ende nächster Woche werden. Dann hätten wir über daS Kunftleben der abgelaufenen Woche vor allem der glanzvollen Wiederholung der d e H a a n'schen OperDie Inka- söhne" zu gedenken und ebenso deS schönen ConcerteS, das der Richard Wagner-Zweigverein am Montag Abend veranstaltet hatte. Im Mittelpunkte des Programms standen Compofitionen unseres begabten Mitbürgers Carl Flinsch,

dann Lieder des Münchener Componisten An ton Beer und deS Herrn Kirchenmusikmeisters Arnold Mendel- sohn in Darmstadt. Namentlich die Compositionen des letztgenannten Herrn ernteten mit vollem Recht stürmischen Beifall. Die Solisten des Abends waren Fräulein Egli und Herr Ged Hartz von ^>er Hosbühne, deren Leistungen in der Wiedergabe der Schlußscene des ersten Actes aus WagnersWalküre" ihren Höhepunkt erreichten. Der Dienstag brachte den Theaterbesuchern einen willkommenen Gast in dem bekannten Reuter Interpreten August Junker­mann. Der trockene Humor des Darstellers, dem unser einheimisches Personal wacker secundirte, wirkte auf das Publikum stets anregend, so daß der Künstler im Verlause des Abends schöne Erfolge ernten durfte. Das Gastspiel wurde am Mittwoch fortgesetzt und findet am heutigen Frei­tag seinen Abschluß. Ein interessanter Plan unserer Theaterleitung wird im Publikum viel erörtert. Wenn sich die Zeiiungsnachrichten bestätigen sollten, wird nach Ablauf der hiesigen Spielzeit der Nibelungen-Cyclus im Stadtkheater zu Niainz aufgesührt werden. Seine Königl. Hoheit der Großherzog soll seine Genehmigung dazu bereits ertheilt haben.

Em schönes Wohlthätigkeitsfest im Jnteresie des Alice-Frauenvereins fand am letzten Samstag in den Räumen derVereinigten Gesellschaft" statt. Eine musikalisch- dramatische Aufführung erfreute daS zahlreich erschienene Publikum, das namentlich dem kleinen Lustspielchen eines Darmstädter Dilettanten, daS zum eisten Male aufgeführt wurde, freundliches Jntereffe entgegenbrachte.Unter dem schwarzen Tuch" heißt das harmlose Merkchen, das lebhaft beklatscht wurde. Dann folgte eine Art von kleinem Bozar. An reichbesetzten Tischen spielten junge Damen aus der Gesellschaft die lieblichen Wirihinnen und Verkäuferinnen, unb ein schönes finanzielles Ergebrnß lohnte die aufgewandte Mühe.

Der Mittwoch brachte unserer Residenz hohen Besuch:

Königin Victoria von England traf zum mehrtägigen Aufenthalt wie schon kurz gemeldet hier ein und die hohe Frau erwartet nun für morgen den Besuch des Kaisers, der allerdings nur kurz hier zu verweilen gedenkt. Für morgen Abend ist eine Theatervorstellung im PalaiS befohlen, bei der daS alte LustspielZärtliche Verwandte" vom Schau­spielpersonal der Hofbühne aufgesührt werden wird.

Ganz besonders gespannt sieht man bann dem Verlauf des 25. Stiftungsfest es desDeutsch-Oefterreichischen Alp en Vereins, Section Darmstadt, entgegen, das aller Voraussicht nach großartig zu werden verspricht. Im Saalbau ist der große Saal ganz und gar in eine alpine Landschaft umgewandelt worden. Auch bei diesem Fest wird natürlich die Aufführung eines eigens geschriebenen Lustspiels den Mittelpunkt bilden. Der Sonntag bringt den Theilnehmern einen Ausflug nach dem herrlichen Auerbach an der Berg­straße, wo bei Spiel und Tanz die frohe Feier ihr Ende erreichen soll. Uebcr den näheren Verlauf der schönen Fest­lichkeit verspreche ich den Leiern desGießener Anzeiger" genauen Bericht int nächsten Briefe.

Schließlich sei für heute noch des ersten FrühjahrS- r en ne gedacht, das der hessische Reiterverein am ver- pangencn Mittwoch hier veranstaltet hat. Die gesammte Sportswelt Darmstadts hatte sich auf dem Rennplatz bei Kranichstein eingesunden und auch von den Nachbarstädten waren zahlreiche Freunde des Reitsportes eingetroffen. Darmstadt selbst stellt ja zu den großen Rennen der nahe gelegenen Sportsplätze immer eine ganz beträchtliche Anzahl von Reitern auS hiesigen Osfiz'erskreisen, so konnte es denn auch nicht fehlen, daß allmählich auch das größere Publikum in Darmstadt selbst den Veranstaltungen des Reitervereins immer größeres Jntereffe schenkte, unb jetzt findet jedes Rennen meist sehr starken Zuspruch aus allen Gesellschafts­kreisen.