Ausgabe 
27.8.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 200 Zweites Blatt. Dienstag de» 27. August

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Httßener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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Deutsches Reich.

Berlin, 24. August. Wie derVoff. Ztg." aus Wies­baden gemeldet wird, gedenkt der Kaiser aus seiner dem- nächstigen Reise nach Elsaß-Lothringen Wiesbaden zu besuchen und dort einer Vorstellung im neuen Königlichen Theater, das der Leitung seines Begleiters bei den Nordlandreisen, non Hülsen, untersteht, beizuwohnen. Der Besuch dürfte am 11. oder 12. October erfolgen.

Berlin, 24. August. DerPost" wird auS Cassel geschrieben: Die ursprünglich für den 27. August bestimmte Uebersiedelung des kaiserlichen Hofes von Schloß WtlhelmShöhe nach Potsdam ist vorläufig auf Freitag den 80. August verschoben. Doch ist es nicht ausgeschlossen, daß bei anhaltend gutem Wetter die Kaiserin noch einige Zeit länger in WilhelmShöhe verweilen wird.

Berlin, 24. August. Amtlicher SaatenstandS- b e r i ch t für Deutschland Mitte August 1895: Winterweizen 2,6, Sommerweizen 2,8, Winterspelz 2,6, Sommerspelz 1,6, Wtnterroggen 3,0, L-ommerroggen 2,5, Sommergerste 2,6, Hafer 2,7, Kartoffeln 2,4, Klee (auch Luzern) 2,6, Wiesen 2,6, wovon 1 sehr gut, 2 gut, 3 mittel, 4 gering, 5 sehr gering bedeutet.

Berlin, 24. August. Wir vernehmen aus zuverlässiger Quelle, daß Unter st aatSsecretär von Rottenburg am 1. October definitiv den Staatsdienst quittirt und sich zunächst mit seiner Familie nach Italien begibt.

Berlin, 25. August. Anläßlich der diesjährigen großen Kaisermanöver in Pommern werden Kaiser Wilhelm, Prinz Regent Albrecht von Braunschweig und der Großherzog von Mecklenburg'Schwerin am 6. September in Stettin ein- treffen. Der Kaiser von Oesterreich dagegen, sowie der König von Sachsen und die Prinzen Leopold und Arnulf von Bayern werden erst am 9. September in der pommer- schen Hauptstadt ankommeu.

Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe hat Berlin, nachdem er daselbst der Grundsteinlegung zum Kaiser Wil- Helm-Denkmal beigewohnr, wieder verlaffen, vermuthlich, um den Rest seines Sommerurlaubes noch an irgend einem lauschigen Plätzchen zuzubringen. Jedenfalls bekundet die erfolgte Wiederabreise des leitenden Staatsmannes aus der

Feuilleton.

A Snnuerungkil einen freiwilligen Aamtätsmaunes »ns den August- und Acplrmbertageu des Jahres 1870.

(4. Fortsetzung.)

®in heftiger Donnerschlag ließ daS Häuschen erzittern. Aha, Fort Queleu sendet uns einen seiner schweren Zucker­hüte," bemerkte der Commandant. Ich begab mich vor das Häuscken- einige meiner Kameraden hatten sich eingefunden. Wir schloffen unS einem kleinen Trupp Infanterie an, welcher nach Norden, in der Nähe von Fleury, lag. Der Himmel hatte sich aufgeklärt, die Augustnacht war klar. Bon einem Hügel konnte man Fort Queuleu und den gewaltigen, mehr westlich von Metz gelegenen Mont St. Quentin, deffen Roth- sandsteinwälle weit hinaus ins Land leuchteten, deutlich er« kennen. In Pausen von etwa einer halben Stunde spieen beide Forts ihre centnerschweren Geschoffe auS den riesen­haften Geschützen, ohne besonderen Schaden anzurichten. Schauerlich schön waren die Feuerbogeu, welche die Gefchoffe a»f dem Wege durch die Luft hinter sich nachzogen.

Mit Tagesanbruch am 25. August wurde zum Abmarsch gerüstet. August der Findige hatte einen Kaffee gebraut, deffen Bedeutung wir erst dann zu würdigen vermochten, als wir an dem Waffertümpel vorüber kamen, aus welchem daS «affeewaffer bezogen wurde. ES bewegte sich in dem Tümpel und die Farbe der Flüssigkeit spielte ins grün-gelb-bläuliche hinüber. Die in den Chauffeegraben gestürzten Wagen wurden wieder flott gemacht, ihre Last auf die anderen Fuhr­werke vertheilt- der Marsch führte alsdann zuerst südwestlich »ach Pommerieux, wo wir die Seille überschritten, darauf nordwestlich nach Coin für Seille, von da nach Fey, deffen weißes Kirchlein von weitem freundlich winkte und von wo man einen prächtigen Blick in das Moselthal gewinnt. Nach einer halben Stunde erreichten wir Corny, daS im 1870er Kriege vielgenannte Städtchen auf dem rechten Ufer der Mosel.

In Corny meldeten wir uns auf der Etappencomman- dautur - hier gab es Arbeit, man nahm unsere Hilfe gerne

Reichshauptstadt, daß weder in der inneren noch in der äußeren Politik Deutschlands etwas vorliegt, das die An­wesenheit des Kanzlers am Mittelpunkt der Geschäfte not­wendig machen würde.

Eine Jmmed tatcommission zur Prüfung der Frage, in welchen Punkten eine Vereinfachung der Kranken-, Unfall-undJnvaliditätsvers ich er ung eintreten könne, wird nächstens von der Reichsregterung berufen werden. Nach Meldungen Berliner Blätter verfolgt man regierungsseitig hierbei in erster Linie die Absicht, verschiedene Doppeleiurichtungeu zu beseitigen, wie z B. die doppelten Schiedsgerichte, weiter soll daS Rentenwesen bei der In­validenversicherung vereinfacht werden. Ob eS aber mög­lich sein wird, auch bei der Krankenversicherung wesentliche Vereinfachungen herbeizuführen, bezweifelt man in zuständigen Kreisen stark. Immerhin ist es dringend wünschenswert, eine Vereinfachung deS staatlichen Versicherungswesens, wo es nur einigermaßen ohne schädigende Nachtheile angeht, herbeizu- sühren, die Klagen zumal über die Umständlichkeit und Kost­spieligkeit des Verwaltungsapparates in den einzelnen Der- sichrrungszweigen werden immer häufiger.

Sasfel, 24. August. Die erste deutsche Samariter- Versammlung wählte als Ort der nächstjährigen Tagung Berlin. Profeffor v. Esmarch wurde zum Ehrenpräsidenten, Graf Douglas zum Ehrenmitglied deS Samariterbundes ernannt.

Hamburg, 24. August. Auf dem englischen Consulat wurde ein englischer Matrose verhaftet, welcher in London einen Raubmord begangen haben soll.

Wilhelmshaven, 24. August. Bei Helgoland stießen zwei Torpedoboote zusammen. EinS derselben erlitt Havarie.

Paderborn, 24. August. Der Kaiser traf um 8 Uhr 20 Min. mittelst Sonderzuges hier ein, bestieg sofort den Wagen und fuhr durch die reichgeschmückte Friedrichstraße über Neuhaus nach der Senne. Beim Eintreffen Seiner Majestät läuteten sämmtliche Glocken der Stadt. Die Be­völkerung bereitete Sr. Majestät einen begeisterten Empfang. Die Stadt zeigt reichen Flaggenschmuck. Ein Empfang fand nicht statt. Das Wetter ist herrlich.

an. Mit Bedauern schieden wir von den guten Branden­burgern, welche die Mosel sogleich auf der eigenthümlich schwankenden Drahtbrücke überschritten, um über Noveant nach Gorze und Rezonville weiter zu steuern. Zum Abschied erhielt August der Findige einen harten Thaler. Er be- theuerte, wiederholt gehört und jetzt auch selbst gefunden zu haben, daß die Leute in Süddcmschland bei weitem weniger hochmüthig und viel herzlicher seien, als in Norddeutschland.

AuS den Magazinen von Corny wurde uns Fleisch, Reis, gerösteter Kaffee, Rauchmaterial (horribile dictu I) überwiesen. Nach fünfstündiger anhaltender Thätigkeit bet den Verwundeten (von denen diejenigen, welche nach und nach transportfähig wurden, mit der Bahn über Pont ä. Mouffon- Nancy'Straßburg zur Verladung kamen) theilte man uns mit, daß weitere Hilfe eingelroffen sei. Wir beschloffen deßhalb den Versuch zu machen, heute noch Gravelotte zu erreichen. Auf der Etappencommandantur erfuhr ich, der Weg über Ars nach Gravelotte sei jetzt passirbar, wenn auch nicht un­gefährlich, denn die Forts St. Quentin und Plappeville ver- möchten die Gegend von Ars bis Gravelotte bequem mit ihren schweren Geschützen zu bestreichen. Auf die Nachfrage nach einem Fuhrwerke bemerkte der Herr Oberstwachtmeifter (besonderer Titel für Major in Preußen), ein äußerst ge­fälliger Herr, der auS Norddeutschland kam und vor wenigen Stunden den Dienst übernommen hatte:Fuhrwerke find absolut unauftreibbar, aber Ihren Proviant müffen wir noch einmal ergänzen." Dankend wurde dies angenommen.

Im gestreckten Galopp kam ein Retter vor die Com- mandantur, ein Adjutant vom großen Generalstabe. ES war ein schneidiger Herr, vom Rosse springen, die Treppe hinauf eilen, seine Meldung machen und seine Bitte Vor­dringen, war daS Werk weniger Sekunden.In der Eile habe ich meine Karte im Quartier gelaffen, bitte, wie muß ich reiten, um nach diesem verdammten Neste östlich von Pont L Mouffon zu kommen?"Habe keine blaffe Ahnung, bin erst vor einigen Stunden hier eingetroffea - Karten und Gepäck folgen vielleicht morgen, kann leider nicht dienen," antwortete der Major. Die Herren ge­rieten in ein scharfes Wortgefecht aber davon kam keine Karte herbei. Zum zweiten Male sollte der mitgebrachte

All: Annoncen-Bureaux der wnfc Auslandes nehmen Anzeigen für den»itjeeer L»zei»cr" entgegen.

Wieu, 24. August. DaS bekannte Etablissement WalliS in dem Kurorte Poertschach in Kärnthen gerieth gestern in dem Moment in Brand, als zahlreiche Gäste deffelben bei der Mittagstafel saßen. Ts entstand eine große Panik. Mehrere Kurgäste wurden verletzt. Besonders schwer verwundet wurde der Sohn deS Besitzers, sowie ein Feuer­wehrmann. Sämmtliche Kurgäste haben ihre Effecten verloren.

Madrid, 24. August. Marschall Martinez CampoS telegraphirte an die Regierung, er brauche keine weiteren Truppen-Verstärkungen, da die Regierung ihm 22 Bataillone, anstatt die verlangten 14 geschickt hätte. Nichtsdestoweniger rüstet der KriegSminister 25000 Mann auS, welche im November mit zwei Generälen und zahlreichen Offizieren nach Cuba abgehen sollen.

Sofia, 24. August. Die Meldung, daß der Gendarmerte- Jnspector Morfow in der Affaire Stambulow in Untersuchungshaft genommen worden sei, ist falsch. Derselbe bleibt im Dienst, dagegen wurde der Polizei-Jnspector Jurukow, wie gemeldet, in Untersuchungshaft genommen, da dieser schon einige Wochen vor dem Attentat den Mord an- gekündigt habe, von welchem er abgerathen haben soll, weil derselbe für daS Land die größten Gefahren im Gefolge haben werde. Jurukow leugnet Alles und will keinen Namen nennen.

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Sich, 25. August. Der bekannte hiesige GasthofZum Holländischen Hof" hat durch einen an der oberen Seite angefügten, im altdeutschen Stile gehaltenen Anbau eine vortheilhafte Vergrößerung erhalten.

Arnsburg, 25. August. Herr Forstassessor Bierau von hier ist zum Königlichen Oberförster in Runkel (Nassau) mit Wirkung vom 1. October ab ernannt worden.

n. Altenstadt, 24. August. Feuerschein am süd­lichen Himmel setzte gestern Abend die Bewohner unseres Ortes in Aufregung. Wie sich später herausstellte, brannte es in der Nähe der Buttenstädter Höfe. Ein großer Haufen frischen Strohes und die dabeBfiehenbe Dreschmaschine fielen

Reymann (ich besitze daS Blatt noch heute) mir und anderen einen großen Gefallen thun.Gestatten die Herren, daß ich Ihnen meine Dienste anbiete," sprach ich, auf mein Kartenblatt zeigend.Bravo! Gerettet! Vortrefflich!" riefen sie und nöthigten mich an den Tisch. Ich bat um einen Bogen Schreibpapier, nach wenigen Minuten hatte ich, da das Planzeichnen früher geübt wurde, eine leidlich brauch­bare Skizze mit den Entfernungen der Ortschaften einge­tragen. Dankend schüttelte mir der Adjutant die Hand. Ich empfehle den Herrn Ihrem geneigten Wohlwollen, Herr Oberstwachtmeister!" rief der Schneidige und eilte nach dem ungeduldig scharrenden Roffe.

Eine ähnliche Skizze würde mir sehr conveniren," be- merkte der Major, als sich der Adjutant entfernt hatte. Bin schon damit beschäftigt, Herr Oberstwachtmeister- sie ist fertig, bis sich irgend ein Vehikel für unsere müden Glieder finden wird." Der Major lachte-, befahl aber dem dienst- thuenden Unteroffizier, unter allen Umständen ein Fuhrwerk zu beschaffen. Nach einer Stunde kam ein zweiräderiger Karren mit einem dicken steifen Rothschimmel davor. Wir legten zwei schmale Bretter über den Karren und setzten uns rittlings auf die Bretter, so fanden wir sechs Mann Platz. Schlecht gefahren ist bester als gut gegangen, besonders wenn man einen Rucksack schleppen muß.

In Ars wurde etwas Rast gemacht. Vom Fort St. Quentin war kurz vorher ein großerZuckerhut" auf den Bahnhof geflogen und hatte Übel gehaust. Das genirte, so zu sagen, keinen Menschen. Der Begriff von Gefahr schwindet in einem Feldzuge. Unsere Vorposten waren weiter nördlich gegen Metz, in die Nähe von Vaux und Justy vorgeschoben, der Einschließungsgürtel wurde enger. Eine gute Straße, jetzt aber stark strapazirt von Artillerie und schwerem Fuhr­werk, führt in ziemlicher Steigung von Ars nach Metz, rechts das Boi» de Vaux, links das Bois des Oguons. Wir er­leichterten unserem steifen Rothschimmel die Arbeit, indem wir abstiegen und neben dem Karren marschirten. Starke Regenschauer erschwerten den Marsch.

(Fortsetzung folgt).