Ausgabe 
25.7.1895 Zweites Blatt
 
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Donnerstag den 25. Jnli

189*

Zweites Blatt

Nr. 172

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Amts- und Anzeigeblatt für den Kw» Gieren.

Hratisöeitage: Gießener Aamilienökatter.

Amtlicher Theil

2.

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4.

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Feuilleton

Die vorletzte Aebttsfin

Einnahmen blieben aus, die

Klöster in Bedrängmß; die

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wiorfji.1905 N SnSgaben wuchsen und von vielen Seiten suchte man die «loftergürer zu schmälern. Als die Aebtisfin Wandala ^I.Ik.uarE io81 1555 gestorben war, fanden sich nur noch fünf Kloster-

* schweftern vor: drei Gräfinnen von Hanau, Margaretha

von Lauter und Jutta Gremp.

Diese wählten die Gräfin

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a.

b.

Alk Annoncen-Burcaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

von Marienborn war Gräfin 15271555; sie neigte zur der Bauernkrieg brachten die

Die Gießener

Ilamitieuvkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

be8 Stifters Ludwig von Ysenburg zurück. Im Jahre 1260 hatte es auf dem Herrenhag seinen Anfang genommen, im Jahre 1559 fand eS sein Ende, folglich hatte es gerade 300 Jahre exifttrt. Von all den Schönheiten und Herrlich- leiten Marienborns find nur noch die geborstenen Umfassungs« «auern der Klosterkirche übrig, von denen verschiedene in­teressante , leider schwer beschädigte Grabsteine angelehnt Pnd. Auch auf dem Fußboden liegen zerbrochene Grab«

zustellen ist;

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

-tzhrtstophora von Hanau zu ihrer Aebtisfin. Vier Jahre später, 1559, übergab Christophora das Kloster mit seinen Gütern an die Grafen von Asenburg die Nachkommen

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1887 36.(1;

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Geburtszeugniß;

Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein;

ein Unbefcholtenheitszeuguiß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus-

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ort hat.

Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

Das Gesuch mutz von dem Betreffenden selbst geschrieben fein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

Wandala von Wertheim von Deformation. Letztere und

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Kriech» üon

Nrotevb- DbL

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü« fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugnitz beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 27 von 1894) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt eventuell weitere Bekanntmachung; auf specielle Ladung kann nicht gerechnet werden.

Darmstadt, den 6. Juli 1894.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

Buchinger, Regierungs-Rath.

Nachträge ;n den Mhlingsspazittgäugen in Obttheffen in form von kleinen Geschichtsbildern.

(Schluß.)

vierteljähriger Abounementspreisr 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaktion, Expedino» und Druckerei:

Schukstraße Hlr.7.

Fernsprecher 51.

Technische Fortschritte.

Bierausschank mittelst Kohlensäure. In der3- f. d. ges. Kohlens.-Jnd." wird die Frage erörtert, was der Bierausschank mittelst flüssiger Kohlensäure kostet. Es werden dafür nachstehende, der Praxis entnommene Zahlen angeführt: Mit einer Flaschensüllung von 10 Kilo flüssiger Kohlensäure können etwa 3000 Liter Bier aus-

6 Jrf*

steine, über welchen Brennesseln, Dornen und Disteln üppig wuchern. Die Klosterkirche war das Erbbegräbniß der Herren und Grafen zu Ysenburg und Büdingen von ihrem Stammvater Ludwig an bis zur Reformation. Sic transit gloria mundi!

Das Städtlein Staden (Stedin) ist sehr alt; die fruchtbare Gegend, in welcher das Städtlein liegt, war schon den Römern bekannt und wahrscheinlich von ihnen cultivirt worden. Mit ziemlicher Sicherheit kann angenommen werden, daß Ortwin von Büdingen im Jahre 1156 Burg und Stadt Staden erbaut hat. König Albrecht, der später meuchlings ermordete, verlieh 1304 dem Orte Staden alle Rechte und Freiheiten, wie sie die Stadt Frankfurt hatte. Wir sehen daraus, daß Staden damals wichtiger war als Darmstadt, denn letzteres erhielt erst um das Jahr 1370 Stadtrechte. Zur Zeit der Reformation erhielt das Städtlein feine eigene Pfarrei. Erasmus AlberuS', ein geistlicher Liederdichter der Reformationszeit, wirkte hier längere Jahre. Drr bekannte Musiker und Liedercomponist Müller (Hier auf diesen frohen Höhen",Wenn In die Ferne", Goldene Aehre, du mußt fallen"), welcher als Musik­professor am Seminar zu Friedberg wirkte, zog sich als Geistlicher nach Staden zurück. Hier haben seine beiden Söhne, die bekannten Naturforscher Carl und Adolf Müller, viele frohe Stunden verlebt.

Assen heim, 1193 (ÄBseinheim), hat seinen Namen wahrscheinlich von denÄsen", den riesenhaften Göttern (Thor, Baldur, Freyer, Heimdall u. s. ro.) aus der

auch Äs Toilette- i-Viltr

Das kaufende n Werth der Seife,

Stück zu Mk- 3-

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nordischen Mythologie. Die Gründung deS Städtchens liegt sehr weit zurück. Burg und Stadt werden im 13. Jahr­hundert als Münzenbergische Allodialbesitzung bezeichnet; wahrscheinlich geschah die Anlage von den alten Grafen der Wetterau. Im Jahre 1043 schenkte Kaiser Heinrich III. dem Abte Siegward von Fuldadie Grafschaft Maistatt in der Wetterau". Die alte Burg zu Assenheim verdankt wahrscheinlich der Grafschaft Malstadt ihre Entstehung. Eine eigene Geschichte hatten die Juden zu Assenheim: sie wurden von den Kaisern, z. B. von Kaiser Rudolf L, an einen Herrn Ulrich von Hanau verpfändet, welche Pfand- schast von König Albrecht I. im Jahre 1303 bestätigt wurde. Man hat unter dieser Verpfändung der Juden die Ver­pfändung der Judensteuer ober Judenschatzung, welche ein besonderes kaiserliches Vorrecht im Mittelalter war, zu ver- stehen. Im 15. Jahrhundert erwarben die Grafen von SolmS von den Herren von Cronberg die meisten der zu Assenheim und in der Umgegend liegenden Güter. Die Linie Solms-Rödelheim ist im Besitze dieser Güter und hat ihre Residenz in dem Assenheimer Schlosse, welches im Jahre 1789 erbaut wurde.

Ueber Ilbenstadt haben wir in Nr. 141 (zweites Blatt) eingehender berichtet; hiermit wären die interessantesten Orte in denFrühlingsspaziergängen" historisch .in Kürze beleuchtet, weßhalb wir uns für diesmal von dem freund­lichen Leser verabschieden.

Citerotur unö Knnft

Das letzte Glückauf-, die ergreifende Darstellung eines Bergmanns-Begräbnisses nach dem Original von P. Stachtewicz bildet als KunstbeUage den Hauptschmuck des 22. Heftes der »Modernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin, ä Heft 60 Pfg.). Ein TheU der Nummer ist einer Schilderung der modernen polnischen Kunst von Fritz Stahl gewidmet, der an der Hand einer großen Zahl prächtig reproductrter Bilder die Bedeutung einer, trotz des mangelnden politischen Bandes in sich geschlossenen Malergruppe nachweist. Unter den belletristischen Gaben ist neben dem laufenden, in der Treue der Schilderung an Zola erinnernden RomanDer Wein" von Wolfgang Kirchbach befonders eine durch Feinheit der Stimmung ausgezeichnete NooelletteIst ste's" von Heinrich Mann hervorzuheben. Beilage und Zickzack sind mit interessanten Bildchen ausgestattet, den neuen Wittelskacher Brunnen in München, die plastischen Scherzgruppen von dem Maienfest der Deutschen Schrtft- ftellergenossenschaft in Berlin, den Canal-Baumeister Oberbaurath Baensch und eine Reihe von Tagesereignissen in geistreicher flotter Manier illustrtrend.

Eine neue Welt ist entdeckt worden! das heißt, dieselbe hat sich bei näherer Betrachtung als eine alte liebe Bekannte entpuppt, als die »^llustrirle (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt). Aber weiche Veränderung ist mit dem Blatte vorgegangen! Alles an ihm ist neu. In farbenprächtigem lichtem Umschläge nach der meisterhaften Composition von Prof. Hynats präsentirt sich Heft 1 des neuen Jahrgangs 1896; und wenn man nun weiter, vom Aeußeren aufs Innere geht, so ist auch da Alles so reich, so bunt, so gewinnend, daß man, trotz der allgewohnten Werthschätzung des lieben Hausfre ndes, dennoch von einer freudigen Ueberraschung in die andere fäll,. Mit dieser übecaus prächtigen, neuen Ausstattung hatJllustrine Welt" bewiesen, daß sie dem Zug der Zett volle Rechnung zu tragen versteht, während sie im Kern doch die alte, durch und durch gediegene Familtenzettschrtft geblieben ist, die un- v'rrückl das eine Ziel festbält: deutschen Geist und deutsche Sitte zu pflegen in herzwarmem, allem Guten zugeneigtem, allem Schlechten abholdem Sinne Das erste Heil (L 30 Pfg.) ist durch jede Sortiments- und Eolportage-Buchhandlung zur Ansicht zu erhalten.

Bekanntmachung,

leit.: Verloosung des Oberhesfischen Bienenzüchter-Vereins.

Wir bringen zur allgemeinen Kenntniß, daß die für den 15. und 16. September d. I. in Aussicht genommen jiroefene Verloosung des Oberhessischen Bienenzüchteroereins nicht stattfindet.

Gießen, den 23. Juli 1895.

Grobherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

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Bekanntmachung, betreffend Die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1895.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1895 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meidung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis znm 1. August 1895

bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe- rikllen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unlerzeichueteu Ptüfungs. Com- Mission nur dann anzubriugen, wenn der sich Meldende im Grotzherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts-

Gießener Anzeig er

Kenerai'-Wnzeiger.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

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geschenkt werden, sodaß sich die scheinbaren Mehrkosten bei einem Preise von 6 Mk. für eine Füllung Kohlensäure auf nur 25 Pfg. pro 100 Liter, für V- Liter-Schoppen auf 0,1 Pfg., für 0 4 Liter Vier auf 0,08 Pfg. belaufen. Gewiß kleine Beträge, die bei dem Vortheile, daß der Fahinhalt, selbst bei sehr langsamem Ausschanke, bis zum letzten Rest benutzt werden kann, während fönst häufig erhebliche Mengen verloren gehen, gar nicht in Betracht kommen. Dabei aber wird das Bier stets wohlschmeckend und gut bekömmlich sein.__

verkehr, £an6- unö volkrwirthschaft

- Da» nächtliche Stampfen der Pferde mit den Hinter­füßen wird durch ein Juckgefühl an den unteren Theilen der Hinter­beine verursacht, das seinen Sitz in bet Haut bat und auf Milben oder auch auf Schmutz zuruckzufuhren ist. Ist das Pferd,z. V. durch unreines, schlammiges Wasser gegangen, so bleiben nach Ab­dunstung der Feuchtigkeit die festen Bestandtheile des schmutzigen Wassers auf der Haut sitzen und können so Veranlassung zum Jucken geben, dessen sich das Thier durch Stampfen und Klopfen zu er­wehren sucht. Einfaches Abbürsten der Hinterfüße am Abend nach der Arbeit beseitigt die Ursache. Bedenklicher ist die Erscheinung, wenn deren Ursache auf der Anwesenheit der sog. DermathophaguS Milbe beruht, die sich in die Haut in der Gegend der Fesselbeuge, im Fesselgelenk (Köthe) und auf der vorderen und Hinteren Schien- betnfläche niederläßt und bis zum Sprunggeienk und zum Vorder- tnie aussteigt. Die Haut erhält Borken, Schrunden und Risse, später verdickt sie sich und zeigt bei langer Dauer des Leidens papillöse Wucherungen. Die Pferde stampfen viel und schlagen aus befonders des Nachts, benagen und beretben die Kothengegend. empfiehlt sich gegen das Leiden das Abschneiden des langen Fesstl- haares und eine mehrmalige Einreibung mit Lyfolglycerin 1 : 10; das erstere Verfahren, 1 as Baden in einet Lyfollofung von 2 pCt., ist das einfachste und beseitigt das Leiden grünt lich und absolut sicher in kürzester Zett, gewöhnlich in wenigen Tagen.

Ein Schutzmittel gegen die Maul' «nd Klaueufeuche. Dieser verheerenden Seuche, welche jedes Jahr Taufende von werth- vollen Thieren vernichtet und dem Landwirthe großen Schaden zu- fügt, kann vielleicht durch ein neues, sehr einfaches Mittel wirksam begegnet werden: es soll nämlich durch den Gebrauch von Jodkali bei Rindern Immunität (Schutz vor Ansteckung) gegen die Krank­heit erzielt werden können. F. I. Pick bat nämlich folgende Be­obachtung gemacht: Um größere Quantitäten jodirter Kuhmilch zu erhalten, waren zwei Kühe wochenlang mit täglichen Dosen von 12 " Jodkalium gefüttert worden, als in dem ©talk, in welchem sie mit noch 68 Kühen untergebracht waren, die Maul^ und Klauen­seuche ausbrach. In der in solchen Fällen Üblichen Weise wurde nun, um die Epidemie abzukürzen, durch Lappen, mit welchen den kranken Thieren die Mundhöhle ausgewischt, und die dann in das Maul der noch gefunden Thiere gebracht wurde, die Jnfection aller Kühe mit positivem Resultate erzielt, bis auf die beiden rodirten Thiere, die, obwohl sie zum Zwecke der Jnfection derselben Procedur unterworfen wurden, wie die übrigen vollkommen von der Seuche verschont blieben. Die Verwerthung dieser Befund für die Praxis überläßt Pick den Thierärzten. L. T.

- «ine neue Art zur Aufbewahrung von Gier«. Am besten und einfachsten ist die Aufbewahrung von Eiern in einer Mischung von 1 Liter Natronwasserglas und 10 Liter Wasser. Der Topf braucht nicht besonders zugedeckt zu werden und halten sich die Eier darin über ein Jahr, vorausgesetzt, daß man nur UHcbflekflte Eier dazu verwendet. In diesem Falle ist auch die Zeit des Ein­legens gleich, jedoch bevorzugt man die Monate März, April und September, October. Die Ausbewahrung in obiger Mischung ist der in Kalk schon deshalb vorzuziehen, weil sich die Eier auch spAerhin noch zum Kochen eignen, waS bet den in Kalk eingelegten nicht der Fall ist.

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