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Nr. 121 Zweites Blatt. Samstag den 25. Mai
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Der chtttzeaer A-zeiger rrschnnl täglich, mit Ausnahme de» Montag».
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Gießener Anzeiger
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Ilmtlkber Tbeil.
Gießen, den 21. Mai 1895.
8 e t r.: Herbstübungen 1895.
Vst Grotzherzogliche Kreisamt Gießen
M He Nrvzh. Bürger«etfterete« des «reifes.
Gelegentlich der diesjährigen Herbftübungen wird wieder eine Anzahl der diesseitigen Kreißgemeinden mit Einquartierung belegt werden. Die Militärbehörde beabsichtigt, dem Wunsche eine» Theils der Bevölkerung entsprechend, die Einquartierung mit Verpflegung stattfinden zu lasten, sofern die sämmt- lichen in Betracht kommenden Gemeinden diesen Wunsch haben) andernfalls wird vorzugsweise Verpflegung aus Militär- Magazinen eintreten.
AlS Entschädigung für Verpflegung, einschließlich Brod, können pro Mann und Tag etwa 60 Pfg. vergütet werden; für Offiziere werden für den Fall der Inanspruchnahme der Verpflegung die im Reichsgesetzblatt vom 21. Juni 1887 bezeichneten Sätze gewährt.
Wir fordern Sie auf, die diesbezüglichen Wünsche Ihrer t'öemeindeangehörigeu baldigst in Erfahrung zu bringen, event. dm Gemeinderath darüber zu hören, und uns bis zum 1. k. MtS. entsprechenden Bericht zu erstatten.
v. Gagern.
Gießen, den 21. Mai 1895.
Bitt.: Die regelmäßigen ErgiinzungSwahleu des Gemeinderaths.
Da- Grotzherzogliche Kreisamt Gieße»
a« die Großh. Bürgermeistereien des KreifeS.
Nach Art. 12 der Landgemeindeordnung vom 15. Juni 1874 haben im laufenden Jahre die regelmäßigen ErgänzungS- Wahlen des Gemeinderaths stattzufinden. Indem wir Sie wegen Beobachtung der für diese Wahlen bestehenden Bestimmungen im Allgemeinen auf unser ausführliches AuS- schreiben vom 5. Juni 1883 (Anzeiger Nr. 131) und auf unser Amtsblatt Nr. 3 vom 8. Juni 1885 hinweifen, heben wtt besonders hervor, daß auf Grund des Gesetzes vom 15. Mai 1885 (Reg.-Bl. S. 95) nicht mehr die Zuziehung zur Einkommensteuer, sondern die Heranziehung zur Communal- stmer Voraussetzung der Stimmfähigkeit ist.
Sie wollen die Vorarbeiten zur Wahl alsbald in Angriff nehmen und so fördern, daß Sie unß solche zur Prüfung bi» zum 1. Juli l. I. vorlegen können- die Wahlen selbst sollen im Laufe des Monats August stattfinden. Den Wahl- acten wollen Sie bei der Vorlage zur Prüfung eine Bestands-
jftttiKebn.
Der Nord-Bstsee-Lsnal.
(Schluß.)
Auch für die schnellere Berproviantirung der deutschen Schiffe in den heimischen Gewäffern in Kriegszeiten würde ttr Eanal zweifellos von Bedeutung fein. Jedenfalls ist ikrselbe geeignet, die Schlagfertigkeit der deutschen Flotte md ihre Verwendbarkeit im Ernstfälle außerordentlich zu »Höhen und in dieser seiner strategisch militärischen Wichtig- leit liegt für die Reichsregierung der Werth des Canals zu- mchst und vor allen Dingen.
Dennoch verkennt man in den leitenden Berliner Kreisen zruz gewiß auch nicht den handelspolitischen und wirth- shaftspolitischen Werth deS Nord-Ostsee-CanalS, in dieser Hinsicht besitzt derselbe aber nicht nur für Deutschland, son- lern überhaupt auch für alle anderen Länder, welche an rin er rascheren Schiffsverbindung zwischen Nordsee und Ostsee kttresfirr find, seine Bedeutung. Biß jetzt führte die Schiffs- »nte zwischen den Häfen der Nordsee und denen der Ostsee nur die nördlichste Spitze Jütlands, für den größten Theil hff betreffenden Schiffsverkehrs wird aber künftig dieser Herweg nicht mehr in Betracht kommen, sondern nur noch die verhältnißmäßig weit kürzere Route durch den Nord- Ostsee Canal.
Für die Fahrt durch den Canal wird eine Zeitdauer bon dreizehn Stunden angenommen, maß bei den meisten Dampfern zwischen den Nord« und Ostseehäfen eine Zeit- m'prarnih von 22 Stunden, für die Segelschiffe eine solche ton mindestens drei Tagen gegenüber der alten Route um 4le Nordküste Jütlands herum auSmacht. Dieser Zeit-
liste des Gemeinderaths beifügen, aus welcher ersichtlich ist, welche Mitglieder dem höchstbesteuerten Drittel angehören.
v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Derloosungen innerhalb des GroßherzogthumS.
Der Oberhessische Bienenzüchterverein beabsichtigt, gelegentlich der am 15. und 16. September l. I. zu Nidda stattfindenden 35. Wanderversammlung eine Berloosung von Bienenvölkern, Bienenproducten und Bienenutenfilien zu veranstalten.
Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Berloosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 2500 Loose zu 0,50 Mark das Stück außgegeben werden dürfen und mindestens 60pCt. des BruttoerlöseS aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden find. Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberheffen gestattet worden.
Gießen, den 22. Mai 1895.
. Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern.
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«ab Nauheim, 22. Mai. Das zur Erbauung einer Schmalspurbahn Braunfels—Bad-Nauheim zusammengetretene Loealeomitö wählte Medicinalrath Dr. Grödel, Bürgermeister Werner und Postmeister Foucar von hier als geschäftsführenden Ausschuß. Aus Pfingsten werden die gesummten Ausschußmitglieder von Braunfels, Ufingen und Bad-Nauheim in Usingen zu einer Sitzung zusammentreten.
Schotten, 20. Mai. DaS am Fuß des AttenburgS- kopfeS projectirte Lehrerheim ist mit Beginn der defferen Jahreszeit in Angriff genommen worden und bereits bis zur Sockelhöhe gemauert. Es verspricht ein sehr schönes Gebäude zu werden und wird, da auch Touristen dortselbst Erquickung finden sollen, voraussichtlich schon wegen seiner schönen Lage und der Nähe Schottens, das 25 Minuten entfernt ist, ein beliebter Ausflugsort werden. Darmst.Ztg.
B. Aul dem Kreise Büdingen, 23. Mai. Ihre Zeitung brachte sowohl aus dem Vogelsberge, als auch aus der Wetterau die Nachricht, daß nicht bloS Obstbäume, sondern auch vielfach Johannisbeer- und Stachelbeersträucher Shwtyen, Blüthen und Blätter trieben, worauf ein Stillstand im Wachsthum eintrat und ein Abfterben der Zweige und Aeste erfolgte. Man glaubt, daß die schädliche Beeinfiuffung von der Wurzel aus erfolgt sei, während nachgewiesen werden
Verringerung entspricht eine Ermäßigung der Fahrkosten, die sür Dampfer auf 65 Mark und für Segler auf 16 Mark per 100 Registertonnen und per Tag berechnet worden ist. Lediglich jene Schiffe, welche auf der Reise nach der Ostsee von Schottland oder von Norwegen kommen, oder sich in umgekehrter Richtung bewegen, tritt bei der Benutzung des Nord-Ostsee Canals entweder gar keine oder doch nur ganz unerhebliche Fahrverkürzung ein. Dagegen kommt die Route allen anderen Verbindungen zwischen den Häfen der Ostsee und denen der Nordsee, sowie weiterhin deS Atlantischen OceanS mehr oder weniger zu Gute, die hierdurch erzielte Fahrtverkürzung schwankt für die einzelnen Routen zwischen 425 und 180 Seemeilen.
Neben der Fahrtabkürzung für den größten Theil deS sich zwischen Nord- und Ostsee bewegenden Schiffsverkehrs wird der neue Canal speziell den beiden deutschen SHiften* gebieten sicherlich einen neuen und lebhaften Verkehr bringen. Allerdings haben Vertreter des HandelSftandes und der Rhederei in den deutschen Ostseehäfen der Befürchtung Ausdruck verliehen, daß der Nord Ostsee-Canal denselben die bedrohliche Gefahr der Ablenkung eines erheblichen TheileS ihres Handels auf die stärkeren Nordseehäfen zuziehen werde. Jndeffen dürften die darauf hinauSlaufenden Befürchtungen doch wohl zu weit gehen, schlimmsten Falles kann gewiß darauf gerechnet werden, daß man regierungsseitig durch angemessene Tarifirung für den Canalverkehr, durch die Einrichtung von Freilägern in den wichtigeren Ostseehäfen und noch andere geeignete Maßnahmen den deutschen Ostseehäfen entgegenkommen wird. Genaue Berechnungen über die künftige Rentabilität deS Nord-Ostsee-CanalS laffen sich jetzt noch nicht aufstellen, aber wenn der jährliche Durchgangsverkehr auf 18,000 Schiffe mit 5,5 Millionen Registertonnen geschätzt wird — was in Hinblick auf den bisherigen jährlichen
kann, daß eß weder an der erforderlichen Feuchtigkeit fehlt, noch daß die Wurzeln von Jnsecten angegriffen wurden. Bei unß treten dieselben Erscheinungen auf; sie wurden im Frühjahre und Sommer 1880, also nach dem langen, harte« Winter 1879/80, der so viele Bäume, Rebstöcke und Beerensträucher vernichtete, besonderß häufig beobachtet. In jene« Frühjahre grünten und blühten noch viele Bäume und Sträucher, fie setzten mitunter auch noch Früchte an, barm wurden sie welk und gingen schließlich zu Grunde. Die vorgenommenen Untersuchungen zeigten, daß die betreffenben Pflanzen von der Kälte stark angegriffen, aber nicht ganz getöbtet worben waren. Alß ber Frühling kam, rafften bte kranken Bäume unb Sträucher ihre letzten Kräste zusammen unb trieben noch einmal aus, starben aber ab, nachbem die letzten Reservestoffe verbraucht waren. Nicht selten geschah eß, baß sämmtliche Aeste eines BaumeS erfroren waren und bürt würben, währenb ber Stamm ber Kälte wiberstanden hatte, aus welchem Zweige hervortrieben, bte sich später mitunter zu Heften heranziehen ließen. Die Erscheinungen au Bäumen unb Sträuchern im laufenden Frühjahre gleichen benjentgen beS 1880er Frühjahrs und Sommers, es darf daher nm so mehr auf die gleiche Ursache geschloffen werden, als die Monate Januar und Februar 1895 fast ebenso kalt waren, als diejenigen des Jahres 1880 und Jnfectenfraß oder FeuchtigkeitSmangel nicht in Betracht kommen.
△ Mai»», 23. Mai. Die Lohnbewegung im hiesigen Dachdeckergewerbe hat jetzt dazu geführt, daß gestern sämmtliche hier beschäftigte Dachdeckergesellen die Arbeit eingestellt haben. Die verlangte Lohnerhöhung von 30 pCt. war theilweise bewilligt worden, wogegen die weitere Forderung auf Abschaffung der Accorbarbeit und der Ueber- ftuuben von bett Meistern alß unannehmbar abgelehnt wurde. Obwohl diese Arbeitsniederlegung durch den Telegraph bereits aller Welt verkündet wurde, ist dieselbe ganz bedeutungslos, indem es mit den Bauten in diesem Jahre ziemlich schwach geht und die wenigen angefangenen Neubauten noch nicht biS zu den Dachdeckerarbeiten vorgeschritten find.
Mainz, 21. Mai. Ein bedauerlicher Vorfall ereignete sich heute Nachmittag hier auf dem Fort ^Elisabeth". Bei einem freiwilligen Wettlaufen stürzte der Musketier Geiberger aus der Leibcompagnie deS 4. Großh. Heff. Jnf.-Regts. (Prinz Carl) Nr. 118 plötzlich zusammen unb war alSbalb eine Leiche. Wie constatirt würbe, ist ber Tob infolge eines Schlaganfalles eingetreten. Der Verstorbene, ber ben Rus eines guten Soldaten genoß, ist auß Nackenheim und stand im zweiten Dienstjahre; er sollte im nächsten Herbste zur Reserve entlaßen werden.
Mainz, 21. Mai. Ein Außschreiben deß Herrn Bischof Dr. Haffner, betreffend Gebete für die Wiedervereinigung im Glauben, ist an die Geistlichkeit ergangen.
Gesammtschiffsverkehr zwischen der Nordsee und der Ostsee eine höchst vorsichtige Schätzung bedeutet, — so würde eine solche Frequenz schon eine recht erkleckliche Einnahme bringen.
Der neue Berbindungßweg zwischen Nordsee und Ostsee bringt weiter noch den Vortheil mit sich, daß durch ihn die Gefahren, welche Skagerrak und Kattegat für die Schifffahrt besitzen, umgangen werden. Das Skagerrak, die sich zwischen der Westküste Jütlands und der südlichen Küste Norwegens bis zur schwedischen Küste hinüberziehende Einbuchtung der Nordsee, ist an der jütländischen Küste durch die vorgelagerten Sandbänke gefährlich. Einen noch schlimmeren Ruf unter den Seeleuten genießt das Kattegat, die zwischen dem westlichen Schweden und dem östlichen Jütland liegende Meerenge, denn fie enthält am schwedischen Gestade viele verborgene wie offene Klippen, in der Mitte weist fie große Sandbänke auf, an der jütländischen Küste aber zahlreiche Riffe und sandige Striche, zudem ist das Kattegat auch wegen seiner Stürme und Strömungen verrufen. Im Skagerrak und im Kattegat gingen während des kurzen Zeittaumeß von 1877 bis 1881 allein von Schiffen der deutschen Handelsmarine nicht weniger alß 92 Schiffe unter, wobei inß- gesammt 708 Personen den tückischen Fluthen zum Opse* fielen; diese gewaltigen Verluste an Menschenleben, Schiffen unb Gütern werben also künftig bei Benutzung beß Nord- Ostsee-Canalß fortfallen. — Jebenfallß aber kann man gewiß nur wünschen, baß Deutschlanb bte Probe auf ben militärischen Werth beß großen Unternehmenß für ben Ernstfall noch lange erspart bleiben unb baß dafür nur bie friedliche Bedeutung der neuen Wasserstraße für Handel und Verkehr hervortreten möge.


