Ausgabe 
24.10.1895 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

kein. '

l81/ «6- »i,

8 Uhr Ab-°d»

Perimtnten

** Mn,

Ä*?< yjVjK

IS

Kopenhagen.

868 A Taiehi;:

M: anbtrlbtnMa^:

lbeuds 8 Uhr:

0.80 0.60 0.50

L- 0.60 0.50

lltuil«-

>r und Tau eib. Wx

1 AtM, W IttioU M 8724 Der Vorstaud.

Verän.

ente 8'lj Uhr pünktlich

torla

lmmlung.

bericht. 8845

Ablage.

Mf)l.

Anlage.

tt. - MM M

xv

w W'BnW.

Kteeh.

-AnM

eorganißrt 1855. !

It)

Außer-

»Tbtnllldie Wfe® «ar I. »«- I---

raen will, btt rnstch« Zeit 30'/° der MM :i>enabgtschloßen.B8

Me üWfttt d»

* 26'- P«N* lusmMN Sroß

886'1

cht len,^' jbet 18«6' $.8

rn. 18®

»M*6*

«l-"° S

pol-Sri«»» lfl8$

d, & lü2i

m,c6L .<,1905 M ijsä&S gjrtf»""

tM» to.

* Ä :-«Ü

#tt. 250

Der fUfaur JUqetgef erscheint täglich, Ausnahme bei Montags.

Die Gießener d kälter

Verden dem Anzeiger »Schmtlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Donnerstag de« 24. October

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

IS»«

Vierteljähriger AiouuaesüpreU l 2 Mark 20 Psg. mit Vringerlohn. Durch die Post bezogeM 2 Mark 50 Pfg.

Webaction, Lxpeditit und Druckerei: Ach»tftr«tze Ur.H»

Fernsprecher 5L f

A-nts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gietzen.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bew folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Corrn. 10 Uhr.

1 ...... 11 " "

Gratisöeikage: Gießener Kamilienökätter.

Alle Annoncen-Vureaux deS In« und Auslandes nehme» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

CoceUs und provinzielles.

§ Grebenhain, 21. October. Die Ehefrau Greb V»r heute bet dem Landwirth und Müller Rehberger in bat benachbarten Ahlmühlen mit Dreschen beschäftigt. Sie wollte daS gedroschene Stroh wieder auf dem Gerüst ober­halb der Tenne aufschichten, wobei einer der Gerüftrettel abrutschte, und die Frau von dem hohen Gerüst in die Tenne fiel. Glücklicherweise ist dieselbe durch daS vor ihr nieder­fallende Stroh vor einem tödtlichen Sturz bewahrt worden, doch trug fie schwere Verstauchungen davon.

§ Grebenhain, 21. October. Der Gastwirth Strauch hier hat Dtckwurz gezogen, die das durchschnittliche Ge- w!cht von 12 Pfd. haben.

§§ Bermuthshain, 21. October. In vergangener Nacht erscholl in dem l1/* Stunde von hier entfernten Orte Wüst- wlllenroth plötzlich der RufFeuer". ES brannte im Stalle deS Landwtrths Oestreich. Rasche Hülfe der benach­barten Feuerwehren Lichenroth u. s. w. beschränkte daS Ft uer aus seinen Herd, sodaß nur daS Dachwerk verbrannte, der massive Stall aber stehen blieb. Auch daS Wohnhaus -blieb unversehrt. Oestreich war leider nicht versichert. ES wird Brandstiftung vermuthet.

m. Darmstadt, 17. October. Für Jäger, Jagd- lirbhaber und Wildbeschädigte. Bor dem obersten Br rwaltungSgerichtShofe als letzte und höchste Instanz wurde gestern eine Wildschadensache verhandelt, welche sich in der Provinz Oberheffen zutrug und daher für diese von besonderem Interesse für Jäger, Jagdliebhaber und Wildbeschädigte ist. (ii mag daher über den ganzen Hergang deS Falles in Kürze daS Nachstehende hier mttgetheilt werden. In der Gemarkung L. wurde in den letzten Jahren viel über Hafenschaden geklagt. Auf dem Acker des D. war eine Anlage von Gemüsen: Weißkraut, Wirsing, Rothkraut und Blumenkohl zur Hälfte öoh Hasen abgefreflen worden, H. meldete daher den Schaden beim Jagdtoxator an. In derselben Gewanne, die sich wegen ihrer Bodenbeschaffenhett sehr gut zur Gemüseanpflanzung eignet, waren noch fünf bis sechs Leute stark beschädigt worden. Manche Leute hatten das Gemüse dreimal nach­gepflanzt, hatten Petroleumlappen gelegt, NachtS Feuer an­gemacht u. dgl. m., doch stets kamen die Hasen und fraßen die Pflanzen wieder ab. Die Leute machten aber keine An­zeigen, weil fie die Laufereien fürchteten. Die Schaden­onmeldung des Y. wurde dem Jagdpächter mitgetheilt. Dieser

Feuilleton.

Aus alter Zeit.

(7. Fortsetzung.)

So hab ich mich ihr nähern wollen, fie zu fragen nach dem Heim, das ich vergebens gesucht, ists nit grad über mich kommen, wie wenn ein leichter Schwindel mich erfaßet und ein Flor vor die Augen mir sei gehalten? Kräh, Kräh, chreien itzo vom Galgenberg herab die Raben dem Traum- oandler nach. Hab nit begehret, zu sehen, allwo die sh »arzen Unheil-Vögel sitzen, mich aber beeilet, unter Menschen zu kommen- denn wunderbar, so oft ich am Rabenstein dorchkommen, tstö grade, als ob dte Dämmerung plötzlich zur Nacht werde.

Abends hab noch lang festen droben an meinem Fenster- Idn und sinnend hinüber geschaut zu dem Walde auf BergeS- iShe, der mein Geheimniß barg.

In den wenigen Tagen, so ich sollt meine Rothraut nit nschauen, bin ich etnhergegangen wie ein Nachtwandler, so h deS Mondes Silberschein auf den Dächern sitzet. Für mS aber hab die Augen offen halten, hab achten wollen, 4 solch Gewandung, wie an Rothraut ich gesehen, in der tztvdt ich möcht erschauen. Doch ob ich gleich viel Frauen Urauf angeblickrt, derartig Gewand und Kopftüchlein hab In der Stadt nit funden. Mockt wol sein ein ererbet Kleid, US meine holde Maid im Walde gern getragen. Nur eins fit mich erfreuet, also leichten schwebenden Gang, wie meiner fiothraut, hab auch nit funden in der Stadt, mocht ich auch -lof) so ost vorübergehenden Frauen nachblicken. Das war eia Stampfen und sie droben, fie schwebte. Sollt e- dennoch Rthn geben?

Du schmerzvoll hold Wunder im Wald droben am ßoine, sag an, weß Grundes Du Dich birgst vor dem Fretimde? Ob fie itzo wol gar alleine steht? Die Eltern fihiin, hat fie gesagt. Vermag dte einsame trösten? Wenn Irooft fie fände anderortS, warum begehret fie so innig

schrieb seinem Vertreter und Wildhüter, er solle dte Sache mtt dem Beschädigten in coulanter Weise ordnen. Der Wtld- HÜter sah sich acht Tage später den Schaden an, es standen etwa noch die Hälfte der Pflanzen, welche fast alle beschädigt waren, dte andere Hälfte war btS auf den Stumpf ab- gefreffen und dte Stumpfen wurden weggehackt. Der Vertreter aber sprach nichts mit dem Beschädigten, auch der Jagdtaxator ließ nichts von fich hören. Nach drei Wochen wurde Letzterer an die Sache erinnert, er antwortete ungefähr: er wtffe nicht, ob die Hasen Blumenkohl oder Rothkraut fräßen und er wiffe auch die Adresse des Jagdpächters nicht, obgleich der Letztere dte Schadenanmeldung schon längst erhalten hatte. Eine Woche später wurde der Jagdtoxator wieder erinnert und er gab eine ähnliche Antwort wie vorher. Darauf drohte der Geschädigte mtt Beschwerde, worauf der Jagd­taxator, noch einmal um acht Tage später, einen BesichtigungS- termtn anordnete. Inzwischen waren sechs Wochen vergangen. Dte Hasen harten da- Gemüse fast gänzlich aufgerieben, aber die BesichtigungScommisfion bestätigte trotzdem den Schaden, nur konnte fie dte Größe desselben nicht feststellen. DieS geschah durch zwei Zeugen, wovon der eine sämmtliche Gemüse- köpfe gezählt und genau taxirt, während der Andere den Acker behackt hatte. Der Geschädigte beanspruchte weniger Schadenersatz als taxirt wurde. Obgleich sein ganzer Winter­vorrath im Werthe von 40 btS 50 Mark zu Grunde ge­richtet war, beanspruchte er nur 12 Mark, daS heißt soviel, als Pflanzen, Hacken und Düngen ausmachten, auch erklärte er dem Jagdtaxator, dem KretSawte und dem Jagdpächter schriftlich: er wünsche keinen Proceß, die Sache sollte friedlich ausgetragen werden. DaS half aber nichts, der Jagdpächter lehnte Alles ab und so kam eS zum Proceste. Zu dem BrfichtigungStermine kam weder der Pächter noch sein Vertreter und zum KreiSauSschußtermtne ebenfalls nicht. Man glaubt, er wäre von anderer Seite verhetzt worden. Der KreiS- auSschuß verurtheilte ihn zum Schadenersätze, in sämmtliche Kosten und in 20 Mark an dte KreiSkaste. Darauf ergriff der Jagdpächter RecurS an den Provinzialausschuß und hob hervor: in der Gemarkung 3E. wären zwei Jagdpächter - die Raben könnten daS Gemüse auSgertffen haben- eS wären nur 17Hasen im ganzen Jahre geschossen worden, die könnten keinen so großen Schaden gelhan haben und noch manches Andere. So z. B. der Wildhüter verstünde mehr von der Jagd, als der Bauersmann, welcher den Schaden taxirt hatte. Als dte Sache aber vom Provinzialausschuffe untersucht

warm mein Kommen, mein Reden? O, sei du nur wunder­sam, wenn ich nur mag deinem Herzen nahe stehen. Mein Verstand hatj nit mehr Herrschaft Üben können Über mein Herz, daS ist eignen Weg gangen- ob auch wol wie ein Nachtwandler?

Die kurzen drei Tage find worden zu Wochen, also langsam schwanden die Stunden. Bin Tag für Tag droben am Borne sessen, obS geregnet, ob die Sonne geschienen, mir warS gleich, aber meine Sonne hat mir nit schienen. Müßt wol also sein, daß die liebe Maid nur hergekommen zum Borne, wenn fie eS verheißen. WaS nur mocht sie verrichten in der Zeit auf dem ferne Waldhofe. Fern mußt er fein, denn sonsten hält ihn ja funden- bin doch in den dreien Tagen gar wett geschwetfet im Walde droben, aber eine Menschlich Wohnung hab nimmer entdecken mögen. Auf meiner Lichtung hab ich allemalen geruht auf moosigem Ge­stein. Der Raum ist mir lieb worden, ob mich gleich allda in tiefer WaldeSstille ein leises Grauen wollt beschleichen. Mir war in diesem Land ja alles wundersam.

So ist dte Stunde kommen, da ich sollt droben sein, und wahrlich, ich hab fie nit versäumet. Hab mir auch fest fürgesetzet, mit aller Achtsamkeit droben zu warten, ob ich möcht sehen können, von wannen die Wundersame daher komme. So hab ich denn vor dem Gemäuer standen und unverwandt geschaut unter dte Bäume dahin, woher tch fie erwarten mußte. Endeltch ist mtrS gar lang geworden und seufzend glitt eS Über meine Lippen:Rothraut, wo wettest Du?" Da hab alsbald ihr Slimmlein vernommen, daß erschrocken mich gewendet.Redet, Herr, redet," hats klungen. Ich aber vermeincte, die Maid stehe scherzhaft etwan hinter der Mauer. So bin ich denn gar flugs um den Brunnenstein gewiichet, fie zu Haschen- doch warS leer dahinter. So ich aber wider hervorgekommen auf der andern Seiten, fiehe so hat meine holde Maid auf ihrem Plätzlein seffin und mit wehmüthigem Lächeln mir zugenicket.

Bin auf sie zuspringen.Rothraut, vielholde Jung­frau, warum itzo wider der traurige Blick, da Ihr mich eben doch genarret- o, werdet heiter, schaut an, wie schön

wurde, stellte eS sich heraus, daß cS mit den Einwendung«» nichts war, sie fielen um, der Wildhüter verwickelte fich derart in Widersprüche, daß er nicht vereidigt wurde- der Bauersmann verstand mehr von der Sache, wie der Jagd­mann und mit den 17 Hasen war eS gar nicht-, denn es wurden unterdessen vier Schadenersatzanmeldungen gemacht, welche sich sämmtlich alS berechtigt erwiesen haben. Auch mit den 17 Hasen im ganzen Jahre hat eS sich nachträglich ganz eigeuthümlich aufgeklärt. Während daS Jahr 1894 einen milden Nachwinter und ein warme- Frühjahr hatte, welches die Hasenvermehrung sehr begünstigte, hatte da- Jahr 1895 in den Monaten Januar, Februar und März eine sibirische Kälte mit hohem Schnee, wodurch da- Wild schwer geschädigt wurde. Trotzdem erlegten die neuen Pächter in anderthalb Monaten 50 Hasen, also dreimal so viel in ganz kurzer Zeit, wie der frühere Pächter im vorher­gehenden ganzen Jahre. Da sich dte sämmtlichen Angaben des Jagdpächters als unrichtig erwiesen, verurtheilte ihn der ProvtnzialauSschuß ebenfalls zum Schadenersatz, in sämmt« liebe Kosten und in 30 Mk. an die Provinzialkaffe. Die Kosten machten bei diesem Termine einen großen Brocken Geld avS, denn eS wurden etwa ein halbes Dutzend Zeugen vernommen und zwei Rechtsanwälte waren dabei thätig. Der Jagdpächter war damit aber immer noch nicht zufrieden, er legte RecurS an den obersten Verwaltungsgerichtshof ein und dieser RecurS kam gestern zur Verhandlung. Die oberste Instanz verwarf auch diesen RecurS und verurtheilte den Jadpächter auch in die Kosten der dritten Instanz. Da hierbei wieder zwei Rechtsanwälte beschäftigt waren, gibt eS ebenfalls eine Maffion (wie die Leute sagen) Kosten und das Alles um ein paar Mark willen und obgleich der Geschädigte dreimal schriftlich erklärte: er wünsche, daß die Sache gütlich erledigt werden möchte. Der Jagdpächter wird wohl für jede- Markstückelchen, daS ihm angesonnen war, einen Fünfzigmarkschein zu erlegen haben. ES ist ein ver­mögender Herr, dem ein paar hundert Thaler nichts aus- machen. Möglicherweise genirt eS ihn meh'', wenn ihn seine Bekannten nach der Jagdgeschichte fragen, die in den drei Instanzen mit Pauken und Trompeten zur Ruhe bestattet wurde. Die Nimrode, wenn fie vergnügt beim Glase zusammen sitzen, find bekanntlich ein munteres Völkchen, welches eine seltene Jagdgeschichte gerne ausbeutet und selten in ihrer Art ist diese Jagdgeschichte doch wohl zu nennen.

GotteS Welt, höret der Vöglein Sang, die dem Schöpfer ihr Abenddankopfer bringen, lobet auch Ihr den Herrn, der alle Süad vergibt und heilet alle Gebrechen."

lieber meinen Worten ist ihr Antlitz Heller worden und itzo hat das liebe Kinderftimmletn klungen:Die Welt seh ich nit, den Sang der Waldvöglein hör ich nit, und ihn seh ich noch nit, der alle Schuld vergiebt- Euch aber, Herr, sehe ich, der mir viel Trost gebracht."

Solcher Red bin Über die Maaßen froh worden, daß fie meiner also gedachte- jedoch, den Herrn sehe man nit mit leiblichem Jlug, sagte ich, aber der Glaub erfaße ihn und sein Heil. Da redete fie mit gar hellklingender Stimme: Ich glaub, daß ich >hn werd erschauen, ob groß die Schuld, bet Gott ist viel mehr Gnad, so sagtet Ihr. Habs wohl gemerket- und Fried habt Ihr mir bringen sollen, Habs wohl gefühlet, denn Ruhe soll mir werden auch vor des Vater- Dräuen und dem düsteren Mönche, der mir folget." Daun griff sie ängstlich meinen Arm und unter die Bäume deutend, flüsterte fie:Seht Ihrs, Daniel, dort, dort?"Was soll ich sehen, liebste Rothraut?" fragte, froh, meinen Namen von diesen Lippen zu vernehmen.Der Mönch- heilige Jungsrau, Daniel, helft, Herr Gott stehe mir bei, dort, dort!"

Ob ich gleich der weisend Hand gesolget mit dem Blick, ich vermochte nichts zu sehen, denn die kahlen Stämme, so aus niederem Gestrüpp geraget.Seht Ihrs?" frug fie abermals. Da, ja bei Gott, ein Mönch in dunkler Kutte ging suchend zwischen den Stämmen, keines Steinwurfes weit entfernet. Doch kaum hat ich ihn erschaut, da ist er dem Blick auch schon entschwunden. Ich hab hingewollt, den Geschorenen zur Red zu stellen, da er mein hold Wunder also geschrecket. Sie aber hat meinen Arm nit loslassen mögen und hat itzo ihre Hand gebrennet, daß tch eS heiß gefühlet durch meines WammseS Tuch.

(Fortsetzung folgt).