Mittwoch den 24. Juli
Zweites Blatt
1893
Nr. 171
rd Anzeigeblatt für den Tiveis Gieren.
Hratisöeikage: Hießener Aamikienötätter
rttilid?er Theil
Feuilleton
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|tijr viel Wemoau gerrreoen- wegen uns veiMieoene «uc yiur; Än|flBDl!’ ttaar*' und Steuerbücher (Schatzungsregister) aus jener Zeit vor, die be-
Tre»Pe aeism, daß fast jeder Bauer in der mittleren und südlichen Wetterau
»ttt *, । einen größeren oder kleineren Weinberg besaß. Die Zungen und
M i J stchlen unserer Altvordern waren offenbar weniger empfindlich, als ™ /ÜfktlhOL die unseren, sonst hätten sie den damaligen Stoff schwerlich so eifrig
ffrtffl Wl"'/ vettilgt, wie es geschah. Möglich ist es, daß sie ihn mit Honig ver-
VVW gtor> süßten, wodurch er „süffiger" wurde.
Alle Annoncm-Burcaux des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Annahrr Atzenden
^-I-Oichch. fr«« Ewtrich.
achmittagS für de« , .ummer bis Borm. 10 Uhr.
*) Bis zum 30jährigen Kriege wurde in der Provinz Oberhessen sehr viel Weinbau getrieben. Es liegen uns verschiedene alte Flur-
steüertages abgchaltene F.stmahl einen glänzenden Verlauf nahm. Geheimrath Professor Dr. Bruno Fischer erinnerte an die nationale Gedenkfeier des Krieges von 1870/71, welche Deutschland begehe, ohne über den besiegten Feind zu frohlocken. Es seien Festtage, die an den erhabenen Gründer des Reiches und seinen großen Kanzler erinnern, daS jetzige Oberhaupt des Reiches sei thatenfroh und voll Bewußtseins, Hüter des Weltftiedens zu sein. Patriotismus und Hingebung an das große Ganze sei der Inhalt der öffentlichen Kundgebung. Der Redner schloß mit einem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und den Großherzog von Baden. Singer-Hamburg toastete auf die badische Re« gterung. Der badische Minister des Innern Eisenlohr sprach dann unter Würdigung der Beziehungen zwischen der Presse und der Regierung auf die deutsche Presse. Der Dichter Julius Wolff feierte Heidelberg als Feststadt. Oberbürgermeister Dr. Wilkens brachte ein Hoch aus auf die den nationalen Gedanken hochhaltende Presse, Prorector Königsberger ein Hoch auf die Journalisten und Schriftsteller, als die Lehrmeister des deutschen Volkes.
— Der Elsässer Protestler, Reichstags-Ab - geordnete für Metz Dr. Haas läßt in einem Protest- lerischen Blatt mtttheilen, daß er, obwohl er nach einer franzö- fischen Stadt überfiedelt und in Metz nur ein Absteigequartier miethet, sein ReichstagSmandat so lange behalten werde, wie es ihm gefalle. Solchen offenbaren Verhöhnungen des deutschen Reiches gegenüber wird es nun doch Zeit, daß der Bundesrath und der Reichstag dem Treiben der Elsäffer Protestler gewisse Grenzen ziehen.
CocoUs rrrrd provinzielles,
R. Reichelsheim, fc22. Juli. Nach fünfzigtägiger Pause gab es gestern und vorgestern einige kräftige Regenschauer, die zwar noch lange nicht hmreichen, die große Trockenheit zu beseitigen, aber doch die lechzenden Fluren zu erfrischen. Nach heute vorgenommener Brunnenmessung ist der Wafferstand beinahe so seicht, wie er in 1893 war. Der Erdboden hat vielfach Risse, die Kleeäcker und Wiesen find braun, zeigen aber seit heute früh bereits ein vortheil- hafteres Aussehen. Den Spätkartoffeln wird der Regen sehr zu statten kommen- mit den Erntearbeiten geht es langsam weiter voran. Die in den letzten 10 Tagen häufig auftretenden Winde trocknen das Erdreich in der Regel rasch aus, und verursachen an reifem Halmgetretde und Rankengewächsen, Bohnen und Gurken, nicht unbeträchtlichen Schaden. — Wir hatten gestern noch eine Nachfeier zum Jubiläumsfeste, wobei der vom Turnverein gestiftete Erinnerungsnagel
an dem Schafte der Veretusfabne eingefügt ur.d damit zugleich eine Vorfeier in Bezug auf die großen Augusttage deS Jahres 1870 verbunden wurde.
□ Aus dem Ohmthal, 22. Juli. Nachdem die Influenza zu Beginn diesen Sommers in vielen Gemeinden unseres Thales die erwachsenen Personen heimgesucht, tritt nun nach deren allmähligem Verschwinden der Keuchhusten unter den Kindern in einem sehr starken Grade auf. Namentlich sind eS Kinder bis zum 8. Lebensjahr, die von diesem äußerst angreifenden Husten heimgesucht werden. Obwohl die Kinder bis zu Erbrechen husten müffen und eine große Menge Schleim auswerfen, scheint bis jetzt dieser unzweifelhaft epidemischen Character tragender Husten eine lebensgefährliche Wendung glücklicher Weise nicht zu nehmen.
f\ Von der Felda, 22. Juli. Die schweren Unfälle beim Fuhrwerk haben in letzerer Zett in hiesiger Umgegend eine geradezu besorgnißerregende Zunahme erfahren. Zu den bereits gemeldeten Unfällen von Unter-Seibertenrod, Nieder-Ohmen und Stumpertenrod gesellt sich jetzt ein vierter hinzu, der eine hiesige Familie betroffen und das Leben eines jungen, kräftigen Burschen von 17 Jahren gefordert hat. Es ist dies der Sohn des htefigen Gast- und LandwirlhS Figgi. Derselbe war am verflossenen Donnerstag mit seinem Vater zur Station Mücke gefahren, um Sägespähne zu holen. Auf dem Heimwege versuchte der Junge an einer abschüssigen Stelle der Straße beim sogenannten Bettelwald die Schraube des Hemmwerks anzuziehen. Hierbei muß er ausgeglttten und zu Fall gekommen sein. Bewußtlos brachte ihn der Vater nach Hause und hier erlag er tagS darnach seinen innerlich erhaltenen Verletzungen. Gestern wurde derselbe unter einer zahlreichen Trauerversammlung beerdigt. _______
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Vermischtes.
* Marburg, 20. Juli. Im hiesigen LandgerichtSgefängniß wurde kürzlich ein Landstreicher von Biedenkopf her etngeliefert, weil dort Niemand seine Sprache verstand und der Mann keinerlei Legitimationspapiere bet sich führte. In der Universitätsstadt, hoffte man, würde sich ein Gelehrter finden, der die Sprache verstünde. Jndesien hat fich dieses Vertrauen der Biedenkopfer zu unseren Gelehrten nicht als gerechtfertigt erwiesen. Auch hier verstand Niemand das Idiom des Mannes, der alsbald wieder nach Biedenkopf abgeschoben wurde.
* Bremen, 20. Juli. Die Sammlungen für die Hinterbliebenen der mit dem Dampfer „Elbe" Untergegangenen haben einen Gesammtbetrag von 660,000 Mk. ergeben.
Kachtkäge ;u dcu jrWingssMttgiiugkn in Vderhkffkn in fern von kleinen Geschichtsbildern.
(Fortsetzung.)
Einige noch erhaltene alte Gültbücher geben Auskunft, ivaS die Klosterinsassen jährlich verbrauchten, z. B. 150 Malter körn zu Brod, 4 Malter Erbsen und 3 Malter Weizen zu kuppen, 3 Malter Wetzen zu Chrtstbrod, 3 Malter Korn zu Lebkuchen, 20 Malter Hafer zu Grütze, 40 Malter Korn zu Malz, 5 Pfund Pfennige für Weißbrod an Sonn- und Festtagen, 24 Pfund Pfennige für Schmalz, 8 Pfund Pfennige für Fleisch an hohen Festen, sodann noch Geld für Oel, Salz, Käse, Häringe, Talg und Lichter, Fische, Gewürz, Wachs u. s. w., insgesammt 60 Pfund Pfennige weniger 10 Schillinge an Geld. Für den Propst mit zwei Caplänen, einem Knechte und einem Koch wurden an Geld 45 Pfund
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102 Pfund Pfennige auSgegeben wurden. — In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde das Kloster aufgehoben. Anno 1568 waren noch etliche Klosterfrauen vorhanden, welche allem Anscheine nach die evangelische Lehre angenommen hatten. Die letzte Meisterin des Konradsklosters hieß Helene von Trohe, welche sich im Jahre 1581 mit Philipp von Buseck verheiratete. Im Jahre 1810 kam Konradsdorf an Hessen Darmstadt und ist jetzt ein stattliches Domanialgut geworden.
Die kurzen Nachrichten über das Kloster Konradsdorf haben unS gezeigt, daß es zur Blüihezeit eine große Zahl von Insassen beherbergte. Die Nonnen in Konradsdorf stammten, dem Namen nach zu urtheilen, mehr auS dem Bürgerstande. Anders war dies im Kloster Marienborn (fons sancte Marie, sancte Marienborne, Mergenbrunn), über welches wir einige kurze Nachrichten bringen wollen. Um das Jahr 1260 versammelten sich auf dem Haag (Herrenhaag) bet Büdingen einige Jungfrauen, welche ihr Leben Gott weihen wollten. Graf Ludwig von Isenburg und seine Gemahlin Heilwig von Büdingen schenkten den Jungfrauen mehrere Güter und beschlossen, ein Frauenkloster auf dem Haag zu errichten. Es zeigte fich aber Wasser- mangel auf dem Haag, welcher veranlaßte, daß die Jungfrauen nach einer Quelle suchten, die fich auch etwa anderthalb Stunden südwestlich vom Haag zwischen Eckartshausen und Langen-Bergheim fand. Diese reiche Quelle, welche heute noch vorhanden ist, wurde zu Ehren der Jungfrau Marie fons sancte Marie genannt und das Kloster hierher verlegt. Der Ort hieß damals Niedernhausen, kommt aber von 1274 an — als daS Kloster von Herrenhaag nach Marienborn verlegt wurde — nicht mehr vor. ES wurde der Abtei Arnsburg unterstellt und gehörte dem Cifterzienser Orden an. Sehr bald blühte es auf, denn nicht bloS daS Yseuburgische HauS, sondern auch der reiche Frankfurter und Wetterauer Adel beschenkten das Kloster und sandte seine Tochter zur Erziehung oder zum Eintritt in das Kloster als
Deutsches Reich.
Berlin, 22. Juli. Entgegen den früheren Mittheilungen in der Streitfrage Deutschlands mit Marokko wird jetzt offictöS gemeldet, daß eine volle Genugthuung für die Ermordung Rockstrohs bisher keineswegs erreicht worden ist. Die letzte Erklärung der marokkanischen Regierung hat vielmehr die deutsche Regierung noch nicht befriedigt, so daß dem Sultan von Marokko, wie wir hören, nunmehr von dem kaiserlichen Gesandten in Tanger unter nachdrücklichem Hinweis auf die Anwesenheit des deutschen Geschwaders eine letzte Frist gestellt worden ist, wegen der Ermordung des deutschen Kausmanns Rockstroh die verlangte Genugthuung zu gewähren. Von der Einsicht der marokkanischen Regierung steht zu hoffen, daß sie durch rückhaltloses Eingehen auf die deutschen Forderungen weitere Maßregeln überflüssig machen wird. Jndesien wird ihre Antwort auf das deutsche Ultimatum Angesichts der örtlichen Verhältniffe und Entfernungen vor Ablauf von etwa 14 Tagen hier kaum bekannt werden können.
— Von dem in Heidelberg stattfindenden deutschen Journalisten- und Schriftstellertage wird gemeldet, daß daS am 20. Juli im großen Museums- saal zu Heidelberg anläßlich deS Journalisten- und Schrift-
Der Gießener Anzeiger rrschcmt täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießener Aamittenvkätter werden dem Anzelc wöchentlich drei beigelegt.
Nonnen. Wir finden als Aebtifsinnen und Klofterjungframn: Zwei Gräfinnnen Isenburg, eine Gräfin von Wertheim, eine Gräfin von Hanau- vier Töchter des Grafen Ludwig von Isenburg, eine Gräfin von Solms, sowie noch viele Damen aus dem niederen Adel. Eine ausgezeichnete Vorsteherin war u. a. Adelheid von Hadamar, welche etwa um 1460 die Kirche und die ConventSgebäuöe wieder herstellen und be- sonders mit kostbaren Holzschnitzereien auSschmücken ließ, auch bestrebt war, die gesunkene Zucht und Ordnung wieder her- zustellen. Im 15. Jahrhundert riß auch zu Marienborn Sittenverderbniß, wie überall unter den Klöstern, ein. Der Adel suchte für sich seine nachgeborenen Söhne und solche, die sich zum Waffenhandwerk nicht eigneten, einträgliche geistliche Stellen zu schaffen. Die Töchter, welche keine günstige Gelegenheit zur Verheirathung fanden , wurden w reichen Klöstern untergebracht, wo fie ein gemüthliches Leben lieber die Sittenverderbniß in den Klöstern fingt ein Volkslied aus dem 14. Jahrhundert:
Gott geb ihm ein verdorben Jahr, Der mich macht zu einer 'Nonnen Und mir den schwarzen Mantel gab, Dm weihen Rock darunter.
Soll ich ein' Nonn' geworden, Dann wider meinen Willen, So will ich auch ei'm Knaben jung Seinen Kummer stillm.
Und stillt he mir den meinen nit,
Davon mag he Verliesen. .. T- r • tu \ (Conf. Faßti Lunb. p. 34.)
Von den Rittern des deutschen Ordens sagt ein Neimlein. Kleider aus und Kleider an, Essen, trinken, schlafen gähn, Das ist die Arbeit, So die deutschen Herren Han.
(Schluß folgt.)
Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
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-—-''T v. {(beit 1 ijine, ein rruqyin, ein ötyiutuitHwi, yc cm wuiuiti,
nÄater^akÄ Aäckermeifter mit Knecht, Koch, Müller mit Knecht und eine j Kuhmagd. Außerdem fanden sich zur Ernte- und Herbstzeit bei der Arbeit: Schnitter und Mäher, Pfahlhauer und sonstiges Arbeitsvolk ein, für welches in einem Jahrgange
Bekanntmachung, betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums.
Der Orlsvorstand zu Nidda beabsichtigt mit dem am S. September l. I. stattfindenden Herbstmarkte eine Ver- laosung von Vieh, landwirthschaftlichen Geräthen und sonstigen Gebrauchsgegenständen zu verbinden.
Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver- loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 8000 Loose zu 50 Pfg. das Stück, aüsgegeben werden dürfen und mindestens 60 % des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.
Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen gestattet worden.
Gießen, den 19. Juli 1895.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
I. V-: Dr. Melior.
ein*® Pfennige jährlich ausgegeben.
fln bk jg dem Kloster beschäftigt neun Knechte, ein Wald- und
" uni" *—62$ Weingartenhüter *), ein Eisenhauer (Schmied), ein Fohlen-
ante
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