Ausgabe 
23.6.1895 Erstes Blatt
 
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Direktorate bezw. Rectorate der Studieranftalten erhalten, welchen der Central-Ausschuß des Deutsch > Oesterreichischen AlpenvereinS in Graz (Albrechtgasse) die Legitimationen liefert. (Direct an Studierende werden solche vom Central-Ausschuß nicht abgegeben.)

** Militärdieustuachrichtev. Kreuter II., Hauptm. ä la suite des Jnf.-RegtS. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 und Comp.-Führer bei der Unteroff.-Borschule in Jülich, unter Belassung ä la suite des gedachten Regts., in gleicher Eigenschaft zur Unteroffizier-Schule in Biebrich, v. Winterfeld, Pr.-Lt. vom 3. Großh. Heff. Jnf.-Regt. (Leib-Regt.) Nr. 117, unter Stellung ä la suite dieses Regts., als Comp.-Führer zur Unteroff. Vorschule in Jülich versetzt. La mm ich, Hauptm. z. D., zuletzt Comp. Chef vom Rhein. Fuß-Artillerie-Regt. Nr. 8, zum Bezirksoff. bei dem Landw.'Bezirk Worms ernannt. Dem Hauptm. und Comp. Chef v. Bomsdorff vom 1. Großh. Hess. Inf.-(Leib­garde-) Regt. Nr. 115, ein Patent seiner Charge verliehen, v. W e d e l, Major und Commandeur des 1. Großh. Hess. Drag.- Rgts. (Garde-Drag.-Regts.) Nr. 23, zum Oberstlieutcnant be­fördert. v. K o e ck r i tz, Pr.-Lt. von der Res. des 2. Großh. Hess. Drag.-Regts. (Leib Drag. Regts.) Nr. 24 und commandtrt zur Dienstleistung bei diesem Regt., früher Sec.-Lt. im damaligen 1. Schles. Huf. Regt. Nr. 4, im activen Heere und zwar als überzähl. Pr.-Lt., vorläufig ohne Patent, bei dem 2. Großh. Hesi. Drag.-Regt. (Letb-Drag. Regt.) Nr. 24, wieder angestellt, v. Beck, Oberstlt., beauftragt mit der Führung des Großh. Hefi. Feld-Art.-RegtS. Nr. 25 (Großh. Art.- Corps) zum Commandeur dieses Regts. ernannt. Die Unter­offiziere Kr et sch mar vom Jnf.-Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Becher vom 4. Großh. Hess. Jnf.-Regt. (Prinz Carl) Nr. 118, zu Port.-Fähnrichs befördert.

** Schuß Prämie. Der Verband deutscher Brieftauben- Liebhaber-Vereine hat für das Abschteßen und Fangen von Wanderfalken, Hühnerhabichten und Sperber­weibchen unter den nachstehenden Bedingungen 1200 Mark als Prämie ausgesetzt: Diese 1200 Mark gelangen Anfangs December 1895 nach dem Verhältniß der eingelieferten Fänge zur Vertheilung. Zur Erhebung eines Anspruchs an diesem Prämiengelde müsien diebeiden Fänge" eines Raub­vogels (nicht der ganze Raubvogel) bis spätestens Ende November 1895 dem Verbands - Geschäftsführer I. Hoerter zu Hannover franco eingesandt werden. ES wird gebeten, die Fänge zu sammeln und auch, um unnöthige Porto-Aus­gaben zu vermeiden, zusammen einzusenden, auch wolle man nur die Fänge vorgenannter Raubvögel einsenden, da nur diese Berückfichtigung finden können.

Bad-Nauheim, 21. Juni. Nach der amtlichen Fest­stellung wurden vom 14. bis einschließlich 20. Juni 1895 746 Fremde angemeldet. Hierzu Bestand nach voriger Liste 4641 , Summa 5387 (in der gleichen Woche 1894 4649, mehr 738). Davon waren am 21. noch an­wesend 2992.

Laubach, 19. Juni. Bet dem gestern Abend von Osten über unsere Stadt ziehenden Gewitter erfolgte kurz nach 9 Uhr ein heftiger Schlag. Der Blitz hatte an der südlichen Giebelseite des Joh. FriedrichftiftS eingeschlagen. Nachdem er einen Thetl der Dachgefimse zertrümmert, fuhr er in mehreren Streifen an der Außenwand her und löste den Verputz von dem Gebälke. Darauf nahm er seinen Weg nach innen und erschreckte die in einem Schlafzimmer ver­sammelten Frauen- glücklicherweise blieb eS dabei, da der Schlag nicht zündete. Ein mit starken Etsenstäben ver­gittertes Gtebelfenster könnte mit der Anziehung in Verbindung gebracht werden. Die übrigen Umstände sprechen dafür, daß man es hier mit einem sogenanntenKugelblitz" zu thun hat.

Seligenstadt, 20. Juni. Bei einer dieser Tage hier ab­gehaltenen Hochzeit wurde das zum Hochzeitsschmause nöthige Fletsch in einem vorher mit Vitriol gereinigten Kefiel gekocht, wobei die Köchin, glücklicherweise noch früh genug, bemerkte, daß das Fleisch während des Kochens ganz schwarz geworden war. Die hierauf von einem Chemiker vorgenommene Untersuchung des Fleisches ergab, daß der Genuß der geringsten Menge deffelben tödtlich hätte wirken können.

Mainz, 21. Juni. Aehnltch wie die Militärbehörde bat die Postverwaltung hier ihren Unterbeamten den Besuch verschiedener Wirthschaften verboten. Das Verbot wurde damit begründet, daß in den betreffenden Wirthschaften sittenlose Frauenzimmer verkehrten. In Folge einer von den Wirthen bet der Oberpostdirection in Darmstadt er­hobenen Beschwerde wurde zur Untersuchung der Sache ein Oberpostinspector hierher beordert, der in einzelnen Fällen das Verbot aufhob, in anderen aber als durchaus zutreffend bestehen ließ. Ein von hier gebürtiger Gefreiter des 118. Regiments, der wegen wiederholten Ausbleibens über Zapfenstreich zu fünf Tagen Mtttelarrest und Degradation verurtheilt war, hat sich gestern Abend in der Reduitkaserne in Kastel erschossen. Ein Landwehrmanu vom 88. Regi­ment wurde vom Hitzschlag getroffen. Mit dem kommenden October werden bei den rheinischen Bahnen unter dem Zugpersonal große Veränderungen vor­genommen. Diese Veränderungen sind um deßwillen erfor­derlich, weil von dem angegebenen Zeitpunkte an die zwischen Frankfurt und Köln verkehrenden Züge für die ganze Strecke das gleiche Personal behalten, während seither in Kastel, Biebrich-Mosbach sowie in Niederlahnstein und Coblenz ein Wechsel des Maschtnenpersonals stattfand.

* Marburg, 21. Juni. Zertrümmerte Fenster­scheibe. Auf originelle Weise mußte gestern Abend ein Ladenbefitzer am Lahnthor eine Fenster- bezw. Ladenscheibe etnbüßen. Der große Hund eines Hausbesitzers am Grün, der das Lahnthor cherauf und dicht an der bis auf die Straße

reichenden Fensterscheibe vorbeikam, bemerkte plötzlich in der letzteren sein Ebenbild. Wohl in der Meinung, daß er einen anderen Gassengenossen vor sich habe: ein Satz aufdenselben" und die Scheibe flog unter dem größten Gaudium der Straßeu- paffanten in Trümmer. Mit eingezogenem Schwänze suchte der Hund schleunigst das Weite.

* Hanau, 21. Juni. Achtzig hiesige Firmen machen öffentlich bekannt, daß sie fortan ihre GeschäftSlocale mit Ausnahme des SamStagS und der Zeit vom 15. November bis 31. December um acht Uhr Abends schließen.

* Berlin, 21. Juni. Auf Grund eines hier etngegangenen Schriftstückes des österreichisch - ungarischen Consulats in Kirkliffe kann derLocalanzeiger" mittheilen, daß der Räuber A t h a n a s, der vor 4 Jahren den Stangen'schen Vergnügungs­zug nach Conftantinopel überfiel und 20000 Fr. Lösegeld erpreßte, sich nach wie vor auf freiem Fuße befindet. Da­gegen find 5 zu seiner Bande gehörige Räuber ergriffen worden, die von jener Summe je 700 Fr. erhielten.

* Hagen, 18. Juni. Die gefährliche Sitte der Begleiter von Viehtransporten, auf der Etsenbahnfahrt von einem Wagen in den andern zu klettern, um das Vieh entsprechend zu beaufsichtigen, hat den Tod eines Viehbegletters aus Elberfeld zur Folge gehabt. Der 25 jährige Mann sprang auf dem Güterbahnhof Altenhagen bei voller Fahrgeschwin­digkeit aus einem Viehwagen, ließ dann einige Wagen vor- betpassiren und versuchte nun, auf das Trittbrett eines andern Wagens zu springen. Er verfehlte dabei das Ziel und ge- rieth unter die Räder, die ihm beide Beine und den rechten Arm vom Körper trennten. Bereits 2 Stunden später gab er seinen Geist auf.

* Einen kaum glaublichen Schwindel hat der Eisenbahn- Assistent Theodor Sch. in Düsseldorf seit vielen Jahren verübt. Er hat die Pension für die Wittwe eines Eisenbahn- beamten erhoben, die nie gelebt hat. Er mußte zu diesem Zwecke eine Menge Fälschungen vornehmen, auch die Be­scheinigung des Polizeicommiffars, daß die in Wirklichkeit nicht existirende Wittwe noch lebe, fälschen. Ein Räthsel bleibe es, wie er ran die Formulare gekommen ist. Wegen seiner guten Führung wurde Sch. am 1. April d. I. vom Assistenten zum BetriebSsecretär befördert und nach Elberfeld versetzt. Jetzt wurde die Betrügerei entdeckt. <^ch. flüchtete unb ist in Frankfurt a. M. verhaftet worden.

* Hamburg, 20. Juni. Durch einen Taschendieb arg mitgenommen wurde gestern ein Fremder. Ihm wurden drei Portemonnaies gestohlen- eins enthielt 500 Mk. in Gold und Papier, die anderen beiden zusammen etwa 50 000 Mk., nämlich 14 500 Mk. und eine Anweisung auf 1500 Pfd. St., Nr. 498 auf B. F. Praag an Ms. Emma L. Wilmerding, Wellfare u. Co., sowie einen Check über 400 Mk. von Heinr. Donner, ferner einen Brief mit der Adresse Herrn Paul Rosenbaum, Berlin. Außer diesem Diebstahle ist eine ganze Anzahl anderer Taschendiebstähle zur Anzeige gebracht, bei denen es sich um kleinere Beträge handelt. ES gelang bereits gestern Nachmittag der Crtmtnal- polizei, zwei Taschendiebe bei Ausübung ihrer lohnenden Beschäftigung abzufaffen und dingfest zu machen. Bet dem einen von ihnen wurde eine Anzahl gestohlener Portemonnaies, zum Theil mit beträchtlichem Inhalt, gefunden.

* Festmahl tu Hamburg. Wie Berliner Blätter melden, kostete das einzelne Gedeck bei dem von der Stadt Ham­burg gegebenen Festmahle 100 Mk.

* Der Nord Ostsee Caual. Die ersten uns bekannt ge­wordenen Arbeiten und Bemühungen, einen Schifffahrtsweg von der Ostsee nach der Nordsee herzustellen, um dadurch das zeitraubende und gefährliche Umsegeln von Jütland zu vermeiden, reichen gerade 500 Jahre zurück. Zu Ende des 14. Jahrhunderts (13911398) wurde bereits der Stecknitz- Canal erbaut, welcher eine Schiffsverbindung von Lübeck nach der Elbe bet Lauenburg ermöglichte. 125 Jahre später (1515) führte der Herzog von Holstein unter Beihilfe Lübecks den Alster-Trave-Canal aus, welcher jedoch nach kurzer Zeit wieder zerstört wurde. Danach bemühten sich nicht allein die Könige von Dänemark' Christian III. und IV. vielfach um Herstellung eines Wafferwegs zwischen Ost- und Nord­see, auch der englische Machthaber Oliver Cromwell plante ein solches Unternehmen und der Kaiserliche Oberbefehlshaber zu Lande und zu Waffer, Wallenstein, schritt 1628 zur Aus­führung eines Canals. Diese Arbeiten wurden indessen nicht zu Ende geführt, vielmehr kam erst in den Jahren 1777 bis 1785 durch König Christian VII. von Dänemark der Etdercanal, welcher die Kieler Bucht über Rendsburg mit der Nordsee bei Tönning verbindet, wirklich zur Ausführung. So werthvoll auch der Stecknitz- und Eider Canal für den Verkehr kleinerer Schiffe sind, für die mehr und mehr zur Verwendung kommenden großen Kauffahrteischiffe waren diese Wafferwege nicht zu benutzen, noch weniger für die Schiffe der Kriegsmarine. Nicht allein die Jntereffen des Handels, sondern mehr noch die Sicherheit der Landesvertheidigung erforderten die Ausführung eines befferen Wafferweges. Mit der Erstarkung des deutschen Einheitsgedankens tritt die Erkeuntniß von der Nothwendigkett eines neuen Canals immer mehr hervor- schon der Flottenausschuß im Jahre 1848 beschäftigte sich mit dieser Frage. Die Ausführung blieb jedoch dem kraftvollen Kaisergeschlecht der Hohenzollern und den damit vereinigten Bundesfürften Vorbehalten. Wie alle die Lebensintereffen Deutschlands berührenden Fragen weit­reichenden Schutz und mächtige Förderung durch unsere Kaiser erfahren haben, so wurde die Ausführung des Nord-Ostsee- Canals zu einer Angelegenheit des Deutschen Reiches er­hoben. Am 16. März 1886 wurde das RetchSgesetz über die Ausführung deS Canals erlassen. Als Unterlagen hatten die Vorarbeiten deS Geheimen Ober-Bauraths Lentze (1864), des Hamburger Reeders Dahlström (1879) und deS Wasser- bauinspectors Boden gedient, welche mehrere Jahre durch preußische und Reichsbehörden bearbeitet und geprüft worden waren. In Berlin wurde der Geh. Ober-Baurath Baensch mit der Prüfung der Pläne, der Anschläge und der Bau­ausführung betraut. Bon besonderem Interesse dürfte sein,

daß die Canalanlage in ihrer ganzen Länge electrisch be­leuchtet wird- bei den Eröffnungsfeierlichkeiten kam ebenfalls die electrifche Beleuchtung zur Anwendung und functionirre aufs Beste. Die Beleuchtungsanlage wurde unter An­wendung der neuesten Forschungsergebnisse und Erfindungen von der Actien gesell schäftHelios" in Köln- Ehrenfeld auSgeführt- dieselbe veröffentlicht hierüber eine für Fachmänner wie Laten gleich interessante, sehr schön aus- gestattete Festschrift.

* Ausfichtslhurm bei Gravelotte. Der auf der Hähe vonPoint du Jour", 2 km von Gravelotte und 1 km von der oft genanntenSchlucht" entfernte, zu Anfang dieses Frühjahrs in Angriff genommene Aus sicht St hur m hat bereits eine solche Höhe erreicht, daß er von der Metzer Esplanade auS sichtbar ist. Besteigt man mtt Hülse der Gerüste daS jetzt schon über 25 Meter hohe Bauwerk, so genießt man eine in ihrer Art wohl einzig dastehende AuS- sicht. Im Vordergrund erheben sich die vielgenannten Fermen MoScou, Leipzig und La Folie, sowie das jetzt in eine Wirth- schäft umgewandelte St. Hubert, em heiß umstriirenes Kampf­object am 18. August. Dahinter zieht sich die blutgetränkte Schlucht hin und auf der jenseitigen Höhe schauen die flach, gtebeligen Häuser von Gravelotte, Rezonvtlle und Berneoille herab. MarS-la-Tour wird erst nach vollständiger Fertig­stellung des Denkmals sichtbar werden. Weiterhin tauchen Mogador auf, von wo auS der Kaiser eine Zeitlang die Schlacht vom 18. August leitete, ferner Malmaison, daS düstere St. Privat und Ste. Marie-aux-Chenes. Die zahl­reichen, sich von den Feldern abhebendeu, mit weißen Kreuzen geschmückten Grabhügel gestatten eS, den Gang der ver- schtedenen KamPfeSeptsoden zu verfolgen. Ueber das Gelände zerstreut erblickt man die stattlichen Denkmäler deS 33. und 29., weiterhin die des 14., 54. und 42. Regiments und die der rheinischen Infanterie-Regimenter Nr. 28 und 69, sowie daS hart an der Schlucht gelegene Denkmal des Magde- burgischen Infanterie-Regiments Nr. 67. Bei Flavigny ge- wahrt man daS Denkmal der 5. Division, eine Sreinpyramide, an der Stelle errichtet, wo Prinz Friedrich Carl am 16. August die Leitung der Schlacht übernahm. Weckt der Ausblick nach Westen und Norden vorwiegend kriegerische Er­innerungen, so gewährt die Fernsicht nach Süden und Osten Bilder von feffelndem landschaftlichem Reize, so das liebliche Moselthal mit einem Theil von Metz und seinen Vororte»', die bewaldete Hügelkette des linken Moselufers mit dem sich scharf abhebenden St. Blaise, die Höhen von Ars, Gorze und Noveant und in nebelgrauer Ferne die Ardennen und Vogesen. Jedenfalls ist der Standort des AussichtSthurmeS ganz vorzüglich gewählt. Nach dem heutigen Stande der Arbeiten ist mit Sicherheit darauf zu rechnen, daß die Ein­weihung am 18. August stattfinden kann. Es hat neuer­dings geheißen, daß der Kaiser dieser Einweihungsfeier per­sönlich beiwohnen werde- nach eingezogenen Erkundigungen ist dies aber ausgeschlossen, da der Kaiser am 18. August die große Parade über das Gardecorps auf dem Tempelhofer Felde abnehmen wird.

* Einem idyllischen Stillleben eines Amtsrichter« soll durch eine an das preußische Herrenhaus gebrachte Vorlage ein Ende bereitet werden. Der Gesetzentwurf bezweckt die Aufhebung des Amtsgerichtes auf der Insel Pellworm. Vor demselben sind jährlich höchstens vier, im Jahre 1891 gar keine Schöffengerichtssitzung abgehalten worden und im Ganzen während neun Jahren vier Privatklagen, sowie zwölf Anklagen wegen vergehen zur Verhandlung gekommen. Die Concurs-Ordnung ist noch gar nicht zur Anwendung gekommen. Auch die Grundbuchsachen und die Dormund­schaftssachen bleiben bei dem nur 2390 Seelen zahlenden Gutsbezirk hinter der Durchschnittszahl eines normal be­schäftigten Gerichtes sehr weit zurück. Das gesammte Arbeitspensum nimmt den Richter selbst in den beschäftigsten Zeiten wöchentlich nur wenige Stunden in Anspruch.

Citeratur und Rrrirsr.

Hamburgs Seemachtvellung ist der besondere Stolz unseres Volles und mit regstem Interesse verfolgt es alle Erschei­nungen der alten Hansa-Stadt, die auch jetzt wieder bet den bevor, stehenden Festlichkeiten der Eröffnung des Nord-Ostseecanals eine so bedeutsame Rolle spielen wild. Ein prächtiges, duftig getöntes Bild des Hamburger Hafens von Wtezels Hotel aus ausgenommen bietet das neueste Heft der beliebten HalbmonatsschriftDom Fels zum Meer" (Stuttgart, Union Deutsche Verlags-Gesellschaft. Preis des Heftes 75 Pf) dar, als Beilage zu einem illustrirten Artikel über Hamburgs alte und neue Sehenswürdigkeiten. Die Berücksichtigung der deutschen Städte und Landschaften, dieVom Fels zum Meer" seit jeher ausgezeichnet hat, wird noch durch einen Artikel über zwei Perlen des schwäbischen Landes: Calw und Kloster Hirsau, bewiesen, während daneben eine große Anzahl von Beiträgen das gesellschaftliche Leben unserer Zett schildert und Kunst und Wissenschaft gleichfalls nicht leer ausgehen. Romane von Ernst Wichert, Marte Bernhard und Carl Busse fesseln auch dm ver­wöhntesten Leser, und die arttstische Gestaltung eines jeden Heft-S zeigt von Neuem, daßVom FelS zum Meer" auf diesem Gebiete unerreicht dasteht. Diese Fülle von interessantem Lesestoff und fesselnden Bildern erklärt den Erfolg, den das Blatt in allen Kreism unseres Volkes gefunden hat.

Technische Fortschritte.

Borax als BerbinbungSmittel des Lehm». Borax erthetlt, dem Lehm zugefetzt, eine größere Haltbarkeit bet der Zu- fammensetzung eiserner Oefen, Kessel rc. Zu diesem Bedufe werden, nachElsn. chem.-techn. Mitth ", 4 Thetle Lehm mit 1 Theil Borax­pulver gemischt. Die in eisernen Oefen, Kesseln rc. entstandenm Risse werden ausgeschmtert mit einer Masse, bestehend aus einet Mischung von seingepulvertem Braunstein mit WafferglaSlösmrg. Bet dem Erwärmen des Ofens nimmt dieser Kitt sehr bald die Härte des EisenS an.

9Uue Eigenschaft de» «Urrminitrm». Ein Engländer Springs sand, daß zwei Aluminiumplatlen, die genau eben ge­schliffen sind, aufeinander qepreßt werden und die man tn diese« Zustande ca. 8 Stunden einer Hitze von ungefähr 330 Grad auS- setzt, sich nicht mehr von einander trennen lassen und so fest ver­bunden, wie zusammengeschwetßt erscheinen. Spannte man die eine Platte in einen Schraubstock und versuchte man die andere mit Hammer und Stemmeisen herunterzuschlagen, so riß diese eher Brocken aus der unteren Platte heraus, als daß ste sich in der Fuge gelöst hätte. Bei der Schwierigkeit, die das Löthm von Aluminium