Nr 145 Erstes Blatt. Sonntag den 23. Ium 189»
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Bekanntmachung.
Die laudwirthschaftliche- Ausstellung in Gießen vom 19. bis 22. September 1895 umfaßt bie Abteilungen; 1. Thierhaltung - 2. Lanbwirthschaftliche Gewerbe incl. Molkereiwesen; 3. Producte des Pflanzenbaues; 4. Landwirthschaft- liche Hilfsstoffe; 5. Wissenschaftliches; 6. Lanbwirthschaftliche Gerathe unb Maschinen; 7. Bienenzucht; 8. Fischzucht, v. Forstwirthschaft. In ben Abteilungen 1 bis ö unb 7 bis 9 werben — außer bei ben Gerüchen in biefen Ab- 1 Heilungen — nur Bewohner bes Großherzogthums Hessen als Aussteller zugelassen. Anmelbungen zur Ausstellung haben längstens bis 15. Juli bei bem geschästSführenben Ausschüsse in Gießen zu erfolgen. Gelb- unb Ehrenpreise ftnb im Betrage von über 10 000 Mk. ausgesetzt, außerdem Medaillen unb Ehrenbiplome. Das Nähere besagt bie Aus stellungs- unb Prämiirungs-Orbnung, welche von bem ge- schäftssuhrenben Ausschüsse in Gießen, sowie von ben BureauS bet lanbwirthschaftlichen Provinzial- unb Bezirks-Vereine unentgeltlich bezogen werden kann.
Gießen, ben 4. Juni 1895.
Der geschäftsführenbs Ausschuß.
Gefunden: 4 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Regenschirm, 2 Strohhüte, 1 Taschentuch, 1 Kinderschuh, 1 Hanb- presse, 1 Kette unb 1 Pferbeleine.
Gießen, ben 22. Juni 1895.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.. Wolff, Regierungs - Assessor.
TUudjtc NuchrLchteu»
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 21. Juni. Die amtliche Schätzung deS Saatenstandes im Königreich Preußen um Mitte Juni b. Ji ist folgende: Winter- unb Sommerweizen 2,6, Winterspelz 2,2, Sommerspelz 2,0, Winterroggen 3,1, Sommerroggen 2,9, Sommergerste 2,6, Hafer 2,6, Erbsen 2,9, Kartoffeln 2,5, Klee unb Luzerne 2,0 unb Wiesen 2,1, wobei die Nummern von 1 bis 5 die Prödicate: sehr gut, gut, mittel, gering unb sehr gering repräsentiren. Der ganze Osten der Monarchie leibet mit geringen Ausnahmen an großer Trockenheit und wenn nicht bald Regensälle eintreten, so sind die Sommersaaten ernstlich gefährdet. Die Provinzen Brandenburg und Sachsen, sowie der ganze Westen deS Königreichs haben größteniheilS fruchtbares Wetter gehabt. Im ganzen Staatsgebiete find zahlreiche Schäden durch wolkenbruchartige Gewitterregen, Hagel und besonders durch Frost zu verzeichnen. Durch erstere wurde der Kreis Bersenbrück im Regierungsbezirk Osnabrück am schwersten heimgesucht. Der Schaden erreicht die Summe von 1 Million Mark. Den meisten Frostschaden, namentlich bei Kartoffeln, hat die Provinz Brandenburg erlitten.
WB. Kiel, 22. Juni, Vorm. 9 Uhr 40 Min. Die beiden ranzösischen Panzer haben Nachts gegen 3 Uhr den Hafen verlaffen.
Depeschen deS Bureau .Herold".
Altona, 21. Juni. Nach einem hier eingegangenen Telegramm trifft der Kaiser am nächsten Montag in Lockstedt ein, um daS neu erworbene Terrain (für einen Exercirplatz) zu befichtigen.
Lübeck, 21. Juni. Heute Nachmittag wurde hierselbft die deutsche nordische Handels- und Industrie- Ausstellung durch den Handelskammer-Prässdenten Lange eröffnet. Die überaus schwungvolle Rede deS letzteren klang in einem Hoch auf den Kaiser aus. Der Feier wohnten die Spitzen der Behörden und ein zahlreiches geladenes Publikum bei.
Paris, 21. Juni. Dem „GauloiS" wird telegraphisch auS Kiel gemeldet, das französische Geschwader habe für sechs Tage Kohlen und Proviant genommen, um die russischen Schiffe auf offenem Meere zu erwarten.
Brussel, 21. Juni. Die „Jndependance beige" schreibt über die Kaiserrede in Hamburg, daß ganz Europa dieselbe freundlich begrüßen wird und daß sie ihren Friedens- zweck nicht verfehlen werde.
Belgrad, 21. Juni. Durch königlichen Ukas find ^ämmrltche Offiziere der Reserve von der Infanterie zu einer dreißigtägigen, die Reserv.sten des ersten Aufgebots zu einer zehntägigen Uebung einbsrufen worden.
Cocafc» «m» jproHttjtett«».
Ließen, ben 22. Juni 1895,
* ♦ 22. Mittelrheinisches KreiStnrnsest. Die Einzel- auSschüsse für daS Turnfest haben nun beinahe ihre . Arbeiten beendet und deren Mitglieder können mit Befrie- i bignng auf ihre Thätigkeit in den letzten Monaten zurückblicken. Gab es doch manche Differenz zu begleichen, manche sich widerstrebende Interessen beizulegen. Man fand in j allen Kreisen das nöthige Entgegenkommen und ben besten , Willen, zum Gelingen des Ganzen nach Vermögen beizutragen. Nur wenige Wochen trennen uns von dem eigentlichen Feste. Noch für keine Veranstaltung stand uns ein ' so geräumiger Festplatz zur Verfügung, wie dieses Mal, eS dürfte aber auch schwerlich eine zweite Stabt im Groß- herzogthum geben, die einen so gewaltigen Platz in ihrem Weichbilde zur Verfügung hat, wie wir ihn dieses Mal, Dank i der Bereitwilligkeit der städtischen Behörde, für unser Turn- ■ fest haben. Ein Vortheil ist es ohne Frage, daß der Fest« ' platz mit dem Juxplatz in einem Complex vereinigt ist. , Schon erhebt sich, in ihren äußeren Umrissen sichtbar, die ; gewaltige Festhalle und noch einige Tage und der hochauf- j strebende Thurmbau wird der äußeren Fa^ade dieser Halle ! seine Signatur geben. Die Umzäunung des Platzes selbst ist vollendet und an allen Ecken desselben regen sich fleißige Hände, um die Wirthschaftshallen rc. herzurichten. Wir können ganz außer Sorge fein, am eigentlichen Festtage wird Alles vollendet sein, auch die Bürgerschaft wird ihr voll gemessenes Theil dazu beitragen, unsere Stadt durch Fahnen und Laubgewinde in ein festliches Gewand zu kleiden. Die fremden Gäste, welche während des Festes in unserer Stadt weilen, werden inne werden, daß es die Bevölkerung Gießens versteht, Feste zu feiern. Gut Heil!
* * 22. Mittelrheinisches Kreisturufest. Gestern Abend fand in Steins Garten eine Hauptversammlung deS Festausschusses unter Vorfitz des Herrn Beigeordneten Georgi statt. Zweck der Versammlung, welche sehr zahlreich besucht war, war Entgegennahme der Berichte des Gesammtausschusses wie der Einzelausschüffe, und ließ sich aus der von Herrn Helm gegebenen Uebersicht über die Thätigkeit der Ausschüsse ersehen, welche Fülle von Arbeit zu verrichten ist, um ein so großes Fest in bie richtigen Wege zu leiten. Es fanden bis jetzt 75 Sitzungen statt, davon kommen auf den geschäftsführenden Ausschuß 14, den Finanzausschuß 7, den Bau- und Ausschmückungsausschuß 11, den Preßausschuß 4, den Turnausschuß 7, den WirthschaftS- auSschuß 11, den Wohnungsausschuß 3, den Empfangs- ausschuß 5, den Musik- und Vergnügungsausschuß 12, ben Zug- und Ordnungsausschuß 3, außerdem hielten einzelne Unterausschüsse noch eine Anzahl von Sitzungen ab, womit die Zahl derselben noch nicht geschloffen ist, denn die Tage zwischen heute und dem Feste werden einzelne der genannten Ausschüsse noch ganz besonders beschäftigen. Der Voranschlag des Festes stellt sich in Einnahme und Ausgabe auf 57,000 Mk. Nach den bis jetzt vorliegenden Anmeldungen werden ca. 1800 Turner Quartiere beanspruchen, wovon co. 500 in Massen quartieren unterzubringen sind, falls nicht noch zahlreiche Meldungen von Freiquartieren einlaufen. Der Entwurf zu einem Aufruf an die Einwohnerschaft wurde gutgeheißen. An Se. Kgl. Hoheit den Großherzog ist eine Einladung zur Theilnahme am Feste ergangen und Hochdemselben Seitens des Hofmarschallamts nach England nachgesandt worden. Mit einem dreifachen „Gut Heil" auf daS Gelingen des 22. Mittelrheinischen Turnfestes wurde nach einigen geschäftlichen Mitteilungen die Versammlung geschlossen.
* * Die Capelle der schwedischen Gardehusaren, welche am 27. ds. Mts. in Steins Garten ihr Concert veranstaltet, ist im vorigen Sommer in Berlin im Kroll'schen Etablissement mit sensationellem Erfolg ausgetreten, ebenso in Leipzig und Dresden. Speziell in Leipzig ist die Capelle sehr gefeiert worden. Das „Leipziger Tgbl." schreibt u. A.: Heber die Leistungen der Capelle dürfte wohl nur eine Stimme sein, sie sind einfach vortrefflich in ihrer Art und wurden als solche vom Publikum auch bereitwilligst anerkannt, an Beifall fehlte es somit nicht, ja derselbe nahm mehrfach derartige Dimensionen an, daß einzelne Nummern wiederholt, andere zugegeben werden mußten. So wurde die Wiederholung des Intermezzos aus MaScagni's „Cavalleria rusti- cana“ vom Publicum dnrchgesetzt, ebenso auch die der Romanze aus Felicien David s „Laila Rookh“. Was die Borträge der Capelle besonders angenehm und werthvoll macht, ist bie absolute Reinheit unb Tonschönheit, bie Überall als Mufier gelten kann, unb musikalischen Ohren wohlthut.
So kam selbst das Mascagni'sche Intermezzo, das sicher für Blechinstrumente nicht gedacht ist, zu einer klangschönen Wiedergabe. Eine sehr angenehme Gabe war Södermanns „Bauernhochzeit", besonders der bekannte und beliebte „Hoch- zeitSmarsch" war von durchschlagender Wirkung. Der zweite Theil des Programms begann mit „Silhouetten aus Ungarn" von Hofmann. DaS Stück zeichnete sich durch Wohlklang aus, und wurde in allen Thetlen sehr schön und wirkungsvoll geblasen. Dieses Lob ist auch allen übrigen Vorträgen zu spenden.
* * Fahrplananberung im OmnibnSverkehr. Wir versäumen nicht, unsere Leser darauf aufmerkfam zu machen, daß an Sonntagen der erste Wagen nach dem Schiffenbergerwald nicht mehr 2 Uhr 40Min., sondern erst um 3 Uhr Nachmittags und dann alle 20 Minuten abfährt. Ebenso geht der erste Wagen ab Schiffenbergerwald nicht mehr um 6 Uhr 30 Min., sondern um 7 Uhr. In Anbetracht der wärmeren und längeren Tage eine recht angebrachte Neuerung.
* * Evangelische Conferenz für das Grobherzogthum Hesse«. Am Mittwoch, 26. Juni l. I., 11 Vz Uhr Vormittags, findet im großen Saale des Predigerseminars zu Friedberg die Jahresversammlung statt. Bei derselben wird außer Geschäftlichem über ein ebenso interessantes als zeitgemäßes Thema verhandelt werden, indem Profeffor D. Weiffenbach in Friedberg über die Frage nach der „Mitarbeit der evangelifchen Kirche bei der Lösung der socialen Frage" Thesen gestellt hat und referiren wird. Auch Nicht - Conferenzmitglieder find bei der Versammlung als Freunde und Gäste willkommen.
* * Kriegergräber bei Metz Die Vereinigung zur Schmückung und fortdauernden Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz übernimmt wie seither die Niederlegung von Kränzen für Angehörige, Freunde u. f. w. dort ruhender Shrieger und bittet um thunlichst zeitige Ueberfenbung ober vorherige Anrnelbtmg. Geldbeiträge zur Schmückung sind willkommen, auch stehen Sammellisten zur Verfügung. Adreffe für Packete und Briefe: „Vorstand der Vereinigung zur Schmückung der Kriegergräber, Metz." Adresse für Geldsendungen: „Herrn Ionas, Schatzmeister der Vereinigung zur Schmückung der Kriegergräber, Metz."
* * Sterbekasse de8 Gastwirthe Verbandes. Die Vortheile, welche der Familie erwachsen, wenn der Ernährer sich rechtzeitig an nützlichen Einrichtungen beteiligt, wurden anläßlich des Ablebens des Herrn Gastwirth Wilhelm Martin von Mainz in überzeugender Weise klar erwiesen. Genannter war Mitglied der Sterbekasse deS Süddeutschen Gastwirthe - Verbandes und erhielten dessen Hinterbliebenen die so bedeutende Sterberente im Betrage von 1250 Mk. sofort nach dem Ableben durch den Ortsrechner, Herrn Restaurateur L. Mondrion in Mainz, prompt ausbezahlt. Es ist dies ein Hinweis für alle Gastwirthe, sich dem Süddeutschen Verbände und seiner segensreich wirkenden Sterbe- kaffe anzuschließen, um hiermit den Seinen das Bezugsrecht auf ein so bedeutendes, nach § 749 des Civ.. Ges. unpfändbares Capital zu sichern. In schweren Stunden ist greifbares Geld nie zuviel vorhanden, der Beitritt bedeutet daher nur eine ernste Pflichterfüllung, welche um so leichter, als der Beitrag ein niedriger ist. Diese Corporationsrechte (Juristische Person) besitzende Kaffe nimmt einen sehr gedeihlichen Aufschwung und hat gute Geschäfts-Resultate zu verzeichnen - während seit Januar 1893 für Sterbefälle mehr als 260 000 Mk. ausbezahlt wurden, beträgt der Reservefond ca. 150 000 Mk. Der Verwaltungsfitz befindet sich in Darmstadt, Director ist Stadtverordneter Rein em er daselbst. Die kürzliche Revision der Kaffe durch den beeideten Revisor ergab tadellose Geschäftsführung. Anmeldungen nehmen obengenannter OrtSrechner, sowie auch die Vorstände der in fast allen Städen bestehenden Gastwirthevereine entgegen.
* * Studenteuherbergen. Die vom Deutsch-Oefterreichifchen Alpenverein in den Alpen eingerichteten Studentenherbergen werden vom 1. Juli bis 30. September wieder geöffnet. Berechtig! zur Benützung derselben sind die Hörer der Universitäten und technischen Hochschulen, sowie die Abiturienten von Gymnasien, Realgymnasien, Realschulen und diesen im Range gleichgestellten Mittelschulen. Die Legitimationen zur Benützung der Herbergen werden ausgegeben an akademische Bürger von den Akademischen Sectionen des Deutsch - Oesterreichischen Alpenvererns in Berlin, Graz und Wien, von den Akademischen Alpen- vereinen in München und Innsbruck, sowie von den Rectoraten der Hochschulen. Abiturienten der Mittelschulen können die Legitimationen ausschließlich nur durch die


