Ausgabe 
23.1.1895 Erstes Blatt
 
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Berlin, 21. Januar. Der 64er sandte an Kaiser Wilhelm ein herzliches Danktelegramm für die dem Grasen Schuwalow erwiesenen Ehren. Ferner richtete Schuwalow an den deutschen Kaiser ein Dankschreiben mit der Bitte, ihm auch ferner sein Wohlwollen zu bewahren.

Berlin, 21. Januar. In parlamentarischen Streifen ver­lautet, die GeschäftSordnungscommission wolle alle aus die Ausschließung eines Mitgliedes von einer oder mehreren Sitzungen abztelend- Anträge infolge des Widerstandes deö TentrumS nicht annehmen und dagegen auf Herabsetzung der BeschlußfähigkeitSziffer und Ertheilung einer Rüge an die ohne Entschuldigung von ReichStagSsitzungen fernbleibenden Abgeordneten annehmen. Ferner verlautet, im Bundeörathe werde der Täbakfte^erentwurf noch im Laufe dieses Monats zur Verabschiedung gelangen.

Frankfurt a. M., 21. Januar. In der heutigen Schwur- gerichtSsitzung hatte sich der Bankier Friedrich Schwahn noch wegen betrügerischen Bankerott- zu verantworten. Nach umfassender Beweisaufnahme erfolgte seine Freisprechung, sodaß eS bei der neulich wegen Unterschlagung erkannten fünfjährigen Gefängnißstrafe verbleibt.

Wiesbaden, 21. Januar. Gestern tagte im großen Römersaale eine Katholikenversammlung, in der Reichstagsabgeordneter Dr. Lieber über die Aufgabe des katholischen Volksvereins sprach. Er berührte dabei die Umsturzvorlage und vertheidigte die Haltung des Centrums, das auf die Commissionsberathung einging gegenüber der Forderung der Centrumsblätter, die einer sofortigen Ab­lehnung der Vorlage daS Wort reden. Offenbar richtete sich diese Rechtfertigung gegen eine Serie von Artikeln deS ultra­montanenMainzer Journals", überschrieben:Briefe eines preußischen Katholiken".

Wien, 21. Januar. Gestern Nacht wurde in Budweis von unbekannten Thätern der israelitische Tempel vollständig auSgeraubt. Die geraubten Gegenstände haben einen erheblichen Werth.

Rom, 21. Januar. In BudriS (Prov. Emilia) ist der socialistische Candidat Costa mit 2079 Stimmen gegen den General Mtrri, der 1765 Stimmen erhielt, in die Kammer gewählt worden. Z

Nom, 21. Januar. Der P a'p ft empfing den französischen s ocialistischen Abgeordneten Vigne d'Octon, der sich zum Studium italienischer Universitätseinrichtungen nach hier begeben hatte, in längerer Audienz; in derselben sprach der Papst über den SoctalismuS, wobei er von ganz neuen Gesichtspunkten auSging, sowie über die jüngsten Er» eignisse in Frankreich.

Paris, 21. Januar. Am Mittwoch scheidet General Gallifet aus dem activen Militärdienst wegen erreichter Altersgrenze aus. Ein Antrag auf Beibehaltung deS Generals wurde von der Militärbehörde abgelehnt.

Paris, 21. Januar. DerEclair" veröffentlicht das Bestätigungsschreiben eines in Antwerpen lebenden Franzosen, wonach der Präsident Faure 1863 in Ambroise als Gerbergesele mit ihm in die Armee eingetreten ist.

Paris, 21. Januar. Bourgeois hat sich heute Vor­mittag zum Präsidenten der Republik begeben, um über seine weiteren Schritte bezüglich der CabinetSbildung zu berichten. Heute Abend soll das Cabinet definitiv gebildet werden und morgen werden die Namen der neuen Minister im Amtsblatt publlcirt werden. Sodann findet die Redigirung deS Re« gierungsprogramms statt und am Donnerstag wird sich das Sabinet beim Zusammentritt der Kammer vorstellen.

Konstantinopel, 21. Januar. In dem Befinden des Ex- Khediven Ismail Pascha ist eine derartige Verschlimme­rung eingetreten, daß die Aerzte seinen Zustand als hoff­nungslos bezeichneten.

Gießen, den 22. Januar 1895.

Empfang. Se. Königl. Hoheit der Groß Herzog empfingen am SamStag u. A. den Profeffor Dr. Siebeck und den Professor Dr. JörS von der LandeS-Universität Gießen. *

* * Ausübung der Jagd. Ein bei der Zweiten Kammer eingegangener Antrag der Abgg. Ulrich und Genossen lautet: Die Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu ersuchen, das Jagdrecht im Lande durch eine Vorlage zu regeln, welche die Ausübung der Jagd freigiebt. Der Antrag ist mitunterzeichnet von den Abgg. Müller, Cramer und Köhler.

D. Neues Theater. Wir sind im Allgemeinen von Volksstücken" nicht sehr erbaut, da dieses Wort gar oft mißbraucht wird, um einer geist- und witzlosen in unteren Gesellschaftsklaffen spielenden Comödie einen Namen zu geben. Der Anzengruber'scheMeineidbauer" aber, der gestern Abend mit dem Gast, Herrn Dr. Pohl, in der Titelrolle zur Aufführung gelangte, ist nicht nur baß beste Stück seines VerfafferS, sondern gehört überhaupt zu den besten Stücken seiner Gattung. Die Handlung, deren Inhalt wir als be­kannt voraussetzen dürfen, erreicht von Bild zu Bild sich steigernd ihren Höhepunkt in der Scene am Wildbachsteg, in der der Kreuzweghofbauer gegen den eigenen Sohn die Mordwaffe erhebt. Diese Scene bildete denn auch den Höhe­punkt der Darstellung. In ihr entfaltete Herr Dr. Pohl bie ganze Meisterschaft seines Spiels- hier zeichnete er mit kräftigen Strichen und doch bis ins kleinste ausgearbeiteten Einzelheiten den ganzen Character des Meineidbauern. Der um sein Hab und Gut und zugleich vor der Gerechtigkeit zitternde Schurke, der zu allem fähig ist, wenn feine Rettung gilt- der bigotte Scheinheilige, der durch Frömmelet seine Schandihat wegwaschen zu können glaubt, der sich sogar selber einredet, seine That sei eineSchickung" des Himmels, um ihn zu retten: all dies drängt sich in dem knappen Rahmen dieser einen Scene zusammen Mit kräftigster Realistik, die durch die vollkommenste Beherrschung deS DialectS noch erhöht wurde, gestaltete Herr Dr. Pohl seine

Rolle und schuf so eine Figur von erschütternder Wahrheit. DaS sehr zahlreich erschienene Publikum dankte dem Gast durch wiederholten Hervorruf, wie es überhaupt der ganzen Darstellung reichen Beifall spendete. Die zweite Haupt­person deS Stückes, die Vroni, wurde von Fräulein Egger dargestellt. Fräulein Egger ist Süddeutsche, deshalb machte ihr auch im Gegensatz zu allen übrigen Mitwirkenden der Dialect keine Schwierigkeiten, was um so angenehmer be­rührte, als gerade dadurch in den leidenschaftlichen Scenen mit dem Kreuzweghofbauer die Illusion nicht gestört wurde. Auch sonst waren Anffaffung und Durchführung der Rolle nur zu loben, waö der Beifall des Publikums, der nach ge- wiffen Scenen nicht nur dem Gast galt, zu bestätigen schien. Wir erwähnen noch Herrn Otto, der den Franz mit sym» paihischer Männlichkeit wiedergab, und Fräulein Gerl ach als Bürgerliese. Ma-ke und Spiel der letzteren waren derb realistisch, nur dünkte uns die Stimme für ein altes, ge­bücktes Mütterchen etwas zu kräftig. Herr Niemeier, der in dankenswerther Weise zwei Rollen übernommen hatte, bot in der Sterbescene des Jacob ein ergreifendes Bild. Alle übrigen Darsteller wurden ihren kleinen Rollen gerecht. Bei der Beurtheilung des GesammteindruckeS, den die gestrige Vorstellung gemacht hat, müffen wir in Bezug auf Dekorationen u. berg . ein Auge zudrücken- aber derbere, d. h. dürftigere Möbel für die Hütten der Bürgerliese und der Baumahm hätte man schon auftreiben können. Die elegante Tischdecke in der letzten Scene nahm sich doch recht sonderbar aus. Auch mit Nachahmung der Naturerscheinungen möge man recht vorsichtig sein- man streiche lieber den Donner, als daß man mit ihm unbeabsichtigte Wirkungen erziele. Es empfiehlt sich das gerade so, wie die Streichung von Massenscenen, wenn man nicht über das nöthige Personal verfügt. In dieser Beziehung hatte ja auch gestern Abend die Regie in einsichtsvoller Weise den Rothstift walten lasten. Aber all dies sind Dinge, die sich bei einer kräftigen Unter» stützung des hiesigen Theaterunternehmens vermeiden ließen. Am nervus rerum hegt schließlich doch alle-. Dagegen möchten wir jetzt noch einen Mißstand rügen, der sich gestern Abend empfindlich bemerkbar machte. Wir meinen den Lärm, der aus anderen Räumen in den Theatersaal herüberdrang und die Vorstellung oft unangenehm störte. Eine gewiste Rücksichtnahme auf das Theater liegt doch u. E. im allseitigen Interesse.

* * Panorama. Am Mittwoch den 23. d. M. Abends wird, wie bereits früher erwähnt, das Panorama Neuen- Bäue geschlossen, welches uns manche schöne Gegend und viele geschichtliche Erinnerungen in herrlichen Bildern vorführte. Die gegenwärtige Serie ist stark besucht. Dresden und die sächsische Schweiz ist die letzte Serie, die in ihrer ganzen bestrickenden Schönheit und Großartigkeit vor uns auflebt. DasPolenzthal", derKuhstall", Schandau u. s. w. sind treulich wiedergegeben. Ueberraschend wirkt auchEine Fahrt auf der Elbe", der Dampfer und die auf ihm weilenden Touristen rc. Alles scheint in Bewegung zu sein. Wir können nur wiederholt den Besuch des Panoramas empfehlen.

* * Tonhalle Saalbau. Eine jede Jahreszeit hat ihre Vorboten, die mit absoluter Regelmäßigkeit alle Jahre wiederkehren. Die Siürme verkünden den Frühling, die Schwalben zeigen den Sommer an, Sommerfäden den Herbst und last, not least ein SchmerzenSruf nach einer Ton­halle als Eingesandt aus den Spalten unserer Zeitung den Winter. Die drei ersten Boten sendet uns der Hebe Herrgott, den letzten irgend ein guter Mensch, der noch besser wäre, wenn er statt seines chronisch, platonischen Stoß­seufzer greifbare Vorschläge brächte. Das ist freilich sehr schwer, aber nicht unmöglich, schwer, weil bisher alle ge­machten Versuche anTheilnahmlosigkeit und Energie­losigkeit gescheitert sind, weiter schwer, weil Privat­unternehmer nicht gesonnen zu sein scheinen, größere Opfer zu bringen. Aber trotzdem ist eS nicht unmöglich, wenn man, eben der Situation entsprechend, die richtigen Mittel wählt. Ist man zu schwach, eine Festung im ersten Anlauf zu stürmen, dann belagert man sie, reichen unsere Mittel nicht aus, um heute schon losbauen zu können, so warten wir bis morgen und wenn es sein muß, noch viel länger. In der Zeit sparen wir aber daS Geld langsam zusammen, legen zum Nickel die Mark, zu dieser die Krone. Alles schon dagewesen hören wir rufen, gewiß, antworten wir, setzen aber hinzu, daß wir uns die Sache denn doch ganz neu denken. Kein Vereinchen mit zahlreichen Aemterchen wollen wir gründen, keine stylvoll gerechte Actien, hochnothpeinliche Statuten, ge­schmackvolle Einladungen sollen gedruckt werden, nein, jeder Pfennig wird für den Zweck zurückgelegt, unser Unternehmen hat nur Einnahmen, kennt keine Ausgaben. Interesse an einem großen, nach den Gesetzen der Acuftik gebautem Saale haben alle Vereine und Vereinigungen unserer Stadt, ganz gleich, aus welcher Gesellschaftsklasse sich diese recruttren; wenn nun nur einige dieser Körperschaften einmal ein Jahr ein Unternehmen für daS Werden der Tonhalle vom Stapel lassen, so würde das genügen, um freilich erst in Jahren, wenn Capital zu Capital, ZinS zu ZinS kommt, das Ange- ftrebte auSzuführen. Aber ein Anfang muß gemacht werden und er wird gemacht werden der Kranbauer's che Quartett-Verein will des guten Beispiels halber als erster seine Dienste dem Unternehmen zur Verfügung stellen und mit einem Vocalconcert im Laufe dieses Frühjahrs noch den Reigen beginnen. Mit Genugthuung begrüßen wir daS rnuthige Vorgehen dieses geschätzten Vereines und rufen allen übrigen mahnend zu: wVivat sequens".

H. SauitatSvereiu. Vergangenen Sonntag Abend fand im Saale des Cafv Leib, der btS auf den letzten Platz ge­füllt war, die Feier des zehnjährigen Bestehens deS Sanitätsvereins statt. Der Vorsitzende, Herr Bräutigam, hob in feiner Ansprache die Entstehung, die Entwickelung und den Nutzen des Verein» hervor. Der Verein im Jahre 1885 mit einer Mitgliederzahl von 53 gegrün­det/ ist nunmehr, Dank der segensreichen VereinSthättgkeit zum Wohle der Familien, bis auf 450 Mitglieder gewachsen.

Der Ansprache folgten in steter Abwechselung Musik, wie auch GesangSvorträge, erstere von der Bauer scheu Capelle, letztere von den VereinenEintracht" undHarmonie" ausgesührt. Den Schluß der in jeder Beziehung wohlgelungenen Festlich­keit bildete ein Tänzchen.

Laudwirthfchaflliches. Der LandeSauSschuß der Land- wtrthschastlichen Vereine in Hessen hat in seiner letzten Der- sammlung die Beschickung der zu Köln stattfindenden Aus­stellung der deutschen.LandwirthschaftSgesell- schäft beschlossen. Die Regierung wird ersucht, zum Zwecke der PreiSvertheilung und der Be förderung von Vogels­berger Rindvieh, Schweinen und Ziegen 4000 Mk. zu bewilligen.

* * In Betreff der Aushebung heffischer Staatsangehöriger in preußische Regimenter hat der Abgeordnete Schmitt folgende Anfrage an bte Großh. Regierung gestellt: ES find in der letzten Zeit wiederholt Klagen darüber laut geworden, daß Angehörige deS Großherzogthums bei Aushebungen zum Militär innerhalb Hessens zum Train, zur Artillerie und zu den Pionieren in Straßburg und Metz einberufen refp. dort eingestellt wurden. Nach der Militärconvention vom 13. Juni 1871 istdie hessische Division als ein geschlossener Truppen­körper zu erhalten"-daS Großherzogliche Contingent wird für die Dauer des Friedens innerhalb deS Großherzogthums Garnison behalten" -daS Großherzogthum bildet einen Er^ gänzungSbezirk für sich". Mir scheint, die Einstellung hessischer Rekruten in Straßburg oder Metz würde der Convention nicht entsprechen, dieselbe würde mit Recht von der Bevölkerung als eine schwere, unnöihige Belästigung empfunden. Ich richte deshalb an Grobherzogliche Regierung die Anfrage 1. Ist eS richtig, daß hessische Rekruten in Metz und Straß­burg zur Artillerie, zum Train und zu den Pionieren ein^ gestellt werden? Bejahenden Falle-: 2. Entspricht diese Einstellung der Militärconvention vom 13. Juni 1871- erfolgt dieselbe im Einverständniß mit der Großherzoglichen Regierung?

* Von hessischen Behörden werden steckbrieflich »erfolgt. £anbbriefträger Wilh. Gottlieb Arzt au6 Michelstadt wegen Verbrechens im Amt, von der Staatsanwaltschaft Darmstadt; Küfermeister Gustav Engebr and aus Rommelhausen wegen Beleidigung, vom AmtSanwalt Büdingen.

* Petition gegen die Aeuderung der Gewerbeordnung. In Frankfurt ist eben eine Petition an den Reichstag im Umlauf, die sich gegen die von der Regierung beantragte Abänderung der Gewerbeordnung wendet, in die ein Verbot des EinholenS von Bestellungen auf Maaren bet Privaten ausgenommen werden soll.

W. Klein-Linden, 22. Januar. Bei unS ist eine Frei­willige Feuerwehr in Bildung begriffen, zu welcher sich bereits einige 30 Mann gemeldet haben. Man hofft, die Wehr auf ca. 100 Mann zu bringen.

Ruppertenrod, 21. Januar. Heute trug man hier unter Vorantritt des hiesigen GefangoereinS und der Nach­folge einer ungewöhnlich großen Zahl Tranergäfte da» älteste GemeinderathSmitglied, den Gastwirth Konrad Schmidt, zu Grade. Unter drei Bürgermeistern ist der Verstorbene 45 Jahre lang, also seit dem Jahre 1850, eines der pflicht eifrigsten und gesinnungstüchtigsten Mitglieder deS Gemeinde» rathö gewesen. Wie bekannt und beliebt er gewesen, davon legte die große Trauerverfammlung beredte- Zeugniß ob. Viermal knüpfte der Dahingefchiedene den Bund der Ehe- die letzte Gattin überlebte ihn. Ueberhaupt war fein Lebe« ein sehr erfahrungsreiches- möge ihm die Erde leicht fein'

§ Hitzkirchen, 19. Januar. Heute Morgen wurde der hiesige Polizeidiener D. in der unfern Ort durchfließenden Bracht tobt aufgefunden. Ob hier ein Unglücksfall oder Selbstmord vorliegt, wird wohl die gerichtliche Unter» fuchung klarstellen.

Scholten, 19. Januar. Der Kreistag hat an Stelle der wegen vorgerückten Alters, bezw. Todes auSgefchiedenen Herren Rentner C. Rispel in Gedern und Oberamtsrichter Fresenius in Schotten die Herren Amtsrichter Rispel und Sparkafferechner Glock II. in Schotten zu Mitgliedern bei KreiSauSfchusseS gewählt.

Ilbenstadt, 19. Januar. Gestern Abend brach hier wiederum ein Brand auö. Trotz rascher Hülfe brannten die sogenannten Klosterscheuern vollständig nieder, wobei auch ca. 400 Fuder Frucht verloren gingen. Die Scheuern wurden 1893 neu erbaut und ist dieses jetzt das dritte Mal, daß dieselben in dem Zeitraum von 10 bi- 12 Jahren abbrannten. Es liegt sicher Brandstiftung vor.

Aus dem Ohmthal, 21. Januar. Die gewaltigen Schneemassen, die durch das eingetretene Regenwenwetter febr rafch zum Thaucn gebracht wurden, haben allseits ebenso gewaltige Mass er massen ergeben. Die Ohm ist über ihre Ufer getreten, baß Ohmthol in seiner ganzen Breite überflutet, so daß eS einem See gleicht. In ben Mühl­gräben mußte der colossale Wasserzufluß durch Wehre ab­geleitet werden, sollten ander» nicht die Mühlen beschädigt werden. In tiefgelegenen Ortschaften mit Oberwasser drang baß Wasser in Hofraithen und Ställe. In allen Rinnen, Abzugsgräben und Canälen rauschen und brausen die jählings zuströmenden Wasser. Die Wintersaat zeigt nach bem Derschwinben der hohen Schneedecke ein recht frisches und gutes Aussehen. Gelitten hat sie bis jetzt burch ben Winter nicht im minbesten. Hoffentlich tritt jetzt nicht gleich wieder Frost ein, unter solchen Umstanden fügt nämlich derselbe der Wintersaat ben empfinblichsten Schaden zu.

8 Niedet-Lhmeu, 21. Januar. Der hiesige Bürger B., ein Mann Anfangs der 30er Jahre, machte vorgestern feinem Leben durch Erhängen ein Ende. Derselbe hatte in dem nahen Bergwerk einen Unfall erlitten und dieserhalb An» spräche auf Unterstützung auß der Unfallversicherung gemacht. Dieselben wurden aber nicht für berechtigt erklärt und ab» gewiesen. Ob in diesem Umstande oder einem anderen der Beweggrund zur Thal gelegen, bleibt dahingestellt.