Ausgabe 
22.12.1895 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

Rr. 301 Aweites Blatt. Sonntag den 22. December 18»* *

Der

Athener nichemt täglich, wit Ausnahme bei Montag-.

Die Gießener

JamttieußtLIter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimAl bcifldegt

Kehmer Anzeiger

Kenerak-Mnzeiger.

Lierteljährtger X AlonnementiPreis l 2 Start 20 Psg. mtt

Bringerlohn. ( Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

fUbaction, (EpebitieÄ und Druckerei:

Kchnlstraße Ar.7.

Fernsprecher 51.

Amts- ttnb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren.

Hratisöeikage: Hießener Kamilienökätter.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag! für de» {otgniben Tag erscheinenden Nummer bi! Borm. 10 Uhr.

Allr «nnoncen^Sureaux des In- und «ullanbe! nehme« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

halte waS Du hast", keine Zollrückvergütung gewährt, mutzte

zu stecken.

28. December.

43 Gewehre und Säbel entdeckt, bet einem Pfarrer in der Rue Royale, der gegen Kaution freigegeben wurde, sand stch eine grohe Anzahl neuer Uniformen. Der interessanteste Fund wurde bei einem Manne gemacht, der sich als Send­ling der französischen Regierung entpuppte,- bei demselben belegte man sehr wichtige Papiere mit Beschlag. Am gestrigen Abend waren gegen 120 Leute in Gewahrsam gebracht, von denen aber nur gegen 20, die einiger schwerer Verbrechen bezichtigt, seftgehalten werden. Die Haussuchung soll in einigen Tagen wiederholt toerben. Es war an der Zeit, dem herausfordernden und kecken Benehmen, weiches ein großer Theil der Versailler Bevölkerung sich herauSnahm, ein Ziel

waren, die schließlich, da man Ahlwardt gar nicht anhörte, und mit faulen Eiern nach ihm tvarf, den Saal räumen mutzten. Schmerzlich für Ahlwardt wird es sein, datz auch feine Parteigenossen in Berlin in einer Versammlung eine Resolution satzten, worin ihm wegen seiner Reise nach Amerika, ohne vorherige Berathung mtt seinen Parteigenossen, scharfer Tadel ausgesprochen wird. Da war der Reichstag doch coulanter, als er Ahlwardts Urlaubsgesuchwegen einer unaufschiebbaren Reise" unter großer Heiterkeit be»

noch nie zuvor gegessen worden sein!

Wie man Ahlwardt in Amerika empfing, das ersehen wir aus folgender Meldung derTimes" aus New York:

kommen. Zu seinem Schrecken mutzte er aber ohne die Fracht '375 Fr cs. bezahlen. Der spanische Zollagent, welcher im Auftrage des Empfängers das Fäßchen an der Grenze von der Zollbehörde in Empfang genommen hatte, verzollte das Sauerkraut als Konserven mit 1,95 FrcS. das Kilo. Da nach spanischem Gesetz der Zollagent nicht ersatzpflichtig

willigte.

Wegen Sturm an den Küsten war der Fischsang der letzten Tage sehr gering! So oder ähnlich lautet die Mel­dung, welche als entschuldigende Erklärung für einen plötz­lichen Aufschlag der Ftschpretse dienen soll. Die sparsame Hausfrau murrt, wenn sie für das Freitag Miltag- Gerichr einige Pfennige über den Voranschlag mehr aus­geben soll und schiebt die Schuld wohl gar dem Fischhändler zu, welcher nur ja recht viel verdienen will. Was alle« dazu beiträgt, daß gerade in Deutschland der Fischconsum trotz der velhältnißmäßigen Billigkeit und des hohen Nährwerlhes dieses Nahrungsmittels sehr gering ist, soll hier ununterfuchr bleiben, nur so viel sei constarirt, datz auf den Kopf der deutschen Bevölkerung nur 7 Psund ge­salzene H-ringe gegen 27 Pfund der Bevölkerung in London und gar 100 Pfund in Kanada entfallen. Einem Artikel über denFischreichthum der Nordsee" in der illustrirten FamilienzeitschristUniversum" (Dresden) entnehmen wir, datz nach möglichst genauer Schätzung durchschnittlich zehn­tausend Millionen Heringe und etwa sechshundert Millionen Kabeljau und Schellfische gefangen werden, und doch beträgt diese Menge doch nur höchstens zwei Procenr der im Meere lebenden Gesammkmasie genannter Fische! Welch weites und hauptsächlich welch ertragreiches Feld sich durch zweckmäßige Ausnutzung der Fischgründe der Nordsee bietet, ist aus diesen Zahlen leicht ersichtlich und wird in dem erwähnten Artikel dem Verständniß auch des Fernstehenden nähergerückt.

Das Leder wird wieder billiger. Das vor einigen Monaten eingelretene Steigen des Lederpreises hat nicht lange angehalten. Die Ankäufe Amerikas haben ihr Ende erreicht und jetzt macht sich wieder ein Fallen deS Preises bemerkbar. Amerika rxportitt nun wieder das seiner Zeit fmportnte Leder. Die Besitzer von 100 großen Loh­gerbereien, den bedeutendsten der Vereinigten Staaten, haben sich zusamengcthan und beschlossen, ihre Fabriken während zweier Monate zu schließe«, waS das Sinken der Fellpreise zur Folge hatte. Diese haben ihren alten Stand wieder erreicht, so daß die Kaufleute und Lohgerber, welche große Vorräthe aufgespeichert haben, sich derselben gegenwärtig nur unter großen Opfern entledigen können.

* Die größten Kartoffeln. Das bekannte Sprichwort soll hier nicht herangezogen werben, sondern wir wollen nur eines einzigen Exemplars dieser nützlichen Knollenfrucht Er­wähnung thun, auf welche auch Ben Akibas Weisheit nicht Anwendung finden dürfte. Diese Kartoffel, welche wir jammt 1 ihrem Züchter in der FamilienzeitschnftUniversum", Dresden, abgebildet finden, wiegt nämlich die Klemigkeit von mehr ! rote 70 Pfund bei einer Länge von 71 Cemimeter, der Durchmesser beträgt 35 Cemtmeter. Für Sachverständige theilen wir noch mit, daß das Monstrum in die Varietät !Maggie Muiphy" gehört und in Nord-Amerika gepflanzt wurde.

und Plätze der Stadt wurden sosort besetzt und jede Person, die sich auf der Straße blicken ließ, nach ihrer Legitimation befragt. Auf den Straßen liefen heulende Weiber umher, die ihre Männer in allen Richtungen suchten. Je 30 Mann mit einem Offizier hatten den strengen Befehl erhalten, alle

mtt Beschlag zu belegen, dl- betreffenden Personen fofort zu halte wa« Du hast", keine Zollrückvergütung gewthrt, mußte "-haftenunb in Hast abzusühren. In der Stad, herrschte der Schweizer bezahlen. So heuereS Sauerkraut dürfte

dl- größt- Auslegung, während der Durchsuchung der Häuser -* "* *"h"r "»«> n,nrh,n i,m-

waren die sonst belebten Straßen wie auSgestorben. Ich

M^t7"m-7?°e.n7n^r.s°°7.n°k wi I Mft ^o°r^-Ächen°Agst-ft°n-re.,- mach. Ah.warb.

Mobtlgardlsten, die stch in een benachbarten Wäldern herum- vollständig Di- gesammte R-whork-r Preffe prach

aetrleben halten Unter den B-rhast-ten befindet stch eine stch gegen Ahlwardt ans, und machte stch über ihn luttlg. Mess- b-ra-laus-nen Gesindels, das stch über seine Beschäs- Er kündigt- -ine Versammlung in der Coopers Union Hall tlgung ntöh^ ausweisen konnte. Der Ersoig der Haussuchung an, welche 2000 Personen saht. Es erschienen nur etwa

war, daß gegen 150 Gewehre, Pistolen, Sabel, Unlsorm-n | 200 Personen, von denen beinahe di- H-lst-^ u. s. w. g-sund-n und an dle Pollz-ib-hörd- abg-li-s-rt wurden. Unter anderem wurden allein bei einem Sattler

Bankgeschäft S. Klein XIS.

8978

Am 22. gingen zwei seindliche Brigaden längs der Marne gegen den linken Flügel der Position deS säHfischen Armeecorps vor, wurden aber durch flankirende Feuer zweier wütttembergischer Batterien zum Rückzug veranlaßt.

Gestern ereignete sich in Lyon ein bedauerlicher Fall. Ein Bataillon der Natioualgarde, das beorbert wurde, die Truppen bei NuitS zu verstärken, verweigerte den Gehorsam und wollte h?a Commandanten zwingen, eine Commission in diesem Sinne auf die Präfeciur zu senden. Der Com- monbaat lehnte diese Zumuthung ab und befahl, zu gehorch n. Infolge dessen wurde der Commandant durch sein Bataillon im Tanzsaal Valentins kriegsgerichtlich zum Tode verurtheilt und erschaffen. Basler Nachr.

* Köln, 19. December. Die Stadtverordneten - Ver­sammlung beschloß, eine Anleihe von 6 Millionen Mark zu begeben, 2i/2 Millionen hiervon sollen für Anlage des Stadtwaldes gebraucht werden.

* eine Parade vonWeihnachtsmännern" fand auf dem Hose des gewaltigen Packet - Postamtes in Berlin statt. Dort versammelten stch, etwa 400 an der Zahl, die Unteroffiziere und Mannschaften der Garderegimenter, die befohlen sind, den Jüngern Stephans bei der AuStheilung der WeihnachtSgaben zu helfen, um dem Leiter des Amtes vorgestellt und den einzelnen Touren zugewiefen zu werden. Jede Compagnie, Schwadron und Batterie der Berliner und Charlottenburger Garnison hat einen Unteroffizier und drei Mann gestellt, die gleichmäßig 3 Mk. den Tag erhalten.

* Ergebnisse bet Volkszählung: Pfungstadt 5929, Bibl'.s 2363, Wörrstadt 2365, Dienhe'.m 1048, Lorsch 3821, Gunders­heim 1211.

Wien. 19. December. Von den zwei vorgestern bei Grabung eines Brunnens in Döbling verschütteten Arbeitern, an deren Rettung seither vergeblich gearbeitet wurde, sand man heute Nachmittag den einen noch lebend, jedoch in so unglücklicher Lage, daß die gänzliche Freimachung wegen des nachstürzenden Erdreiches bisher unmöglich war. DaS Gesicht des Verunglückten wurde frei gemacht und er mit Cognac gelabt. Den zweiten, tieferliegenden Arbeiter hält man für verloren. Heute wurde eine Frau in einem Geschäfte bei Ausgabe einer falschen Zehngulden­note verhaftet. Auf der Straße wartete ein Mann, der die Arretirung der Frau verhindern wollte und daher mit­verhaftet wurde. Auf dem Polizeicommtssariat nahmen beide Gift, die Frau war sofort tobt. Die Identität der beiden Personen konnte noch nicht fcstgeftellt werden. Frkftr. Ztg.

Theueres Sauerkraut. Ein in Madrid verhttratheter Schweizer ließ sich von seiner Familie in der Schweiz ein Fäßchen mit 150 Kilo Sauerkraut im Werthe von 30 Fccs.

Abonnements - Einladung

Zum Bezug desGietzener Anzeiger" für vms 1. Vierteljahr 1896 laden wir hiermit ergebenst ein. Wie bisher, wird derGießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer den Thatsachen entsprechender Weise zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Nachrich­ten-Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorkommnisse in demselben auf dem Lausenden. Unterstützt durch an allen Ortender Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist derGießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des An­zeigers zu Theil werden. Der in der Provinz OÜrhessen betriebenen Landwirthschaft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berück­sichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gdwerbe und Industrie m den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein ge­diegenes Feuilleton wird neben besonderen Ar­tikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die Gietzener Familiendlätter", welche dem An­zeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Famllien eine beliebte Beigabe bieten.

Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zu­gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Nummern nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht aus­drückliche Abbestellung erfolgt.

Hochachtend

Verlag desGießener Anzeiger" Bruhl'sche Univ.-Buch u. Steindruckerei (Pietsch & Scheyda).

Der Krieg von

gudjilbrrt durch UutzfchntUr «us Zcilurrsid-Nmnmern jener Zeit (Nachdruck oerboten.)

22. December.

Der Commanbanmr und namentlich dem Feldpolizei- director Dr. (stiebet war es aufgefallen, daß man am 20. bei den Einwohnern von Vetfailles genau unter­richtet war, daß die Franzosen am 21. einen Ausfall zu machen beabsichtigten und große Hoffnung hegten, ihn glück- lich zu bestehen. ES war auch vetratheo, daß die Einwohner im Falle eines glücklichen Gelingens des Kampfes eine Revolte beabsichtigten und baß sich eine geheime Gesell­schaft in Versailles gebildet habe, welche daS gelammte Haupt­quartier au-zuheben beabsichtige. WaS an dieser Meldung wahr ist, weiß ich nicht, Thatsache ist, daß die Garnison, drei Bataillone Infanterie und zwei Schwadronen Dragoner, gegen 2 Uhr Nachmittags alarmirt wurde. Mittlerweile hatte die Artillerie drei Geschütze adgeprotzt und deren Mün­dungen nach den drei parallel laufenden Straßen gerichtet. Punkt 2 Uhr erschienen der Commandant v. Voigts Rhetz und der Felbpolizeidirector Dr. (stiebet mit drei Polizei- inspectoreu auf der Place d'armes, wo die 4000 Mann Truppen ihrer Befehle harrten. Die Wachen hatten in- zwischen den Befehl erhalten, die Thore der Stabt zu schließen und keinen Menschen hinauSzulaffen. Sämmtliche Straßen