Feuilleton.
Eine Würfklpsrtik auf frbrn uwb Lob
Historisches Genrebild von D. Illg en.
(Schluß.)
Rasch wurden eine Trommel, Würfeln und ein Becher herbeigeschafft, worauf man Hauser und Pollinger an die Trommel führte. R ngSum stand ein dichter Kreis von Offizieren, denn inzwischen hatte sich die Kunde von der entscheidung-schweren Würfelpartie schnell im Lager verbreitet. Hauser, als der ältere der beiden Delinquenten, ergriff zue>st den Bacher mit den darin befindlichen Würfeln, vor innerer Erregung bebend, kehrte er den Becher um und die drei Würfel klapperten auf daS Trommelfell nieder. Als Hauser den Wurf besah, erbleichte er, denn er hatte einen schlechten Wurf gethan, die nach oben liegenden Seiten der drei Würfel zeigten zusammen nur sieben PoivtS au. Schweigend schob er den Becher und Würfel seinem Kameraden zu, der sich ja schon als gerettet betrachten durfte. Wiederum rollten die Würfel, aber ein allgemeiner Schrei des Staunens erscholl im Kreise der Zuschauer: auch Pollinger hatte nur sieben Poinrs geworfen! DaS war gewiß ein merkwürdiger Fall, und schon erhoben sich unter den versammelten Offizieren vereinzelte Stimmen, welche Aufschub der Execution forderten, damit daS seltsame Eretgniß der Würselpartte sorgfältig erörtert werden könne. Allein der daS Commando bet der ganzen Scene führende General entschied dahin, daß die Verurtheilten ein zweites Mal zu würseln hätten. Abermals rollten die Würfel fettens Matthias Hauser auf die Trommel, eine tiefe Bläste überzog daS gebrauure Antlitz des schlachtgewohnten Soldaten: er hatte tnSgesamwt nur sechs Points geworfen, also noch schlechter als daS erste Mal! Der Unglückliche stierte zu Boden, er mußte sich jetzt für verloren halten, denn sechs PointS bet dret Würfeln war gewiß ein äußerst schlechter Treffer. Da erscholl ringsum stürmisches Geschrei und alles wogte erregt durcheinander, so daß Hauser wieder aufsah und den soeben von seinem Unglücksgefährten vollführteu Wurf überschaute. WaS aber war daS — waltete hier eine höhere Fügung vor? Auch Pollinger hatte nur sechs tm Ganzen geworfen, — wiederum stand also die Partie völlig gleich.
Diesmal legte sich die Erregung unter den Umstehenden nicht, laut wurde schon die Begnadigung der beiden Delinquenten gefordert und eS ging daher Botschaft an den Brinzen Eugen ab, um ihm das außerordentliche Vorkommniß mitzutheilen. Sofort erschien der „Kleine" auf dem Platze, um die letzte Entscheidung zu fällen. Aber auch diese lautete dahin, daß die beiden Berurtheilten zum dritten Male ihr Glück gegeneinander zu versuchen hätten, und so geschah eS trotz des Murrens eines TheileS selbst der Offiziere. Mit zitternden Händen ergriff Hauser wiederum den Becher, stülpte ihn um und brach dann, als er den Wurf überblickt, stöhnend in die Kniee zusammen, denn er hatte ins- gesammt nur fünf PointS erzielt, zwei Einer und eine Drei! Jetzt warf Pollinger, aber wie ein Orkan erbrausten jetzt die AuSrufe des Erstaunens und der maßlosen Verwunderung seitens der Umstehenden, als man sah, daß auch der zweite Verurtheilte aufs Neue dieselbe Zahl wie sein Kamerad geworfen hatte, nämlich fünf, nur daß dieselbe auS zwei Zweien und einem Einer bestand.
Stürmisch drängten die Offiziere, um Gnade für beide Berurtheilten bittend, auf den Generalseldmarschall, von allen Setten ein, und Prinz Eugen, selber aufs Tiefte bewegt, erklärte mit lauter Stimme, daß er Hauser wie Pollinger begnadige,^ da der Herrgott offenbar dies wolle. Schier einem Trtumphzuge glich die Rückkehr der zwei Marodeure zum Lagerplatze ihres Regiments und der Oberst deffelben ließ zur Herzstärkung nach dem ausgestandenen TodeSschrccken eine Flasche feurigen Carlowitzer übermitteln. — —
Zwei Tage später befand sich das kaiserliche Belage- rungSheer, nur die unentbehrlichsten Mannschaften vor Belgrad zurücklaff^nd, in aller Frühe auf dem Marsche gegen die heranrückende türkische EntsatzÄrmee unter Köprilt
Pascha, von deren schnellen Annäherung Prinz Engen sichere Kinde erhalten hatte. Gegen 7 Uhr Morgens am 16. August 1717 stießen die Kaiserliren auf daS weit stärkere, außer- d m noch verschanzte Türkenheer und grfftn dasselbe mit solchem Ungestüm an, daß die Schlacht nach kaum vierstündiger Dauer mit dem fluchtähulicheu Rückzüge der fast gänzlich ausgelösten türkischen Armee endete; die Folge dieses glänzenden Sieges der Kaiserlichen war die lieber- gäbe der Festung Belgrad (22. August 1717). Al» Prinz Eugen nach beendigtem Kampfe mit den Offizieren seiner Umgebung über baß Schlachtfeld ritt, kam er an einer Stelle vorbei, au welcher die türkischen Tobten haufenweise übereinander lagen, untermischt mit einer Anzahl Gefallener in der dunkelblauen Uniform des Regiments Coudenhove. Von den letzteren hielt einer noch krampfhaft eine erbeutete feindliche Standarte mit drei Roßschweifen, um welche fich offenbar der Kampf auf diesem Punkte gedreht hatte, in der Rechten: es war Ignaz Pollinger und dicht neben ihm deckte der schon starre Körper seines Landsmannes und Partners in der verhängnißoollen Würselpartte, Matthias Hauser, da» Feld der Ehre, ein furchtbarer Säbelhieb hatte dem Hauser dre Stirn gespalten. Pollinger dagegen zeigte eine Schußwunde an der rechten Bruftiette, aus welcher noch das Blut langsam herabträuselte. Prinz Eugen mit seinem wunderbaren Gedächtniß für Physiognomien erkannte in Hauser und Pollinger sofort die beiden Marodeure wieder, welche so viel von sich zu reden gemacht hatten, und befahl, al» man bet Pollinger noch schwache Lebenszeichen entdeckte, daß der Feldscheer des Regiment» Coudenhove den jungen tapferen Soldaten sofort in sorgfältigste Behandlung nehme. Dies geschah denn auch und nach etwa acht Wochen sah sich Pollinger wieder völlig hergrstellt. Er wurde dann zur Belohnung für sein tapferes Verhalten in der Schlacht vor Belgrad zum Fähnrich ernannt und trat bald darauf als Lieutenant in eines der kaiserlichen Reiter-Regimenter einer soll später als kaiserlicher Rentmeister in einer nieder- österreichischen Stadt noch lange Jahre gelebt haben.
Ein hartnäckiger Kater.
Aus der Jagdzeitung „Nimrod-.
Daß Katzen" ein sehr zähes Leben besitzen, weiß Jedermann, namentlich die Jägerei und — last not least — auch die Gebrauchshunde können ein langes Lied darüber singen. Daß aber ein verwilderter Kater nach dem „Tode" sich an seinem „Ucberwinder" noch durch fortwährendes „Erscheinen" rächt, dürfte noch nickt dagewesen sein. Der Fall hat sich erst kürzlich, am 23. October 1895, in Nidda (Oberheffen) ereignet.
An diesem Tage endigte eine große Waldtreibjagd, der viele auswärtige Herren beiwohnten. Am Morgen hatte beim Gange zum Rendezvous Herr K. einen verwilderten Kater geschoffen. Da ein Dorf in der Nähe lag, so wollte er etwaigen unliebsamen Folgen Vorbeugen und versteckte die Beute hinter Dornhecken, sie mit Steinen und Erdschollen bedeckend.
Ein ihm folgender Jäger hatte dieses Thun beobachtet, er grub den Eingescharrten wieder aus und barg ihn im Rucksack, um damit dem ahnungslosen K. einen argen Streich zu spielen. Thatsächlich glückte eS ihm auch, beim Frühstücke den Verwilderten unbemerkt in den Rucksack deS betreffenden Herrn zu schmuggeln, der nun ahnungslos während des ganzen Tages dieses Gepäck herumschleppte.
Nachdem die Jagd zu Ende war, fuhren zwei Leiterwagen vor, welche die Jagdgesellschaft nach Nidda bringen sollten. Auf dem ersten Wagen nahmen Herr K. und die meisten der Jagdgäste Platz- daS Fuhrwerk fuhr davon, während der zweite Wagen mit dem erlegten Wilde beladen wurde. Zuletzt bestiegen ihn noch die Jagdpächter und der Rest der Schützen.
Als der erste Wagen nack halbstündiger Fahrt in die Nähe eines Dorfes kam und dort auf hohem Hügelkamme der Wind heftig wehte, fühlte K. ein Bedürfniß nach seinem HalStuche. Er griff in den Rucksack, die Hand fuhr jedoch rasch wieder heraus, denn sie war dort mit dem sonderbaren
Inhalt in Berührung gekommen. Der verdutzte Man» unter suchte nun den Rucksack und entdeckte zu seiner höchsten Drr wunderung den Kater, welchen er am Morgen geschoffen und dann mit eigener Hand dem Schoße der Erde übergeben hatte. Das Gelächter der Jäger reizte den Gefoppten und er warf schleunigst den Kater Über Bord in den Ehauffee- graben.
Nach einer Viertelstunde etwa kam der zweite Wager dort an und der Jagbpächter sah ganz in der Nähe de» Dorfes den Kater im Graben liegen.
„Die Katze hat beim Vorübersahren vorhin sicherlich einer der Herren geschoffen," rief er, ließ den Wagen halten und gab dem mitfühlenden Obertreiber die Weisung, die Katze auf den Wagen zu legen, da mit den Bauern im Vogelsberg in solchen Angelegenheiten bekanntlich nicht gut Kirschen essen ist. Der Kater wurde einstweilen zwischen die Hasen gebettet, später sollte er in Nidda an einem geeigneten Orte untergebracht werden.
AlS der Wildwagen in diesem Städtchen ankam, wurde er von Herrn K. erwartet. Derselbe reichte dem Obertreiber seinen Rucksack mit dem Bemerken, einen besonder» großen Hasen, den er geschoffen und durch Spaltung eine» Löffel» gekennzeichnet babe, hineinzuthun und ihm später auf de« Bahnhof einzuhändigen. Dann begab fich der Nimrod in die nahe Schenke, um dort mit den Gefährten noch rasch einen Abschiedsschoppen zu trinken.
Nun wollte eS aber der Zufall, daß auf dem Wildwagen gerade jener Witzbold saß, welcher den Kater heute schbn einmal unter den Fingern gehabt hatte.
„Gieb her", sagte er ruhig zu dem Obertreiber, der bereits mit dem anderen Herrn abgestiegen war, „ich kenne den Hasen, den Herr K. geschoffen hat, er liegt hier unter meinem Sitze." Dabei faßte er den Rucksack und ließ zum zweiten Male unbemerkt den Kater in dessen liefen verschwinden. Dann kletterte auch er vom Wagen und betrat die Schenke. DaS Wild aber wurde nebst dem Rucksack zum Bahnhof gefahren. Dort stellte sich auch bald die Jagdgesellschaft ein, der Obertreiber überreichte den Sack und bekam von Herrn K. ein Trinkgeld.
Die Jäger sprachen im Wariesaale gerade von den großen Vogelsberger Waldhasen, die bekanntlich eine respectable Größe haben.
„Ich will Ihnen einmal einen echten BogelSberger Waldhasen 8e*gtn," rief Herr K., ich glaube, daß derselbe der größte von der heutigen Strecke ist. Er öffnete bei diesen Worten seinen Rucksack, griff hinein und — zog wiederum den unglückseligen Kater hervor. Die Jagdgesellschaft brach in ein endloses Gelächter aus, K. aber erstarrte zur Salzsäule, als sein Blick zum zweiten Male auf den Kater fiel, den er heute früh erst bestattet, dann am Abend auf die Landstraße geschleudert hatte.
Bevor er übrigens zu Worten kommen konnte, fuhr der Zug ein und die Jäger eilten zu den Wagen. Der gereizte Mann warf jetzt mit einem kräftigen Fluche seinen Kater aus den Bahnsteig und wollte fich einen Platz im Zuge suchen. Er wurde aber von einem Beamten daran gehindert.
„Mein Herr", rief derselbe, „glauben Sie vielleicht, daß ein Bahnhof der Oberhesfischen Eisenbahn eine Abdeckerei ist, wo man todte Katzen so wir nichts dir nichts hinwerfen kann? Nehmen Sie gefälligst Ihre Katze mit nach Hause, wir bedanken uns hier für derartige Braten!"
Vergebens suchte Herr K. dem Manne zu beweiien, daß dieser Kater ihn absolut nichts angehe. Der Beamte blieb unerbittlich, er hatte ja gesehen, daß K. denselben eigenhändig aus seinem Rucksack vorhin heraußzog.
Der Zug gab bereits da» Signal zur Absahrt, da griff K. rasch in die Tasche und gab einem dabeistehenden Bahnarbeiter eine Mark für da» Wegschaffen und die Beerdigung deS Katers, der ihm schon so viel Aerger bereitet hatte, bann sprang er noch rasch in den fich schon in Bewegung setzenben Zug.
Währenb ber ganzen Fahrt soll aber ber gefoppte Jäger seinen Rucksack nicht mehr außer Acht gelaffen haben, denn er wollte jetzt verhüten, bah jener hartnäckige Kater sich zu« britlen Male dorthin verirrte. St ein acker.
Samstag ben 18. Ian. 1896,1
Nachmittags 3 Uhr, sollen auf trm büstgen OrtSgericht bk den Friedrich Klimm Eheleuten in Gießen gehörigen Jmmobllten:
Flur I Nr 9117« — 64 qm Hofraithe in der Wallthorstraße,
Flur I Nr. 9l26/io — 206 qm Hofraithe daselbst,
Flur I Nr. 9136/to — 531 qm Grabgarten daselbst, öffentlich me'stbtennd versteigert werden.
Gießen, den 6. December 1895.
Großh OrtSgericht Gießen-
I. A-: Bogt. 10209
Samstag den 28. Decemder,
Nachmittags 3 Uhr, soll auf dem hiesigen OrtSgericht die dem Aldorf Bogt in Gießen gehörige Hof- raitde:
Flur 1 Nr. 783—381 qm in der Sonn öffentlich meistbietend versteigert werden
Gießen, den 6. December 1895.
Großh. OrtSgericht Gießen-
I. A.: Bogt. 10208
Bekanntmachung.
Wir bringen hierdurch zur Kenntniß der Jntereffenten, daß uns auch in diesem Jahre wieder eine Summe zur Pcämürung von Dienstboten des Sparkaffebezirks zur Verfügung gestellt wurde. Prämien können von 5 zu 5 Jahren nur solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich über gute Führung durch Zeugniß ausweisen können. Von Vollendung der 5 Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushaltes der Herrschaft oder durch Gründung eines eigenen Hausstandes erfolgt. — Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach vorstehenden Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines ZeugniffeS der Herrschaft über gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkaffenbuchs bei unserer Kaffe, oder der Grobherzoglichen Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 31. L Mts. zu melden.
Gießen, am 16. December 1895.
Die Directiou des Spar- und Leihkasse Vereins. 10518 I. E.: Wiener.
Vom 9. December bis Weihnachten findet bei nut ein Ausverkauf von
Klöppclfpitzen statt, und werden fache zu jedem annehmbaren Preise abgegeben.
Frau Schmitt.
• 10282] Wolkengaffe 26.
Kindergarten.
Die Weihuachtsseier meiner Zöglinge findet Sonntag, den 22. December, Nachmittags präcis 3 Uhr, un Festsaal des 6af6 Leib statt, wozu ich die verehrten Eltern, Verwandten und Freunde höflichst einlade. Hochachtungsvoll
10534 Wittwe Rothe, Kindergärtnerin.
Bekannnnachrmg.
136 Mark Zinsen aus der Stiftung der dahier verstorbenen Clisa bethe Schmidt sind zu gleichen Theilen an vier bedürftige, unbescholtene, ledige, in Gießen lebende Dienstmädchen im Alter über 50 Jahre und an vier arme Wiltwen aus Gießen nach der Auswahl des Stadtoorstandes zu vergeben. Anmeldungen zum Bezüge derselben haben bis zum 1. Januar 1896 unter Beibringung des erforderlichen Nachweises bei der unterzeichneten Stelle — Zimmer Nr. 3 — zu geschehen.
Gießen, den 17. December 1895.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
10533___________________Gnauth._______________________
Sonntag, den 29. d. Mts., Nachmittags 3 ühr findet in dem Locale der Christian Hoffmann Wittwe dahier eine außerordentliche
General-V ersammlung* des Pferde - Versicherung ° Vereins Grünberg statt, wozu alle Mitglieder des Vereins höflichst eingeladen werden.
Tages-Ordnung: Umänderung des $ 7 bet Statuten.
Grünberg, am 18. December 1895.
Georg Keil, 7irector 10509
Ntnhfpirlc,Xif™e Snklmim 3 Ricker'fche Buchhandlung, Snianlogt 5.


