Ausgabe 
21.11.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 274

Der tUp«et Anzeiger erscheint täglich, Weit Ausnahme bei Montags.

Die Gießener »OmtlieftvtLtler »erden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Donnerstag den 21. November

1891

Gießener Anzeig er

Kenerat-Anzeiger.

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Durch die Post bezog« 2 Mark 50 Pfg.

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Deutsche» Reich.

Berlin, 19. November. Der Kaiser wird am 25. November dem AmtSrath v. Dietze in Barby einen Jagdbesuch abstatten,- der genannte Herr hat sich schon in den vorangegangenen Jahren regelmäßig dieser Auszeichnung seitens des Monarchen erfreut. Am 29. November gedenkt der Kaiser den vom Schloßhauptmann v. AlvenSleben auf Neugattersleben zu veranstaltenden Jagden beizuwohuen. Zwischen beiden JagdauSflügen, am 27. November, gedenkt er an dem an diesem Tage statrfindenden Diner der AuS- schußmitglieder der preußischen Centralgenoffenschaftskaffe theilzunehmen.

Die Borberathungeu der BundeSrathS-AuS- fchüffe über die noch nicht erledigten einzelnen Theile des neuen ReichShauShaltSetatS schreiten derartig vor­wärts, daß diele Arbeiten wahrscheinlich Mitte nächster Woche zum Abschluffe gelangen werden, lieber nennenSwerthe Abänderungen einzelner Etatpositionen wird noch nichts berichtet. Jedenfalls kann man es als sicher betrachten, daß der Reichstag bei feinem Zusammentritte am 3. December den Etat bereit- vorfinden wird, ebenso einige der für ihn be­stimmten kleineren Sachen, tote z. B. den neuen Entwurf des amtlichen WaarenverzcichniffeS zum Zolltarif. Vielleicht werden auch die zur Zeit noch von den zuständigen AuS- fchüffen behandelten größeren Sachen, die Entwürfe über die Errichtung von Handwerkerkammern und über den Erlaß eine- neuen Margarinegesetzes, sowie die Novelle zu den Justizgesetzen, rechtzeitig genug fertkggestellt, um dem Reichs­tage ebenfalls gleich bet seiner Eröffnung unterbreitet werden zu können, lieber den Stand der Vorarbeiten zu den Vor­lagen, betr. die Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes und betr. die Börsenreform, ist biß jetzt noch nichts Authentisches in die Oeffemlichkeit gedrungen, wahrscheinlich bedarf es aber bei beiden wichtigen Materien nur noch der Anlegung der letzten Hand.

Wiederholt find in neuerer Zeit Mittheilungen über vertrauliche commiff arische Verhandlungen zwischen den einzelnen ReffortS des preußischen Staats- Ministeriums in die Preffe gelangt, was nach Ansicht maß­gebender Berliner Kreise nur durch einen BertrauenSbruch seitens eine- Theilnehmers an den betreffenden Conferenzeu geschehen sein kann. ES werden daher Maßregeln erwögen, welche solche unliebsamen Veröffentlichungen künftig ver­hindern sollen.

Der 1. Strafsenat deö Reichsgerichts zu Leipzig verhandelte am Montag in Sachen der von den Leitern deS Alexianerklofterö Mariaberg bet Aachen gegen die Freisprechung des Mellage und seiner Mitangeklagten in dem bekannten Aachener SensationSproceffe eingelegten Berufung. Der ReichSanwalt Dr. Menge beantragte die Verwerfung der Berufung, da die Angeklagten den Wahrheitsbeweis für ihre Behauptungen erbracht hätten. Das Urtheil lautete denn auch auf Verwerfung der Revision, sowie auf Verurtheilung der Nebenkläger in die Kosten des Verfahrens.

Der Krieg von 1870|71,

geschildert durch Ausschnitte «uS Zeitung«-Nummern jener Zeit. (Nachdruck verboten.)

21. November.

Alle- Heil hofft die Pariser Regierung jetzt von einem neuen Projekt, um die Luftballons zu lenken. ES werden vier Adler an einem Luftballon befestigt, der Führer in der Gondel führt eine lange Stange, woran ein rohes Stück Fleisch befestigt ist. Will er nach rechts, so hält er die Stange mit dem Fleische nach der rechten Seite, und sofort werden die Vögel auf das Fleisch zufliegen und den Ballon nach sich ziehen. Ebenso macht eS der Führer, wenn er den Ballon steigen ober fallen lassen will. Diesen genialen Ge­danken hatte, wie eS weiter heißt, ein junger Mann, ein Schüler dcS Polytechnikums; er hat sein Projekt kürzlich vor der versammelten Regierung vorgetragen und durch einige Versuche an einem schwerbeladenen Wagen die Möglichkeit der Durchführung in glänzender Weise dargethan.

totales unt prot>i«3UUcs.

S. Mainz, 18. November. Amerikanisches Schweine­schmalz in den hessischen Gefängnissen. Wenn «nsere Regierung, was wir durchaus nicht verkennen wollen, siel« bemüht ist, die Jntereffen der Landwirthschaft zu Der treten und derselben ihr Wohlwollen entgegen zu bringen, so müffee wir hier doch auf einen Umstand aufmerksam machen, »er unserer Regierung vielleicht bis jetzt entgangen ist. DaS «achweirlich, mit allen möglichen Fetten versetzte sogenannte

amertkanische Schweineschmalz, deffen Fabrikation in Amerika ohne jegliche sanitäre Controlle geschieht und von welchem bedeutende amerikanische Journale behaupten, daß zu diesem Schweineschmalz sogar crepirte Thtere ausgepreßt werden, wird zum Zubereiten der Speisen in den hessischen Gefängnissen ver­wendet, denn bet dem Ausschreiben der alljährlich anzu­liefernden Lebensmittel für den Verbrauch in den Gefängnissen wird sogar speciell amerikanisches Schweineschmalz verlangt. Dadurch erwächst doch der Landwirthschaft eine bedeutende Concurrenz, denn durch die Einfuhr de- billigen amerikantschen Schmalzes werden die Preise für fette Schweine, die in der Hauptsache zur Schmalzbereitung dienen, wesentlich herabgedrückt. Dies kann doch sicher nicht in der Absicht der Regierung liegen und glauben wir, daß es nur dieser Anregung bedarf, um die Regierung zu veranlaffen, ihre Organe zu beauftragen, bei dem Ausschreiben der Lebens- mittelbedürfniffe für die Gefängnisse nur Schweineschmalz deutschen Ursprungs zu verlangen.

Dermifc^tcs»

* Der Arzt bei Nacht. Eine sehr praktische und nach- ahmen-werthe Einrichtung hat ein Berliner Arzt ge­troffen, durch welche allen denen, die Nachts einen Arzt suchen, viel Zeit erspart wird. Der Betreffende hat neben der am HauSeingange angebrachten electrischen Klingel eine kleine Tafel befestigen laffen. Sobald man die Glocke durch einen Druck auf den Knopf in Bewegung setzt, erscheint auf der durch ein elektrisches Flämmchen hell beleuchteten Tafel die InschriftBitte zu warten". Ist der Arzt jedoch nicht anwesend, so kommt die InschriftRicht zu Hause" zum Vorschein.

* Strafe muß feie. In Kellinghusen in Holstein wurde im August 1894 dem Pferdehändler Sch. bei Ge­legenheit des Pferdemarkte- eine Brieftasche mit 1700 Mk. in Kassenscheinen entwendet. Alle Nachforschungen führten zu keinem Ergebniß. Dieser Tage erschien nun bei dem Geschädigten der Briefträger mit einem eingeschriebenen Brief, dessen Werth auf 1700 Mark angegeben war. Beim Oeffnen desselben kam die verloren gegangene Brieftasche zum Vorschein, und bei näherer Untersuchung ergab sich die merkwürdige Thaisache, daß der Inhalt derselben noch aus denselben Scheinen bestand, welche Sch. beim Verluste besessen hatte. Ein anliegendes Begleitschreiben enthielt die wohlgemeinte Warnung, künftig besser mit dem Gelde umzugehen, da vielleicht bei einem zweiten Verlust der Dieb nicht so ehrlich sein werde, wie in diesem Falle. Die reichlich einjährige Wartezeit möge Sch. als Strafe für feine begangene Unvor­sichtigkeit ansehen.

Der Hund im Dienste der Post. Man schreibt au8 Thüringen: In Brattendocf, einer kleinen Station der ErSfeld Unterneubrunner Eisenbahn, läßt der dortige Gast- wirth, welcher Inhaber einer Pofthilssstelle ist, den mit der Bahnpost ankommenden Briefbeutel durch seinen Hühner­hund adholen. Mit der größten Pünktlichkeit erscheint der Hund an dem ankommenden Zuge und nimmt den Post- beutel, den er, in der Schnauze tragend, seinem Herrn abliefert.

Dresden, 18. November. Ein Maurer, der von seiner Fran getrennt lebt, drang heute Vormittag in die Wohnung derselben, erstach die Frau nach einem Wortwechsel und erschoß sich alsdann selbst.

Eisenach, 15. November. Nach einer Mittheilung, die in der gestrigen GemeinderathSfitzung der Oberbürgermeister Müller machte, hat die Schillerstiftung den Ankauf der Villa Fritz Reuters durch die Stadt genehmigt.

* Ein merkwürdiges Verhalten gegen elektrische Strom­leitungen zeigt ein in Massachusetts, Amerika, befindlicher größerer Eisenbahntunnel, der sogenannte Hoosae Tunnel. Nach der Verlegung der Telegrafenleitung durch denselben hindurch fand man nämlich, daß die Leitung trotz aller Be­mühungen und Untersuchungen, trotz nachträglicher Anwendung isolirter Kabel und aller möglichen Versuche, nicht functiontren wollte, sodaß nichts anderes übrig blieb, als die Leitung über das den Tunnel enthaltende Gebirge zu führen, sodaß die nunmehrige Wirkung der Leitung klar bewies, daß nur der Tunnel die räthselhafte Ursache der Störung war. Worauf diese nachtheilige Wirkung aber zurückzuführen ist, dafür fehlt jede Erklärung, da auch Erze sich in dem Gebirge nicht vor» finden, denen man eine Ablenkung des Stromes zuschreiben könnte, sodaß man die bisher einzig dastehende Erscheinung nur in eigenartigen elektrischen Srdströmen vermuthen kann. (Mitgetheilt vom Internationalen Patentbureau Carl Fr. Reichelt, Berlin NW.)

Citoratur tust Aunst

D. ih. G. Ehr. Diesfenbach (Kirchenrath zu Schlitz). Die Bergpredigt de« Herr«; in kurzen Betrachtungen ausgelegt für die Gemeinde. Bremen. Heinsius. 82 Seiten. 1895. 1 Mk. Die vorliegenden Betrachtungen. 31 an der Zahl, enthalten, verständlich für Jedermann und lehr ansprechend gehalten in jeder Beziehung, eine Auslegung der Bergpredigt in Form von Andachtra und bitten dar den jedesmaligen Abschnitt aus Matth. 5 dis 7, eine gedrungene Auslegung, ein Schlußgebet und einige Lieder verse zum Abschluß: für Familien also in 31 Andachten eine sehr er­bauliche und empsehlenswerthe Handreichung; der Inhalt eignet sich auch für den schlichtesten Christen, und gerade ihm möchte v. Dieffen- bach gerne etwas Erbauliches und Förderliches bieten. Die Aus­stattung kann elegant genannt werden. A. L.

Sngelhorns allgemeine Roman - Bibliothek. Von den im 12. Jahrgang erscheinenden Bändchen, welche alle 14 Tage im Verlage von I. Engel Horn in Stuttgart erscheinen, liegen un8 die Nr. 5 und 6 des Jahrganges 1895 vor. Sie enthalten die autoristrte Uebersetzung der$)oboe, eine Einzelheit des Tages von E. F. Benson. Stoff und Sprache dieses interessanten Roman« reihen sich würdig seinen Vorgängern an und gestalten so die Bände zu einer vorzüglichen Familienleclüre.

Statistische Mittheilungen des Grotzherzoglichen Standesamts Gießen pro 1894.

Die Eheschließungen im Jahre |1894 betragen 140 im Jahre 1893 betrugen dieselben 155

demnach in 1894 weniger 15

ES wurden geboren im Jahre 1894

1893

Knaben Mädchen Zusammm

411

412

430

401

841

813

danach in 1894 mehr bez. weniger

1

+ 29

+ 28

Davon warm ehelich: in 1894

262

263

525

1893

264

265

529

sonach in 1894 weniger

2

2

4

unehelich (in der Entbindungsanstalt

und in Prioatwohnungen.jgeboren^:

149

167

316

. 1893

148

136

284

mithin in 1894 tneljr_

1

31

31

von den unehelichen Kindern waren

die Mütter von auswärts bei 282

derselben (1893: 252), von Gießen

bei 34 (1893: 32).

Todigeboren wurden im Jahre 1894

6

14

20

1893

24

16

40

also in 1894 weniger

18

2

20

davon waren ehelich in 1894

6

10

16

1893

14

7

21

demnach in 1894 weniger bezw. me&t_

- 8

+ 3

- 5

unehelich in 1894

4

4

1893

10

9

19

demnach in 1894 weniger

10

5

15

Männlich Weiblich Zusammen

ES ereigneten sich Sterbefälle in 1894

288

229

517

1893

350

318

668

sonach in 1894 weniger

62

89

151

darunter waren Ortsfremde in 1894

131

94

225

1893

148

112

260

mithin in 1894 weniger

17

18

35

Von den im Jahre 1894 verzeichneten

Geburten entfallen auf in Gießen

wohnhafte Eltern bezw. Mütter 267 267 534

von den im gleichen Jahre dahier ge­

storbenen Personen waren in Gießen wohnhaft 157 135 292

sonach Ueberschuß der Geburten pro 1894 110 132 242

1893 60 57 117

Die Zunahme der Geschäfte des Standesam's zeigt die folgende vergleichsweise Zusammenstellung über die eingetragenen Fälle in

ergibt für Haupt- und

Nebenregister 498 12 132

den letzten 7 Jahren

c

ä

3

*9

02

M5

J=l

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.|*k

M

w

c

5

e>

5

3

G

a

3

1888

592

134

474

1889

635

43

138

4

503

29

1890

661

26

143

5

556

53

1891

730

69

158

15

543

13

1892

772

42

170

12

568

25

1893

815

43

155

15

704

136

1894

841

26

140

15

540

164

249

36

30

243

177

sonach im Ganzen mehr Eintragungen 642