Ausgabe 
21.6.1895 Zweites Blatt
 
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Nähe seiner Heimath Dank der fürstlichen Munificenz in an* genehmer Stellung die erforderliche Muße fand, um in den jagdreichen Gründen für seine prächtigen auf Schloß Braun­fels zahlreich vertretenen Bilder die für die Jagd* und Landschaftsscenerien nöthigen Vorstudien machen zu können. Nach kurzem Verbleib in diesem kühlen Schattendache unter den mächtigen Baumriesen, auf deren dunklen Hintergründe die durch die Blätterkronen verstohlen hindurchhuschenden Streiflichter sich wirkungsvoll abheben, kommen wir gar bald aus dieser stimmungsvollen Weltabgeschiedenheit auf schönem Fußpfade an Erdbeeren pflückenden Damen vorüber nach

felS führe«, von wo aus der eigentliche Marsch beginnen sollte. Da, wie schon bemerkt, das Wetter für die Tour nicht beffer getroffen werden konnte, so wurde in den Morgen­stunden der Marsch rüstig angetreten und bei dem bequem zu erreichenden Ziele ohne besonders große Anstrengung suSgeführt, zumal diesmal der Sonne heißer Strahl erst am Spätnachmittag fast am Ziele unserer Wanderung mit glühendem Flammenkuffe sich uns flüchtig empfahl. Schloß Braunfels in seinem mächtigen Aufbau, mit malerisch gruppirten und prächtig gegliederten Zinnen reichlich geziert, fesselt uns durch seine imposante Breitseite und zeigt sich uns von den verschiedensten Seiten mit stets neuem Reize in seinem schmucken Stolze auf eine lange Wegstrecke hin. In dem weitausgedehnten Thierparke am Forsthause vorüber wird uns prächtige Gelegenheit geboten, das in starken Rudeln auf den Wiesengründen behaglich friedlich äsende, buntscheckige Damwild in Muße zu beobachten und mit kühnem Erfassen des richtigen Momentes den malerischen Borwurf im Bilde festzuhalten, wobei man unwillkürlich des jüngst verstorbenen Düsseldorfer Meisters Hans Deiker pietätsvoll gedenken muß, der ja hier in der unmittelbaren

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und des Kanapees aus das entzückende Stadtbild, das auf diesen Höhen erst zu voller Geltung kommt. In einem weiten Bogen umfließt hier die Lahn den mit dem steil emporragenden Schlosse gekrönten Felsen, woran sich bis zur Thalsohle hinab die durch regelmäßigen Bau sich auszeichnenden, in ihre« schwarzblauen Schieferton ehrwürdig ernst dreinschauenden Häuserreihen sich anschließen, während namentlich von diesen Höhen des rechten Ufers uns bis zum Abstieg zur Lahnbrücke auch der neuere Stadttheil mit seinen industriellen und schmucken Btllenanlagen immer mehr sichtbar wird, um uns überzeugen zu können, daß Weilburg sich auf der Höhe der Zeit zu erhalten wußte, sodaß wirHerrnProf. Dr. Buchner in seinem Führer durchs Lahnthal gern Glauben schenken, wenn er uns berichtet, daß man in der Stadt noch jetzt den Einfluß der früheren Residenz der Fürsten von Nassau-Weilburg verspüre, und eine angenehme Geselligkeit durch zahlreiche Behörden, Schulen und Gewerke mit ihren Beamten den Aufenthalt in der reizenden Lahnstadt noch erhöhe, wie ja auch unser auS Weilburg gebürtiges, als freundlicher Cicerone fungierendeS Vereinsmitglied dies dadurch bestätigt, daß er uns versichert, hier auf dem durch seine humanistische Vergangenheit höchlichst berühmten Gymnasium eine glückliche Jugendzeit verlebt zu haben. Uns ist es aber heute vergönnt, da wir zu vor- gesehener Zeit pünktlich eintreffen, noch einige fröhliche Stunden in dem lieblichen Weilburg zu verbringen und in den gastlichen Räumen des deutschen Hauses bei einem reichlichen Mahle unter Theilnahme einiger zu freudiger Ueberraschung auf directem Wege nachgefahrenen Damen und Herren unsere prächtige TageStour bestens zu beschließen, sodaß der post festum bei unserem Rückwege zur Bahn sich einstellende kurze Regenerguß unsere köstliche Stimmung durchaus nicht zu stören vermochte, ja sicherlich einem Vereins- mitgliede zu großer Genugthuung herabströmte, da sein Regenschirm schon auf der ganzen Tour von den mit sicher schützenden Loden ausgerüsteten Herren eigenthümlich vielsagend betrachtet wurde, umsomehr als sich dies Requisit schon bis in das Bereich des Montblanc nach Aussage seines Besitzer- verstiegen hatte. Wir aber bleiben heute auf ebener Erde und fahren Planmäßig gegen 8 Uhr in höchster gehobener Stimmung von Weilburg gen Gießen zurück.

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geschehen kann. Auf Verschlag einer aus Weilburg gebür. ttgen, in dieser Gegend wegkundigen Herrn, dessen salon- tyrolmäßige Ausrüstung schon auf eine weite Entfernung hin die Führerschaft äußerst Vortheilhaft patent grau markirt, wird dann mit Verzichtleistung auf das ursprünglich in das Tourenprogramm aufgenommene Mottauthal mit Weil­münster ein kürzerer, weil interessanterer Weg gewählt, der von Philippftein steil auffteigend an Bermbach vorüber auf das Plateau mit seiner bequemen Fahrstraße führt, auf der man dann während einer längeren Wegstrecke eine wirklich prächtige Fernsicht vorzüglich nach Nord und Osten über den Westerwald bis zum Greiffenstein und der Dtanaburg und weiter südwärts bis zu den heimathlichen Bergen, dem Dünöberg, dem Gleiberg und Vetzberg, tu Muße genießen kann. Nach kurzer Wanderung streifen wir dann jene alte von Frankfurt über den Taunus und Weilburg bis Coblenz führende Heerstraße, deren bedeutungsvolle VerkehrSzeit nur noch jene altehrwürdige, den Wegrand schmückende Baum­stämme erlebt haben können, als in dem bekannten Wirths- haus an der Lahn bei der Frau Wirthin zu kurzem Ausspann und ersehnter Raft die fröhlichen Fuhrleut' Einkehr halten konnten, wie ja auch rechts, seitwärts von uns, ein ehemals weit ausgedehnter Thierpark von längst geschwundener Pracht zu naffauischer Regie­rungszeit Zeugntß gibt. So gehts über Kubach hinaus an der Ruine FreienfelS vorüber ins liebliche Thal der Weil, die im munteren Laufe auf kurzer, aber köstlicher Wanderschaft von des FeldbergS Höhen in einem freundlichen Thalgrunde der Lahn zueilt und uns bis zum Ziele unserer nur noch einstündigen Tour treues Geleit gibt. Da uns bei dem abgekürzten Wege noch reichlich Zeit zur Verfügung steht,

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überragenden Ruine hier in der Nähe deS Braunfelser J können werden wir uns hnfh ,un6. .ne^men

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