Ausgabe 
20.9.1895 Erstes Blatt
 
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die Wiedererstarkung der italienischen Lebenskraft spreche ich zur Eröffnung deS Wettstreite-, der heute unter Ihrer Patronage, Majestät, beginnt, weil durch diese die bürger« ltche Tradition uuserer nationalen Auferstehung wieder aus­genommen ist. Redner zeichnete dann die neueren Fortschritte in dem Schützenwesen und wie- auf die brüderliche Be- theiltgung der auswärtigen Freunde al- gerechte Huldigung der friedlichen Absichten Italien- hin. Die Regierung ist Ihnen dafür dankbar. Die Welt sieht neuerdings mit Sympathie und Bewunderung, wie die Italiener zu kämpfen verstehen. Unsere Gäste werden hier conftattren: wir wollen die Geschicklichkeit in den Waffen nur, um anderen den Ver­such eine- Mißbrauches der Waffen zu unserem Nachtheil zu verleiden, und wollen solchergestalt erreichen, daß jeder Italiener wie geistig so körperlich völlig Meister werde. Erispt schloß seine Rede mit einem warmen Heilgruße an den König, die Königin und den Kronprinzen. Sodann sprachen unter Beifall Advocat Noa-Brescia, der dem Fest- Präsidenten die Fahne überreichte, die die BreScianer Schützen auf dem ersten nationalen Schützenfeste gewannen, und Fortis, Präsident der nationalen Schützengesellschaft. Um 5 Uhr begann der Vorbeimarsch der Schützengesellschaften, Delegationen der Armee und der Marine, welch letztere auf- Lebhafteste begrüßt wurde. Dann begab sich die Königsfamilie nach den Schießständen. Eine große Menschen­menge umgab das Königspaar und brachte ihm Ovationen dar. Der König und der Kronprinz eröffneten dann das Schießen. Um 6y2 Uhr verließ da- KönigSpaar den Fetzplatz, überall jubelnd begrüßt.

Rom, 18. September. Der König sagte heute Mittag im Velodrom bei der Begrüßung der deutschen Turner zu deren Führer Hoppe: Ich danke Ihnen für den Kranz, den Sie auf dem Grabe meines Vaters nieder­gelegt haben, indem ich Ihnen die Hand drücke- ich möchte damit allen Ihren wackeren Gefährten die Hand gedrückt haben. Ich freue mich, Sie unter uns zu sehen, umsomehr, al- Sie einem Lande angehören, mit deffeu Souverän mich innige Freundschaft verbindet. Der herzliche Empfang, den Sie bei uns gefunden, überrascht mich nicht, denn ich kenne die Gefühle meine- Volkes. Der König drückte Hoppe nochmals die Hand. Die deutschen Turner riefen hüte­schwenkend dreimalGut Heil!"

Shanghai, 18. September. Obgleich der englische Co n sul keinen Schwierigkeiten begegnete, um die Hinrichtung der Chinesen aus der Bevölkerung, die an den Morden in Kutscheng betheiltgt waren, zu erreichen, ist es ihm noch nicht gelungen, die chinesischen Behörden zu veranlaffen, gegen den Dicekönig und gegen hohe verantwortliche Beamte mit Strenge vorzugehen. Jedoch gilt es für wahrscheinlich, daß die englische Regierung auf die Bestrafung der Schul­digen bestehen und auf die chinesische Regierung hierzu einen Druck ausüben werde.

Depeschen de- Bureau .Herold".

Berlin, 18. September. DemBerl. Tagebl." geht aus MadagaScar ein Kabel-Telegramm zu, wonach bet Andriba am 30. August ein kleines Gefecht stattgefunden habe. Bei Ankunft der französischen Truppen in Stärke von 2000 Mann ergriffen die HovaS die Flucht. Die Fran­zosen erbeuteten ein aus einer englischen Fabrik stammendes Geschütz, eine Menge Munition und Lebensmittel.

Berlin, 18. September. Ueber das Vermögen der Be­sitzer der hiesigen italienischen Ausstellung ist daS ConcurS-Verfahren eröffnet worden.

Frankfurt a. M., 18. September. Wie derFrkf.Ztg." aus Braunschweig gemeldet wird, findet die Zwangs­versteigerung der Berliner Grundstücke des Frhrn. v. Hammer­stein auf Veranlassung der Braunschweiger Hypothekenbank als ersten Hypothekengläubigerin statt.

Bonn, 18. September. In den letzten Tagen sind hier und in der Umgegend eine Anzahl Raub anfälle verübt worden. Gestern allein drei. Mehrere Räuber, darunter Zigeuner wurden verhaftet.

Karlsruhe, 19. September. Durch eine Feuersbrunst wurden in dem Orte Geschwend innerhalb drei Stunden 14 Gebäude eingeäschert. DaS Schul- und Rathhaas, sowie die Kirche find mitverbrannt. Das Feuer wurde durch starken Wind verbreitet, so daß fast zu gleicher Zeit sämmtliche Häuser brannten.

Müucheu, 18. September. DaS Ehrengericht hat nun­mehr in Sachen des Premierlieutenant a. D. Krafft wegen der bekannten Broschüre:Glänzende- Elend" seinen Spruch gefällt. Nach demselben wird Krafft de- Offiziers- titel- für verlustig erklärt. Im Uebrigen wird bereits in den nächsten 14 Tagen eine neue Broschüre des gleichen Verfaffer- erscheinen, welche sich unter dem Titel:Kasernen- Elend" mit den Verhältniffen der Unteroffiziere und Mann­schaften beschäftigen wird.

Wien, 18. September. Die Blätter besprechen lebhaft da- Resultat der Gemeinderathswahlen. Die liberalen Blätter fordern die liberale Bevölkerung auf, alle Anstreng­ungen zu machen, um wenigstens die Sitze des ersten und zweiten Wahlkörpers zu retten. Gleichzeitig verlangt ein Thetl der liberalen Preffe, daß die liberalen Gemeinderäthe beim Zusammentritt des GemeinderatheS so lange sich abstinent verhalten, bi- eine neuerliche Auflösung des GemeinderatheS und eine neuerliche Uebernahme der Communal-Verwaltung durch den RegierungScommiffar herbeigeführt worden ist. Die Regierungsblätter sind jedoch der entgegengesetzten An­sicht, und der Umstand, daß sie die Liberalen auffordern, die ihnen zugefallenen Mandate auch wirklich auSzuüben, deutet darauf hin, daß die Regierung die Hoffnung der Liberalen, einen antisemitischen Gemeinderath nicht anzuerkennen, nicht erfüllen wird. Die antisemitischen Blätter jubeln über die Niederlage der Liberalen.

Bern, 18. September. AuS Frutigen wird gemeldet, daß von dem AltelSgletscher in der Nacht vom Montag zum Dienstag abermals SiSmaffen abgestürzt seien. Auch sei ein

neuer Gletscherbruch entdeckt, wodurch daS Sasterthal bedroht ist. Um staatliche Hilke ist nachgesucht worden.______________

Sitzung -er Stadtverordneten

am 18. September 1895.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Wolff, Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten 'die Herren Adami, Brück, Emmeliu-, Faber, Flett, Dr. Gutfleisch, Habenicht, Helfrich, Heyligenstedt, Hom- berger, Jughardt, Keller, Löber, Perri, Dr. Ploch, Scheel, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Bor Eintritt in die Tagesordnung widmete Herr Ober­bürgermeister Gnauth dem am heutigen Tage zur letzten Ruhestätte gebrachten Stadtverordneten Herrn Gg. Conr. Simon ehrende Worte des Andenkens, den Dahingeschiedenen als schlichten Vertreter der Stadt und treuen Mitarbeiter am Wohle derselben und freundlichen Collegen bezeichnend. Die Versammlung ehrte das Andenken de- Herrn Simon durch Erheben von den Sitzen.

Dem Gesuch des ComitvS für die landwirthschaft- liche Ausstellung um Ermäßigung deS Preises für daS zum Braten eines ganzen Ochsen erforderliche Gas, (circa 300 Cbm.) auf die Höhe deS für KochgaS berechneten, ferner dem Gesuch desselben ComitsS um unentgeltliche Wasser- abgabe für die Zwecke der Ausstellung wurde stattgegeben- desgleichen soll von Erstattung der Kosten für die Zuleitung abgesehen werden.

DaS Gesuch deS Herrn I. H. Jhring um Erlaubniß zur Aufstellung von drei Wegweisern nach der LtebigShöhe an zwei Stellen der Grünbergerftraße und am Philosophen- walde wird auf Widerruf und mit Festsetzung einer jähr­lichen Anerkennungsgebühr von 20 Pfg. für jeden Wegweiser genehmigt.

Die Verhandlung über daS Gesuch deS Herrn Th. G e i l s u s um Erlaubniß zur Anlegung eines Plattenbelages vor seinem Hause in der Marktftraße wurde ausgesetzt, da daS Gesuch noch nicht der Baudeputation vorgelegen.

Die Rechnungsergebnisse deS GaS- und Wasserwerks für 1894/95 find nach Mittheilung des Herrn Oberbürgermeister- als günstige zu bezeichnen- die günstigen Ergebnisse kommen zum Ausdruck in der vermehrten Gaserzeugung (837,000 Cbm. gegen 785,000 des Vorjahre-), in der procenmalen Mehrausbeute an Gas und CokeS infolge der verbefferten Betriebseinrtchtungen, in dem Mehrerlös für Gas und Nebenproducte, der Vermehrung der GaSeinricht- ungen u. s. w. Ziffernmäßig stellen sich die hauptsächlichsten Zunahme-Positionen wie folgt: Verkaufte- Gas an Private 110,807.71 Mk., für die Straßenbeleuchtung 24,614.57 Mk., für Cokes Selbstverbrauch 11,264.44 Mk., Verkauf an Pri­vate 29,693.23 Mk., für Theer 4009.72 Mk., für Amoniak- wasser 2603.35 Mk., für GaSeinrichtungen 47,045.14 Mk. Die Ausgaben haben sich gegen den Voranschlag vermindert bet Pos. Anschaffung von GaSkohlen um 2634.62 Mk., Cokes für Unterfeuerung der Retortenöfen um 1477.64 Mk., Unter­haltung der Retortenöfen 1227.57 Mk. Auch dieBetriebSergeb- niffe des Wasserwerks werden als günstige bezeichnet. Der Zufluß auS der alten Quelle betrug 500 Cbm. täglich, aus der Kasernenleitung wurden aushilfsweise entnommen 2119 Cbm., auS der Queckborner Leitung in der Zeit vom 1. December 1894 (Betriebsübernahme) bis 31. März 1895 36 091 Cbm. Für 124000 Cbm. an Private abgegebenes Wasser wurde erlöst 35,060.48 Mk. Der Betrag deS für öffentliche Zwecke verbrauchten Wassers beläuft sich auf 11,280 Mk., für Wafferetnrtchtungen wurden vereinnahmt 22,212.75 Mk. Als hauptsächlichste Poften der Ausgaben erscheinen Betriebs- und Unterhaltungskosten mit 7508.30 Mk., Waffereinrichtungen 14,881.12 Mk., Gehalte 7790 Mk., allgemeine Unkosten 3414.93 Mk., Zinsen 27,880.94 Mk., Amortisation 9238 Mk., Anschaffungen 21,750 Mk. Die Schulden beziffern sich für daS Gaswerk auf 478,641 Mk., für daS Wafferwerk auf 1,153,620 Mk. Der Antrag der Deputation für daS GaS- und Wafferwerk auf Ueberführung des BetriebS- überschuffes des Gaswerks im Betrage von 38,776.13 Mk. auf die Stadtkaffe und Verwendung deS BelriebsüberschuffeS deS Wafferwerks von 2217 Mk. zur Schuldentilgung, ferner auf Bewilligung einzelner Creditüberfchreitungen wurde an­genommen. Herr Oberbürgermeister Gnauth nahm hierbei Veranlassung, den Beamten des Werkes, insbesondere dem Director den Dank der Stadt für ihre erfolgreiche Thätig- keit, die zu so günstigem Abschluffe führte, abzustatien; es sei angesichts dieser Ergebniffe auf wettere Gaspreis- Ermäßigung zu hoffen. Herr Dtrector Bergen dankte NamenS seiner Mitarbeiter für die Anerkennung und spricht die Zuversicht auS, daß auch für die Folge günstige Ergebniffe erzielt würden.

Die CokeSpreise für die städtischen Anstalten wie für Prwatabnehmer pro 1895/96 sollen beibehalten werden.

Die Wasserleitung soll fortgesetzt werden in der Dammstraße bis zum Euler schen Doppelhause, in der Ritter- gaffe und in der Lindengaffe. Die hierfür erforderlichen Aulagekosten im Betrage von 720 Mk. werden, da deren lO procentige Verzinsung durch die Wafferabnehmer garanttrt ist, genehmigt.

DaS Gesuch deS EiSvereinS um Anbringung dreier Hydranten auf der Eisbahn zu allabendlichen Be­sprengungen wird genehmigt, desgleichen die auf 1000 Mk. veranschlagten, zu Lasten des EiSvereinS zu bringenden Kosten- von Aufstellung eines besonderen WaffermefferS soll abgesehen werden, wenn die Bedienung der Hydranten durch Ange­stellte deS WafferwerkeS erfolgt.

DaS B äuge such deS Herrn Johs. Häuser XIII. von Kleinlinden war wiederholt beanstandet worden, weil daS Bauwesen an einer zur Bebauung noch nicht vorgesehenen Stelle errichtet werden sollte. Die Versammlung beschloß zu dem bei Großh. Ministerium eingereichten DiSpensationS- gesuch Uebergang zur Tagesordnung.

Die Herstellung erhöhter Trottoirs in der GSthe- stra ße war zu zu 1300Mk. veranschlagt. Da aber seitens

des StadtbauamteS der Zustand des zwischen Südanlage und Seltersweg belegeneu Tbetles gen. Straße ein mißlicher ist, wurde beschlossen, auch die Nordostseite mit erhöhte« Trottoir zu versehen und dafür 400 Mk. mehr in den Vor­anschlag einzustellen.

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Wietze», den 19. September 1885.

PrsvinzialaiSfchaß-Sihuug. Freitag den 20. d. Mrs., Vormittags 8 Uhr, findet eine öffentliche Sitzung deS Pro- vinzialau-schuffeS der Provinz Oberhrssen mit folgender Tagesordnung statt: 1. Die Baugebrechen an den Gebäude, der H. Wagner I. Wittwe und der Dorothea Weber Wittwe zu Friedberg, hier: RecurS gegen einen Polizeibefehl de» Großh. KreiSamtS Friedberg. 2. Gesuch des Ferdinand Lenhard zu Petterweil um Erlaubniß zum Betrieb einer Gaftwirthfchaft.

Landwirthfchastliche Ausstellung. Unsere Stadt be­findet sich wieder einmal in Feftstimmung und zwar im Zeichen der landwirthschaftlichen Ausstellung für unser Großherzogthum. Rastlos wurde in den letzten Wochen in all den Gewerben, welche mit dem Arrangement de- Ganzen zu thun hatten, geschafft und gearbeitet und diese Thätig- keit wurde fieberhaft gestrigen, als man mit Sicherbeit erfuhr, der LandeSberr werde unser schöne- Gießen besuchen. Schau find viele öffentliche Gebäude mit Tannengrün und Fabnen geschmückt. Die WirthShäuser und Hotels haben sich den nunmehr zu erwartenden fremden Gästen zu Ehren auf da» Vortheilhafteste herauSgeputzt. Der dekorative Theil bei Festplatzes ist so gut wie fertig. Fünf Reihen Stallungen für allerhand Vieh stehen längs des Oswald» Garten bereit. Die Aussteller von Maschinen und Geräthen hatten dieselben bereits gestern Vormittag wohl geordnet placirt. Auch daS Geflügel, welches hier seine Stallungen hat, schnatterte und gackerte schon vom frühen Morgen an, sehnsüchtig auS den vergitterten Käfigen nach dem Weiher blickend, den man seinetwegen angelegt hat. Um die Altceschule summen die ausgestellten Bienenschwärme. In der Schule hat die Bienen­zucht Platz gefunden. Die Turnhalle mußte der Ausstellung für die kostbaren Obstsorten ihre Thore öffnen. In der Stadtknabenschule hat man in deren Keller eine Fischerei- Ausstellung geschaffen, die an sich eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges ist. Schon schwammen gestern in dem Aquarium Forellen, Karpfen und Salmfische munter herum. Dieser Theil der Ausstellung wird mittels Spiritus - Glühlampen erleuchtet und wirkt in Verbindung mit seinem Arrangement wundervoll. In den zu ebener Erde liegenden Räumen der Schule hat sich das landwirthschastlich technische Gewerbe (Molkereiwesen) eingerichtet, dem sich die Lehrmittelsamm­lungen der verschiedenen hessischen Lehranstalten für Acker- bau 2C. anschließen. Ferner sind hier die ganz großartigen Collectionen von Produkten deS Pflanzenbaues schon fertig gestellt. Auch die Aussteller der landwirthschaftlichen HtlfS- stoffe haben hier dieselben ausgestellt. Die bedeutende wissen­schaftliche Abthetlung der Ausstellung nimmt einen breiten Raum ein. Der Thierschutz, das Forstwesen, ist allem An­schein nach vorzüglich verttrten. Die große Festhalle, welche vom Turnfest her noch steht, ist auf daS Prächtigste decorirt. Die Festwirthschasl liegt in den bewährten Händen be» Restaurateur» Herrn W. Reinhold vomKatserhof"-Gießev. Für vorzüglichen Stoff sorgt außer einer Münchener Brauerei die Actienbrauerei Gießen, deren Helle- Pilsener Bräu zu» Verzapf kommt. Für vorzügliche Weine hat der Wirth- schaftSauSschuß Sorge getragen und außerdem hat der ProvinzialauSschuß der Provinz Rheinhessen unter den bär­tigen Vorräthen einen guten Tropfen auSgewählt, welcher hier probirt unb beurthetlt werben soll. Ein herzliches Sill- kommen ruft daher heute am Eröffnungstage der Ausstellung die Feststadt all Denen zu, welche sich hier einstellen al- ihre lieben Freunde und Gäste.

* Die Laudwirthschaftliche Ausstellung wurde heute Mittag 121/« Uhr nach einer votauSgegangenen Ansprache deS Herrn Provinzialdirector Frhr. v. Gag er n durch den Präsidenten des landwirthschaftlichen Verein- der Provinz Oberhessen, Se. Erlaucht den Herrn Grafen zu Solm-«Laubach, feierlich eröffnet. Nach der Eröffnung sand ein Rundgang der Ehrengäste durch die Ausstellung statt. Dte Aus­stellung ist reich beschickt und gewährt in ihren einzelnen Abtheilnngen ein schönes Bild landwirthschaftlicher Thätigkeit unserer Provinz Oberhessen. Die Ausstellung ist stark besucht und herrscht in der Stadt ein rege« Leben, begünstigt durch herrliches Wetter. Eingehender Bericht folgt.

* Die Generalversammlung der drei laudwirthschaftliche» Proviuzialvereiue sand heute Vormittag im Saale des Gesell- schaft-oereinS unter Vorsitz des Herrn KreiSrath Haas- Offenbach statt. Wir werden auf die Verhandlungen bet Versammlung demnächst zutückkommen.

Siu ganzer Ochse am Spieß mittel» Sa» gebraten! Einen ber größten Anziehungspunkte bet Volksfeste be» Mittelalter» bildete da- Braten eine- ganzen Ochsen am Spieß und dessen PreiSgebung oder Bertheilung an da» Volk. Wir wissen z. B. au» der Geschichte, daß bei der Krönung Kaiser Maximilian» I, zu Aachen im Jahre 1486 während deS Festessen» an der Kaisertafel den Armen Fischo gebratene Hasen und Lämmer rc. zugeworfen wurden up6 ein ganzer Ochse auf öffentlichem Platz am Spieße gebraten wurde. Er enthielt ein fettes Schwein, sowie Gänse, Hühner und andere Vögel. Dem Kaiser wurde von dem Erbnuchseß daS erste Stück davon servirt und dann wurde da» Volk davon gespeist. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich bet anderen Kaiserkrönungen, doch würde es hier zu weit führen, auf die mannigfachen bezüglichen Ueberlieserungen Zurück- zukommen, damals waren zum Braten mehr al» 36 Stunden nothwendig. Am nächsten Samstag wird den Besuchern der hiesigen landwirthschaftlichen Ausstellung diese» Schauspiel ebenfalls vorgesührt werden. Während man früher zu bac Braten Holzkohlenfeuer anroonbte, wird hier all Heizquelle