soll zu diesem Zwecke in Budapest ein landwirthschastlicher Congreß abgehalten werden. Zahlreiche österreichische und ungarische Agrarier stehen dem Projecte sympathisch gegenüber.
Loudon, 18. Juni. Die „TirneS" bezeichnet die französisch-russischen Kundgebungen in Kiel als be- dauernSwerth und geschmacklos. Das Blatt bedauert, daß Rußland und Frankreich nur wenige Schiffe entsandt und schließt mit der Bemerkung, daß die franco-rusfische Bereinigung fich ebenso unzweideutig in Europa ibethatigen könne als in Ostafien.
WB. Wildparkstatiou, 19. Juni. Der Kaiser ist mit den »ter ältesten Prinzen um halb 12 Uhr Mittags nach Hamburg abgereist.
Schwurgericht.
W. Gießen, den 18. Juni 1895.
(Fortsetzung der Verhandlung gegen Paul Plank von Gießen.) Nach beendeter Beweisaufnahme wurde die Oeffent- lichkeit wieder hergestellt. Aus den Reden des Staatsanwalts und der Vertheidigung ergab sich, daß die Unschuld des Angeklagten glänzend erwiesen sein dürfte. ES sei der traurigste Tag, den ihm sein Amt bis jetzt gebracht habe, meinte der Staatsanwalt, er müffe zugestehen, daß ein Mensch 11 Wochen unschuldig in Haft gewesen sei, auf die Aussage einer in der Voruntersuchung als glaubhaft bezeichneten Person, die heute als die sittlich verkommenste und verlogenste sich erwiesen habe- nicht die Behörde treffe die Schuld, daß der Angeklagte unschuldig habe leiden müssen, denn nach den Protokollen der Voruntersuchung sei die Anklage begründet gewesen. — Der Dertheidiger, Rechtsanwalt Grünewald, erklärte hierauf, seine Thätigkeit sei jetzt beendet, ihr Schwerpunkt habe in den Recherchen vor der Hauptverhandlung und in der Herbeiführung des Entlastungsbeweises gelegen, welches Beides glänzend gelungen sei. Schritt für Schritt habe die Belastungszeugin zurückweichen müssen. Der vorliegende Fall bedeute eine Lehre für das Gericht, die Staatsanwaltschaft und auch für die Vertheidi- 'gung. Auf die einzige Aussage einer Person hin, die einen Menschen eines Sittlichkeitsverbrechens bezüchtige, diesen zu beschuldigen, zu verhaften und zu verurtheilen, sei immer höchst bedenklich, deshalb mahne der vorliegende Fall das Gericht und die Staatsbehörde zur Vorsicht. Pflicht der Ver- ihetdigung sei es aber, vor der Verhandlung Ermittelungen anzustellen, wie sie hier ein so glückliches Ergebniß gezeitigt hätten. Der Dertheidiger ersuchte die Geschworenen, im vorliegenden Fall ein Nichtschuldtg auszusprechen, demgemäß lautete der Wahrspruch der Jury. Die Staatsanwaltschaft beantragte übereinstimmend mit der Vertheidigung beim Gerichtshof die Freisprechung des Angeklagten. Der Gerichtshof sprach hierauf den Angeklagten frei, sämmtliche Kosten und Auslagen, auch die der Entlastungszeugen, sowie die der Vertheidigung der Staatskasse auferlegend. Der Angeklagte wurde sofort aus der Haft entlassen.^
W. Gießen, 19. Juni 1895.
Um 9 Uhr eröffnete der Vorsitzende, Herr Landgerichts- rath Hellwig, die Sitzung. Auf der Anklagebank nehmen heute fünf Angeklagte Platz, nämlich: Conrad Hildebrand, Landwtrth, geboren am 11. April 1877, Georg Conrad Koch, Wagner, geboren am 14. April 1876, Heinrich Wilhelm, Landwtrth, geboren am 8. September 1878, Conrad Bell, Landwtrth, geboren am 11. Juli 1876, Heinrich Häuser, Landwtrth, geboren am 22.Mat 1875. Sämmtliche Angeklagte sind unbestraft und von Nieder-Weisel gebürtig- sie werden beschuldigt des Verbrechens gegen § 176, Absatz 1, und § 177 des R.-Str.-G. Die Staatsbehörde wird von Herrn Staatsanwalt Koch ver- treten, als Vertheidiger find zur Stelle die Herren Rechts- anwälte Grünewald und Dr. Jung. Beim Namensaufruf melden sich 17 Zeugen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird gegen den Einspruch der Vertheidigung die Oeffentlichkeit auSgeschloffen, nur den Vätern der Angeklagten ist die Anwesenheit im Saale gestattet.
. CocoUs rrird proohQielte*,
Gießen, den 19. Juni 1895.
* * Hohe Reifende. Gestern Abend 10 Uhr passirte auf der Durchreise nach Hamburg bezw. Kiel der Großherzog Friedrich von Baden, um V2x/2 Uhr der König Wilhelm von Württemberg die hiesige Station.
* * Prüfungen im Finaozfach. Von den 76 Prüflingen, die sich in diesem Jahre dem Finanzexameu erster Kategorie unterzogen, haben laut „Darmft. Zeitung" 43 die Prüfung bestanden. Das Resultat wurde den Examinanten am letzten Freitag zugesandt. Die schriftliche Prüfung begann am 28. März und endete am 4. April. DaS mündliche Examen dagegen wurde am 8. Juni abgehalten.
* * In Untersuchung. Der Schreiner Will, welcher den Metzger Scheuer in Rod heim bei Homburg v. d. H. ermordete, flüchtig ging und später in Hamburg verhaftet wurde, befindet sich im Proviuzial-ArresthauS in Untersuchungshaft. Nach einer Meldung der Allgemeinen-Fleischer- Zeitung soll derselbe in der kommenden Schwurgerichtstagung abgeurtheilr werden. Wir hören, daß Will vorerst aber nach Heppenheim zur Beobachtung seines Geisteszustandes verbracht werden wird.
* * Neue Plakattafelu werden zur Zeit an verschiedenen Stellen der Stadt angebracht. Dieselben sind bedeutend größer als die bisherigen, wodurch das Aergerniß erregende Ueberkleben der Plakate auf längere Zeit vermieden wird.
* * KalligraphieCursus. Der hier wohlbekannte Schreib- lehrer Herr Kalligraph O. Gottlieb auS Leipzig beabsichtigt hier wieder einen CursuS im Schönschreiben zu eröffnen.
Wir machen Jntereffenten mit dem Bemerken auf diese günstige Gelegenheit aufmerksam, daß das Nähere aus der betreffenden Anzeige zu ersehen ist.
** Der 88. BerbandStag der hessischen laudwirthschaftlicheu Geuoffeuschasteu findet Mittwoch den 26. Juni 1895, Vormittags 10 Uhr beginnend, zu Friedberg im Saale des Hotel Trapp statt. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des VerbandSdirectorS. 2. Vorlage und Entlastung der Jahresrechnung. 3. GeneralrevifionSbertcht. 4. Bericht über den VereinStag des Allgemeinen Verbandes der deutschen land- wirthschastlichen Genossenschaften zu Hannover. 5. Die Haftpflicht im genoffenschaftlichen Betriebe. 6. Welche Maßregeln erscheinen geeignet, um den gemeinschaftlichen Bezug land- wirthschaftlicher Betriebsstoffe in umfänglicherer Weise zu organisiren. 7. Die Grenzen deS Activ- und Passiv-Credits (§ 47 d. G.-G.). 8. Besprechung der Vorgänge im Verkehr mit den Register-Gerichten. — Alle Verbandsgenoffen und Freunde der genoffenschaftlichen Sache sind zu zahlreicher Betheiligung eingeladen.
+ Llch, 16. Juni. In unserm Städtchen wird sich dem Vernehmen nach in aller Kürze ein Verein „zur Abwehr gegen lästiges Musikantenwesen" constituiren. Eine große Anzahl von hiesigen Bewohnern soll schon ihre Bereitwilligkeit zum Beitritt zu erkennen gegeben haben. Die erste diesbezügliche Versammlung wird nächsten Sonntag im „Holländischen Hof" stattfinden.
Darmstadt, 18. Juni. Gestern Nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr wurde im Roßdörfer Walde unmittelbar hinter dem Uebergang der Odenwaldbahn ein stellenloser Kellner to dt aufgefunden. Derselbe hat fich mittelst eines Revolver- schuffes in den Kopf getödtet.
A Mainz, 18.Juni. Die jüngste Berufszählung, deren allgemeiner Werth vielfach angezweifelt wird, hat hier zu der unerfreulichen Entdeckung geführt, daß Zähler in einzelnen Bezirken ein menschliches Elend gefunden haben, von dem sie sich nicht haben träumen lassen, daß solches in Mainz überhaupt existirt. So macht ein Zähler einem hiesigen Blatte die Mittheilung, daß er in einem kleinen Raum, der als Küche, Wohn- und Schlafzimmer dienen mutz, ganze Familien angetroffen habe. Eine Atmosphäre habe in manchen dieser Räume geherrscht, daß man dem Umfallen nahe gewesen sei. Trotz dem Ueberfluß an großen Neubauten ist hier tatsächlich ein sehr fühlbarer Mangel an kleineren billigen Wohnungen, was zu den oben geschilderten Zuständen führen muß. — Auf der Bahnstrecke Mainz-Alzey warf sich gestern Abend unfern der Station Mariaborn ein Soldat vor den heranbrausenden Zug. Der Mann wurde total zermalmt. Die Personalien wie die Motive des Selbstmordes konnten noch nicht festgestellt werden.
* Hochherzige Schenkung. Vom Vorstande des Vereins für Ferien-Colonien in Mainz wird uns geschrieben: Der Verein ist mit einer großartigen Schenkung bedacht worden. Der am 1. Juni verstorbene Mainzer Bürger, Geh. Com- merzienrath C. F. Deninger, von Anbeginn an ein eifriger Förderer der Feriencolonien, hat (wie wir bereits meldeten) dem Verein ein Capital von 100,000 Mk. mit der Bestimmung überwiesen, die Zinsen davon alljährlich für die Entsendung von Kindern nach den Feriencolonien zu ver- wenden. In der Erläuterung zu dem Vermächtuiffe hat der Schenkgeber ausdrücklich hervorgehoben, daß es seine Absicht und sein Wille sei, armen, kränklichen, in Mainz geborenen Kindern während der guten Jahreszeit auf einige Zeit hindurch in gesunder Gegend kräftige Nahrung unter guter Aufsicht zu verschaffen. Nichts kann von dem Edelmuthe und dem erhabenen Bürgerfinu des Verstorbenen beredteres Zeugntß ablegen, als diese hochherzige Schenkung. Durch diese ist eß dem Feriencolonien-Verein ermöglicht, etwa hundert armen Kindern mehr als seither die Segnungen des Aufenthalts in einem Bade- oder Luftcurort zuTheil werden zu laffen. Tausende und Abertausende von Kindern werden Stärkung ihrer Gesundheit und Heilung ihrer Leiden finden und fich des edlen Gebers zeitlebens mit Gefühlen aufrichtiger Dankbarkeit erinnern.
Bingen, 17. Juni. In der hiesigen Gemarkung beginnt die Trau b enblüthe; in jungen, gut behandelten Weinbergen sind die Gescheine immerhin zahlreich und schön ent- wickelt. Wir sahen mehrfach Stöcke, welche schon vollständig durchgeblüht hatten. — Im Rheinhafen wurde vorgestern von einem Arbeiter die Leiche eines neugebornen Kn üble ins gefunden. Derselben war mit einer Schnur der Hals zugezogen, an welcher fich noch die Schnalle einer Männerweste vorfand. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Leiche erst kurze Zeit im Wasser gelegen hat, und tragen diese Angaben hoffentlich mit dazu bei, der Thäterin auf die Spur zu kommen.
Vermischtes.
* 3n Schmalkalden kam kürzlich ein 97jähriger Greis an, der sich noch auf der Wanderschaft befindet. Der alte Mann heißt Seiler, er ist im Jahre 1798 in Zwätzen bei Gera geboren. Wegen angeschwollener Füße wurde der nahezu Hundertjährige im Landkrankenhaus untergebracht.
* Glatz, 18. Juni. Der Fleischer Siegel, der die Botenfrau Paul ermordet und beraubt hatte, ist heute früh hingertchtet worden.
* Karlsruhe, 17. Juni. In Ittendorf, Amt Ueber- lingen, ist der 26 Jahre alte Bauer Strobel verhaftet worden, weil er im Verdacht steht, seine 26 Jahre alte Frau im Walde ermordet und dann aufgehängt zu haben. Die Frau war von ihrem Manne wiederholt mißhandelt worden, weil sie angeblich zu wenig Vermögen mitgebracht hatte. Nach dem Befund der Leiche muß ein heftiger Kampf vorangegangen sein.
* Karlsruhe, 17. Juni. Auf dem hiesigen Friedhof ist gestern Vormittag ein im^Krankeuhaus verstorbener Bier
brauer zweimal beerdigt und zweimal etngefegnct worden. DaS Beerdigungspersonal hatte die Leiche verwechselt. Da sie erstmals katholisch eingesegnet worden war, bestanden die wenige Minuten nach, der Beerdigung erschienenen Angehörigen, die protestantischen Glaubens waren, auf Ausgrabung, Neubeerdigung und Einsegnung durch den mit- gebrachten evangelischen Geistlichen. Dem Wunsche wurde entsprochen.
* Bamberg, 18. Juni. In der Pödeldorferstraße ist ein dreistöckiger Neubau eingestürzt. Acht Arbeiter wurden verletzt, mehrere davon sehr schwer.
* St. Gallen, 15. Juni. Durch die rasche That eines Mitreisenden wurde am Mittwoch auf dem von Zürich nach St. Gallen fahrenden Morgenschnellzuge ein Menschenleben vom Tode gerettet. In einem Wagen zweiter Klaffe befand sich eine Dame mit ihrem 4—5 Jahre alten Söhnchen. Die Mutter scheint nun eingeschlafen zu sein und diesen Umstand benutzte der Kleine, um zur Wagenthüre zu gelangen. Er öffnete dieselbe und trat auf die Plattform des dahinrasenden Zuges, strauchelte aber hierbei und wäre verloren gewesen, hätte nicht ein mitreisender Frankfurter Herr den Knaben mit sicherem Griffe gepackt und dem Verderben ent» rissen. Die Mutter (Frau eines Fabrikanten) bot dem Lebensretter ihres Kindes 5000 Franken zum Danke, die der Herr aber ausschlug. Auch nannte er seinen Namen nicht und entfernte fich eiligst bet der Ankunft in St. Gallen.
* Die Tribüne von Pasewalk. Die „Breslauer Morgenzeitung" schreibt: Zum Besuch des Kaisers bei einer jüngst abgehaltenen Feier der Pasewalker Kürassiere war in der Stadt Pasewalk eine weite, vielen Hunderten Platz gewährende Tribüne errichtet worden. Ein großstädtischer Unternehmer hatte von der Stadt den Platz gemiethet und auf seine Kosten die Tribüne gebaut. Die so geschaffenen Plätze sollten verkauft werden, und die Preise waren auf zehn Mark, sechs Mark u. s. w. festgesetzt. Die Rechnung war nicht übel, aber sie war ohne die Kleinstadt gemacht.. Soviel gießt man in Pasewalk und Umgegend, selbst wenn es den Einzug des Kaisers zu schauen gilt, nicht aus. Bonden Tribünenplätzen wurden nur wenige veräußert - der größte Theil blieb unverkauft und demgemäß leer. Ringsum eine dichte, sehnsüchtig harrende Menge, auf der Tribüne Lücke an Lücke. Da traf, kurz vor der Ankunft deS Kaisers, der frühere Minister, jetzige Oberpräfident v. Puttkamer ein und überschaute mit einem Blick die ganze Lage. „Mit einer solchen Tribüne können wir doch Majestät nicht empfangen," bemerkte der Oberpräsident. „Da muß für Besetzung gesorgt werden." Sofort wurden Boten ausgesandt, die Alle ringsum einluden, sich's gefälligst auf der Tribüne bequem zu machen. Der Unternehmer widersprach, wurde aber mit dem Hinweis auf die höheren Rücksichten, die hier in Frage kämen, beruhigt. Genug, die Tribüne war dicht besetzt, und daS Einzugsbild war durch keine störende Lücke beeinträchtigt.
* Die Zufel auf Befehl. Was man sich in Hamburg von der Entstehung der Alsterinsel erzählt, berichtet man der „Tägl. Rdsch." Vor einigen Monaten, als bereits an der» Kaiser von Seiten deS hamburgischen Senats die ihm nahe» gelegte Einladung ergangen war, die Festlichkeiten zur Einweihung des Nordostsee-Canals von Hamburg auS zu beginnen, nahm der hamburgische Bevollmächtigte zum Bundesrath Veranlaffung, mit dem Kaiser in großen Zügen das Programm deS Festes, soweit es auf hamburgischem Boden spielen sollte, festzustellen. Im Laufe deS Gesprächs bemerkte der Kaiser — so sagt man —: „Wir essen natürlich im neuen Rathhause." — „Und weiter, Majestät?" —„Dann nehmen wir den Kaffee auf der Alsterinsel." (Hier ist einzuschalten, datz der Kaiser am 29. October 1888 bei Gelegenheit seines ersten Besuchs in Hamburg von dem damals in der Außenalster neuerrichteten VergnügungSlocal „Alsterlust" aus seine Umfahrt auf der äußeren Alster angetreten hatte.) Der Bevollmächtigte zum Bundesrath erwiderte in aller Bescheidenheit: „Aber Majestät, wir haben leider keine Alster- insel." — „Wie, Sie haben keine Alsterinsel?" — „Wenn Ew. Majestät befehlen", war die Antwort, „so schaffen wir eine." Und alsbald erging an den geschickten und in alle» Sätteln gerechten Oberingenieur der Hansestadt an der Elbe der Auftrag, für einen unbegrenzten Kostenaufwand — man sagt, für hunderttausend Mark — mitten in der an und für sich schon beschränkten Fläche des inneren AlsterbeckenS, auf Pfahlwerk und Brettern, aus nachgemachten Felsen, wirklichem Gartengrund und echtem Pflanzenwuchs eine neue „Insel der Seligen" mit einem Festraum für 1000 Personen hervorzuzaubern.
* Eine alte „vierschuld". Dem Magistrat in Malchin in Mecklenburg ist kürzlich aus Florenz ein eingeschriebener Brief mit 10 Mk. Inhalt und dem Ersuchen zugegangen, diese Summe — den Betrag einer im Jahre 1867 gemachten Bierschuld — einem namhaft gemachten Wirthe in Malchin auszuhändigen. Da dieser längst verstorben ist, so wird weiter nichts übrig bleiben, als das Geld den Erben zu überweisen.
* Bestialische Elter«. Man berichtet unterm 4. Juni aus St. Petersburg: „DaS Schwurgericht in Wilna vcrurtheilte das Ehepaar Schmilkow, reiche Gutsbesitzer, zum Tode - das Ehepaar hat fich eines grausigen Verbrechen- schuldig gemacht. Im vorigen Winter wurden die Schilkows, während sie mit ihren drei Kindern, von sechs, vier und zwei Jahren, im Schlitten durch einen dicht bei Wilna gelegenen Wald fuhren, von einem großen Schwarm hungriger Wölfe angefallen. Um das eigene Leben zu retten, warfen die Eheleute ihre drei Kleinen den Wölfen zu und brachten sich, während die Bestien sich um die Beute stritten, in Sicherheit. Von den drei Kindern fand man nicht einmal die Knochen wieder. Im Gefängnißhofe zu Wilna werden die beiden Mörder in Kurzem gleichzeitig aufgeknüpft werden.
* Die elektrische Beleuchtung findet in England in Privathäusern der Geldaristokratie viel mehr Eingang wie bei uns, und gilt es schon geradezu nicht mehr als fein, bei Gesellschaften die Salons anders wie im elektrischen Lichte


