Ausgabe 
19.9.1895 Zweites Blatt
 
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Amts- und Anzeigeblutt für den "Kreis Gieren.

chratisöeikage: chießener Aamikienbtätter.

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All: «nnoncen-Burraux deS In- und AuSlanbeS nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

»«nähme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Barm. 10 Uhr.

einander ab. DaS ReichSversicherungSamt aber erachtet solche Wirthe für selbstständig. Ein Gastwirth in der geschilderten Lage hielt sich für befugt, eine Alters- und Invalidenrente beanspruchen zu können. Das ReichSversicherungsaml ver- neinte aber die Bersicherungspflicht deS GastwirthS und Bier- Verschleißers, indem es in seiner Begründung folgendes ausführte: Nach dem abgeschlossenenPachtverträge" kann von einer persönlichen Abhängigkeit des Wirthes gegenüber dem Brauerei- und Wirthschaftsbefitzer nicht wohl die Rede sein. Vielmehr hatten die Wirlhsleute darnach die selbst ständige Nutzung der Wirthschaft einschließlich deS Inventars übernommen. Dem steht auch der Umstand nicht entgegen, daß sie das Bier ausschließlich von der bestimmten Brauerei gegen einen festen Preis zu beziehen verpflichtet waren. Denn eine derartige, im Wesentlichen aus Concurrenzrücksichten zu erklärende Verpflichtung müssen nicht selten unzwetfelhast selbst­ständige Gewerbetreibende bei Abschluß von Lieferungsverträgen übernehmen, ohne daß sie dadurch in ihrer Selbstständigkeit beeinträchtigt werden, wie denn auch im vorliegenden Falle keinerlei Vorschriften über die Art des Bterverschleißes an die Gäste, die Höhe deS hierbei zu fordernden Preises rc. bestanden. m,

Durch Verwechselung von Medikamenten ift in Witzen- hausen (Hannover) ein Kind ums Leben gekommen. Eine Frau aus einem Nachbardorfe kam tn die dortige Apotheke, um die verschriebene Salbe für ihr krankes Kind abzuholen. Der Apotheker hatte gerade eine Schachtel mit Morphium­pulver vor sich stehen, um dieselbe zu signiren, stand aber auf, um erst die Frau zu bedienen. Nachdem die Frau ihre Salbe erhalten hatte, bemerkte er, daß die Schachtel mit dem Morphium fehlte. Er bemühte sich nun, den Wohnort der Frau zu erfahren, indessen war der Arzt, welcher daS Recept für die Frau verschrieben hatte, über Land gefahren und kam erst AbendS zurück. Inzwischen war das Unheil bereit- geschehen, die Frau hatte das Pulver dem Kinde gegeben, welches bald darauf an den Folgen des Morphium gisteS starb.

gfltn, 17. September. Gestern Nacht um 11 Uhr wurde

auf dem hiesigen Bahnhose ein Postschaffner auS Düffeldorf

durch einen Personenzug ü b e r f a h r e n und völlig zermalmt. Die Leiche wurde nach dem Friedhöfe geschafft. Bei derselben

wurden 70 Mark Geld vorgefunden.

Ptertfliäbngrt *ßonncmf«t5prtto I 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn.

Durck dir Post bezog« 2 Mark 50 Psg.

Nrdactton, Expedition und Druckerei:

Schulstraße £lr.7.

Fernsprecher 51.

ssen,

* London, 12. September. Bisher war lebendes Schlachtvieh nur versuchsweise von Australien nach England verfrachtet worden, wobei die wenigen Stück Vieh eine Behandlung erfuhren, die, wie man sagte, so gut war, wenn nicht besser, wie diejenige, die den Reisenden erster Klasse zu Theil wird. Gestern jedoch ist der Dampfer Soul- Hern Eross (5050 Registertonnen) mit der ersten größeren lebenden Sendung in GraveSend angekommen, Rindvieh, Schafe und Pferde. In Australien ward das Ergebniß mit großer Spannung erwartet, weil davon viel für die zukünf­tige Wohlfahrt der Colonieen abhängt, die ihren Ueberschuß an Rindern wegen der Schwierigkeiten, die daS Gefrieren von Viertelstücken bietet, und an Schafen wegen der Vor­eingenommenheit des PublicumS gegen daS gefrorene Fletsch bisher nicht in größern Mengen zu verwerthen vermochten. Der Dampfer war am 9. Juli mit 550 Ochsen (Hereford- und Durhamraffe), 488 Schafen (Kreuzungen und Merino) und 29 Pferden (schwere Clydesdaler) von Sydney ab- oeaanaen. Die Einrichtung der Stallungen und die Be­dienung kostete 1100 Pfd. (22,000 Mk.), das Futter 2000 Pfd. (40 000 Mk.) Die Fracht betrug 160 Mk.) auf den Kopf für die Rinder und Pferde, 10eh 6d (10.50 Mk.) für die Schafe. Jedes Stück Rindvieh war für 14 Pfd. versichert; für jedes Rind, das während der Fahrt fiel, mußten dem Schiffer 3 Psd. (8/i deS WenheS in Australien) bezahlt werden. Da man annahm, daß die Thiere die Reise durch den Suez-Canal nicht vertragen würden, ging die Fahrt Über Montevideo. Stürmisches Wetter um das Cap Horn jedoch verursachte, daß viele Thiere fielen, von den Rindern 52, sodaß deren von 550 nur 494 ankamen, von Schäfer 82; auch ein Pferd fiel. Die überlebenden Thiere befanden sich wohl; das Schlachtvieh wird in den nächsten zehn Tagen in Deptford geschlachtet werden.

Geschäftsmäßig. Der Schnittwaarenhändler Beis hat von seinen sechs Töchtern drei verlobt.Sarah," sagt er zu seiner Frau, als ein Beamter um die vierte wirbt, sollen wir wegen dem das zweite Vierteldutzend an brechen?"

Schon.Potz Tausend, bist Du aber dick geworden!" O, das ist schon 'S dritte Bäuchel, daS ich mir in Karlsbad wegtrinken muß."

im Keßen.

der Mitglieder zur Spalier- Stag, den 21. September, Uhr, aufdeinLenzW

theiligung möglichst im Tm- lt m

Der Vorstand.

Rr. 22« Zweites Blatt. Domierstag dm 19. Seplember

2) er Anzeiger erscheint täglich, Bht Ausnahme bei Montags.

Die Gießener Pamilte«0lä11er werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigklegt.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

alterJ eine hervorragende Rolle spielte. Zwar wußte | man damals noch keine so pompösen Züge zu veranstalten, wie es jetzt zu geschehen pflegt. Man hatte die Mittel und die Erfahrungen noch nicht, wie zu Ende des 19. Jahr­hunderts, und brauchte sie schließlich auch nicht, denn die Menschen in der ersten Hälfte der 60er Jahre waren in ihren Bedürfniffen und Ansprüchen, mit ihren Kreuzern, Groschen, Drei- und Sechsbätznern die häufig recht große Löcher hatten mit ihren preußischen Thalern, Dritteln, Sechsteln und Zwölfteln, ihren Gulden, Kronen- und Fünf- frankevthalern und sonstigen Münzen, welche gar nicht alle aufgezählt werden können, mit ihren Lichtputzscheeren, Gänse­kielen und Spinnrädern ganz andere, durchgängig einfachere und gemüthlichere, als die gegenwärtigen fin de siöole.

Aber zum Festzuge zurück, den wir selbstverständlich auf Schritt und Tritt begleiteten. Auf demKreuze" gab eine kleine Stockung, denn dieMäuSburg" bildet bis auf den heutigen Tag einen engen Durchgang, welcher der Ent- Wickelung großer Massen eine natürliche Schranke setzt, vnd durch die MäuSburg*) mußten wir hindurch. Unmittelbar vor uns hielt die Damengruppe, welche die Gartenbaugöttin Pomona repräsenürte. Alle Damen waren in Weiß ge­kleidet und trugen Aehrenkränze, Fruchtkörbcheu, Blumen- guirlanden oder Sträuße. Ein Arm schob sich durch den meinen und eine Stimme sprach halblaut:Wenn man bei dieser Pomona und ihren Sylphen nur ein wenig VertumnuS sein dürfte." (Der Sprecher war L. F., ein munteres Gießener Kind, dessen Familie heute noch in der Musenftadt würdig vertreten ist.) Und nach einigen Minuten, nachdem sich F. an dem reizenden Anblick gelabt hatte, fuhr der immer fröhlich Gestimmte, zu einem Scherze Aufgelegte fort: Hat der Kaufmann Flörsheim heute wieder Glück! Er wohnt auf dem Markte und sieht überS Kreuz, kann also sämmtliche Herrlichkeiten mit einem Blicke Überschauen. ** * *)

*) 2U unserer'Zeit konnte man im Februar oder März, wenn das Wetter aufataa und das Eis brach, nur mit einrger Schw eirg- keit durch die Mäusburg kommen, eS war stets eine schwierige

Nur wer Gießen genau kennt, wird dieses Scherzwort von damals verstehen. Wer aus dem Markte wohnt, kann nicht ubers

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I Der Zug setzte sich wieder in Bewegung, w>r desgleichen und kamen schließlich, nachdem wir nichts versäumt hatten, inOswalds Garten" an. Der große Schoppen Bier = i/2 Liter kostete damals einen Batzen = 11 Pfennige und in diesem Verhältnisse gegen jetzt war der Preis der sonstigen Nahrungsmittel: Fletsch- und Wurstwaaren, Braten und andere Herrlichkeiten.

An einem Tische fanden wir unS schließlich zu selb neunt zusammen, lauter fidele Brüder. Es dauerte nicht lange, so erschien ein kleiner, etwas verwachsener junger Mann und bot Ausstellungsloose an.* * Pflichtschuldigst spazierte der Loose- Verkäufer von einem zum andern und offerirte seine Glücks- loose, doch alle schüttelten die Köpfe.Meine Herren!" sprach der Kleine zuletzt,ich habe nur noch diese zwei Loose, eins davon gewinnt den ersten Preis, den Ochsen!"

Selbst OchS!" brummte stud. jur. H., eine Persön­lichkeit, die von Mutter Natur etwas stiefmütterlich hin­sichtlich der Pedäler bedacht worden war, vollgepfropft mit kaustischem Witze und ein wahrer Zithervirtuose. Er wohnte bei Scharmann in der Schloßgasse und ist längst zur großen Armee hinübergegangen. (In.Parenthese mag bemerkt werden, daß das Zitherspielen während der ersten Hälfte der 60er Jahre mit Feuereifer in Gießen cultivirt wurde.)

Warum soll ich sein ein OchS!" antwortete der kleine Glücksloofemanu, ohne gekränkt worden zu sein.Die Herren können geben per Person einen Batzen, macht neun Batzen, wofür Sie bekommen die zwei Loose. Jeder trinkt einen Schoppen mehr, daun kommt er seinem Schaden wieder bei und Sie gewinnen den ersten Preis, den schönen Fassel- ochsen aus Dorf Gill oder Muschenheim. Greifen Sie zu, meine Herren, bieten Sie dem Glücke die Hand (mir kommt es auf einen Fuß nicht an!" rief H. dazwischen) und Sie machen ein brillantes Geschäft!"

Kreuz sehen, weil er durch die Mäusburg daran gehindert wird. Kaufmann Flörsheim, der damals auf dem Marktplätze wohnte, schielte auf beiden Augen, er sah daher fortwährend überS Kreuz, obgleich er aus dem Marktplätze wahnte.

Fortsetzung folgt).

Feuilleton.

Kleine (ftltbniffr eines ehemaligen Gießener Musen- sah,es aas dem l-udwirthlchastliihen provinsialfestk pi Gießen im Anguß 1864.

Etnnnddreißig Jahre find verflossen, seit wir das er­lebten, waS in den nachfolgenden Zeilen mitgetheilt werden >oll. Die Sache steht nnS, obgleich fast ein Menschenalter darüber hinging, noch so lebhaft vor der Seele, als wäre eS gestern geschehen.O, alte Bvrsckenherrlichkett, wohin bist du geschwunden!" singtS und klingtS im Inneren; man ist a[t und grau geworden,1 aber daS Herz blieb jung und irisch und daS ist doch die Hauptsache.

Eine prächtige landwirthschaftliche Ausstellung mit ent­sprechenden Festivitäten hatte die Provinzialhauptstadt G.ießen im August 1864 zu Stande gebracht. An die diesjährige Ausstellung, welche im Monat September stattfindet, reichte fie wohl nicht heran, aber für die damalige Zeit war es eine überaus gelungene Veranstaltung.

Die Collegien waren vorher geschlossen worden : Gießen erschien deßhalb, weil eS damals kein Militär hatte, wie ausgeftorben, denn von den Studenten waren nur die Ein­heimischen und diejenigen, welche sich zu den Examina vor­bereiteten oder sonstige ernste Studien trieben, zurückgeblieben und viele Professoren hatten ihre Ferienreisen angetreteu. Das landwirthschaftliche Fest brachte aber bald wieder Leben und Bewegung in unsere gemüthliche Musenstadt - und gernüthlich war fie in hohem Grade, dergestalt, daß nach einem klassischen AuSspruche eines damaligen MusensohneS die schönsten Aussichtspunkte des Heidelberger Schlosses noch gar nichts wären gegen die Aus­sichten im Loose Riemche und bei AndreeS

Der Höhepunkt deS landwirthschaftlichen Festes war für uns, die wir für Technik und Praxis in der Landwirthschaft noch nicht das genügende Verstäadniß hatten , ein überaus gelungener Festzug, in welchem der reizende Gießener Damen- flor _ heute noch ebenso berühmt wie vor einem Mrn'chen-

Amtlicher Theil.

Gießen, den 16«,September 1895.

8etr.. Maßregeln zur Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen.

Bas Großherzogliche Kreisamt Gießen M die Grstzh. Bürgermeister eie« des Kreises.

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit Erledigung unterer Verfügung vom 31. v. MlS. Gießener Anzeiger Ar. 207 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist ton 3 Tagen erinnert.

v. (Sagern.

Vermischtes

* Berlin, 17. September. Heute fand vor dem Land­gericht I die Verhandlung gegen die SchlofferS-Ehesrau Ida Frank statt, welche ihre beiden Kinder durch Kohlengas getödtet hat. ES erfolgte Freisprechung der Angeklagten, weil angenommen wurde, daß die Frau die That in einem Anfall von Trübsinn begangen habe.

Die Uniform bet österreichisch ungarischen Generale der Aanallerie, die K a t s e r W t l h e l m künftig tn dem befreundeten Nachbarlande tragen wird, ist sehr prunkvoll. Die Gala- Uniform besteht auS scharlachrothem goldverschnürtem Attila, mit Gold schoitaschirten Hosen, Husarenstiefeln, weißem Dolman mit Verschnürungen und Zobelpelzbesatz, dazu ein Kalpak mit hohem Federstutz. Als Feld-Uniform wird rin grauer Attila getragen, graue Beinkleider mit rothen Streifen, hohe Stiefel, Czako mit grünem Busch. Kaiser Wilhelm ist Chef des Infanterie-Regiments Nr. 34 und der i. Husaren, beide reerutiren sich auS Ungarn.

Daß ReichSvetfichernugsamt hat eine Entscheidung ge­troffen, die für Gastwirthe und Brauereien gleich sehr wichtig ist. ES ist jetzt vielfach Üblich, daß Gastwirthe uon Brauereibefitzern diesen gehörige Wirthschaften mit der Verpflichtung pachten, ausschließlich von diesen Brauerei- Besitzern das zu verschänkende Bier zu beziehen. Die An- ffichten verschiedener Gerichte, ob diese Gastwirthe Arbeitnehmer »der selbstständige Unternehmer sind, weichen erheblich von

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