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Der Vorstand Herein (Hießen, beu 19. Wlai: MN Ä Itol nhaur Wtin.
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Rr. 117 Zweites Blatt. Smntag dm 19. Mai 1898
Der
Kietze»er Anzeiger erscheint täglich, mN Ausnahme bei Montags.
Die Gießener A«mtkie«StL11er werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Kenerat-Mnzeiger.
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Amtlicher Theil.
Localreglement.
Betr. Entnahme von KieS aus dem Bette der Lahn.
Um das Entnehmen des Kieses oder Grundes aus dem ' Lahnbette im öffentlichen Interesse zu regeln, wird unter J Aufhebung des Localreglements vom 19. November 1880 , nach Anhörung der Stadtverordneten Versammlung und mit ! Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums deS Innern und ! der Justiz vom 9. Mat 1895 zu Nr. M. I. 13241 ver- I ordnet, wie folgt:
§ 1.
Wer KieS oder Grund aus der Lahn innerhalb der Gemarkung Gießen entnehmen will, hat hiervon mindestens eine Woche vorher Grobherzoglichem Polizeiamt Gießen die Anzeige zu machen, damit bestimmt werden kann, ob und an welchen Stellen, für wie lange und unter welchen Bedingungen KieS oder Grund aus dem Lahnbette entnommen werden darf.
§ 2.
Unterlassung der tn § 1 bestimmten Anzeige und Zuwiderhandlungen gegen die von Großherzoglichem Poltzeiamt Gießen in Gemäßheit deS § 1 erlassenen Anordnungen werden in jedem einzelnen Falle mit einer Geldstrafe bis zu 30 Mk. • bestraft.
Gießen, den 16. Mai 1895.
GroßherzoglicheS Polizeiamt Gießen.
I. B. :
Wolff, RegierungSaffeffor.
Verwischte-
• Frankfurt a. M., 17. Mai. Die „Franks. Ztg." meldet: Heute Mittag kurz nach 1 Uhr wurde an der Ecke der Hoch» und Kaiserhofstraße auf den Nervenarzt vr. Auer- bach geschossen. Der Attentäter, ein geisteskranker
Patient deS Angeschoffenen, soll Rens er heißen. Der Arzt befindet sich außer Lebensgefahr. Der Angreifer machte durch Revolverschüffe seinem Leben ein Ende.
♦ Frankfurt a. M., 16. Mai. Nach einer Meldung der „Franks. Ztg." aus Homburg v. d. H. wurde gestern Abend in Rod heim der jüdische Handelsmann und Metzger Simon Scheuer erstochen. Der Mörder Namens Carl Will wurde in der vergangenen Nacht in Homburg von einem Nachtwächter blutüberströmt aufgefunden. Will, welcher mit dem Ermordeten befreundet war, hat selbst Hand an sich gelegt.
♦ Ms. Fulda, 16. Mai. Stadt-Fernsprech-Einrichtung. Die hiesige Stadt-Fernsprech-Anlage ist nunmehr fertiggestellt. Angestellte Versuche haben ergeben, daß sie gut functionirt. Der öffentlichen Benutzung wird sie übermorgen, Samstag, übergeben. Bis jetzt sind es erst 18 Theilnehmer, indessen die Zahl wird bald steigen.
* Köln, 16. Mat. Gestern Abend wurde am Kaiser« garten die Leiche des seit dem 21. Februar dss. Js. ver- mißten Kanfmanns Stephinsky geländet, der damals, nachdem er die Gesellschaft mehrerer befreundeter Juristen verlassen hatte, spurlos verschwunden war. Die vorläufige Untersuchung der Leiche ergab, daß Stephinsky ermordet, beraubt nnd alsdann in den Rhein geworfen wurde. Seine goldene Uhr nebst Kette, sowie das Portemonnaie mit beträchtlichem Inhalt fehlen.
* Leipzig, 15. Mai. DaS Prachtgebäude der dauernden Gewerbeausstellung, welches eine hervorragende Zierde der Promenade bildet, ist jetzt in seiner Vollendung soweit fortgeschritten, daß die Wiedereröffnung der dauernden Ge- werbeausftellung auf Anfang Juli d. I. festgesetzt wurde. Gewerbetreibende, die an der Ausstellung theilnehmen wollen, müssen sich mit der Anmeldung beeilen.
* Hechingen, 16. Mat. Nachdem gestern schwere Gewitter niedergegaugen waren, schneit eS heute stark. Die Höhenzüge find mit Schnee bedeckt.
e Karlsruhe, 12. Mai. Ein abscheuliches Verbreche» I verübte in Klengen, Amt Villtngen, ein bei einem Land- f Wirth in Dienst stehendes 13jährigeS Mädchen. ES stieß einer Kalbin und einer Kuh, wie es selbst eingestaud, derart mit einer Stange in die Mastdarmöffnung, daß beide Thtere getödtet werden mußten. Der Dienstherrschaft starb tu ver- floffener Woche plötzlich ein vierteljähriges Kind. ES entstand der Verdacht, das Mädchen, dem die Pflege deS Kindes au- vertraut war, habe das Kind zu Tode gequält. Die Untersuchung der Leiche bestätigte den Verdacht, dem kleinen Wese» waren die Gelenke vielfach zerrissen und die Knochen gebrochen worden. DaS Mädchen blieb bei der Section der Leiche völlig theilnahmSloS.
* Straßburg i. 6., 15. Mai. In Uebereinstimmuog mit der Kaiserlichen Generaldirection der RetchSeisenbah»e» und der Großherzogltch Badischen Generaldirection hat bk Direction der Pfälzischen Eisenbahnen bestimmt, daß zur Erleichterung des Besuches der Industrie- und Ge- werbe-Ausstellung an den Donnerstagen eine Fahrpreisermäßigung in der Weise gewährt wird, daß die nach Straßburg gelösten einfachen Personenzugsfahrkarten, wen« dieselben auf dem in der Industrie- und Gewerbe-AuSftellu»g errichteten Bureau abgestempelt find, zur freien Rückfahrt für den Tag, an dem sie gelöst wurden, und den nächstfolgenden Tag Giltigkeit haben. Bei Benutzung von Schnellzügen sind Schnellzugszuschlagskarten für Hin- und Rückfahrt, besonders zu lösen.
♦ Nom, 14. Mai. Heute früh 5 Uhr ist das Theater Politeama Adriano vollständig niedergebrannt. A»ch vier Nachbarhäuser sind in Braud gerathen. Die Bewohner konnten nur mit Mühe gerettet werden.
Schrff-nGchpichtett.
— Der Dampfer „Pennsylvania" der „Red Star Linie" tu Antwerpen ist laut Telegramm am 15. Mat wohlbehalten i» Philadelphia angetomme».
Feuilleton.
Msrussa Äschursi.
Eine historische Skizze aus dem Russischen.
Autoriflrte Uebersetzung von C. K len hart.
(Schluß.)
„Meine Maruffa! . . . mein Engel!" . . . mein Alles!" rief Grizo, an dem Krankenlager des Mädchens tn die Kniee sinkend, „sieh mich doch an! ... nur noch ein einziges Mal. Ich bin es ja . . . Dein Grizo! . . . bin hier bet Dtr!"
„Dubift'S . . . bist'S wirklich?" hauchte kaum vernehmbar Maruffa, nur mit großer Anstrengung ihr Haupt erhebend. „Wie geht es Deiner Frau?"
„Ich habe kein Weib und keine soll eS werden als Du, nur Du allein! . . . . Nimmer will ich den Einflüsterungen meiner Mutter mein Ohr leihen . . . Verzeihe mir und sei «ein!"
Gin Strahl deS früheren Glanzes brach aus MarussaS Auge».
Nach wenigen Wochen schon war Marussa blühender denn zuvor. Das Glück hatte ihr auch die Gesundheit wiedergegeben. Grizo besuchte sie täglich und weilte lange bei ihr.
Auf Windstille pflegt Sturm zu folgen und dieser war nicht fern, denn schon begannen düstere Wolken sich um MarussaS Haupt zu schaaren.
Kaum zwei Monde waren vergangen und Grizo kam seltener. Er habe viel zu thun, kaum einen Augenblick frei, sagte er, und Maruffa glaubte ihm. Bald aber kam er gar nicht mehr. Gerüchte tauchten auf und gewannen endlich bestimmte Form. Sie wußte nun und konnte daran gar nicht mehr zweifeln, Grizo sei verheirathet. Deshalb also war er fern geblieben.
Alle ihre Kräfte zusammenraffend, nahm sie sich vor, ei» Fest zu besuchen, bet dem, wie sie wußte, auch Grizo mit seiner Frau erscheinen würde. An diesem Abend wollte Maruffa schön sein, ja, mehr noch, sie wollte entzücken, bezaubern ! . . . . Das hielt nicht schwer. Als Maruffa eintrat, waren beinahe alle geladenen Gäste schon versammelt. Nicht lange, so kam auch Grizo mit seiner Frau am Arme. Man plauderte, lachte und scherzte.
„Singe, Maruffa!" bat Medascha, ihre beste und vertrauteste Freundin.
„Singe . . . finge!" wiederholte man von allen Setten. Uud fie saug.
Bald klang eS so weich und schmelzend, bald wild und leidenschaftlich, dämonisch fast von ihren Lippen. Alles lauschte athemlos- so hatte man noch nie fingen gehört, sogar Maruffa nicht. Als diese geendet, lag eS einige Secunden lang wie ein Zauber auf der ganzen Gesellschaft, dann aber brach ein Sturm des Beifalls los.
Wieder und wieder mußte Marussa singen. Ihr nahe stand Grizo, ganz verloren in ihrem Anblick. Er hatte nur noch Augen für fie, vergaß sein Weib und Alles um fich her.
„Eine Stunde des Wiedersehens gewähre mir, Maruffa ... eine einzige Stunde nur!" flehte er, als das Mädchen unter dem Trubel aller Anwesenden an ihm vorüberschritt.
„Komm heute um Mitternacht", gab Maruffa flüsternd zurück.
Die Gesellschaft war auseinander gegangen und Grizo hatte seine Frau nach Hause geleitet. Sobald fie eingeschlafen war, schlich er fich aus dem Gemach und eilte sofort zu Marussa, welche bereits seiner harrte. Sie empfing ihn mit liebevoller Zärtlichkeit. Ihre weichen Arme legten sich um seinen Nacken, er preßte die bebende Gestalt an sein Herz und beider Lippen fanden und vereinten fich in einem langen, innigen, feurigen Kuß .... ES war sein letzter!
Langsam auS seiner Umarmung fich lösend, trat Marussa zum Tisch und füllte einen Becher mit perlendem Wein.
„Trinke auf unsere Liebe!" sagte fie.
„Und dann?"
„Dann bin ich Dein, wenn Du noch willst . . ."
„Halt ein?" schrie Maruffa auf und fiel ihm in den Arm. „Ich habe Dir im Weine Gift gereicht!"
Grizo starrte das Mädchen an, als sähe er ein Gespenst, dann versuchte er ungläubig zu lächeln. Im nächsten Augenblick aber verzerrten fich seine Züge, die Augen quollen auS ihren Höhlen, kalter Schweiß trat auf seine Stirn, die Hände ballten sich krampfhaft, die Kniee zitterten und versagten den Dienst. Die hohe, kräftige Gestalt brach zusammen, gleich einer vom Sturm geknickten Eiche. Er wollte sprechen, brachte eS aber nur zu einem unverständlichen Lallen und schlug mit dem Gesicht auf den Boden. Zwei- bis dreimal noch durchschauerte convulfivischeS Zucken seinen Körper, dann lag er regungslos. Grizo war tobt. Mit einem wilden Aufschrei der Verzweiflung warf Maruffa sich über die Leiche.
♦ • •
Wenige Tage später stand Maruffa vor ihren Richtern. Ganz Pultawa bat »m Gnade für die entzückende Sängerin. Man kannte die traurige Geschichte ihrer Liebe »nd wußte,
wie schmählich fie von Grizo war hintergangeu und verrathe» worden. Die Herzen der Richter selbst waren vom tiefste» Mitleid bewegt und die Stimme des Aeltesteu auS ihrer Mitte bebte, als er das Urtheil kündete. ES lautete auf Tos durch Enthauptung.
Auf dem Stadtplatze von Pultawa drängte fich feit früher Morgenstunde schon eine ungeheure Menschenmenge, Cosakeu, Frauen und Kinder. Der wirre Lärm wurde plötzlich durch den tausendstimmigen Ruf unterbrochen: „Man bringt sie! . . . Man bringt fie!"
Maruffa betrat bleich, aber festen Schrittes, vom Henker geführt, das Blutgerüst. Wirr glitt ihr brennendes Auge über die zu ihren Füßen aneinandergedrängten, zahllosen Köpfe. Sie schien nicht zu wiffen, was um fie her vorging. Der Pope murmelte fromme Gebete für die arme, sündige Seele, die tn wenig Minuten schon vor Gott steheu würde und sprach der dem Tode Geweihten Trost zu. Marussa hörte ihn nicht. Willenlos ließ sie sich vom Henker die Augen verbinden, zum verhängnißvollen Block geleiten, wo fie niederkntete und mit der Ergebung eines Lammes ihr Haupt niederlegte, dem tödtlichen Streich ihren Nacken,bietend.
Ein Gemurmel des Mitleids erhob sich unter den Zusehern, die Frauen weinten und schluchzten.
Der Henker ergriff daS Beil, prüfte noch einmal mit de« Finger deffen Schärfe uud . . . „Halte ein!" rief eine Stimme. Es war Iskra, der auf schäumendem, schweißbedeckten Roß angespreugt kam. In seiner hocherhobenen Rechten hielt er ein Papier. „Dom Hermann!" rief er.
Der Henker senkte daS Beil- der älteste Richter nahm daS Schreiben und las es mit lauter Stimme vor. ES enthielt die Begnadigung Maruffas, welche Iskra für diejenige erwirkt, die zu lieben er nie aufgehört.
Marussa nur schien die Kunde, welche aller Herzen froh bewegte, gleichgültig zu sein, denn fie blieb unbeweglich auf dem Block liegen. Als man fie ausrichten wollte, gewahrte man, fie habe das Bewußtsein verloren. Unter dem Jubel der Bevölkerung trug man fie nach ihrem Hause.
So sehr auch Iskra in fie drang, sein Weib zu werden, weigerte fich Maruffa mit Entschiedenheit, das Geschick eines edlen und guten Mannes mit dem einer Mörderin zu verknüpfen. Gesungen hat sie auch nicht mehr, sondern fich in ein rusfisches Kloster zurückgezogen, von dort kam ein Jahr später die Nachricht, fie sei gestorben. Schon längst deckt die Erde die liebliche Sängerin, sdoch ihre Lieder leben noch heute im Gedächtniß und im Munde des kleinrusfischen BolkeS.


