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#Ufeiur Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».
Die Gießener Il«mitiea»tütter werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Freitag den 1Q. October
Gießener Anzeig er
Kenerat-Unzeiger.
1893
vierteljähriger JMoHetmexhpnUa 2 Mark 20 Pfg. mit vringerlohn. | Durch die Post bezogiM 2 Mark 50 Pfg.
Redaction, ExpeditiaA und Druckerei:
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AZnts- und Airzeigeblatt für den Aveis Giefzen.
folgenden Tag erscheinenden tan’a“«'XT Iouo’ Hratisöeikage: Gießener Jamilienökätter. *nn"°n“n‘s"-a"L?t*cy* u2b *u*'an^*
Amtlichem Lhcil.
Gießen, am 15. October 1895.
Betr.. Herbst-Controlversammlungen.
DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen
Ht erete. vürgermettttreie» M fttNM.
Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntniß bringen lasten.
v. Gagern.
Bekauntmachuna.
Bei den diesjährigen Herbst-Controlversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Dießen gehörigen:
1) Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve (Anzug: Helm, Waffenrock ohne Schärpe).
2) Reservisten, sowie zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden Entlaffenen aller Waffen.
8) Diejenigen, der Landwehr I. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbstcontroloersammlung zu- gegangen ist.
Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbstcontrol- versammlungen nicht zu erscheinen.
Nachstehend ist angegeben, wo und zu welcher Zeit die Lontrolpflichtigen anzutreten haben:
A. Zu Metzen am 4. November 1895 in Oswalds Garten für die Bewohner von Annerod, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Heuchelheim, Klein-Linden, Oppenrod.
1. Appell Vormittags 8 Uhr:
Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve sowie sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1888, 1889 und 1890 eingetreten find.
2. Appell Vormittags 10 Uhr:
Sämmtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1891, 1892, 1893, 1894 und 1895 eingetreten sind.
3. Appell Nachmittags 2 Uhr:
Sämmtliche Reservisten der Garde, Jäger, Cavallerie, §eld- und Fuß-Artillerie, Pioniere, Eisenbahn- und Luft
schiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitätsund Veterinärpersonals, Büchsenmachergehülfen, Oeconomie- Handwerker, Marine-Mannschaften sowie sämmtliche zur Dispofition der Truppentheile und der Ersatz-Behörden ent- lastene Mannschaften aller Waffen und alle übrigen im Reserve-Verhältniß stehenden Mannschaften.
4. Appell Nachmittags 3 Uhr 30 Minuten:
für die Bewohner von Allendorf a. d. Lahn, Großen-Linden, Lang-Göns, Leihgestern, Watzenborn und Steinberg, Hausen.
B. Zu Lollar
am 5. November 1895
Vormittags 9 Uhr neben dem neuen Bahnhofsgebäude für die Bewohner von Allendorf a. d. Lda., Alten-Buseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibettshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lda., Trohe, Wieseck.
C. Zu Grünberg
am 5. November 1895, Nachmittags 1 Uhr am Bahnhof für die Bewohner von: Allettshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neu- mühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kestelbach mit der Rabenau'schen Papiermühle, Lauter mit der Arztmühle, Bingmühle, Georgenhammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmidtmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß- und Klein»), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhards- Hain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollnbach, Veitsberg und Wirrberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit Hainerhof, Winnerod.
D. Zu Hungen
am 6. November 1895
Vormittags 9'/, Uhr am Friedhof für Die Bewohner von: Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Güll, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Steinheim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen.
E. Zu Lich
am 6. November 1895
Nachmittags 3 Uhr am Bahnhof für die Bewohner von: Albach, Birklar, Dorf-Güll, Eberstadt mit Arnsburg, Ettings
hausen, Garbenteich, Grüningen, Holzheim, Lich mit Albacher- Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder.Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach.
Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) einzureichen und müffen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Nothsalle genehmigt.
Die Leute treten in bürgerlicher Kleidung an. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Cigarren sind vorher wegzulegen.
Die Militärpapiere (Paß und Führungszeugniß) müffen zur Stelle sein.
Sämmtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Eontroltages bis einschließlich Mitternacht unter dem Militärgesetz.
Gießen, den 12. October 1895.
Großherzogliches Bezirks-Commando.
Detring, Oberstlieutenant und Commandeur des Landwehr- Bezirks Gießen.
Vermischte-
" Benthe« i. Schl., 15. Oktober. Die zum Tode ver- urtheilten Verbrecher Sobczyk und Arld versuchten in der Nacht auSzubrechen. Im Corridor entspann sich ein Kampf zwischen den Aussetzern und den Verbrechern. Der AuSbruch wurde verhindert.
* Wie man eS machen muß. „Ich wünsche einen Hut zu kaufen", sagte eine 40 jährige Jungser zu der Modistin. — „Soll derselbe für Sie bestimmt sein, gnädiges Fräulein?" — „Jawohl". — Verkäuferin, in das Nebenzimmer rufend: „Bringen Sie mir doch mal den neuen Modellhut für junge Mädchen von 18 — 20 Jahren."
• Festbegründeter Entschluß. Erster Student: „Du, Karl — so viel kann ich Dir sagen — bekneipen thu' ich mich jetzt nie und nimmermetzr wieder!" — Zweiter: „Warum denn nicht?" — „Denk' Dir, neulich habe ich in der Besäuftheit meine Schulden bezahlt!"
* Fatal! „Pech! Hat mir der Onkel versprochen, daß er meinem Erstgeborenen an jedem Geburtslage hundert Mark geben wird, und jetzt kommt der Junge am 2 9. Februar auf die Welt!"
Feuilleton.
Aus sllrr Zrit.
(2. Fortsetzung.)
Solche Märlein waren mir aus Kindertagen nit fremd, hab dahero ich den wahngläubigen Menschen belohnet. Der Hirth ist aber zornig worden, jund hab ihn, da er Meinens gewesen, ich müffe solchen Fund than haben, durch einige MbuS wollen beruhigen. Das Geld hat er wol angenommen, aber knurrend in den Stoppelbart brummet: „Gold will ich, Antheil am Fund, der Küppel hie ist mein Weideland." vkit Ruhe hab ihm meiner Reis Zweck und Ziel gekündet, iab weß Grundes mein freudiger Gruß hinüber zu dem Gemäuer.
„Zum Rhrößer Born wollt Ihr?" frug er dann, „mag sein, doch da Ihr erfahren von dem Golde, so versprecht, ollhie niemalen zu suchen, oder" und er faßte seine Schäfer- schippe und murmelte funkelnden Auges: „Wolf und ich zerreißen Euch hie auf dem Fleck." Hab ihm solch Der- sprechen gern gethan, darauf er beruhigt worden, mich bei lex Hand gefaßet und zu einer Stelle geführet, wo, wie er «ir sagte, das Gold sei zu finden.
Dann hat er mit der Schippe in dem niederen Rasen imhergeftochen und betrübt gemeinet: „Ob ich gleich oft suche allhie, das Gold verbirgt sich." Ist aber plötzlich zur tzrden fallen, daß ich geglaubet, ihm sei etwas zustoßen. Hat mit den braunen Händen in dem Löchlein gewühlet, das ec gemacht, und ist alsbald jauchzend aufsprungen. Hat wahrhaftig ein klein Stücklein flachen Goldes in der Hand halten.
Jtzo hab ihm nochmals versichern gemüht, seinen Fund »immer zu verrathen, dann hat er mich ziehen lasten, der wundersame Mensch, in diesem wunderbaren Land, allwo die Märlein der Kindheit zur Wahrheit werden.
Bin eiligst den Hügel hinabgeeilet dem Ortlein zu. rechter Rauch schwebte über den Dächern, maaßen es an der Zeit gewesen, daß die Abendkoft gekochet ward. Hab mich aber nit aufhalten, denn die Sonne stand noch am
Himmel und von dem Born Gemäuer aus wollt ich ja doch meine Lind im Gärtlein zu Homberg noch einmal erschauen. So hab ich denn auch bald daS Gemäuer am Waldesrand erreicht.
Bequemer mocht ichs nimmer finden, dann hie, wo steinerne Sitze zum Ruhen luden. Hab mich auch alsbald niederlasten im Schatten des Mauerwerks, dem ein klarer Wasterstrahl entquoll. Dicht neben mir beleuchtete ennoch die Sonne hell und warm den Sitz und das Gemäuer. War recht müde worden und warm, also, daß es mir vor den Augen geflimmert.
Meine Linde mocht ich nimmer erschanen, da daS ferne Städtlein in bläulichen Nebel gehüüet war. Hab denn mein Haupt an die Steinwand gelehnet und die Augen geschlossen, damit mein Geblüt sich möcht beruhigen, ehebevor den Durst ich sttllete.
Plötzlich ist mir von der Seiten her ein kühler Lufthauch über die Wange strichen und hab einen Erdruch verspüret, obgleich in der Nähe kein neu gepflüget Land gewesen. Hab die Augen geöffnet und bin schier erschrocken, denn dicht neben mir auf dem Bänklein int Hellen Sonnenlicht saß eine Frauengestalt, deren Antlitz von solcher Lieblichkeit gewesen, wie ich niemalen wider erblicket. ES mußt wol ein Mägdlein sein, das gleich mir allhie auSruhen gewollet.
Jtzo da ich mich beweget, wandte die Maid ihr Antlitz mir zu, und hab ich geblicket in diese wunderbaren großen Augen, die gar schmerzlich mich angeschauet.
Der Jungfrauen Gewandung ist nit gewesen wie einer Landdirne Kleid, auch hatte ich solches anhero nimmer er» blicket in den Städten, da ich gelebet. Ein reichgezieret Tüchlein verhüllte daS Haar, deß ich ebenwol bei jungen Mägdelein nimmer gewahret. Solches hatte alles sofort überschauet, doch hat mich itzo dieser Augen Anblick also gefeßelt, daß mir die Sprach versaget. Hab mich jedoch ermannet, maaßen mein längeres Anstarren solch holden Schmerzes unziemlich gewesen. „Edle Jungfrau," begann ich zögernd, „verftattet dem müden Wandrer, allhie in Eurer Näh zu rasten, bis ich mich gestärket zu weiterem Weg."
Darauf hat sie mit traurigem Lächeln mehrere Malen leicht mit dem Kopfe genicket, ohne den trüben Blick von mir zu verwenden. So hab denn errnuthigt weiter gefraget: „Verzeiht mirö, daß ich also rede, doch könnet Ihr Eurer Traurigkeit Grund mir künden, so möchte ich nit rasten, bevor ich Euch heiter gesehen." Sie aber redete kein Wort, hat dagegen mich, wo eß möglich gewesen, noch betrübter angeblickt und ein leiser Seufzer ist an mein Ohr klungen und gleichzeitig der kühle Lufthauch über meine Wangen gesäuselt. Hab vermeinet, der armen Maid Muth machen zu sollen und also widerum anhoben: „Ich will ein Diener Gottes werden und ziehe gen Marpurg, allda der GotteS- gelahrheit gar fleißig obzuliegen, meines Amtes wird sein, Betrübte zu trösten aus GotteS Wort und Müde zu erquicken, indem ich sie zu Jesu Christ, unserem hochgelobten Herrn weise, der für all Mühseelig und beladen Menschen Kind das alleinig Labsal ist."
Da ich also geredet voll warmen Mitgefühls, ist eS über das traurig Antlitz fahren, wie ein Heller Schein, gleich als ob am Himmel plötzlich das Gewölk zerreißet und die vom Sturm gejagten Wolken einen breiten Sonnenstrahl laßen huschen in großer Eil über die dürre Haide.
Der frohe Schein ist verschwunden, wie er gekommen, plötzlich, und widerum hat der trübe Wolkenschatten über dem wunderholden Antlitz legen. Geredet hat die Jungfrau kein Shlbelein, aber zu wtderholten Malen gar schmerzlich geseufzet.
Solch stummes Weh ist mir also zu Herzen gangen, daß ich itzo nit um alles hätt mögen die Maid in ihrem Leid lassen alleine. Vielleicht war sie stumm und ihr die Gab der Rede versaget, daher solchero Trübsinn mochte stammen? Doch vermeinte stets gehöret zu haben, mit der Machtlosigkeit der Zung fei immer auch des Ohres Unmacht greinet. Sie aber hatte wich wohl verstanden, deß ich deutlich gewahret, da sie bejahend das Haupt geneiget. Mit Blitzesschnelle ist mir solch Erwägen kommen und hinwiderum, weß Grundes wohl der hellere Schein möcht auf dem bittern Antlitz gewesen sein.
(Fortsetzung folgt).


