Der Krieg von 187OJ71,
gcschlldert durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
18. September.
„Don der Armee nichts Neues! — DaS Wetter ist vortrefflich!" Dies sind die heutigen officiellen Neuigkeiten. Anscheinend werthlos, finb sie doch von großer Bedeutung, allerdings besonders die letztere. Denn unsere Truppen haben bisher von dem fortwährenden Regenwetter ebenso viel gelitten, wie von dem Feinde, und eS wird etwas Sonnenschein vor Parts, Metz, Straßburg. Toul, Thtonville und wie die Ortschaften alle heißen, in denen sich noch bewaffnete Franzosen befinden, mit Freuden begrüßt.
• Berliner Leben. Ein trauriges Bild aus dem Leben der Großstadt zeigte sich kürzlich eines Abends in der Belle- Alltance Straße. Auf einer Hausschwelle saßen zwei noth- dürftig, aber ziemlich sauber gekleidete Mädchen im Alter von fünf und drei Jahren eng aneinandergeschmiegt und schliefen. DaS ältere Kind hatte einen Korb mit Streichhölzern auf dem Schoße- Paffanten weckten die Kinder auf und fragten sie, weßhalb sie nicht nach Hause gingen. Aus der Erzählung deS älteren der beiden Kleinen, die bitterlich weinten, ging hervor, daß der Vater Frau und Kinder tim lassen hätte. Am Morgen wäre die Mutter, die mit ihnen in der Ftdicinstraße wohne, von der Polizei geholt worden, um eine dreitägige Haftstrafe zu verbüßen. Die beiden Kleinen waren ohne einen Pfennig Geld, ohne Nahrung, sich selbst überlaffen. Seit dem Morgen waren sie auf der Straße, um Streichhölzer zu verkaufen, und da sie nichts gelöst hatten, waren fie ohne Nahrung. Die mitleidigen Passanten nahmen sich ihrer an. Sie erhielten zu effen, dann wurde eine Sammlung veranstaltet und beglückt zogen die Kleinen von dannen.
* Feuersichere Kleidung. Bezüglich der Rettung aus Feuersgefahr wird ein erheblicher Fortschritt aus Montreal gemeldet. Bekannt ist zwar, daß mit Hilfe von Respiratoren der Feuerwehrmann in mit Rauch erfüllte Räume eindringen kann- aber durch die Gefahr, daß seine Kleider verbrennen können, ist auch sein RettungSwerk immer noch sehr beschränkt. Deßhalb ist die Erfindung eines feuerficheren Anzuges aus Asbest als ein großartiges Mittel zur Rettung Gefährdeter zu betrachten. Ein angestellter Versuch ergab nach einer Mtttheilung vom Patent« und technischen Bureau von Richard Lü d e rS in Görlitz die vorzüglichsten Resultate- ein mit dem Anzug bekleideter Feuerwehrmann drang in ein brennendes Gebäude ein und blieb sieben Minuten in demselben, ohne irgend welchen Schaden zu nehmen. Der beim Versuch ge« tragene Anzug bestand durch und durch aus Asbest-Geweben, die zwischen den einzelnen Lagen Luftcanäle als Jsolirschichten besaßen. Der Anzug zerfiel in Stiefeln, Gamaschen, Jacke mit Schurzfell, Handschuhen und Helm, der letztere war mit zwei mit Glimmer verschlossenen Sehlöchern versehen. In der Jacke befand sich der Respirator, um die heiße, rauchige Luft zum Einathmen abzukühlen und zu reinigen.
* Eine umfangreiche Erhebung über Volttfpiele ist innerhalb der deutschen Turnerschaft veranstaltet worden. Von 5070 Vereinen haben 3942 — 77,7 pCt.s die Fragekarten auSgefüllt. DaS Gefammtergebniß lautet dahin, daß von jenen 3942 Vereinen 2666 Spiele betrieben und zwar 267 regelmäßig, 2399 gelegentlich. ES spielen also 67,5 pCt. und zwar 6,7 pCt. regelmäßig. Von der ge- sammten Zahl der 5070 Vereine find es 52,5 pCt., also über die Hälfte, welche erklärt haben, daß sie Spiele Pflegen.
* Bon einer „gescheiten Fraa" erzählt die Monatsschrift „Unser Vogtland" folgende Schnurre: Do zieht e Bauer aff Gräz und will sich en Ufen kafen. Unterwags kährt er ower emoll bei sein Gevatter HanSgerg ein und dar sogt: „Kaf Der ner en Rechelierufen, nicht schennersch sellS gar net gam, do spart mer de halbe Feiering!" Wie nu der Bauer zum Ufenhäudler kiwmt, do frogtr a na de Rechelierufen un mänt: „Sell denn deS wahr sei, daß mer bluS de halbe Feiering braucht?" — „Ganz gewiß," hA,/er Ufenhäudler gesogt, un de Bauer Hot en kaft. Wir.- ei nu derhämm seiner Alten die Geschichte mit dar Halm Fk/ering erklärt halt, stemmt de Gette de Arm uei de Seiten und sogt (er stand nämlich e wing uutern Pantoffel): „Ei, Du Schofzipfl, Du dummer, was kafst der denn do net gleich zwaa, daß mer de ganze Fetering dersparn?!"
Verkehr, Canb* tmb
Zum Cruten des Obstes.
H.W Wiese», 14. September.
Vor wenigen Tagen ging ich an einem Baumstücke vorüber, dessen Besitzer damit beschäftigt war, die durstige Obsternte einzu- hetmsen. Eine kurze Letter, eine lange Ftchtenstange und ein Waschkorb; das waren die einfachen Utensilien, die ihm bet der Ernte- arbett Dienste leisten sollten. Auf meine Frage, warum er denn das Obst so frühe abmache, antwortete er: „Meine Nachbarn haben es schon abgethan, und wenn ich das meine hängen lasse, so wird es mir gestohlen." In der That standen die Bäume der Umgegend leer, ihren zerzausten Aesten sah man eS an, daß sie ihre ,srüchte bereits abgegeben hatten. DaS zu frühe Abmachen deS Obstes ist ein arger Uebelstand, gegen den nicht scharf genug angekämpft werden kann. Halbreifes Obst hält fich nicht und ist der Gesundheit nachtheiltg; zugleich fehlt ihm jene Güte und Feinheit, jener Wohlgeschmack und Wohlgeruch, Eigenschaften, die wir bet dem reifen Obste so sehr bewundern Freilich darf man die Sache auch nicht übertreiben und das Obst am Stamm überreif werden lassen. Der Baumzüchter, welcher die Obstsorten, die auf seinen Grundstücken wachsen, genau kennt, wird im Laufe der Zeit auf Grund sorgfältiger Beobachtung und Erfahrung schon den richtigen Zeitpunkt treffen. Als allgemeine Regel gilt, daß man Kernobst etwa acht Tage und Steinobst etwa zwei bis drei Tage vor der völligen Reife abntmmt. Zum Pflücken wähle man trockeae, über womöglich trübe Witterung. Haltbarkeit und Aroma leiden Noth, wenn bet Regenwetter oder zu Früh Morgens das Obst gepflückt wird. Dabei schone man die Bäume mit ihren Zweigen. Häufig aber kann man unter denselben mit dem Rechen ganze Haufen junger Neste und Triebe zusammenscharren Mit einer Stange wird unbarmherzig auf die Krone deS BaumeS losgeschlagen, daß die Blätter umher- flkegen und die Zweige, welche kommendes Jahr Früchte tragen würden, herunterfallen müssen.
Wesentlich unterstützt wird die Arbeit beim Abthun deS Obstes durch zweckmäßige Erntegeräthe, mit deren Hilfe die Früchte unversehrt gepflückt werden können und durch welche auch die Bäume kaum Beschädigungen erhalten. Vor allen Dingen ist eine leichte, handliche Letter erforderlich. Vielfach trifft man noch die zwet- bäumtge Leiter an, nur hier und da ist die viel praktischere, ein- bäumige „Lehne" im Gebrauch. Dieselbe läßt fich bedeutend bequemer handhaben, auf unebenem Boden, an Abhängen und Rainen kann man sie sicher aufstellen, weil der halbmondförmig ausgeschnittene hölzerne Fuß beweglich ist, und die Bäume werden durch sie kaum beschädigt. Die Spitze des LetterbaumeS hat keine Sprossen; schnell und bequem läßt sie sich deshalb zwischen die Kronenäste htndurch- stecken. Da der Fuß sich unten im Boden eindrückt, kann sich die Leiter nicht drehen. Die Enden der Sprossen find mit eisernen Köpfchen versehen, um ein Abgleiten zu verhindern. Bei der Anwendung einer solchen Leiter taffen sich die meisten Früchte mit der Hand abnehmen. Sorgfältig werden diese in einen Pflückkorb gelegt, der an der Innenseite mit Leinentuch versehen ist. Ein Umkippen desselben ist nicht zu befürchten, weil er an drei starken Schnüren hängt, die sich oben in einem kräftigen Eisenhaken vereinigen, an dem ber Korb in der Krone des Baumes aufgehängt werden kann. Ist er gefüllt, so läßt man ihn an einem Seil, das über einen Ast läuft, zur Erde. Hierauf bringt man die Früchte behutsam in Tragkörbe, die innen mit Packleinen ausgefüttert und auf dem Boden etwas gepolstert sind, damit die zur Aufbewahrung bestimmten Aepfel und Birnen ja keine Druckstellen erhalten. Früchte, welche man mit der Hand nicht erreichen kann, nimmt man mit dem Pflücker ab. Zum Brechen deS Tafelobstes bedient man sich auch starker, leinener Schürzen, die, an kräftigen Gurten befestigt, über die Schulter gehängt werden und als recht praktisch zu bezeichnen sind.
„Zur Ausführung dieser Rathschläge habe ich keine Zeit", höre ich sagen, „da kann ich meine übrigen Arbeiten nicht bewältigen." Versuchs nur einmal, lieber Freund, und der Lohn für Zett und Mühe wird in klingender Münze nicht ausbleiben.
— AtrSzeichtmrtg. Der Maschinenfabrik und Kesselschmiede von R. Wolf in Magdeburg-Buckau sind für von ihr ausgestellte Locomobilen in diesem Jahre folgende Auszeichnungen verliehen worden: Berg- und Hüttenmännische Ausstellung Santiago de Chile: Erster Preis. — Deutsch-Nordische Handels- und Industrie- Ausstellung Lübeck: Goldene AuSstellungS-Medaille „für sehr gute Construclion und Ausführung" und Ehrenpreis (silberne Medaille) der Handelskammer. — Nordböhmische Industrie- und Gewerbe- Ausstellung Teplitz: Goldene Medaille (erster Preis) „für vorzügliche Leistungen". 7253
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Zweites Blatt. Mittwoch den 18. September
Nr. 219
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Amts« iinb Anzeigeblatt für den "Kreis Gissten.
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Redaktion, Expedition und Druckerei:
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Vierteljähriger Aöoavcmenlspreiar 2 Morl 20 Pfg. mit Bringerlohir. Durch die Post bezogen 2 Mark 50 Ps^.
Die Gießener Ilamikienökätler werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
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Namen der Waldeigenthümer Allendors a. d. Lda., Gemeinde
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Groß- und Klein-Lumda, Stangenrod,
Holzheim, Gemeinde, „ Märkerschaft
Obbornhofen, Gemeinde
Der chiehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de» Montag».
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Rüddingshausen, Gemeinde Weiter-Hain,
All: Annoncen-Bureaux deS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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Gießen, 11. September 1895.
Betr.: Die Anschaffung des von der Forstverwaltung für die Communalwaldungen zu verwendenden Formularpapiers ; insbesondere Ersatz der hierdurch für 1894/95 entstandenen Kosten.
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Nach den uns von Großh. Ministerium der Finanzen, Abtheilung für Forst- und Cameralverwaltung, zugegangenen Verzeichniffen haben die nachstehenden Bürgermeistereien für die angegebene Waldfläche den beigesetzten Beitrag für das zur Bewirthschaftung der Communal-Waldungen verwendete Forwularpapier an das betreffende Rentamt pro 1894/95 zu bezahlen.
Wir beauftragen Sie, die entsprechende Ausgabeanweisung dem Gemeinde'Einnehmer zu ertheilen.
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Allertshausen, Beuern, Climbach, Großen-Buseck, Kesselbach, Londorf, Mainzlar, Staufenberg Treis a. d. Lda., Alten-Buseck, Annerod, Daubrtngen, Gießen, Lollar, Rödgen, Ruttershausen, Wteseck, Albach, Allendorf «. d. Lahn Garbentetch, Großen-Ltnden, Hausen, Lang-GönS, Leihgestern Oppenrod, Reiskirchen, Steinbach, Watzenborn-Steinberg, Bersrod, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Lauter, Odenhausen, Queckborn, Reinhardshatn, Saasen, Weickartshain, Birklar,
„ Märkerschaft Ettingshausen, Hattenrod, Hungen, LangSdorf, Ltch, Münster, Nteder-Besfingen, Ober-Bessingen,
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