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17.7.1895 Erstes Blatt
 
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Mittwoch den 17. Juli

Erstes Blatt.

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Neueste Nachrrchtem

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

ß Berlin, 15. Juli. DieNationalzeitung" meldet: Die Mrdactions-Commtssion für das bürgerliche Gesetzbuch hal sich am SamStag vertagt und wird Anfangs September dvieder zusammenkommen, um bis Ende September den end» gütigen Wortlaut des Entwurfs in zweiter Lesung fest­zustellen. Alsdann tritt die Generalcommtsfion zusammen, um den Entwurf eines EinsührungsgesetzeS festzustellen.

Lübeck, 15. Juli. Die Bürgerschaft wählte den Rechts- Anwalt Dr. Fehling zu ihrem Präsidenten.

Rom, 15. Juli. Gestern Nachmittag zogen 50 Vereine zur Porta Pia, wo in Gegenwart des Bürgermeisters und irr Behörden der Grundstein für das Denkmal zum Ge- tächtniß der Befreiung Roms am 20. September 1870 ge­legt wurde. Der Bürgermeister hielt eine patriotische Rede, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde.

Pari», 15. Juli. Die alljährlichen Kundgebungen vor dem Standbilde der Stadt Straßburg haben gestern ohne jeden Zwischenfall stattgefunden. Schon vom frühen Morgen an herrschte ein lebhaftes Treiben in den Straßen. Nachmittags fanden in allen Stadttheileu Fest­lichkeiten statt. Der Präsident der Republik verließ in Be­gleitung der Generale Fevrier und Tournier um 2x/2 Uhr Nachmittags das Palais Elyfee, um sich zur Truppeurevue auf dem Longchamps zu begeben.

WiSby, 15. Juli. Nachdem sich der Kronprinz und die Kronprinzessin von Schweden vom Kaiser Wilhelm an Word der »Hohenzollern" verabschiedet hatten, ging die .hohenzollern" um 9 Uhr von Tullgarn in See und warf heute Nachmittag 4 Uhr vor Wisbh Anker. DaS Wetter war während der Fahrt klar bei kräftigem Wind und ziem­lich starker Dünung. Der deutsche Consul in WiSby begab sich an Bord derHohenzollern".

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 15. Juli. Die Kaiserin wird nach den -.zwischen getroffenen Dispositionen, falls die erfreuliche Besserung in ihrem Besinden anhält, am 23. d. MtS. nach Saßnitz abretsen.

Berlin, 15. Juli. DerRetchsanzeiger" veröffentlicht eine größere Anzahl von Ordensverleihungen anläßlich der Eröffnung des Nord-Ostsee-Canals.

Berlin, 15. Juli. DaSB. T." meldet aus Wien: Das Dtrectorium des hiesigen Jockehclubs hat den Reichs­deutschen Baron Carl Maltzahn wegen nichtbezahlter Wettschuldcn von allen -Rennplätzen der Monarchie auS- gewiesen. Maltzahn war in der letzten Zett ständiger Gast der österreichischen Rennplätze.

Köln, 15. Juli. Der frühere CentrumSabgeordnete August Reichensperger liegt schwerkrank darnieder md ist bereits mit den Sterbesacramenten versehen worden.

BreSlau, 15. Juli. Gestern exp lo dirt e in der Gottes- segeu-Grube eine Dynamitpatrone. Drei Bergarbeiter wurden getödtet. Die Explofiock soll durch die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters herbeigeführt worden sein.

Budapest, 15. Juli. Gestern fanden neuerdings mehrere Arbeiter-Versammlungen statt, in welchen beschloffen tmrbe, sich von der internationalen Soctaldemokratte loszu- lifen und der ungarisch-demokratischen Partei anzuschließen.

Rom, 15. Juli. In Mailand verhaftete die Polizei die Häupter einer Falschmünzerbande, welche Bank- aoten zu 100 Lire anfertigten. Ueber 100000 falsche Noten mrden mit Beschlag belegt.

Lüttich, 15. Juli. Bei der gestern erfolgten Ueber- crichung einer Fahne an die Bürgergarde hielt König Leopold eine Ansprache an dieselbe, in welcher er die Hoffnung aussprach, daß die Bürgergarde stets ihrer Pflicht getreu die Ordnung aufrecht erhalten und die Freiheit des Landes vertheidigen werde. Die Rede machte einen tiefen Eindruck.

Paris, 15. Juli. Aus Roubaix wird mitgetheilt, daß eine Abtheilung Zollbeamte durch Schmuggler an­gegriffen wurden. Durch die Verhaftung eines bekannten Schmugglers gerieth die Menge in die größte Erregung. Belgische und französische Gendarme mußten etnschreiten, um -die Ruhe wieder herzustellen. Zahlreiche Verwundungen find dorgekommen.

Madrid, 15. Juli. Aus Tanger wird gemeldet: Ein deutsches Kriegsschiff sei nach Algier abgegangen, wo die Marokkaner die Schiffsladung eines deutschen Dampfers beschlagnahmten. Der Dampfer hatte seine Ladung gelöscht, nachdem er an der Küste gescheitert war.

Madrid, 15. Juli. Aus Cuba wird officiell gemeldet: Die Eisenbahnlinie von NuevitaS sei von den Rebellen ! abgeschnitten und zwei Brücken zerstört worden. Auch die Telegraphen-Verbinduug mit Puerto Principe sei zerstört worden.

Loudon, 15. Juli.Daily NewS" schreibt: DaS Wahlresultat sei für die liberale Partei verhängnißvoll. Dieselbe habe bereits die Hälfte ihrer Sitze eingebüßt. Die Conservativen triumphirten. Die Niederlage der liberalen Führer werde als ein Vorzeichen nie dagewesenen Triumphes der Unionisten anzusehen sein.

Loudon, 15. Juli. Soweit bis jetzt bekannt, find bei den Parlamentswahlen gewählt: 119 Unionisten, 11 Liberale und 4 Paruelliten.

Sofia, 15. Juli. Hier und in Küstendtl wurden mehrere Personen verhaftet, die au dem macedontschen Auf­stande betheiligt waren. Unter denselben befand sich auch ein Verwandter StambulowS, der aber deffen erklärter Feind ist. _____________

WB. Sofia, 16. Juli. Stambulow wurde gestern Abend 8 Uhr auf dem Heimwege von vier Personen au- gefallen und durch Revolverschüffe und Dolchstiche verwundet. Sein Zustand ist sehr ernst.

WB. Sofia, 16. Juli. Stambulow ist am Kopfe und an beiden Armen schwer verwundet- beide Arme wurden amputirt. Stambulow ist bewußtlos- es ist wenig Hoffnung, ihn zu retten. Die Untersuchung wurde die ganze Nacht fort­gesetzt. Am Thatorte wurden ein türkischer Handjar, ein starkes Messer und zwei Revolver gefunden. Auf die An­gaben des Dieners StambulowS und Pelkows wurden einige Verhaftungen vorgenommen, doch konnte bisher keine Spur der Attentäter entdeckt werden. Die Versuche, Stambulow zum Reden zu bringen, find vergeblich. Vor dem Staats­anwalt sagte der Diener StambulowS aus, daß Stambulow, Pelkow und er fich aus der Heimfahrt auS dem Unionclub befanden, als fie angefallen wurden. Der Kutscher vom Wagen StambulowS ist als der Mitschuld verdächtig ver­haftet worden. _________________________________________

Der Krieg von 1870f71,

geschildert durch Ausschnitte aus Zeitung«-Nummern jener Zett.

(Nachdruck derboten.)

17. 3nli.

Es ist gut, daß fich die Politik Frankreichs in ihrer ganzen Hinterlist, Frivolität und Brutalität immer mehr entpuppt, daß fie zeigt, eS sei ihr nur um den Krieg und die Demüthigung Preußens und Deutschlands zu thun: Millionen Augen werden gewaltsam geöffnet über diese ewige Bedrohung deS Friedens durch Frankreich und die unersätt­lichen Napoleons, und in alle deutschen Herzen zieht der gleiche Grimm ein. Das ganze geeinigte Deutschland wird den Franzosen in Waffen gegenüberftehen wie ein Manu. Die französische Speculatton auf Süddeutschland ist sehl­geschlagen, Bayerns Regierung hat erklärt, daß daS bayerische Volk und sein König fich von dem übrigen Deutsch­land nicht trennen werden. Für Württemberg hat der Minister Varnbüler dem französischen Gesandten erklärt: Die letzten Gramont'schen Forderungen (an den König von Preußen persönlich) trotz des Hohenzollerschen Verzichtes haben daS nationale Gefühl tief verletzt und gegen Frank­reich aufgeregt." Der Gesandte, setzte er hinzu, sei ermäch­tigt, dies nach Parts zu schreiben.Jetzt muß fich er- weisen, wie viele von unS über dem kläglichen Treiben der Parteien noch die Fähigkeit bewahrt haben, unter allen Um­ständen das Nothwendige zu thun. Nothwendtg aber ist nur eins: der Glaube und das Bewußtsein, daß wir vor einer Episode unserer nationalen Entwickelung stehen- ob wir über­haupt eine Nation find, waren und sein werden, das ist die Frage. Es wird eine Schlacht sein im Styl von Zülpich und SoiffonS- vielleicht heißt fie bei unseren Söhnen die Schlacht am Rhein. Nicht um einen leeren Thronseffel wird fie geschlagen, sondern um die Frage, ob wir endlich einmal Frieden haben sollen auf dem ererbten Boden unserer Väter. Es handelt fich nicht um den Zollverein und nicht um die Schutz- und Trutzbüudntffe- unsere Freiheit, unser Leben steht auf dem Spiele."Augsb. Allg. Ztg.

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»letzen, den 16. Juli 1895.

** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlnug Donnerstag den 18. Juli 1895, Nach- mitags 4 Uhr: 1. Gesuch des hiesigen botanischen Gartens um Ueberlaffung von Wiesen- und Walderde.

2. Gesuch deS I. Wellhöfer von Sommerhausen in Bayern um Aufnahme in den hessischen Staatsverband. 3. desgl. des Lorenzo Della Berta aus Colazzo in Italien. 4. Ver­pachtung der Gemeindejagd- hier des Jagdbezirks Hangel- ftein. 5. Gesuch des Eberh. Metzger um Erlaubniß zum Branntweinverkauf über die Straße im Hause Frankfurter­straße 1. 6. Die Vornahme einer Berufs- und Gewerbe­zählung - hier Remunerirung der Zähler. 7. Ausführung des GesetzeSüberdtepoltzeilicheBeaufsichtigung vonMiethwohnungen und Schlafstellen- hier Vergütung für Wohnungsaufnahmen. 8. Piffoiranlage in der Restauration des Adolf Vogt, Sonnenstraße 14. 9. Gesuch des I. F. Borger um Er­laubniß zur Belassung einer errichteten Mauer mit Wtrth- schaftShalle. 10. Baugesuch des I. Seng; hier Entfernung der Freitreppe vor seinem Hause. 11. Fortsetzung der Gas­leitung in der Frankfurterstraße zwecks AnschluffeS der Werk­stätte des Schreinermeisters Johs. Lenz. 12. Desgl. der Wasserleitung auf dem Weg zur Obermühle. 13. Desgl. in der Plockstraße. 14. DeSgl. in der Diezstraße.

* Sitzung Großh. Handelskammer vom 5. Juli 1895. Anwesend die Herren Koch, Scheel, Heichelheim, Homberger, Kraatz, Wortmann. ES ist die erste Sitzung in dem neuen Geschäftslocale in der Neustadt Nr. 32. Auf Anregung deS Herrn Pfarrers Gombel in Reis­kirchen war die'Kammer mit den maßgebenden Behörden in Verbindung getreten wegen Einführung eines Arbeiter- FrühzugeS Reiskirchen-Gießen. Der Vorsitzende theilt mit, daß insbesondere die Großh. Direction der Ober- hessischen Eisenbahnen dem Projecte sympathisch gegenüberstehe, daß die Verwirklichung aber im Wesentlichen davon abhänge, tote Reiskirchen und die interesfirten Nachbargemeinden fich der ihnen angesonnenen Beitragsleistung zu den Unkosten der durch Einführung des Zuges nöthig werdenden Bahnhofs- erweiterung in Reiskirchen verhalten werden. Die fetten­der Kammer befürwortete Einführung feststehender Rund- reisefahrkarten Gießen-Gelnhausen-Frankfurt-Gießen ist von der königl. preußischen Eisenbahndirection Frankfurt a. M. abgelehnt worden, weil ein VerkehrSbedürfniß nicht vorliege. Letzteres war diesseits eingehend begründet worden durch den Hinweis auf die Verkehrserleichterung, welche allen an diesen Linien gelegenen Plätzen durch jene Einrichtung geboten werde, und es hatte aus diesem Grunde obiger Antrag auch die Unterstützung der Handelskammern Frankfurt a. M. und Hanau gefunden. Nach einer Bekanntmachung deS russischen Ftnanzanzeigers müffen für die von Handlungsreisenden nach Rußland etngeführten Waarenmuster beim Einlaß besondere Acte ausgestellt werden, auf Grund deren bei der Wiederausfuhr die Zollrückerstattung erfolgt. Die belgische Zollgesetznovelle ist laut Mittheilung der deutschen Handelskammer in Brüssel vom belgischen Repräsentationshause angenommen worden. Ueber den Jmport von Textil - Waaren nach Nord­amerika liegt ein Sachverständigen-Bericht vor, den Jntereffenten einse^en können, desgleichen ein Gutachten über Anknüpfung von Gesch äftSverbindun gen mit spanischen Firmen. DaS auf dem Büreau der Kammer zur Einsicht offen liegende Verzeichntß zweifelhafter Firmen im Ausland hat einige Ergänzungen erfahren bezüglich Holland, England und Oesterreich'Ungarn. In Hilden (Regierungs­bezirk Düffeldorf) und Waldenburg (Schlesien) find RetchSbanknebenstellen eröffnet worden.

** Neues Theater. Am Mittwoch Abend kommt das LustspielMadame Sans-GLne" von Victorien Sardou zur Aufführung, am Freitag Zellers neueste Operette Der Obersteiger". Der Besuch dieser, viel Genuß ver­sprechenden Theaterabende sei im Hinblick auf die guten Kräfte des B a a r s' scheu Ensembles angelegentlichst empfohlen.

* Die Ballonfahrt des Fräulein Paulus am vorigen Sonntag gehörte, wie uns die kühne Luftschifferin mittheilte, mit zu den widerlichsten, die sie bisher unternommen. Die mehrmals versuchte Landung mißlang, weil sich mancherlei Terrainschwierigketten boten. Die Reisenden konnten sich, als der Ballon gegen 9 Uhr bis auf 200 Meter über Schotten ging, mit den Zuschauern verständigen, mußten aber mit Rücksicht auf den nahen Wald wieder aufstetgen- vor der Landung wurde die Gondel eine Strecke weit ge­schleift und beschädigt, so daß auch die Reisenden Abschürfungen davon trugen. Der Ballon erreichte eine Höhe von 2800 Meter. Aus Hartmannshain wird uns unterm 14. Juli ge­schrieben :Ein hier noch nicht vorgekommenes Ereigtuß er­regte heute Abend gegen 9 Uhr hier und in dem benach­barten Herchenhain großartiges Aufsehen. Der um 8 Uhr in Gießen abgelaffene Luftballon der berühmten Luftschifferin Paulus auS Frankfurt a. M. ging unweit unseres Orts, in einem alten Hohlweg am sogen.Weißen Stein", nieder.