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Nr 140

Dienstag den 18. Juni

189$

Der

Kietze«er Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montag».

Die Gießener

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

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chratisöeitageHießener Aamilienötatter. |

Aber das Schönste

Bei mir war sie oft, kletterte

Schrecken des der Geliebten

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

Satan hat sie vergeben. Bald konnte sie sich nicht mehr erheben. Den ganzen Tag lag sie auf weichen Kisten am Fenster und schaute hinaus in den blauen Himmel. Antonio muhte zu ihren Füßen sitzen und zu seiner Guitarre deutsche Lieder fingen. So träumte fie sich in die Tage des Glücks zurück. Auf ihren Wunsch wurde sie ihm noch angetraut- an demselben Abend starb fie in seinen Armen.

Zuerst wüthete der Unglückliche gegen sich selbst, gegen Giuseppe, dem er die Schuld beimaß, und lästerte sogar Gott und die Heiligen. Mögen sie es ihm vergeben'. Dann wurde er stiller. Er zyg hier ein und wollte Blanca malen, wie fie anfänglich gewesen. Aber es gelang nicht. Ein Bild nach dem andern entstand, mit keinem war er zufrieden. So ist es noch immer. Und er hat Recht, Excellenza. Die Augen find nicht die eines fröhlichen Kindes, sie find die des verlassenen Weibes. Es ist ein Jammer, lange wird er eS nicht mehr machen." ~ .

Schweigend drückte ich meiner Erzählerin die Hand und steckte ihr meine ganze Baarschaft zu für Antonio und versprach, wiederzukommen. c ~ u

Bald erfüllte ich mein Versprechen es war hohe Zeit. Schon an der Thüre empfing mich die Alte unter Thränen,

mit seinem einzigen Kinde. Ein herziges Ding, die kleine Blanca! Zart und zierlich wie ehr Püppchen, und dabei gelenkig, geschmeidig wie ein Kätzchen. Aber das Schönste an ihr waren die Augen. Bei mir war fie oft, kletterte zwischen meinen Sachen umher und putzte sich mit Tüchern und Teppichen, Gemmen und allerlei KrimSkramS aus. Schalt ich daun einmal, wenn sie es gar zu arg machte, sah fie »ich nur an und ich hatte kein böses Wort mehr. Es war ein Wettermädel! Wer hätte daS ahnen können! Auch fie sah dem Antonio nach, oft sah ich ihr Köpfchen hinter den Vorhängen hervorguckeu, aber so oft er hinaufsah, und daS that er täglich, war fie verschwunden. Eines Abends .fiel eine Granatblüthe vor seine Füße,- er bedeckte die Blume

die Kammer.

Wie ist das gekommen?" fragte ich die Alte.

DaS ist eine ganze Geschichte, Signore, nicht lang, aber desto trauriger. Der Antonio war noch vor zwei Jahren ein munterer Bursch, war eben auS dem Norden ge­kommen, aus dem Lande der tedeschi, glaube ich. Zu der Zett wandelte er noch fröhlich durch die Straßen und alle Mädchen sahen dem schmucken Burschen nach Santisfima '. DaS war sein Verderben. Drüben in dem Palaste fie zeigte auf ein Haus, das allerdings von seinen Nachbarn abstach, aber bei uns nie so stolzen Namen erhalten hätte dort drüben wohnte der reiche Olivenhändler Giuseppe Ein herziges Ding, die kleine

stunde nach dem Maujoleum in der Friedenskirche zu Potsdam und legte daselbst einen Kranz nieder.

Die bedeutsamen Festtage anläßlich der Eröffnung des Nordostsee-Cauals sind endlich herangekommen, dürfte daher ein nochmaliger Hinweis auf die Hauptzüge deS Festprogramms angebracht sein. Am Mittwoch Vormittag treffen der Kaiser und die Mehrzahl der fürstlichen Gäste in Hamburg ein- einige derselben dürften bereits Abends vorher in Hamburg ankommen. Nachmittags 6 Uhr findet großes Banket im neuen Rathhause für die Fürstlichkeiten und die vornehmsten der sonstigen Festgäste statt, woran sich ein Nachtfest nebst Illumination auf der Alster anreiht. Am Donnerstag früh 3 Uhr zur Fluthzeit fährt bteHohen- ,ollern" mit dem Kaiser an Bord in die Canalmündung bet Brunsbüttel ein, voraus dampft der AvisoGrille", dem Kaiserschtffe folgen derKaiseradler" mit den anderen Fürst- lichkeiten, die Dampfer mit den sonstigen Festgästen und der verschiedenen sremdländlsch-n Festschiffe. Die Ankunft der letzten Schiffe dieses auserlesenen Geschwaders tn Kiel nach Passiren deS Canals wird für Donnerstag Abend 6 Uhr erwartet. Am Freitag Vormittag 11 Uhr findet bei Holtenau ! die feierliche Schlußsteinlegung zum Canal durch den Kaiser I statt, an welchen Act sich die große Parade über sammtliche ! anwesenden Kriegsschiffe, ca. 100, anschließt, worauf Nach- i mittags daS vom Reiche gegebene Festesten in der Festhalle j am Südüfer der Canalmündung vor sich geht. Am Samstag den 22. Juni läßt der Kaiser die deutsche Flotte in Gegen­wart der fremden Kriegsschiffe zwilchen der deutschen Küste und den dänischen Inseln manövriren, Abends beschießt eine vom Kaiser gegebene Prunktafel im Kieler Schlöffe die Reihe der hervorragendsten Canalfeierlichkeiteu, zu welchen außerdem noch das Ballfest zu zählen wäre, welches Prinz Heinrich von Preußeü den ausländischen Marineoffizieren zu Ehren am Donnerstag Abend in der Kieler Marine-Akademie gibt. Die fremden Nationen werden bei den Kieler Fest­lichkeiten in folgender Weise vertreten sein: Dänemark mit 6 Schiffen, England mit 10 Schiffen, Frankreich m t 3 Schiffen, Italien mit 9 Schiffen, die Niederlande mit 2 Schiffen, Norwegen mit 2 Schiffen, Oesterreich-Ungarn mit 4 Schiffen, Portugal mit 1 Schiff, Rumänien mit 2 Schiffen, Rußland mit 3 Schiffen, Schweden mit 3 Schiffen, Spanien mit 3 Schiffen, die Türkei mit 1 Schiff, die Vereinigten Staaten von Nordamerika mit 4 Schiffen. Die Zahl der l deutschen Kriegsschiffe, soweit fie an der Flottenparade

Amtliche* Theil.

Bekanntmachung,

betr. die Erstattung von Beiträgen gemäß § 30 und 31 des Jnvaliditäts- und Altersversicherungsgesetzes.

Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntniß der Jn- terestenten, daß Ende laufenden Monats der Zeitpunkt em- treten wird, mit dem Anträge auf Erstattung von Beitragen gemäß 30 und 31 des Jnvaliditäts- und AltexSverstche- rungsgefetzes gestellt werden können.

Die Bestimmungen der 30 und 31 des Jnvaliditats- und Altersversicherungs-Gesetzes lauten folgendermaßen:

Zur Begründung der Erstattungsansprüche rst nach- zuweffen^^ Anträgen von Frauen, die versichert gewesen find, und sich verheiratet haben:

1. daß, und wann die Ehe geschloffen wurde,

2. für wie viel Beitragsjahre bezw. Betttagswochen Beiträge entrichtet sind, _

II. Bei Anträgen von Wittwen oder hmterlastenen ehelichen Kindern unter 15 Jahren eines verstorbenen 23er« sicherten:

1. wann der Versicherte verstorben ist,

2. für wie viel Beitragsjahre bezw. Beitragswochen Beiträge entrichtet sind,

3. daß der Versicherte eine Wittwe bezw. Kinder hmter- lasten hat, und wie die Wittwe bezw. Kinder heißen,

4. zutreffenden Falls wer Vormund der Kinder ist,

5. daß den Hinterbliebenen aus Anlaß des Todes des Versicherten auf Grund der Unfallversicherung eine Rente nicht gewährt wird bezw. daß der Tod nicht die Folge eines Betriebsunfalls gewesen ist.

HI. Bei Anträgen von hinterlaffenen, vaterlosen, noch nicht 15 Jahre alten Kindern einer verstorbenen, versichert gewesenen weiblichen Person:

1. und 2. wie zu II.,

3. daß und welche Kinder hinterlaffen wurden,

4. und 5 wie zu II.

Die Nachweise zu I 1, II 1 und HI 1 sind durch Be- scheiniaunaen der zuständigen Standesbeamten, der Nachweis zu I 2, II 2, III 2 durch Vorlage der letzten QmttungS- karte und der Aufrechnungsbescheinigungen über die voran­

Alle Annoncen-Bureaux dcS In. und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

mit heißen Küssen und barg fie in seinem Wammse. In der Nacht erklang eine Guitarre vor Biancas Fenster und eine wunderschöne Stimme sang dazu ach, Signore, die Englein im Himmel, Gott verzeih mir die Sünde, könnens nicht bester! Aber ein wüster Lärm erhob sich drüben, der Giuseppe schalt in seiner rohen Art auf die nordischen Hunger­leider, die nichts verständen, als unerfahrene Mädchen zu bethören- die ruhige, volltönende Stimme des Malers ent- gegnete etwas, Blanca schluchzte, dann wurde das Fenster zu- geschlagen, alles wurde still.

Seitdem kam Antonio nicht mehr durch diese Straße, Blanca ward bleicher und bleicher. Aber auch er litt. Als ich eines Tages auf den Markt ging, Fische zu kaufen, traf ich ihn. Madonna, wie elend sah er aus! Freundlich bc- grüßte er mich o, er war nicht stolz! Bald wußte ich alles, nun, ich hatte eS schon geahnt. Giuseppe hatte ge­droht, Blanca inS Kloster zu bringen, laste er sich noch ein­mal sehen- aus Liebe zu ihr blieb er fort und strebte un­ermüdlich, sich einen Namen zu machen. Es scheine zu gelingen, erzählte er anscheinend froh, er habe große Auf- träge bekommen. Aber aus seinem verlegenen Wesen merkte ich bald, daß nicht alles richtig sei. Von Nachbarinnen erfuhr ichS denn auch. Eine spanische Tänzerin war hierher ge­kommen und unsere Nobili drängten sich danach, sich von ihr mißhandeln zu lasten. Ah ehe bestia! Auf Antonio hatte sie's abgesehen, der hübsche, blonde, frische Junge gefiel ihr. In einer trüben Stunde, in der er an fich und seiner Kunst, an der Möglichkeit, Blanca zu gewinnen, zweifelte, siel er in ihre Netze. Sie hielt ihn fest und nun begann ein tolles Leben. Auch Blanca hörte davon. War sie früher bleich geworden, wie eine Heilige, wurde sie jetzt zum Schatten. Giuseppe fluchte und weinte abwechselnd, er hatte kein hartes Herz, hätte doch auch ein Stein durch den kummervollen Anblick erweicht werden wüsten, den sein Liebling jetzt bot. Schließlich lief er selbst zu Antonio, der mittlerweitt der Courttsane schon voll Ekel den Abschied gegeben hatte. Boller Reue kam er und flehte um Verzeihung. Ah, und der Engel vergab ihm, sie waren glücklich. Sie schien ordentlich w ebet aufzublühen - aber es war nur Schein, ein hitziges Fieber I tobte in ihren Abern. Ich glaube immer, ber spanische

wie einen guten Bekannten:

Ach, Euer Gnaden, ber Antonio ist sehr krank, er wirb wohl sterben. Gestern hat er fich nieberlegen wüsten. Aber er spricht wieber ganz vernünftig. Seht, heute hat er mir noch für alles gebankt unb sogar meine alten Hande geküßt. Ach, Signore, er erlischt wie ein Licht."

Ich eilte hinauf. In seinem Bette saß der Kranke unb malte. Seine Wangen glühten int Fieber, Schweiß stand auf seiner Stirne. Aber rasch flog der Pinsel dahm. Da brach ein Sonnenstrahl durch daS Fenster ein Pinsel­strich -seht," rief er,seht, daS sind ihre Augen'/ Mtt glückseligem Lächeln sank er zurück- er hatte vollendet. Mit Thränen in den Augen schritt ich auf sein ärmliches Lager zu- himmlischer Friede nahm seinem erkalteten Antlitz die - * Todes, seine Linke hielt das vollendete Bild

krampfhaft umspannt fie lächelte wieder.

Feuilleton.

Ihre Augen.

Skizze von Jacques Jakoby.

(Schluß.)

So ist er immer," lispelte die Alte mir zu.Ist es nicht ein Leiden, so jung und schön und doch verrückt?

Ich trat hinter Antonios Rücken, um zu sehen, was er gemalt. Was sah ich? Mein Bild war es, wie es leibte und lebte, nur die Augen allerdings waren verändert, em leibvoller Zug lag darin.

Blanca, Blanca!" stöhnte ber Unglückliche, unb bie Hellen Thränen stürzten aus seinen vom vielen Weinen ge- rötheten Augen, ich hielt es nicht länger aus unb verließ

gegangenen Quittungskarten, die Nachweise zu II, 35 und III, 35 durch Bescheinigungen der zuständigen Bürger­meistereien zu erbringen.

Die Erstattungsansprüche können unmittelbar bet dem Vorstand der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt oder bei den zuständigen Bürgermeistereien gestellt werden. Sollten die Anträge bei den Großherzoglichen Bürgermeiste­reien gestellt werden, dann haben diese die Anträge frankirt zu Lasten der Antragsteller an die Anstalt ^musenden.

Wir weisen noch besonders darauf hm, daß der Anspruch weiblicher Personen, die eine Ehe eingehen, binnen 3 Monaten nach der Verheirathung geltend gemacht werden muß, und daß mit der Erstattung die durch das frühere Versicherung - verhältniß begründete Anwartschaft erlöscht, sodaß es für Personen, die voraussichtlich nach ihrer Verheirathung weiter Lohnarbeit verrichten werden, empfehlenswerth ist, keinen . Antrag auf Erstattung der Beiträge zu stellen.

Gießen, den 14. Juni 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. I

v. Gagern.

Gießen, den 14. Juni 1895.

B-tr ' Die Erstattung von Beiträgen gemäß § 30 und § 31 des Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- gesetzes. 'i

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gtetzeu

au die Grosth. Bürgermeistereien des Kreises.

Indem wir Sie auf bie vorstehende Bekanntmachung Hinweisen, und Ihnen anempfehlen, sich hiernach zu bemessen, machen wir Sie noch besonders darauf aufmerksam, daß die bei Ihnen gestellten Anträge frankirt zu,Lasten der Antrag­steller an die Jnvaliditäts- und AttersoersichemngSanstalt von Ihnen einzusenden sind, und daß alle zur Begründung der Ansprüche erforderlichen Urkunden und Bescheinigungen gemäß § 140 des Gesetzes gebühren- und stempelfrei aus- zustellen sind.

v. Gagern.

Deutsches Reich.

Berlin, 15. Juni. Am heutigen Todeslage Kaiser Fjr i e b r i ch s begab sich der Kaiser schon in früher Morgen-