Ausgabe 
17.3.1895 Drittes Blatt
 
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Sonntag den 17. März

1893

Nr. 65 Drittes Blatt

Gießener Anzeig er

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Balladen gespendet wurde, mögen ihm als eine schöne Er­innerung an Darmstadt und eine Mahnung zu öfterem Besuche gelten. Nicht mtubvr günstig wie bet Herrn MeSschacrt war die Ausnahme der Darbietungen deS Jnstrumentalsoltsten Herr Fritz MaSbach. Daß ein Clavierv rtuose in unterer Zeit technische Sckwierigkeiten nicht mehr kennen darf, ist eigentlich selbstverständlich und so sehr conditio eine qua non für daS Auftreten im Concectsoa', daß darüber kein Wort verloren zu werden braucht. Indessen in musikaltscher Hinsicht besteht ein großer Unterschied zwi'chen Blriuosen und Vtituosen. Herr Masbach gehört zu jenen seiner Fachgenosien, denen die Wiedergabe deS StnncS der zu spielenden Compostlionen über Alles geht und der er sein Augenmerk in besonderer Weise zuwendet. <öo trugen auch seine Darbietungen am Moniag Abend, Chopins E-moll-Qoncert, NubinstetnSKarnonoi Ostrom" und Lis^Rwpsodie" (Nr. 12) den Stempel künstlerisch vollendeter Durcharbeitung und ernteten sämmtltch langandouernden App au«, das der Gast durch die Zuge be der Erinnerung an JllmSkoi", einer Composition unseres Groß- Herzogs, lohnte. Hiermit haben die beliebten Hotmustsconccrte für diese Saison ihr Ende erreicht mit einem Ergebnih, sowohl künstlerischen, wie finanziellen, daS hochersreultch für alle Mltwirkenden sein dürste.

Im Großh. Hostheater bat ein unangenehmer Gast seinen Einzug gehalten, die Influenza. Sowohl beim Publikum, wie in den Reihen deS Personals madt sie sich recht störend dem rkbar. Die Dircction hat die größte Mühe, die einzelnen Vorstellungen zu besetzen und die Proben sür die bevorsteheiiden großen Aufführungen der Wagner'ichen TetralogieDer Ring der Nibelungen" (Rhetngold", Walküre",Siegfried" undGötterdämmerung") und für die Premisre der von unserem Hofcapellmeister W. de Haan compontrten OperDie Jnkasöhne" mußten auS diesem Grunde wieder eingestellt werden. Hoffentlich tritt recht bald gründliche Befferung ein, damit die Aufführung der genannten Werke in dieser Saison noch möglich wird.

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fUfceetion, imb Druckten:

der Führung der DirectionSgeschäfte betraut ist, betrat d'c I Bühne, verkündete in patriotisch begeisterten Worten dem Hauic daS freudige Ereigniß und brachte ein dreifaches, jubelnd aufgenommcneS Hoch auf das Großherzogltche HauS und die neugeborene Prinzessin aus, worauf daS Orchester die Nationalhymne spielte, die von der Versammlung stehend angehört wurde. Nach den im Neuen Palais aufltegenden Listen strömen fortwährend Menschen, um dem hohen Eltern­paare auf diesem Wege warme Glückwünsche zu übermitteln. Ganz Darmstadt hegt nur den einen Wunsch, der sicher auch der Ihrer Alma mater ist, möge GotteS Schutz stets der neugeborenen Prinzessin zur Sette stehen, damit sie eine Freude ihres hohen Elternpaares und des ganzen Hessenlandes werde.

In dem Publikum, das doS Hosmusikconcert besuchte, war durch die schon oben erwähnte Rede deS Leiters des Hoftheoters die Begeisterung schon entflammt und eS hätte gar nicht mehr solcher erlesener Kunstgenüffe bedurft, um dies Gefühl wach zu erhalten. Als Solisten waren für den Abend zwei alte gut eingeführte Bekannte deS Darmstädter ConcertpublikumS gewonnen, der Bassist Professor Johannes MeSschaert aus Amsterdam, noch im besten Andenken stehend aus den sangesfrohen Tagen des vorjährigen Musik festes dahier und der vor wenigen Monaten erst mit Emil Götze hier gasttrende Pianist Fritz MaSbach aus Berlin. Profeffor MeSschaert hatte sich für daS Concert den Vortrag von BeethovensLtederkreiS an die ferne Geliebte" Vor­behalten, eine Aufgabe, die nicht jeder Gesangsvirtuose so leichten Herzens sich heutzutage stellen wird. Gerade in seinen Liedern liegt nicht Beethovens Stärke, prächtige Stimmmittel allein dürften hier den Erfolg nicht sichern, eS muß ein emsiges Eindringen, ein tiefinnerltchrs Erfassen deS Geistes der Composition hinzukommen, wenn dieser von einem verwöhnten Publikum, wie dem modernen, errungen werden soll. Nun Herr MeSschaert hat ihn errungen, und der I frenetische Beifall, der ihm nach dieser Prograwmnummer | ebenso wie nach dem Vortrag der sehr wirk amen Löwe'schen

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Wilhelm Hamel, Giessen.

Feuilleton.

Wochcnbriese ans 6tr Residenz.

(Ortgtnalbertcht für denGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 15. März.

Eine Prinzessin. Sechste» Hofmvfikconcert. Vom Großh. Hostheater.

Eine freudige Erregung beherrschte die Residenz, als am vergangenen Montag Abend die Kunde von dem Eintreten des lang erwarteten, glücklichen EreigniffeS in der Groß­herzoglichen Familie gemeldet wurde. Tagelang vorher bereits glaubte der Eine oder der Andere schon das bet derartigen Ereignissen Übliche Schießen gehört zu haben, indeffen es war Täuschung, biß denn richtig am Montag Abend eine Batterie die auf der Hetdelbergerstraße belegeue Artilleriecaserne in eiligem Trabe verließ, um dem Lande die Freudenbotschaft donnernd zu verkünden. Die Hauptstraßen der Stadt waren um diese Stunde äußerst belebt, überall, besonders vor dem Hauptpostamt, vor den Redactionen der einzelnen Zeitungen bildeten sich Gruppen, die daS frohe Ereigniß Ubhaft besprachen.

Vor dem hell erleuchteten Großh. Neuen PalaiS hatte sich eine vielköpfige Menschenmenge eingefunden, die geduldig stundenlang auf die auS dem Innern des Hause« kommenden Nachrichten warteten. Mittlerweile fuhren die Hofchargen und höchsten Beamten vor und Se. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm begab sich zu Fuß zu seinen hohen Verwandten, um zu gratultren. Zahlreiche öffentliche und Privatgebäude hißten noch am Abend oder doch am anderen Morgen früh die hessischen und Coburger Flaggen auf, sodaß noch heute die Stadt im herrlichsten Fahnenschmücke erscheint.

Im Großh. Hoftheater begann gerade um die GeburtS- stunde der jungen Prinzessin das ungemein stark besuchte Hosmusikconcert, von dem ich nachher berichten werde. AlS die freudige Kunde kam, wurde daß ganze HauS festlich beleuchtet, Herr Oberreg'ffeur Werner, der bekanntlich mit

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