Ausgabe 
16.11.1895 Zweites Blatt
 
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Samstag den 16. November

Zweites Blatt

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Amts- und Anzeigeblatt für den Tireis Gießen

Hratisbeitage: Hießener Kamilienbtätter.

Amtliche» Tbeil

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Annahme von Anzeigen ju drr Nachmittag- für bei folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

Alle Annoncen-Bureaux dcS In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

1895.

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) Unter »Suppenstück" versteht man in der dortigen Gegend ein stattliches Stück Ochsensteisch von mindestens 20 bis 25 Pfund.

schlage Über die Reform der ArbeiterverficherungSgesetze dem Reichskanzler in einrm längeren Vortrag? erläutert.

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Jahre alt, litt feit metjbaftetn Sietow fern, was selbst nad r«r Aerve und viti- ifhalt im Kranke l«k- Erst nadjbetr und an btn tzomöo .med. Boibedins Nig»allee8,waM 'ach viermaliger 6o» it erwiinschlt Heilung 'r- Bolbebing bester!

isette Weivdoes. Essenbergerstraße /

vierteliShriger JtßoMHtmfetspteUt 2 Mark 20 Psg. mit vringerlohn.

Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Aedaction, LxpeditiaO und Druckerei:

Kchnkstratze Kr.R.

Fernsprecher 51.

Sitzung der Stadtverordneten

am 14. November 1895.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Wolff und Georgi, von Seiten der Stadt« verordneten die Herren Adami, Bcllck, Emmeliuü, Faber, Flett, Helfrich, Heyligenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Nach Abschluß der Arbeiten über dielandwirthschaft- liche Ausstellung hat sich ergeben, daß baß zu den Bauten erforderlich gewesene Holz sich auf 96,45 cbm Stamm­holz und 120 Fichtenstämmchen beläuft. ES wird beschlossen, für dieses Quantum als freihändig abgegeben Mk. 14 per cbm Stammholz und 30 Pfg. für das Ftchtenbäumchen der landwirthschaftlichen Ausstellung in Rechnung zu stellen.

Die alljährlich erfolgende Festsetzung der Waldkultur, löhne hat diesmal eine Aenderung nicht erfahren- es wird beschlossen, hierfür die früheren Sätze in Anschlag zu bringen. Die Taglohn ätze betragen zur Zeit im Winter für eine Manns- person Mk. 1.60, im Sommer 2 Mk., für eine Frauens­person das ganze Jahr Mk. 1.20; für ein Fuhrwerk mit einem Pferd ober zwei Kühen bespannt Mk. 6, für ein solches mit zwei Pferden oder zwei Ochsen bespannt Mk. 10 per Tag.

Das im Jahre 1896/97 zum Einschlag kommende Eichenstammholz aus dem Stadtwalde, ca. 700 fm, soll auf Vorschlag der landwirthschaftlichen Eommission auf dem Wege schriftlicher Submission vergeben werden.

Die Kosten der Reparatur des Wehres bei der

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Nachdem dieser Spruch gethan, tritt die Braut dem Hause und eröffnet, je einen Zuchtknecht zur Seite, den Zug der weiblichen Gäste nach der Kirche. Wie im Oden- walde wird der Zug öfter gehemmt; die Zuchtkuechte spenden Geld, wodurch das Htnderntß beseitigt wird. Biß der Zug

der weiblichen Hochzeilsgäste in der Kirche eiutrifft, ver­geht mitunter eine lange Zeit, aber das sind die Männer gewähnt, sie warten geduldig, bis die Braut erscheint.

Nach vollzogener Trauung begibt sich der Zug in das HochzeitShauS zurück, wo bereits das Mittagsmahl gerüstet

Obermühle haben in diesem Jahre den hiersür auSgewor- jenen jährlichen Betrag um 183 Mk. überschritten. ES wird unter Genehmigung der freihändigen Vergebung der Arbeit diese Crebttüberschreitung genehmigt.

Die Rechnung bet Vorschule deS Gym­nasiums für 1894/95 schließt insofern günstig (mit Mk. 5002 gegenüber bem Voranschlag mit Mk. 4320) in Einnahme ab, alS ber auf Mk. 800 veranschlagte Zuschuß auS bet Srablkaffe sich infolge erhöhtet Schületzahl ocrmlnbctt hat auf Mk. 1.50. Die Rechnung wurde genehmigt.

Die Rechnung ber Armenkasse für 1894/95 wirb, nachdem deren Prüfung erfolgt, genehmigt. Sie weist auf an wesentlicheren Einnahmeposten: Capitalzinsen Mk. 10410, Zuschuß au- anderen Kaffen Mk. 41 052 (darunter Mk. 40 874 aus der Stadtkaffe), Ersatz an VerpflegungSgeldern Mk. VI 948, an zurückempsangenen Capitalien Mk. 10 309, in summa Mk. 83 280; größere AuSgabe-Posten sind: Gehalte und Pensionen Mk. 2727.70, besondere Belohnungen, Tag­gelder Mk. 731, Unterhaltung bet Gebäube 1018; Geld- Unterstützungen Mk. 26 961, Anschaffung von Sch ulbedürf Nissen Mk. 688, ärztliche Behandlung und Arzneien Mk. 13 495, Begräbnißkosten Mk. 434. Kosten des Bürger Hospitals Mk. 8384, Kosten für Verpflegung GetsteSkranker Mk. 762, desgleichen von Epileptischen und Idioten 1782, auß Stiftungen Mk. 2017, Pflege und Erziehung armer Kinder Mk. 9498, Einrichtung beß Stechenhauses 2407, Gesammt- summe aller Ausgaben Mk. 82 018, Kassibestanb Mk. 1262.70.

Die Rechnung über ben sogen. Dispositionsfond, bestimmt zur Unterstützung verschämter Armen unb zur Aus­übung ber vorbeugenden Armenpflege, hat im abgelaufenen Jahre Mk. 1258 an Zuwendungen ergeben; verausgabt wurden Mk. 849, sodaß nach Hinzurechnung eines Kaffenbestandes ans dem vordeten Jahre ein Kaffenbestand von Mk. 824 verbleibt.

Der Voranschlag der Armenkasse für 189 6/9 7 sieht u. A. an Einnahmen vor: Capitalzinsen Mk. 10 761, Zuschuß aus der Stadtkaffe Mk. 45 000, Ersatz an Ver­pflegungsgeldern zc. Mk. 13 783; an Ausgaben: Gehalte unb Pensionen Mk. 3261, Unterhaltung der Gebäude und Grund- stücke Mk. 1100, Unterstützungen in offener Armenpflege 40 900 Mk. (darunter 26 600 Mk. Geldunterstützungen), Unterstützungen in geschloffener Armenpflege Mk. 13 425 (worunter Mk. 10 025 an Kosten des BürgerhospitalS) ; Stiftungen 2036 Mk.; für Pflege und Erziehung armer Kinder Mk. 11 000; der Voranschlag gleicht sich aus mit Mk. 74 000. Für den sog. DiSposttionsfond werden Mk. 150 an Zuwendungen vorgesehen, so daß derselbe sich auf Mk. 900 beläuft. Herr Oberbürgermeister Gnauth ersucht die Herren Stadtverordneten, in ben Kreisen ber Einwohnerschaft zu Gunsten bieseß Fonbs lhätig zu sein.

Gelegentlich ber Neuanlage eines Gtunbbuchs hat sich baS Bebürfniß nach einheitlicher Bezeichnung bes Grund­besitzes der Armenkaffe und ber Plockischen Stiftung heraus-

gtn guter Kerl. Der Arzt eines Dorfes sieht feinen Kutscher mit mehreren Bauernburschen raufen.Um Himmels- willen, Johann," meint er zu biesem,maß machen Sie denn?"Patienten!" antwortete dieser lakonisch.

* Eulinarifche Aufmerksamkeit beim Festbiuer. Fest- theilnehmet:Die Sauce schmeckt aber stark nach Lor­beer?" Kellner:Aus Aufmerksamkeit für die vielen berühmten Anwesenden!"

Bekanntmachung.

wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach § 6 des Reichßgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittßmarktpreise, einschließlich eines Auf- schlag- von Fünf vom Hundert pro Monat October 1895 für den Lieferungßverband Gießen pro 100 Kg betragen:

Hafer Mk. 13,20, Heu Mk. 5,80, Stroh Mk. 4,70.

Gießen, den 14. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

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Bekanntmachung,

betreffend Ausbruch der Maul- unb Klauenseuche.

In Griebel ist ble rubr. Seuche in einem Gehöfte imtlich festgestellt unb Gehöftsperre versügt worben.

Gießen, ben 14. November 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Ist ber letzte Junge abgekehrt und durch die Hausthüre verschwunden, so tritt die Braut in den Hauflur, alsbald erscheinen die Zuchtknechte an der HauSthüre. Der ge­wandteste und redekundigste tritt mit dem rechten Fuß die Schwelle, den linken läßt er draußen, und spricht: Ihr Heben, fluten Hochzeitsfreund, Die Ihr allhter versammlet seind, Beim heut'gen Hochzeitsmahl, Ich bitt, vernehmt mich all. Ich tret hierher in Ehren Unb melde mein Begehren. Die Jungfer Braut ich bitt' Möcht nicht abschlagen mein' Bitt Mir unb meinem Gesellen, Den ich Euch rBt weib nennen.

Die Braut mit ihrem Strauß

Fe«illeton.

Mttitsgtbrnttdjf, Sitten unb Trachte« im ©benronlbt unb im Rieb.

(6. Fortsetzung.)

Der tUleeer Anzeiger erscheint täglich, rit Ausnahme beß Montags.

Die Gießener WamikieublLlter werden bem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

I ist. Es besteht auß denselben Gängen, wie das Hochzeils- Mittagessen tm Odenwalde: Reißsuppe, Ochsenfletsch mit Meerretttg, Kohlgemüse unb Bratwurst, Kalbsragout mit Klößchen (oder Schaken und Wurst mit Beilagen). Dem Essen folgt sogleich ber Kaffee mit Kuchen.

Die Plätze an der Hochzeitstafel sind im Riede etwas anders vertheilt wie im Odenwaide. Dort fitzt die Braut zwischen den zwei Zuchtmägden, denn die Zuchtknechte müffea im Riede dem Bräutigam helfen, die Gäste zu bedienen. Der Pfarrer aber unb die Eltern sitzen bei ber Braut, ober wenn die Eltern nicht mehr leben, deren Stellvertreter, die Pathen.

Hochzeiter und ZuLtkcechte legen, um in der Aus­übung ihrer Verrichtungen möglichst wenig gehindert zu sein, alßbald nach Rückkehr aus der Kirche Hre Röcke ab unb ziehen dafür kurze Wämser und weiße Schürzen an. Die übrigen HochzeitSgäste behalten den Kirchen- und Sonn« tagsstaat an, bis die erste Hauptmahlzeit die wir soeben beschrieben haben vorüber ist. Meistens wird dies uat sieben Uhr Abends ungefähr der Fall sein.

(Schluß folgt.)

Deutsches Reich.

Berlin, 14. November. Nur noch wenig über zwei Wochen find eS bis zum Zusammentritte des Reichs- tag hin, eS ist daher begteiflich, wenn die Vorarbeiten für die herannahende neue Session an den zuständigen Stellen mit beschleunigtem Tempo betrieben werden. Jedenfalls wird schon beim Beginne der Session genug Arbeitsmaterial vor­handen sein, um die Reichsboten gleich von Anfang an tüchtig iu beschäftigen, auch nachher wird dem Reichstag bei dem rufgestellten reichhaltigen BerathungSprogramm an Stoff wahrlich nicht fehlen. Letzteres erweitert sich sogar noch immer; so ist dem BundeSrath u. A. der schon so lange an- flekündigte Entwurf über die Errichtung von Handwerker- kammern zugegangen, deffen Inhalt dem Vernehmen nach sich im Wesentlichen auf den Grundlagen der Beschlüsse der Berliner JnnungSconferenz bewegen soll. Weiter ist es fast zweifellos geworden, daß auch die Vorlage Über die Reform der Milttärftrafproceßordnung dem Reichstage noch in dieser Dintersession zugehen wirb, währenb bieS mit bem Proiecte der Revision ber socialpolitischen Gesetze noch ungewiß ist. Zwar hat bie hierzu einberufene Sachverständigen-Commisston -ine volle Woche in Berlin getagt unb eine Reihe von Be­schlüssen gefaßt, trotzbem scheint bie Sache noch nicht spruchreif für das Parlament zu sein, namentlich ba von ernsten MeinungSverschiebenheiten zwischen ben Spitzen deS Reichs- amtes beS Innern unb des ReichSverstcherungSamteS in ber schwebenben Reformfrage verlautet. Uebrtgcng hat ber Präsibent beS letzteren ReichSamteS, Br. Böbiker, seine Bor-

Gießener Anzeiger

Keneral-Anzeiger.

Für mich und meine Kameraden, Sie werden uns gar nicht schaden. Hier Neh ich als ein junger G.sill Mit dem rechten Fuße auf bet Schwell Mit dem linken Fuße draus, Nun gebt die Braut heraus.

Wollt Ihr sie uns nicht geben und nicht gönnen, So wollen wir sie mit dem Schwert gewönnen, Wir wollen führen mit aller Manier Die Jungfer Braut mit aller Zier, Wir wollen sie führen ins Gotteshaus, Wollen machen lassen ein Weib daraus.

Da soll sie denn sein eben Dem Hochzeiter werden gegeben. Unb kommen wir mit ihr zurück, Begehren wir ein Suppenstück,*) U-ib auch dazu ein frisch Glas Wein, Da wollen wir recht luftig sein. Hab ich mein' Sach nicht recht gemacht, So will ich bei der Jungfer Braut Schlafen die drei ersten Nacht.

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Der Krieg von 1870171, lefcbilbcrt durch Ausschnitte aus Zeitungs-Nummern jener Zeit. 8 (Nachdruck verboten.)

16. November.

Die Dörfer im weiten Umkreise von Paris waren | von ihren Einwohnern meistens verlaffen, der erste Friedens- hauch, vielleicht auch die Kälte hat die Flüchtlinge zurück­geführt. Die armen Leute müffen in den Wäldern gesteckt und viel gelitten haben, ihre Kleider starren von Koth, ihre Füße find mit Lappen umwickelt, ihre Gesichter blicken zigeunerhaft, scheu weichen sie den begegnenden deutschen Soldaten auß. Man sieht sie in ganzen Zügen auf den Landstraßen der Seine unb Marne, mit hochbepackten Wagen mit Steffeln, Kasserolen, Tischen unb Betten. Eine Ziege, ein Esel, ein Pserd gehören fast zu jeder Lvirthschaft, an ber Seite ber Wagen hängt ein Gitterkasten mit wilben Kaninchen, bie ihnen in ben Wälbern zur Nahrung gebient. Die armen Leute mögen sich bei ihren Geistlichen bebauten, bie ihnen weiß gemacht, sie würben alle maffacrirt, wenn bie Preußen kämen.

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Begehren wir heraus.

Sie ist von Vater unb Mutter fromm, Von ihrer Freundschaft*) allgesarnrnt. Auch bitt ich noch dazu

Hwei Paar neue Handschuh .

(NB. Die Braut überreicht jebem der Zuchtknechte ein Paar neue Handschuhe, welche sofort angezogen werden.)

Freundschaft" versteht man in Starkenburg allgemein r wTfta» freunb mit ober jen.r F-mM- | heißt also, wir sind mit ihr verwandt.