Ausgabe 
16.8.1895 Erstes Blatt
 
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WB. Dortmund, 15. August. Auf ZecheReckling- Hausen" fand gestern^ eine Explosion schlagender Wetter statt. Drei Bergleute find lobt, drei schwer und zehn leicht verletzt. Der Betrieb ist ungestört.

-ck. Aus Oberheffen, 14. August. Unsere diesjährige Getreideernte ist leider wieder einem vollständigen Ver- regnen ausgesetzt. Nachdem das Korn dem Wetter sozusagen abgeschnappt werden mußte, werden nun Wetzen, Gerste und Hafer von dem fast alltäglich niedergehenden Regen betroffen. Daß das Getreide unter solchen Umständen Schaden erleidet, ist selbstverständlich. Dies Verregnen unserer Getreideernte ist aber keine abnorme Erscheinung, sondern eine fast gewöhn» liche. Selten sind die Jahrgänge, in denen unsere Ernte von trockenem, beständigen Wetter begleitet wurden es find eben solche, die als Ausnahme die Regel bestätigen. Das jetzt herrschende regenreiche Wetter ist nämlich durchaus kein abnormes, sondern ein auf der natürlichen Wechselwirkung zwischen Wasser und Land beruhendes. Die Erwärmung deS continentalen Europas ruft als nothwendige Reaction daS Hineinströmen der Meeresluft und Auftreten von Nieder» schlügen hervor. DaS Wetter deS Juli und der ersten Hälfte deS August ist der meteorologischen Beobachtung zufolge für

I wunderen geborgen waren, zogen die Truppen in ihre alten | BiwakS mir TageSaadruch. Die Truppen sollen sich alle | mit unglaublicher und bewunderungswürdiger Energie und I mit Lust geschlagen haben. Ich habe viele gesehen und ihnen von Herzen gedankt. Der Jubel war ergreifend."

In Paris fiehtS verzweifelt auS. Bis jrtzt noch ist General Palikao Herr und regiert mit dem Säbel, er weiß aber selber nicht, ob seine paar Tausend Soldaten Napoleon in der Schlacht oder ihm in Paris nölhiger sind. Wenn die Schlacht verloren geht, rufen die Pariser die Republik auS. Alle öffentlichen Kaffen in Frankreich müffen ihre Gelder nach Paris für den Krieg schicken, die Kammer hat die Aus­gabe von 2400 Millionen BankbilletS beschlossen, diese Noten haben den ZwangscourS, d. h. jeder muß sie für voll nehmen und dadurch steigen die Preise gewaltig, denn keiner will etwas verkaufen, um nur nicht die Noten nehmen zu muffen. Kaiserin Eugeuie hat umsonst nach Wien um Friedens- Vermittelung telegraphirt, Beust hat ihr geantwortet, es fei noch zu früh. ThierS äußerte, der Kaiser steht nicht mehr in Rechnung, wenn eS aber keinen Kaiser mehr giebt, giebt eS auch keine Kaiserin mehr, Erbin ist die Republik.

Französische Panzerschiffe schwimmen vordem Kieler Hafen. Möglich, daß sie den Auftrag haben, durch etwas Lärm in der Ost- und Nordsee die Aufmerk» samkeit der Pariser von dem retirirendeu Heere etwas ab» zuziehen. Aber schießen oder nicht schießen? fragen sich die Admirale. 1) würden die ehernen Kinder Krupps im Hafen ihre gewaltigen Mäuler auch aufthun und 2) würde nicht am Ende Bismarck jedes zerschossene HauS rc. Frank» reich auf die Schlußrechnung setzen? DaS ist wirklich zu über­legen, wenn Hannibal vor den Thoren von Paris steht.

einem heute bei dem Bureau deS Reichstages eingegangenen Schreiben sein Mandat niedergelegt.

Casiel, 14. August. Der Kaiser trifft Montag Abend in WilhelmShöhe ein und verbleibt daselbst eine Woche lang. Die Kaiserin kommt am Sonntag nicht nach Berlin zur Gruadsteinlegung deS Kaiser-Wilhelm-DenkmalS, sondern bleibt vorläufig noch in WilhelmShöhe.

Kiel, 14. August. Neun Arbeiter der Germania- Werft find ertrunken, als fie von einem Dampfer ans Land steigen wollten.

Barmen, 14. August. Der Stadtrath bewilligte in einer geheimen Sitzung 20000 Mk. für einen Ehrensold an alte Krieger. Eine gestern Abend hier abgehaltene foeialistische Versammlung, in welcher der Reichstags» abgeordnete Molkenbuhr einen Vortrag hielt, ist wegen An» Wesenheit zahlreicher Frauen polizellich aufgelöst worden.

Opladen, 14. August. Gestern Abend hat sich auf dem hiesigen Bahnhofe ein Eifenbahn-Unglück zugetragen. 14 Wagen liefen gegen 8*/, Uhr, von Burtscheid kommend, führerlos durch den hiesigen Bahnhof. Um dieselben auf­zuhalten, wurde eine Maschine entgegengeschickt. Der Anprall der Wagen an die Maschine war ein so heftiger, daß sich die Wagen haushoch übereinander thürmreu. Der Materialschaden ist bedeutend. Der Locomotivführer liegt unter den Trümmern begraben. Der Heizer hat sich durch einen Sprung von der Lokomotive gerettet. Nach späteren Meldungen ist der Heizer ebenfalls tobt. Ein Bremser ist schwer verletzt.

Budapest, 14. August. In ber Nähe von Klausenburg periethen bei einem Tanzvergnügen rumänische Bauern mit Honved-Soldaten in Streit, in besten blutigen Verlauf es auf betben Seiten Tobte unb Verwunbete gab. Sechs Honved- Solbaten wurden die Ohren abgeschnitten.

Brüssel, 14. August. Die Polizei hat hier eine neue internationale Diebesbande entdeckt. Gestohlene Werthpapiere wurden aus Parts und anderen Hauptstädten hierher gebracht und verkauft. Gestern Abend, nachdem die Polizei von dem Vorhandensein der Bande Beweise erhalten hatte, stellte sich ein Polizei-Lieutenant in Ctvil ein, welcher als Liebhaber für den Ankauf von Werthpapieren auftrat. In dem Augenblick, wo der Handel abgeschloffen werden sollte, verhaftete der Polizei-Lieutenant zwei Mitglieder der Bande.

Paris, 14. August. Aus Sofia lasten sich auch hiesige Blätter melden, Fürst Ferdinand beabsichtige ein Manifest zu erlösten, in welchem er die Unabhängigkeit Bulgariens proclamiren und das Fürstenthum zu einem Königreiche auS» rufen werde. Diese Nachricht wird allerdings nur als ein in Sofia verbreitetes Gerücht betrachtet.

Belgrad, 14. August. Der Ministerrath ertheilte dem Kriegsmtnister Vollmacht, sofort für die Ausrüstung der Armee mit Magazin-Gewehren Sorge zu tragen.

Belgrad, 14. August.Makedonia", das Organ der makedonischen Serben, verlangt in einem Artikel eine sofortige Allianz Serbiens mit der Türkei; nur in diesem Falle könnten Serbien und die Türkei mächtige Alliirte finden.

Cscctite* and ptöohtjklkf ,

Meßen, den 15. August 1885.

** Soiree Eickermaun. Auf die Freitag Abend im Saale des Cafe Leib durch Herrn und Frau Eickermann in Character-Darstellungen zum Vortrag kommenden humoristi­schen Dichtungen erlauben wir uns nochmals aufmerksam zu machen. DaS Programm ist im Jnseratentheil des heutigen Blattes veröffentlicht.

** Außer Verfolgung gesetzt. Der Mörder deS MetzgerS Scheuer, der Schreiner Will von Rodheim bei Homburg v. d. H., ist durch Beschluß des Landgerichts Gleßen wegen Geistesgestörtheit außer Verfolgung gesetzt.

* Die Bahnsteigsperre kommt am 1. Oktober auf allen Vollbahnen zur Einführung. Das Zugbegleitungspersonal wird damit an Zahl erheblich verringert; die an den Zügen erübrigten Schaffner finden als Bahnfteigschaffner Verwen­dung. Um dem reisenden Publikum die Orientirung zu er­leichtern, soll die Bezettelung der einzelnen Wagen in den Zügen eine erhebliche Erweiterung erfahren. Auch auf den Bahnsteigen soll die Zahl der OrieutirungStafeln nach Be­darf vermehrt werden. Um der unbefugten Benutzung einer höheren Wagenklaffe durch Inhaber von Fahrkarten niederer Klassen cntgegenzutreten, sowie um überhaupt Unregelmäßig, keilen nach Möglichkeit aufzudecken und zyr Bestrafung zu ziehen, wird die Zahl der Zugrevisoren vermehrt werden, die Zugrevisoren werden ihren Dienst in Uniform auSüben.

Der Krieg von 1870(71,

geschildert durch Ausschnitte aus ZettungS-Nummern jener Zeit (Nachdruck verbotm.)

16. August.

Telegramm des Königs Wilhelm an die Königin:

Herny, 15. August, Abends 7Vs Uhr.

Um 3 Uhr vom Schlachtfelde von Metz zurück. Die Avantgarde deS 7. Corps griff gestern Abend gegen 5 Uhr den abziehenden Feind an; dieser stellte sich und verstärkte sich zusehends auS der Festung. Die 13. Division und Theile der 14. unterstützten die Avantgarde, desgleichen Theile des 1. Armeecorps. Ein sehr blutiges Gefecht entspann sich auf der ganzen Linie. Der Feind ward auf allen Punkten geworfen und die Verfolgung ging bis vor das Glacis der Außenwerke. Die Nähe der Festung gestattete dem Feinde vielfach, seine Blessirten zu sichern. Nachdem uniere Ver»

Central-Europa, ganz besonder» für Deutschland, das normale, den natürlichen meteorologischen Verhältnissen entsprechende. ES ist deshalb ein durchaus unhaltbarer Standpunkt, den die Landwirtschaft zu dieser Thatsache einnimmt, indem sie von Jahr zu Jahr auf ein günstiges Erntewetler, d. h. auf da« Emtreien der Ausnahme oon der allgemeinen Regel hofft. Man hat der Landwirthschafi deshalb al» besten Ausweg eine um 46 Wochen später beginnende Aussaat angerathen. Eine um mehrere Wochen verschobene Bcstellzeil würde dann die jetzige Regenperiodc dem Körnersatze zu gute kommen lassen, und die Ernte würde, anstatt m der Mitte de» Juli, am Ende deS August zu beginnen haben. So sehen wir tn unseren nördlichen Gegenden, z. B. SchleSwig-Holstein, zu der Zeit, in welcher bei uns die Ernte in vollem Gange ist, noch alles Getreide grün auf dem Halme stehen, und man bringt dort trotzdem die Ernte meist gut unb zeitig grnug ein (b. h. man bringt sie auch ein, unb läßt sie nicht wie in hiesiger Gegenb drei Monate lang inPuppen" stehen.) In ben weitaus meisten Fällen ist zu Ende August da» Gleichgewicht zwischen der Erwärmung de» Lande» und MeereS wieberhergestellt, so baß auf eine auS dem Lande nach dem Meere hin wehende Luftströmung unb mit ihr auf trockenes, beständiges Wetter zu rechnen ist. Zweifellos dürfte eS sich empfehlen, wenn auch nur mit einem Theile der Halmfrüchte, einmal einen derartigen Versuch anzustellen.

Vermischte».

* Berlin, 14. August. Heule Mittag hat in der Werk­statt e der Berlin-Aachener Spiegel-Manufactur eine Ex­plosion staltgesunden, bei welcher die beiden Geschäfts- inhaber schwere Brandwunden erlitten.

Berlin, 14. August. DiePost" meldet auS Gleiwitz: Auf der Waterloo-Grube bei Domb wurden zwei Berg­leute durch herabstürzende Kohlen erschlagen.

* Nordhausen, 14. August. Gestern wurde unter Pro­fessor Westphals Leitung feierlich daS Kreuz auf die Krone des KyffhäuserdenkmalthurmeS aufgesetzt. Dem Kaiser unb bem LanbeSherrn Fürsten Günther zu Schwarz» bürg Rudolstadt wurde die Vollendung deS Thurmes tele­graphisch jtnge^eigt.

* Köln, 14. August. Der Vorstand des Vereins der Industriellen des Regierungsbezirks Köln hat beschlossen, den Arbeitern, die an dem Kriege 1870/71 theikgenommen haben, den Sedan tag unter Vergütung des vollen Tagelohne» ganz freizugeben, der übrigen Arbeiterschaft von 4 Uhr ab ebenfalls ohne Lohnabzug.

* Vom Rhein, 13. August. Seit dem 8. d. M. haben die Pionier-Bataillone 7 (Deutz), 8 (Coblenz) und 12 (Dresden) in der Gegend zwischen Plittersdorf und Urfeld Uebungen auf dem Rhein im großen Stil vorgenommen Der Strom wurde wiederholt tn seiner ganzen Brette bet Plittersdorf und Mandorf überbrückt. Der lebhafte Schiffs­verkehr erlitt stundenlange Unterbrechungen. Wie sehr man sich bemühte, die Uebungen kriegsmäßig zu gestalten, zeigte das heutige Schlußmanöver an der Steg. Bet einer cfechts» Übung wurde die über die Steg geschlagene Brücke verbrannt. Die Anwohner fischten vergnügt die abtreibenden brennenden Balken weg. Die Generäle v. Kleist unb Golz wohnten ben Uebungen bei.

Elberfeld, 11. August. Eine blutige 3og b auf einen Verbrecher spielte sich gestern Nachmittag hier ab. In ben letzten Wochen wurde der Polizei wiederholt ge­meldet, daß Kinder von einem unbekannten Menschen in den Wald gelockt und dort mißbraucht worden seien; alle Nach­forschungen nach dem Wüstling blieben erfolglos. Da dir Beschreibung des Menschen immer dieselbe war, so waren anscheinend die Verbrechen von einer und derselben Person begangen worden. Gestern Nachmittag ging eins der miß­brauchten Kinder mit seiner Mutter nach einer vor der Stadt gelegenen Sommerw r'hschaft. Unterwegs begegnete ihnen ein Mensch, den das Kind sofort als denjenigen bezeichnete, der einige Tage vorher mißhandelt hatte. Die Frau machte sofort den nächsten Anwohnern Mittheilung, diese ver­folgten ben Menschen unb ergriffen ihn. Auf dem Wegr zur nächsten Polizeistation entlief der Festgenommene noch­mals; man verfolgte ihn zum zweiten Male unb rief bem 25jährigen Sohne Carl be» Ackerer» Wilhelm Becker, der gerade au» dem Hause feine« Vater» heraußtrat, zu, er

er sich sogar herabließ, auch an die Küche zu denket!; wie sehr er sich noch weiter herablassen würde, merkte ich freilich erst, als ich einige Zeilen weiter las: es folgte nämlich die Auf- zählung von ungefähr fünfzig Speisen, die er nicht essen mochte, darunter so ziemlich alle, die ich kannte. Was übrig blieb, war eigentlich nur Gänsebraten, aber ich konnte doch nicht jeden Tag eine Gans ans den Tisch setzen, das kriegt man doch schließlich auch einmal satt, und ich meine, gerade von so dummen Thieren sollte man doch auch nicht gar zu viel essen, besonders wenn man in seinem Beruf so viel Geist nöthig hat.

Jedenfalls wird Jeder zugeben müssen, daß er sich den Brief eines Dichters an seine Braut ganz anders vorgestellt hätte, ich harte bis dahin auch gethan. Im ersten Augenblick wurde ich natürlich furchtbar stutzig. Aber es ist im Ganzen nicht meine Gewohnheit, sofort den Muth zu verlieren, und'ich nahm mir vor, mein Bestes zu thun; mehr stand ja nun ein­mal nicht in meiner Macht, und vielleicht ging Alles besser, als ich erwartete.

ES dauerte nicht lange, so zeigten sich wieder neue Schwierigkeiten; diesmal handelte eS sich um die Möbel, die wir anschaffen mußten. Jeder anständige Mensch nimmt doch heutzutage den Salon in Rocoeo, daS Eßzimmer altdeutsch, etwaige andere Zimmer japanisch oder orientalisch und die Schlafzimmermöbel mit Muscheln. Nun ja, so wollte ich die Wohnung auch ein richten, und die Perle von allen Räumen sollte daS Studirzimmer werden, mit lauter Phantasiemöbel, die ich mir selber auSgedacht und ausgezeichnet hatte, unb denen beim ersten Blick kein Mensch ansehen konnte, wozu sie dienten.

Das Ganze war reizend romantisch und wimmelte von Amoretten und Geheimfächern, die sich in seinen Novellen sehr gut hätten anbringen lassen. Aber man glaubt nicht, wie unpraktisch so ein Mann ist! Leute, die sehr vom guten Stil abhängig sind, sollten doch froh sein, wenn man sie recht reichlich damit umgäbe; ftatt dessen bittet mich der Mann, bei unserer Einrichtung doch möglichst auf den Stil zu verzichten und allesrecht einfach und bequem" zu wählen. Da saß ich nun mit meinen Möbel­träumen und einem neuen, nicht gerade sehr reizvollen Einblick in eine Dichterseele.

Immerhin war es ein Segen, daß ich in dieser Beziehung nicht ganz unvorbereitet in die Ehe trat, sie hätte sonst heiter werden können! Aber nun konnte ich wenigstens den Ver­hältnissen Rechnung tragen, unb es hat Alles ganz gut gegangen. Man muß so einen Mann nur zu behanbeln wissen: er muß die Überzeugung haben, daß man stets einer Meinung mit ihm fei unb daß Alles im Hause nach fernem Willen gehe, bann kann -nan irn Uebrigen vollständig denken und thun, was man selbst für gut findet.

Das enge Zusammenleben mit einem Dichter erfordert freilich viel Mühe und Umsicht, andererseits gewährt cs auch viel harmloses Vergnügen, indem man ihn so genau beobachten kann, und das ist oft natürlich furchtbar amüsant, denn Dichter haben ja so viele originelle Einfälle und Ideen.

Morgens in aller Frühe fängt es manchmal schon an, interessant zu werden. Zum Beispiel gestern war s fein! Hast du Dich schon mal tüchtig gestoßen, lieber Leser? Jeden­falls! Nun, bann haft du wahrscheinlich ruhig ein Messer

auf die Beule gedrückt, ehe es eine wurde, unb sozusagen beitr Schicksal mit Würde getragen; so macht es ja der gewöhnliche Alltagsmensch! Da solltest du aber mal einen Dichter in solcher Lage sehen! Erstens bringt der es fertig, sich an Ecken zu stoßen, die für uns gewöhnliche Sterbliche räumlich un­erreichbar sind: ich wenigstens wüßte nicht, wie ich es anfangen sollte, sogar während ich noch zu Bett läge, mit dem Hinter- kops auf eine Spitze am Schrank zu schlagen, die anderthalb Meter von mir entfernt ist. Zweitens, wenn er dies gethan. hat, so solltest du aber mal hören, was ein solcher Stoß in einem solchen Haupt für Gedanken auswirbelt und wie weit er seine Kreise zieht. Daß er über die Spitze selbst schilt, ist begreiflich, denn sie lag ihm ja leider nur zu nah; aber von diesem Punkt aus die ganze Gothik zu verdammen unb eine wahre Sündfluth von Entrüstung über den ganzen Kölner Dom auszugießen, der nichts ahnend unb vollstänbig unbefangen eben freunblidj seinen Morgengruß herüberläutete, bas ist doch groß, barauf kommt noch lange nicht Jeber! Das sagte ich mir auch, als ich gestern Morgen mit dieser kunstgeschicht­lichen Auseinandersetzung aus süßem Schlummer ousgefchreckt wurde. Ich drückte dem armen Unglücklichen meine innigste Theilnahme aus, machte falte Umschläge und rühmte die Vor­züge^ des fünften romanischen Stils im Gegensatz zu bem rücksichtslos stoßenben gothkschen. DieS that ihm sichtlich wohl und schein einigermaßen beruhigend auf ihn zu wirken, so daK er nach einiger Zeit erklärte, jetzt aufstehen zu können.

(Fortsetzung folgt).