möge den Flüchtling aufhalten. Becker warf fich ihm auch entgegen, erhielt aber von dem Menschen einen Revolver- schuß in die Brust und sank tobt zu Boden. Der Verbrecher floh darauf weiter und versuchte denPosthilfSboten Schrader, der fich ihm entgegenftellte, ebenfalls durch einen Revolver- schuß aus dem Wege zu räumen, verwundete ihn jedoch nur am Arme. Darauf wurde er von Schrader zu Boden geworfen, mit Hilfe anderer Personen gefeflelt und der Polizei übergeben.
* 1870/71 gefallene Offiziere. Wer an der Zahlen- Symbolik ein Interesse hat, dem wird eine ganz merkwürdige Zahlenübereinstimmung in diesen Tagen der Kriegs« jubiläen auffallen. Wie viele deutsche Offiziere fielen im Kriege von 1870/71? — Antwort: Genau 1871.
* DaS Schöne mit dem Nützlichen verbinden die sog. Liebig'Dilder, die bunten Empfehlungskärtchen der Liebigs« Fleisch-Extract-Compagnie. Die Vorderseite weist bekanntlich niedliche und anregende Illustrationen auS den verschiedensten Gebieten der Kunst und Wissenschaft auf. Die Rückseite, bisher von sorgfältig geprüften Kochrecepten eingenommen, enthält neuerdings daneben noch Hinweise auf daS Fleisch- Pepton der Compagnie Liebig, die besonders die Beachtung derjenigen Aerzte und Hausfrauen verdienen, die für Kranke und Genesende, Blutarme oder Nervenleidende zu sorgen haben. Dies Pepton, das sich laut Analyse durch hervorragende Nährkraft auszeichnet, ist eine geeignete Speise bei Krankheiten, die die Aufnahme fester Nahrung verbieten, indem sie dem Organismus die Arbeit der Verdauung erspart. Solche Hinweise finden fich auch auf der neu erschienenen Serie „Der wilde Jäger", welche sechs von Künstlerhand auSgeführte Illustrationen der bekannten erzählenden Dichtung von Jul. Wolff bietet, und zwar: Ludolf's und Waldtraut'S Begegnung im Forst (2. Ges.), Wulfhild und Albrecht auf der Reiherbeize (4. Ges.), Hackelberend den Hirsch hetzend (6. Ges.), die beiden Mönche bei dem zerstörten Crucifix (8. Ges.), Volrat als Wilddieb ertappt (10. Ges.), des tobten Grafen Ritt zum Grabe (13. Ges.)
* Zur Psychologie der KiudeSseele. In der zu B o st o n erscheinenden Zeitschrift „Arena" veröffentlicht Lady Henry Somerset eine Abhandlung, in der fie zu zeigen versucht, wie wenig die Erwachsenen sich vom Denken des Kindes eine richtige Vorstellung machen. Nachstehend sei aus dem Aufsätze die Erzählung eines sechsjährigen Mädchens über seine „Eindrücke" von den Erwachsenen wiedergegeben. „Erstlich," sagte das Kind, „sind sie größer- dann haben sie Süßigkeiten nicht gern — oft; dann klettern sie nicht auf die Bäume- dann reiten sie nicht so gern auf Eseln, weil fie andere Dinge lieber thun. Sie schreiben Bücher, gehen in Versammlungen - aber wollen nicht stets ihre Kinder mit sich haben- denn diese halten fie ab, jene Dinge zu thun. Ein anderer Unterschied ist der, daß sie nichts vorschützen, denn sie wollen die Wirklichkeit wissen. Ich habe sie ärgerlich werden sehen: also sind sie nicht immer gut. Manchmal heißen sie die Kinder etwas thun, was nicht recht- sie haben nicht gern, wenn wir Esel reiten, weil sie Angst haben, sie könnten von dem Thiere gestoßen werden- aber die Kinder kümmern fich darum nicht, im Gegentheil es macht ihnen Vergnügen. Sie find viel älter: manche sind zweimal so alt, wie andere. Man muß einundzwanzig sein, bis man erwachsen ist- dann bleibt man ein Erwachsenes. In einer Weise stehen beide auf genau dem entgegengesetzten Standpunkt: Erwachseoe denken, die Kinder seien unartig, und die
Kinder benfen, die Erwachsenen seien unartig. Dann ist noch ein anderer Unterschied: sie können schwimmen — daS heißt einige —, aber auch einige Kinder können es. Sie leben für Geld- manche — nicht alle — geben eß für nützliche Dinge auS, die aber Kinder nicht für nützlich halten, weil sie dieselben nicht gern haben- deshalb glauben die Kinder, das Geld sei hinauSgeworfen. Sir glauben das Geld sei hinausgeworfen, wenn jemand Austern kauft- denn die essen sie nicht gern. Manche geben ihre Sachen gerne her und ich kenne eine Person, die fast nur für Kinder lebt, und daS ist Großmama. Ich glaube nicht, es kann jemand so sein, wie Großmama. Sie haben lange Röcke und Hosen. Meistens, das heißt manchmal, zeigen fie mehr Interesse für ihre Freunde, als für ihre Kinder- aber die Frau, von der ich sprach, thut daS nicht. Sie frisiren fich verschieden- manche drehen das Haar zusammen, nur die Männer haben es kurz geschnitten, aber die haben etnen Bart. Manche Erwachsene sind nett und liebenswürdig, aber auch manche Kinder- aber diese eine Person, Großmama, ist netter als irgend ein Kind- mehr Unterschiede weiß ich nicht."
* Das Einzige. Dame: „Sie wissen also kein Mittel gegen Sommersprossen?" — Arzt: „Nein." — Dame: „O, ich möchte auS der Haut fahren!" — Arzt: „DaS wäre allerdings daS Einzige, was helfen würde."
Citeratur unfe Hanft
— Der patriotischen Gedenkfeier, die Deutschland in diesem Jahre begeht, widmet Alexander Baron von Roberts in der illustrirten Halbmonatsschrift ,»om FelS zum TOeet* (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart) unter dem Titel: „In Ehr und Wehr von Sieg zu Sieg" eine Reihe von Auffätzen, in denen uns die Hauptereignisse jener großen Zeit, verflochten mit einer Fülle perfön- licher Erinnerungen des Autors, höchst lebendig vor Augen treten. Frank Kirchbach hat zum gleichen Zweck eine wirkungsvolle allegorische Zeichnung: „Durch Steg zum Frieden" beigesteuert, und ergreifend tritt unS der tragische Ernst jener Tage aus dem Gemälde: „Reveille" von A. von Rößler entgegen. Von dem sonstigen Inhalt des vorliegenden 23. Heftes dieser Zeitschrift seien hier nur erwähnt die dasselbe er öffnende und mit reizenden Bildern geschmückte Biographie der beliebten Wiener Soubrette Josephine Glöckner, die jüngst zu Unrecht in den Verdacht von Selbstmordgedanken gebracht wurde, und die gleichfalls trefflich illustrirte Schilderung der neuen Berliner Brückenbauten von A. Römer. Zu den beiden Romanen von Carl Busse und Marie Bernhard, deren spannende Fortsetzung das Heft bringt, ist noch eine muntere Tourtstennooelle: „Flitterwochen im Gebirg" von I. o. Widmann, dem geistvollen Redacteur des Berner Bunds, getreten; der „Sammler" enthält u. A. eine ungemein reichhaltige Auswahl von Momentaufnahmen der Canalfeier, die sich wie der gesammte Bilderschmuck des Heftes durch treffliche Reproduction auSzeichnen. _____________
— Feuer im Schiff! eine Originalzeichnung von Ferdinand Lindner, schildert in dem soebm erschienenen 2. Heft der Zeitschrift »Für Alle ®elt* (Deutsches Verlagshaus Bong L Co., Berlin W.n ä Heft 40 Pfg.) die Gefahren, die den Seemann bedrohen. Rauchhelm und Wasserschlauch sind in Thätigkett gesetzt, um daS feindliche Element zu bekämpfen, dem man muthig entgegentreten muß, weil ein Entrinnen unmöglich ist. Diese interessante Illustration bildet nur einen geringen Theil des belehrendm und unterhaltenden Stoffes, den dieses rührigste unter unseren Familienblättern zusammenzutragen weiß. Zwei große Romane, „Die tolle Gräfin" von Paul Oscar Höcker und „Frauenherzen" von Hans Richter, erhalten die Leser in Spannung, während eine Reihe von kleineren, geschickt illustrirten Artikeln auf allen Gebieten der Technik in allen Fragen des practtschen Lebens das Wiffenswertheste mittheilt. „Für Alle Welt" trägt seinen Namen mit Recht, es hat sich in dem kurzen Zeitraum eines Jahres zum populärsten und reichhaltigsten deutschen Familtenblatt entwickelt.
Schift-nachrichten.
Norddeutscher Lloyd, in Gießen vertreten durch die Agenten Carl LooS und I. M. Schulhof.
Bremen, 13. August. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Fulda, Capttän A. Meier, vom Nordd. Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr Abends wohlbehalten in Newyork angekommen.
kirchliche Anzeigen der evang.Gemeinde.
Freitag, den 16. August-
Vormittags 9 Uhr: Feffgoti-Svientt in der JohanneSktrche aur Feier deS Gedächtnisses der ersten Schlachten und Siege im deutsch-französischen Krieg. Pfarrer Dr. Naumann.
Die zu erhebende Collecte ist zum Besten der Kaiser Wilhelm- Stiftung für deutsche Kriegsinvaliden bestimmt.
Verkehr, taub» unb Volksrvirthschaft.
Gießen, 15. August. Auf dem gestrigen Ochsenmarkt waren ausgetrieben etwa 200 Stück, meistens Vogelsberger und Holländer, während Stmmenthaler Rasse nur wenig vertrete!-, war. Ferner waren 75 bis 100 Stück junges Fahrvieh am Marti. ES nottrtcn: Ochsen 1. Qual. 800 bis 900 Mk., 2. Qual. 700 Mk. bis 800 Mk. per Paar. Junges Fahrvieh wurde gehandelt zu Mk. 550 bis Mk. 650 per Paar. Auf dem Schwetnemarkt mochten etwa 1200 bis 1500 Stück, davon 80 bis 100 junge Ferkel aufgetrteben sein. Es wurden verkauft Saugserkel, 4 Wochen alt, zu 12 bi8 15 Mk., bis zu 10 Wochen alt 25 bis 35 Mk., bis zu 16 Wochen alt 45 bis 60 Mk., Läufer Va jährig 70 bis 80 Mk-, »/« jährig 90 bis 100 Mk. per Paar. — Der Handel in Schweinen ging bis gegen Mittag sehr schleppend, dann kam etwas Leben in das Geschäft, doch blieb noch eine Menge Waare überständig.
8imvurg, 14. August. Fruchtmarkt. Rother Weizen, alter, X 12.30, neuer X 12,50, weißer Weizen X 00.00, Korn, altes, X 8.60, neues X 9.10, Gerste X 7.50, Hafer X 6 55.
Witterungsbericht vom 14. August.
Die Druckoertheilung über Centraleuropa ist heute sehr unregelmäßig. Zwischen zwei Hochdruck-Gebieten, von denen das erste den Norden Europas bedeckt, während das zweite über Frankreich und Süddeutschland lagert, verläuft eine sehr unregelmäßig begrenzte Furche niederen Druckes vom nördlichen Atlantischen Ocean über daS Nord- und Ostseegebiet zu einem Minimum im Innern Rußlands.
BorauSffchttiche Witter««- r
Fortdauernd unbeständiges Wetter.
rMtterNn-O«zOfichtO«
am 15. August Mittags 12 Uhr (Wetterhäuschen in der Südanlage).
Barometerstand.
iiiinifiiiniiiiniiiiniiiiiifiiiiiiiiiiiiniiiniiiuifiiiuiiiinnifrHfimiii
Thermometer: min. + 89 R., max. 4- 15° R.
Hygrometer: Trocken.
Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemeffen am 15. August, zwischen 11 und 12 Uhr Mittag». Wasser 15°, Luft 14</,° Im Schatten.
Rübsamen'sche Bade- und Schwimmanstalt.
X ÄI fl Ä N 5ro™s» w H U ES ■ Mvale. Man schreibe um Muster
NSalP MW' ■ WM W W unter Angabe des Gewünschten.
VOR Elten & Keussen, Seidenwaaren-Fabrik, Crefold«
Neubau einer psychiatrischen Klinikzu Gießen.
Die zur Ausstattung der genannten Klinik nöthigen Lieferungen:
1) Borhänge und Rvuleaux, in besserer und einfacherer Qualität, für 42 bezw. 102 Fenster, in 2 Loosen,
2) Tische, in besserer und einfacherer Qualität, 60 bezw. 48 Stück, in 2 Loosen,
3) Stühle, verschiedener Qualität, 258 Stück und 15 Stuhlleitern, in 1 Loos,
4) 3 Pulte, 17 Regale, 19 Rollwände u. s. w. iu 1 Loos, 5) Kleider-, Utensilien-, Wäsche-, Aeteu-, Bibliothekschränke
zus 100 Stück, 13 Stück Waschkommoden, 22 Nachttische u. s. to. in 4 Loosen,
6) 19 Bettgeftelle aus Holz, in 1 Loos,
7) 75 eiserne Betten, in 1 Loos,
8) 7 eiserne Waschgestelle, 7 Blumentische, 19 Schirmgestelle u. s. ro. in 1 Loos,
9) 2 Salon- und 2 Speisezimmereinrichtungen, sowie Einrichtung des Directorzimmers iu 1 Loos,
10) Sosas, Chaiselongues und Spiegel in 1 Loos,
11) Kücheumobiliar in 1 Loos, sollen auf dem Wege öffentlichen Angebots vergeben melden.
Die Angebotunterlagen sind von Donnerstag, den 15. August d. I., ab auf dem Baubureau der psychiatrischen Klinik zu Gießen, Frankfurterstraße 103, zu Einsicht offengelegt und können auch von ebenda bezogen werden.
Die Angebote sind spätestens Donnerstag, den 29. August d. I., Vormittags 10 Uhr, bei obengenannter Stelle einzureichen, woselbst zu dieser Zeit in Gegenwart etwa erschienener Interessenten die Eröffnung erfolgt. 6883
Zuschlagsfrift 4 Wochen.
Gießen, den 14. August 1895.
Großh. Baubehörde für die Universitäts-Neubauten zu Gießen.
Reuting.
Krieger-Verein Gießen.
Die Fest- und Fahrkarten nach Darmstadt können vom Freitag ab bis zum Samstag Mittag 12 Uhr bei Herrn Dort abgeholt werden.
Abfahrt Samstag Mittag 2 Uhr 18 Min. Zusammenkunft um
V22 Uhr im Cafe Leib. 6882
Bekanntmachung.
Am Mittwoch den 21. August d.Js. findet Nachmittags von 4 Uhr ab ein Schießen mit scharfen Patronen nördlich Wißmar, mit der Schußrichtung auf den Krofdorfer Forst statt. Das Gelände innerhalb 4000 m nordwestlich der Schafweide — ganz besonders die von Wißmar nach Crumbach, Kirchvers und Salzböden direct führenden Waldwege und die Straße Wißmar—Ruttershausen — ist von 4 Uhr Nachmittags bis 10 Uhr Abends für jeglichen 93er* kehr gesperrt. 6803
Gießen, den 12. August 1895. Commando des 2. Bataillons $nfan» terie-Regiments Kaiser Wilhelm. Submission.
Nachdem die am 29. Juli ds. Js. stattgehabte Submission kein Ergebniß geliefert hat, werden die für die hiesigen Kliniken bis Ende März 1896 nöthigen Weißzeug- und Kleidungsstücke hiermit nochmals zur Lieferung ausgeschrieben.
Die Bedingungen liegen in den Geschäftsstunden auf dem Verwaltungsbureau offen.
Offerten, versiegelt und mit ent* sprechender Auffchrift versehen, sind bis zum 24. d. Mts., Mittags 12 Uhr, auf dem erwähnten Bureau abzugeben. 6859
Die Zuschlagsfrist beträgt 6 Tage.
Gießen, den 14. August 1895.
Großh. Verwaltungs - Direction der chirurg.-ophthalm. Universitäts-Klinik.
6535] eint Ladentheke und zwei Werkbänke zu verkaufen.
M. Vogt Wwe., Wallthorstr.8, m.
Versteigerung.
Freitag den 28. d. MtS., Nachmittags 2 Uhr, versteigere im Pfandlocal, Selters weg 11, gegen Baarzahlung:
1 Clavier, 1 Billard, 2 EiSschränke, 1 Waschmangel, 1 Handwagen, Com- mode, Sophas, mehrere Regulateurs, eine Cylinderuhr, mehrere Bilder, Aquarelle u. d. m.
Gießen, den 15. August 1895.
6872 Molch, Vollziehungsbeamter.
Sommerfrucht' Bersteigernug ju Londorf.
Nächsten Freitag, den 16. d. Mts., von Bormittags 9 Uhr an, kommt sämmtliche Sommerfrucht aus den Oeconomieen des Rentmeisters und Rechners Schmidt zu Londorf an Ort und Stelle in Abtheilungen zur öffentlichen freiwilligen Versteigerung.
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