Ausgabe 
16.2.1895 Zweites Blatt
 
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Samstag den 16. Febmar

Nr. 40 Zweites Blatt

1895

Amts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren.

chralisbeikage: Gießener Aamikienökätter.

Lsnahme von Anzeigen zu der Nachmittags für bot folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

Redaktion, Expcditioa und Druckerei:

Kchutftraße Kr.7.

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Die Gießener

Atamikieuvkätler »erden dem Anzeiger »dchenllich dreimal deigelegt.

Der

Giehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Alle Ännenctn-Sureflu^ deS In- und Auslandes nehm«» Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgege«.

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Sitzung öer Stadtverordneten

am 14. Februar 1895.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, Herr Bei geordneter Georgi, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, Flett, Faber, Habenicht, Helfrich, Hehltgenstaedt, Homberger, Jughardt, Keller, Löbcr, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Scheel, Schiele, Simon, Dr. Thaer, Bogt und Wallenfels.

Der schlechte Zustand der Feldwege im Neuftädter Feld hat eine Anzahl dortiger Grundbesitzer zu einer Ein­gabe an den Stadtvorstand veranlaßt, in welcher sie um Abstellung der Mißstände bitten. Nach dem Bericht des StadtbauamteS sind von den Wegen hauptsächlich diejenigen iu schlechtem Zustande, welche als Zufuhrwege zu Backstetn- fabriken führen und gibt das Stadtbauamt deshalb der Er­wägung der Versammlung anheim, inwieweit eine besondere Heranziehung der Backstetnbrennereibesitzer zu den Kosten der Herstellung thunlich erscheine. Die Landwirthschaftliche Com­mission hat empfohlen, von einer besonderen Heranziehung der Backsteinbrenuer abzusehen, da es im öffentlichen Interesse liege, billiges Baumaterial in der Nähe zu haben, auch die gewünschte Einschränkung des Verkehrs auf gewiffe Fuhrwerke hält die Deputation nicht für rathsam^ sie empfiehlt Chausfirung der wichtigeren Theile und der Hauptwege und hierbei Rück ficht darauf zu nehmen, daß der Verkehr möglichst rasch auf die KretSstraße geführt wird. Es wird, theilwetse den An- rrägen der Commission entsprechend, beschloffen, den Wismarer Weg bis zum Mittelweg und diesen bis zum zweiten Quer­weg, den dritten Querweg bis zur Kreisftraße zu chauifiren, die übrigen Wege thunlichst zu verbeffern, sowie 8000 Mk. für daS erste Baujahr zu Lasten der Vermögensrechnung zu bewilligen. Herr Löber bringt die Zustände deS Weges in der Lichtenau zur Sprache und verlangt Ausbau deffelben i« Sinne der vor mehreren Jahren unter gleichzeitiger Be­willigung von 10 000 Mk. gefaßten Beschlüsse. Herr Ober­bürgermeister Gnauth theilt mit, daß die Sache inzwischen eine Wendung erfahren, nach welcher es zweckmäßig erschien, die 1OOOO Mk. nicht zu verwenden. Es hätten sich nämlich inzwischen die Aussichten auf Ausbau genannten Weges als LreiSstraße gebessert, er habe auch bet dem Kreisamt eine diesbezügliche, vom KreiSamt Wetzlar und den berheiligten Gemeinden unterstützte Eingabe gemacht und habe die Hoffnung, daß die competenten Organe dafür eintreten würden, daß die KretSstraße gebaut würde, wozu dann die Stadt mit einem Viertel der Kosten herangezogen werde.

Entsprechend dem fett Jahren befolgten Vorgehen in der Anlage erhöhter asphaltirter Trottoirs, nach welchem jährlich circa 13,000 Mk., entsprechend dem 10. Theil der Summe, die die Durchführung der Anlage erhöhter Trottoirs in der Altstadt kostet, aufgewender werden können, wird auf

Antrag der Baudeputation beschloffen, im EtatSjahr 1895/96 , mit erhöhtem, vorwiegend Asphalttrottoir zu versehen die Garten st raße von der Ost- und Südanlage bis an die Wieseckdrücke (Kostenanschlag 4200 Mk.), die Löwengasse in Rücksicht auf den gesteigerten Verkehr infolge ihres An­schlusses an die Goethestroße (Kostenanschlag 3700 Mk.) und die Brand gasse mit Rücksicht auf deren gesteigerte Frequenz durch Eröffnung der Senckenberg« und Moltkestraße (Kosten­anschlag 3700 Mk.) Weiter soll noch Vorlage gemacht werden über Anlage eines erhöhten Trottoirs am Kirchenplatz, vom Einhorn" bis zur Bachgasse. Herr Scheel spricht sich für Beseitigung der gepflasterten Unterbrechungen durch Ein­fahrten rc. in den Neuen Bäuen und in der Bahnhofstraße auS, wofür man vielleicht die Brandgasse noch zurückstellen könne. Herr Oberbürgermeister Gnauth stellt eine Prüfung des Scheel'schen Vorschlags durch die Baudeputation in Aussicht und bemerkt, daß dem Vorschläge entsprochen werden könne, ohne daß eines der anderen Projecte zu fallen brauche. Auch dem Vorschläge des Herrn Wallenfels auf Pflasterung des Eingangs der Wetzsteinstraße am Stadtknabenschulgebäude soll näher getreten werden.

Für Herstellungen in den öffentlichen Anlagen werden iusgesammt 1950 Mk. bewilligt- es soll u. A. vervoll­ständigt werden die Einfriedigung des Schoorgrabens vom Wallthor bis in die Nähe des Justizgebäudes, ferner ist vor­gesehen die gärtnerische Umänderung eines Theils der Süd­anlage in der Nähe der Johanneskirche, sowie die Herstellung der Westanlage und Bepflanzung derselben entlang der im Lonh'schen Garten errichteten Neubauten.

Rach dem zwischen der Stadt und der Königl. Eisenbahn- direction Hannover in Betreff der Verlegung des Güter- b a h n h o f e s und der Unterführung bei der GetlfuS'schen Besitzung an der Westanlage zu Stande gekommenen Vertrage hat die Stadt 20000 Mark zu den Kosten betzutragen, außerdem die die Zufahrtstraße zum neuen Güterbahnhofe bildende Hammstraße auszubauen, welche Arbeiten in zwei Jahren fertig gestellt fein sollen. Die Herstellung der Hammstraße in der vertragsmäßigen Weise ist auf 29000 Mk. veranschlagt, die nach Kenntnißnahme der Projecte über die vorerst zu berücksichtigende Entwäfferung und Herstellung eines Straßen- sielS zum Anschluß an die künftige Canalisation bewilligt werden.

In Betreff des Gesuches des Herrn Birkenstock um Erlaubniß zur Errichtung eines Anbaues an einem Arbeits­schuppen im Neustädter Feld wird Verlängerung der seiner Zeit widerruflich ertheilten Genehmigung beschlossen.

Widerrufliche und ausnahmsweise Genehmigung wird ferner beschlossen bezüglich des Gesuches von Phil. S ch w a n I. um Erlaubniß zur Erbauung einer Scheuer im Neustädter Feld. Es soll dem Gesuchsteller aufgegeben werden, bis zu zwei Meter über den Stetnsockel daS Fachwerk der zu erbauenden

Scheuer auszumauern, dagegen wurde von der Errichtung einer besonderen Einfriedigung abgesehen.

Nachdem sich bet den bisher ausgcführten Straßenbaute« die Benutzung einer Straßenwalze für Pferdebetrieb al- nöthig erwiesen, weil die Dampfstraßenwalze nicht immer anwendbar war, auch daS bisherige Leihen der dem Kreis gehörigen Walze m>t Kosten und Zeitverlust verknüpft ge­wesen, wird beschlossen, eine geeignete Walze mit 4000 Ktls Leergewicht zu beschossen und dafür 1200 Mk. bewilligt.

Die im Interesse des glatten und gefahrloseren Betriebs in den Schlachihallen nöthige Verbesserung der Beleuch­tungseinrichtungen, sowie Neuetnsührung von Gas in die bisher mittelst Petroleumlampen erleuchtete Freibank wird beschlossen und dafür inSgesommt 305 Mk. bewilligt. DeS Weiteren wurde Vorlage gemacht über die auch im In­teresse der Untersuchung des VreheS nothwendig gewordene Vergrößerung des Großviehstalles. Es wird auf An­trag der Commission beschlossen, einen Anbau an den Groß- viehstall und in Verbindung damit eine Wohnung für den SchlachthauStaglöhner zu errichten, da aus mancherlei Grün­den eS für zweckmäßig erachtet wurde, daß Letzterer jederzeit, besonders auch Nachts beim Eintrieb von Vieh rc. zugegen IfL Die aus 10 600 Mk. veranschlagten Kosten werden in den nächsten Voranschlag eingestellt. Ueber die ebenfalls sür nothwendig erachtete Vergrößerung der Freibank, wozu die Baudeputation vorläufige Zurückstellung beantragt hatte, wurde eingehender verhandelt, und schließlich auf An­trag des Herrn Dr. Ploch beschlossen, diese Vergrößerung im Interesse des die Freibank besuchenden Publikums auS- zuführen.

Die beantragte Errichtung einer Waschküche im Hofe deS Thurmhauses am Brand, die gleichzeitig zur Reinigung der Spritzenschläuche benutzt werden soll, wurde gutgeheißen.

Dem Gesuch der Stadt Friedberg um Unterstützung eines auf Errichtung der Fernsprechlinie GießenButzbach Bad-NauheimFriedbergFrankfurt gerichteten Ersuchens an die Reichspostverwaltung wird auf Antrag der Finanzdepu­tation, und nachdem die Versammlung von den letzthin in gleichem Betreff gefaßten Beschlüsse der Großh. Handels­kammer Kenntniß genommen, stattgegeben.

Nach Genehmigung einiger aus der voraussichtlich bis Ende Mai zum Abschluß kommenden Parzellenvermes­sung und aus der Thätigkeit der Feldgeschworenen ent­standenen Rechnungen wurde die öffentliche Sitzung geschlossen.

Füttert die Vöglein bei Frost, Reif, Eis mrd Schnee!

Sie dankens im Sommer, der Hunger thut weh!

Feuilleton.

Frankfurter Daufrevel.

tSchluß.)

Die ganze Altstadt von Frankfurt und Sachsenhausen bis zu den Thalrändern steht auf einem Sandboden. Die Herren Bauunternehmer belieben zwar, ihn ^ge­wachsenen KieS" zu nennen; in der That liegt aber allerorten nur feiner Sand, der bald mit nuß- bis faustgroßen Kieseln (Sandstein Brocken) untermischt ist, sehr häufig aber fein, wie reiner Mauersand sich findet. Er ist nicht dort gewachsen", vielmehr wurde er in ältesten Zeiten von dem Mainstrome auS dem Spessart und Odenwald 46 Meter hoch hier angeschwemmt. Darunter liegt ein Kalkfelsen Corbicula* ein sehr brüchiges, leicht verwitterndes Gebäck, das durch den Regen bis zu 23 Meter Tiefe auf« gelöst, in weichen Lett gewandelt ist. Bei trockenem Wetter wird dieser Lett so fest wie Stein,' bei anhaltendem Regen eine zähe, klebrige Masse.

An den Berghängen zu Seiten des MainthaleS de» Bornheimer und Sachsenhäuser Berg liegt »den, anstatt des Sandes, ein braungelber Lehm, der aus dem vertrockneten Lett entstand. Darunter, bei V/s Meter Tiefe, der weiche Lett, der bis zu 56 Meter hinabreicht, ehe der feste Kalkfelsen eintritt. Derg e - wachsene Lehm" wäre an sich schon fest genug, wenn nicht der Keller mannstief gegraben werden müßte.*)

*) 56 Meter Hefe Keller, wie im alten Frankfurt, findet man im ganzen neuen Frankfurt nicht mehr. Das Eis muß heute das Bier und die Kartoffel! im Keller schützen.

Bei l1/« Meter trifft man aber den weichen Lett. Wie eS nun die Witterung will, hört der Baumeister bei V/a Meter Tiefe auf und baut den Keller halb über die Erde, oder er gräbt noch ein Stück in den Lett hinein und setzt geschwind seine Mauer darauf, damit er nicht noch mehr erweicht.

Wird bei trockenem Wetter auf diesen Lett gebaut, dann preßt der Bau die Masse zusammen- sie steht fest, wenn auch später das Wasser unterirdisch dazu dringt. Wird bei anhaltender Nässe gebaut, dann wird die offengelegte Masse erweicht, fie schwebt während des Bauens hin und her: em geringer Anstoß bringt das Haus zu Fall.

Die früheren Maurermeister hatten durch lange Praxis ein gewisses Berständmß von dem Baugrund sich erworben. Sie kannten auch den Einfluß der Witterung. Die Senats- Deputation, welche vom 18. October an das Heizen der Römeröfen commandirte, wußte aus langer Erfahrung, daß mit der Mitte des October die Regenzelt beginnt, die jedes Bauen gefährlich macht.)

All diese Erfahrungen werden aber von solchen Bau­unternehmern, bei denen Mangel an Kenntniß und Mangel an Baucapital sich vereinen, nicht beachtet. In diesem Sommer wurden selbst Häuser in der Ostend-Straße, wo ein alter Mainarm auf 1000 Schritt Länge der Straße entlang zieht, auf d en Grund dieses Main bettes gebaut. Beil2 Meter Tiefe liegt nicht blos ein schwarzer Moorboden und klebriger Lett: daS Sumpfwasser steht hier in solcher Menge, daß es nur mit Mühe durch an«

**) Nach den neueren Wetter - Beobachtungen wurde der 18. October vier Wochen nach Beginn deS astronomischer» Winters in der That als der Anfang deS Winter Wetters, des Regens, Schnees nnd Frostes, erkannt.

haltendes Pumpen entfernt werden konnte. Wo eben der letzte Tropfen Wasser wich, da ward sofort der Stein zum Fundament auf den nassen Lett gelegt.

In all diesen Fällen hat die Gesetzgebung die Verant' Wortung von der staatlichen Aufsichtsbehörde auf die Schulter des Unternehmers gewälzt. Diesem steht es frei, wenn er das Fundamentiren nicht versteht, bei der Baubehörde sich Rath zu erholen. Ist er aber in seinem Gefühl der Unfehlbarkeit so keck, auf eigene Faust das Unmögliche zu wagen, dann trifft ihn auch die Strafe, wenn der Bau zu Falle kommt. Sie trifft ihn mit aller Strenge, wenn Menschen dabei umkamen. Sie trifft ihn auch, wenn Andere, Capitaldarlether oder sonstige Helfer, zu Schaden kommen. Sie trifft ihn selbst, wenn ein Miether durch schlechten Haus­bau geschädigt wird.

Bei den vielen Unfällen müßten auch Dutzende von Straffällen hier in Frankfurt eintreten. Aber hic jacet canis! Die Nürnberger hängen Keinen, sei denn, sie hätten ihn. Die großen Baufrevler gehen auch zu Frank­furt bei Zeiten weg. Die kleineren aber sind mit ihren Capitallethern, mit Maklern und Bauhandwerkern bera* verschwägert, daß von diesen keiner die öffentliche Klage ver­sucht. Die Klage der Arbeiter und anderer hilflos stehender Personen wird durch Schleichwege derart entkräftet, daß die Justiz selten die Schuldigen zu packen vermag. Wir müsse« deßhalb den Grund noch ein wenig tiefer aufgraben, damit die Canäle und Minen erkannt werden, durch welche eta Haus und mit ihm ein Baufrevler zum Sturze ge­bracht wird. H. B.