Ausgabe 
15.11.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 269

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#k|e*er Anzeiger erscheint täglich, rit Ausnahme bei Montag».

Die Gießener MamttieuStätter werdm dem Anzeiger »vchentlich dreimal brigelegt.

ZweitesBiatl. Freitag den 15. November ' ' -- -

1891

Gießener Anzeiger

Kmerat-Unzeiger.

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2lmtlid?er TKeil.

Nr. 39 deS ReichS-GesetzblattS, auSgegeben den 9. d. M., enthält:

(Nr. 2272.) Bekanntmachung, betreffend bte bem inter­nationalen Ueberemkommen über den Eisenbahnfrachtverkehr beigefügte Liste. Bom 30. October 1895.

(Nr. 2273.) Bekanntmachung, betreffend die JnvaliditätS- und Altersversicherung von Hausgewerbetreibenden der Textil­industrie. Bom 9. November 1895.

Gießen, den 13. November 1895.

GroßherzoglicheS Kreisamt Gießen.

___________________v. Sagern.___________________

Bom deutschen Arbeitsmarkt.

Die seit einiger Zeit in den wirthschaftlichen Verhält- niffen Deutschlands nach jahrelangem schweren Drucke zu bemerkende Besserung, eine Folge der auf dem Weltmärkte wieder eingetrerenen günstigeren Conjuncturen, hat erfreulicher Weise angehalten und in den jüngsten Monaten sogar eine weitere Steigerung erfahren. Die Berichte vom deutschen Arbeitsmarkte bekunden fortgesetzt, daß sich unser Erwerbs­leben im Großen und Ganzen wieder stetig, wenngleich langsam, in aufstetgender Linie bewegt, selbst die politischen Alarmnachrichten, welche die letzte Zeit aus dem türkischen Orient gebracht hat, vermochten diesen WiederbelebungSproceß nicht zu beeinträchtigen. Vor Allem tritt derselbe in einem unserer umfaffendsten und wichtigsten industriellen Zweige, in der Textilindustrie, hervor, welche in einzelnen Theilen, wie z. B. in der Weberei und den hiermit zusammenhängenden Specialbranchen, mit Aufträgen geradezu überhäuft ist, sodaß die Fabrikanten vielfach zu erheblicher Vermehrung ihrer Arbeitskräfte und infolge deffen auch zu Lohnerhöhungen genöthigt worden find. Auch in der Wirkwaarenindustrie herrscht zur Zeit ein außerordentlich lebhafter Geschäftsgang, der hauptsächlich den massenhaft auS Nordamerika etngegangenen und noch immer einlaufenden Aufträgen zu danken ist. Dieselben sichern den Arbeitern dieser ebenfalls ausgedehnten Branche mindestens den Winter hindurch hinlänglich Be­schäftigung und Verdienst.

Die günstige Lage der Textilindustrie wirkt insofern befruchtend auf die Maschinenindustrte zurück, als derselben auS der nothwendig gewordenen Vergrößerung vieler Textil- anlagen und auS der Neuanlegung solcher eine nicht zu unter­schätzende Beschäftigung erwächst. Daneben gehen auch bei den Werkzeugmaschtliensabriken fortgesetzt bedeutende Aufträge ein, z. B. auS Nordamerika und aus Rußland, ebenso nimmt der Locomotivenbau einen neuen Aufschwung. Die Eisen­industrie Deutschlands spürt nach langem Darniederltegen den begonnenen Wandel zum Befferen gleichfalls, besonders besitzen

die Werke sür Herstellung von Puddeleisen und von Stabeisen umfangreiche Aufträge, desgleichen die Eisenwalzwerke- all­gemein ist freilich die wirthschaftliche Befferung in der Eisen­industrie noch lange nicht.

Begreiflicherweise florirt unter diesen Verhältniffen auch die Montanindustrie, wobei allerdings die anhebende winter­liche Jahreszeit mit ibrem bedeutend gegen den Sommer vermehrten Bedarf an Kohlen mit einwirkt. Ungünstig auf die glatte Abwickelung der Geschäfte der Berg- und Hütten- Industrie wirkt indessen der in manchen Verkehrsbezirken hie und da ganz empfindlich hervortretende Mangel an Eisen­bahnwagen ein. Weiter erfreuen sich noch die Möbelindustrie, die Wagenbauerei, die Glasfabrikation usw. einer regen Ge- schästSperiode, die eine längere Dauer verspricht. Für das wichtige Baugewerbe beginnt jetzt naturgemäß die stille Jahreszeit, obschon bei der augenblicklich herrschenden milden Witterung noch flott an den angcsangenen Bauten gearbeitet wird- für nächsten Sommer sind die Bauausfichten ziemlich günstige. Schließlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß im deutschen Schiffsbau ebenfalls rege Thätigkeit herrscht, fast sämmtltche Werften sind reichlich beschäftigt. Dagegen will sich gerade bet demjenigen Hauptgewerbe, welches mit daS Fundament unseres productiven Lebens bildet, bei der Land- wirthschaft, die wirthschaftliche Befferung der anderen er» werblichen Gebiete noch nicht in dem wünschenswerthen Maße Widerspiegeln, noch immer sind die Verhältnisse in unserer heimischen Landwirthschast vielfach gedrückte und schwierige. Hoffentlich kommt aber nun auch für diesen so überaus be­deutsamen ErwerbSzweig baldigst eine durchgreifende Wen­dung zum Befferen, deren die um ihre Existenz ringende Landwirthschast wahrlich auch dringend bedarf.

Deutsche» Reich.

Darmstadt, 13. November. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin empfingen heute Ihre Excellenz die Frau Generallieutenant v. Goßler und geruhten, das Protektorat deS Milttär-FrauenvereinS anzunehmen. Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich vonPreußen sind gestern Abend von Herrnsheim hierher zurückgekehrt und begeben Sich heute Abend zur Theilnahme an den Kaiserlichen Hofjagden nach Letzlingen. Ihre Kaiserliche und Königliche Hoheit die Herzogin von Sachsen«Coburg und Gotha werden dem Vernehmen nach mir der Prinzessin - Tochter Alexandra gegen Ende der Woche zu Besuch des Groß- herzoglichen Hofes hier eintreffen.

Berlin, 13. November. Der Kaiser empfing am Dienstag Mittag den neuernannten Gesandten Chiles für den Berliner Hof, Francisco a Pinto, wobei der Staatssekretär deS Auswärtigen v. Marschall zugegen war. Später nahm der Monarch an einer Parforcejagd im Grüne­

wald Theil. Im Lause des nächsten Tages beehrte der Kaiser die mit der zweiten Lesung deS bürgerlichen Gesetz­buches betraute Commission, welche gegenwärtig das Ein­führungsgesetz berath, mit seinem Besuche und wohnte der gesammten Sitzung bei.

Noch läßt sich nicht bestimmt beurtheilen, ob die Bcschlüffe der in Berlin versammelt gewesenen Sachver­st ändigen-Commission für die Revision unserer Arbeiterversicherungs-Gesetzgebung bereits in der bevorstehenden ReichStagssesfion zur praktischen Verwerthung gelangen werden. Es find eben doch in den Verhandlungen der Commission mancherlei verschiedene Anschauungen über die ihr zur Erörterung unterbreiteten socialpolitischen Fragen hervorgetreten und hinterlassen überhaupt die Berichte über diese stattgehabten Berathungen den Eindruck, als ob daS Projekt einer reformatorischen Umgestaltung der socialpolt- tischen Gesetze doch noch nicht ganz reif sür die parlamen­tarische Behandlung sei. Im Uebrigen wird ein bedauerlicher Nachklang zu der stattgefundenen socialpolitischen Conferenz gemeldet. Es heißt, deren Ergebnisse hätten die schon bevor­stehenden persönlichen wie sachlichen Differenzen zwischen dem Staatssekretär im Reichsamte deS Innern Dr. v. Boetticher und dem Präsidenten deS ReichSversicherungSamteS Dr. Bödiker noch weiter verschärft. Der Kaiser soll über diese Meinungs­verschiedenheiten bereits unterrichtet sein und die SitzungS- protocolle der Conferenz verlangt haben.

Der längst signalisiere Gesetzentwurf über die Errichtung von Handwerkerkammern ist dem BundeSrathe nebst einet ausführlichen Begründung jetzt zugegangen. Mit dieser wichtigen Vorlage, die in ihren hauptsächlichsten Punkten ja schon bekannt war, erfährt der Kreis der den Reichstag zu feiner neuen Seffion erwartenden Aufgaben abermals eine bedeutsame Erweiterung. Hoffent­lich wird das Parlament zu einer Erledigung dieses zur Stärkung des Handwerkerstandes bestimmten Gesetzes gelangen.

Der GreifSwalderProfefsorderHygteine, Geheimrath Dr. Löffler, hat die kaiserliche Genehmigung zur Anlegung des ihm im vergangenen Sommer verliehenen Großkreuzes der französischen Ehrenlegion er­halten. Letztere hohe Auszeichnung ist dem genannten Ge­lehrten wegen der von ihm gemachten Entdeckung des specifischen Erregers der Diphtherie, des Löffler'schen Diphtherie'Baccillus, zu Theil geworden.

Der Krieg von 1870|71, geschildert durch Ausschnitte «u8 Zettungs-Nummern jener Zeit. (Nachdruck verboten.) 15. November.

Da's mit dem Brod in Paris knapp hergeht, probirt man'S mit den öffentlichen Spielen, um das Volk bet guter

Feuilleton.

Hochjkitsgeblächk, Sitten und Trachten im Odenmlbe nnd im Rieb.

(5. Fortsetzung.)

Inzwischen haben fich in den oberen Räumlichkeiten zahlreiche eingeladene Gäste versammelt, welche sich die guten Sachen, die schon auf den Tafeln stehen, trefflich schmecken loflen. Drei Wochen nach der Verlobung fand die wein- käufliche Trauung statt. Die Brautleute begaben fich kurz vor Nacht in daS Pfarrhaus und wurden hier wetnkäuflich eingesegnet, d. h. der Geistliche gebrauchte die Trauungs­formel, nur mit dem eingeschalteten Worteweinkäufllch".

Drei Wochen nach dieser weinkäuflichen Trauung fand die eigentliche Hochzeit statt. Die Einladungen hierzu, er- gingen durch einen Pathen, die Zuchtknechte und Zuchtmägde. Erstere begaben fich vor allem anderen in daS Pfarrhaus, um den Geistlichen einzuladen. Letzterer erhielt hierbei zu- gleich zwei Krüge Wein, einen Kalbsbraten, einen Korb mit einem großen Stück Ochsenfleisch, einen Aepfelkuchen, einen Radankuchen, einen Kringel oder Kranz und einen Laib Brod. Die Einladungsformel, welche nicht blos bei dem Geistlichen, sondern überall gesprochen wurde, bestand auS folgenden Knittelversen:

Hier schickt uns her der Herr Hochzeiter,

Die Jungfer Braut, Vater und Mutter von beiden Seiten,

Die laffeo Euch bitten und laden auf ihren Ehrentag,

Auf ihren ehrlichen fröhlichen Hochzeitstag.

Daß Ihr den Kirchgang sollt helfen zieren und vollführen,

Die Jungfer Braut zum Altäre führen,

»ach verrichteter Trauung und Gebet do.lieb nehmen, Watz Küche und Keller thun bescheeren.

Da wirds auch etwas geben zu essen,

Sollt Eure Meffer und Gabeln drum nicht vergessen,*)

Da wird eS auch geben ein Gläschen Wew,

Wobei wir wollen fröhlich sein.

Und eine gute Tasse Kaffee,

Dir thut mir und meinen Kameraden nicht weh.

Auch wird kommen ein Schweine- und Kalbsbraten,

Die thun uns Allen gar nichts schaden.

Habt Ihr nun meinen Spruch recht vernommen.

So sollt Ihr (... . hier werden die Namen der Einzuladenden genannt)

Morgen Mittag um ein Uhr kommen,

Sollt in der Wohnung des Hochzeiters N. N.

Und der Jungfer Braut erscheinen."

Waren Personen mit einer Einladung bedacht, aber nicht gerade anwesend, so wurde zum Zeichen für fie ein Ros­marinzweig mit Kreide an die Stubenthüre gemalt. Der RoSmarin spielte auch in der Rheinebene, wie im Oden­walde, eine Rolle bet den Feierlichkeiten. Während die Pathen und Zuchtknechte die männlichen erwachsenen Mit­glieder einer Familie einladen, ist es Ausgabe der Zucht­mägde, die jungen Mädchen und Kinder zu der Feier zu entbieten.

Sind alle E nladungen richtig auSgerichtet worden, so kehrt die EinladungScommisfion in das Hochzeitshaus zurück, allwo sie der HockzeitSvater empfängt und an welchen folgender Spruch gerichtet wird:

Alle haben wir geloben,

Jedes sprach: wir kommen fehl, Schicket Euch auf hundert Braten

) tzhema's war es Sitte, daß die Gäste bei Hochzeiten und Metzelsupp nL wozu oft hundert und mehr Personen eingeladen wurden, Messer und Gabeln selbst mitbrachten, »eil die ©aftgeter so viel Tischgeräthe nicht besaßen. In jedem Hause befanden sich Etuis, worin 10 bis 12 Bestecke ausbewahrt wurden, die den Zweck hatten, bei E nladungen mitgenommen zu werden.

Und auf fünfzig Ohm voll Wein, Ich hab nun meine Sach gethan, Fangt Ihr j.ht nur Hochzeit en."

Ein gemeinschaftliches Abendessen im engeren Kreise, die Hochzeitsfamilien und die EinladungScommisfion umfassend, beschließt den Tag.

Am Hochzeitstage wird um halb 1 Uhr vom Kirchthurme ein Zeichen mit einer Glocke gegeben, worauf die einge­ladenen Gäste nach dem Hochzeitshause gehen. Der Pfarrer wird von den Zuchtknechten, welche reich mir bunten Bändern geschmückt sind, irs HochzeitshauS abgeholt. Hier find alle Tische bereits mit Bergen von Kuchen beloben; mau spricht ihm eifrig zu und trinkt warmen süßen Wein dazu.

Sobald der Pfarrer im HochzeilShause eintrifft, be­ginnt daS Geläute mit allen Glocken vom Kirchthurme, geschaffen wird nicht. Der HochzettSzvg ordnet fich. Zu- erst kommt der Pfarrer, begleitet von den zwei Vätern des Brautpaares oder von ganz nahen Verwandten, wenn die Väter nicht mehr am Leben find. Auf den Pfarrer folgt der Bräutigam, begleitet von den Zuchtmägden; daran schließen fich die übrigen männlichen Gäste nach Verwandt­schaft und Alter.

Der rheinische Humor zeigt fich, sobald der Pfarrer außer Sicht ist. Einer von den Aufwärtern sucht alsdann jedem männlichen Gaste mit einem neuen Handbesen den Rücken abzukehren, waS fich aber keiner gefallen lassen soll. ES ist uns nicht gelungen, herauSzubringen, waS mit dieser Operation bezweckt werden soll oder waS für eine symbolische Bedeutung fie haben könnte.

(Fortsetzung folgt).