Ausgabe 
15.10.1895 Zweites Blatt
 
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Zweites Blatt

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Unnahme von Anzeigen zu der ytachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

Die Gießener MiorikienötLlter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

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#U|eiwr Anzeiger erscheint täglich, Mit Ausnahme de- MontagS.

Alle Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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chardt.

Die provisorische Regierung hat auS frevelhastem Ueber» muth den Krieg der Bürger und Bauern gegen die feindlichen Heere proclamtrt. Dieser Schritt hat denn auch in einem Thetle Frankreichs zur Bildung von Banden ge» führt, welche, halb Patrioten, halb Räuber, unseren Heeren hier und da lästig werden. Sie heißen Franctireurs. Es sind einige Feldjäger und Postillone abgeschossen worden, es sind Wagen mit verwundeten, sogar eine Colonne von Proviantwagen aufgehoben, eS find kleine Abtheilungen über« fallen und gefangen,- man hat auS Häusern und Hecken auf durchziehende oder gar kämpfende Truppen geschossen, hat sogar Verwundete und Einquartierte gemeuchelt und einige« mal scheußlich verstümmelt. Dafür find durch unser Ober« commando oder unsere Soldaten den Thätern etwa folgende Strafen auferlegt worden: Außer 250 Flaschen Champagner (für den Schuß beim Einrücken in RheimS) in Summa etwa 3 Millionen Francs Contribution, 20 bis 30 einzelne Häuser niedergerissen, 2030 ganze Dörfer angezündet und nieder- gebrannt, 150200 Bauern erschossen oder verbrannt, dazu auch Weiber und Kinder, welche sich an den Mordthaten be« theiligt hatten. Traurige Nothwendigkeit deS Krieges! Um so gerechtfertigter ist die Sehnsucht der Völker, daß der Friede

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Deutsche» Reich.

Berlin, 13. October. Morgen wird der Kaiser Jagdschloß HubertuSstock verlassen und fich von dort direct nach Wiesbaden begeben, von wo die Weiterreise nach Schloß Urvtlle gegen Mitternacht erfolgt. Die Kaiserin begibt sich Montag Nachmittag mittelst Sonderzugeö von der Wildpark- stalion ebenfalls nach Wiesbaden, von wo die Majestäten gemeinschaftlich die Reise nach Schloß Urville fortsetzen.

Der Entwurf d es socialdemokratischen AgrarprogrammS ist vom Parteitage derSocialdemokraten in Breslau am Freitag nach dreitägigen Debatten mit 158 gegen 63 Stimmen abgelehnt worben, entsprechend dem Anträge KautSky. Die mehrtägigen Verhandlungen über diesen Hauptgegenstand des diesjährigen socialdemokratischen Parteitages trugen theilweise einen sehr lebhaften Character und ließen die scharfen Gegensätze erkennen, welche innerhalb dieser Partei gerade wegen der Behandlung der Agrarfrage bestehen. vemerkenSwerther Weise wurde in den Debatten daö Agrarprogramm von einem Genossen selber als Bauernfang" bezeichnet. Am Freitag gelangten dagegen verschiedene andere Anträge zur Annahme, welche fich auf die Maifeier, auf die Beschickung deS 1896 in London statt- findenden internationalen ArbeitercongresseS und auf die Ausdehnung des gesetzlichen Arbeiterschutzes auf die Haus­industrie bezogen.

Berit», 12. October. Die Internationale Erd« mesfungS-Conferenz wurde heute geschlossen. Die Tonferenz erledigte ihre Aufgaben in 8 Plenar« und mehreren LommisfionS'Sitzungen. Der von der permanenten Commission für Erneuerung der Eonvention vorbereitete Entwurf wurde nach Annahme mehrerer Amendements zum Beschluß erhoben.

Berlin, 12. October. Die Internationale Erd­messung s°Eonferenz hat die für den Uebergang auf die neue Convention erforderliche Wahl vorgenommen und wählte zum Präsidenten Fähe, zum Bicepräfidenten Ferrero, zam ständigen Vertreter Professor Hirsch.

Karlsruhe, 12. October. Nach den bis zum heutigen Abend eingelaufenen Nachrichten über die badischen Wahl- männer-Wahlen scheint daS Gesammt-Resultat folgendes zu fein: Nationalliberale 18, Centrum 7, Demokratisch-Frei« sinnige 3, Socialdemokraten 2 und Conservativ 1. Bon drei Wahlbezirken fehlen noch übersichtliche Ziffern.

Verkehr, rrnö Volkswirthschast.

Grü«b«rg, 12. October. Fruchtpreife. Weizen X 15,10, Korn X 13,58, Gerste X 13,00, Hafer X 10,72, Erbsen X 13,66, Linien X 00,00, Wicken X 00,00, Lein X 00.00, Kartoffeln X 0,00, Samen X 00,00.

Ipidpta* der vereinigten frankfurter riadttheat»

Opernhaus.

Dienstag den 15.October: Hochzeit deS Figaro. Mittwoch dm 16.October: Erstes AbonnementS-Eoncert. Donnerstag den 17. October: Der fliegende Holländer. Freitag dm 18. October: Excelsior. SamStag den 19. October: Daltbor. Sonntag dm 20.October, Nachmittags 3*/iUhr: KarlSfchülertn. Abends 7 Uhr: Robert der Teufel. Montag dm 21. October: Excelfior.

Schauspielhaus.

Dienstag den 15. October: Gräfin Fritzi. Mittwoch dm 16. October: Gräfin Fritzi. Donnerstag den 17. October: Die beiden Reichenmüller. Freitag den 18. October: Die beiden Retchenmüller. Samstag den 19. October: Gräfin Fritzi. Sonntag dm 20. October, Nachmittags 3VsUhr: Cha rleyS T ante. Hierauf: Frankfurt in Feindesland. Abends7Uhr: Gräfin Fritzi. Montag den 21. October: Fall Clemenceau.

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Der Krieg von 1870|71,

gefchlldert durch Ausschnitte aus ZettungS-Nummern jener Zeit.

(Nachdruck verboten.)

15. Oktober.

Auf feinem Marsche nach Orleans ließ der General v. d. Tann durch eine Schwadron schleswig-holsteinischer Husaren und 60 Mann bayerische Infanterie baß Dorf Ablis besetzen. Die Leute waren todtmüde, die Nacht regnerisch und trüb, die Oertlichkeit schwer zu erkennen. Die Infanterie stellte Posten auS, verbarrikadirte den Eingang und 30 Mann blieben in einem Gehöfte beisammen- die Husaren lagen in drei großen Gehöften bei ihren Pferden, die Offiziere nahe dabei mit ihren Burschen. Der Infanterie« offizier meldete:Nichts Verdächtiges." Einwohner eilten aber auf Schleichwegen in die benachbarten Orte und holten Franctireurs und Nationalgarden, die durch Gärten und Hinterhäuser leise in die Stadt schlichen. Morgens 4 Uhr überfielen fie die Posten und Patrouillen und schossen fie nieder. Die Husaren erwachten und eilten zu ihren Pferden, aber die Thüren und Ställe waren verrammelt und ver­nagelt, wer dennoch durchbrach, wurde von einem mör­derischen Feuer aus den Häusern empfangen. Die Infanterie machte einen Vorstoß, mußte fich -aber bald gegen die un­geheure Uebermachl zurückziehen. Rittmeister Uhrich war beim ersten Alarm mit feinen Offizieren nach den Ställen geeilt, die Straße war aber gestopft voll schießender Feinde, fie konnten nicht durchdringen, fie wurden verwundet und mußten fliehen. Die Husaren in den kleinen Ställen hatten unterdeß die Thore erbrochen und schlugen fich hauend und schießend mit großen Verlusten durch. Aber daS dritte und größte Gehöfte war so vollständig belagert, daß keine Rettung möglich war. Die Franctireurs erschossen durch die Fenster Husaren und Pferde, erbrachen endlich daS Thor und stürmten hinein. Nock einmal gaben die Husaren eine Salve, dann war alles still,- viele waren tobt, viele verwundet, der Rest mußte fich ergeben, mehrere wurden sofort erschossen, die anderen als Gefangene fortgeführt. Der ganze Verlust be­trug 50 Mann und 80 Pferde. AIS nach einigen Stunden Hilfe herbeik.m, war der Feind verschwunden. Die Ein­wohner, bei denen man Waffen fand, wurden erschossen, Geißeln für eine Kontribution auSgehoben und das Dorf niedergebrannt.

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