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Der Hleisetter -«»eiger tridxint täglich, aut Ausnahme dr» DiontagS.
Die Gießener ^«mtriendkälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.
Erstes Blatt.________Dienstag den 15 Oktober___________________
Weßerrer Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Dorm. 10 Uhr.
Deutsche» Reich.
Breslau, 12. October. Sozialdemokratischer Parteitag. Abg. Singer, welcher die heutige Schluß' fitzung leitete, theilte bei Beginn derselben mit, daß gegen Liebknecht wegen seiner Rede am Eröffnungstage das Verfahren wegen MajeftätS« Beleidigung eingeleitet ist. Alsdann werden OrgantsationSfragen berathen. Privatdocent Dr. AronS-Berlin ist mit der Zusammensetzung deS Partei« Vorstandes unzufrieden und beantragt, der Parteileitung noch einige Beisitzer betzugeben. Der Vorschlag wird vom Parteivorstande bis zum nächsten Parteitage in Erwägung gezogen werden. Hierauf wird die Danziger Angelegenheit, betreffend den Genoffen Jochem, besprochen. Als Ort deS nächsten Parteitages wird Gotha gewählt. Auf demselben werden folgende Themata besprochen: Frauen «Agitation (Genossin Zetkin) und Proportional« Wahlsystem. Ferner Debatten und verschiedene Anträge.
Belfast, 12. October. 2000 Schifssbauarbeiter haben ihren AuSstand erklärt.
Straßburg, 12. October. Der kaiserliche Statthalter Fürst zu Hohenlohe-Langenburg hat sich gestern in Begleitung des UnterstaatssecretärS von Schraut und mehrerer höherer Forstbeamten nach dem Staatswalddistrict Struht begeben. ES wird vermuthet, daß der Kaiser gelegentlich der Besichtigung deS seinen Namen tragenden Mutziger FortS einen Pürschgang in dem genannten Staats- Wald, der sehr reich an Hochwild ist, zu machen beabsichtigt und mit dieser Absicht die Reise deS Statthalters in Verbindung steht.
Straßburg, 12. October. Der auf morgen in Straßburg auberaumt gewesene Parteitag der elsaß-lothringischen Volk spartet ist auf unbestimmte Zeit verschoben worden.
Metz, 12. October. Das nach einer Meldung aus Luxemburg dortselbst verbreitetete Gerücht, der Kaiser werde von Schloß Urville aus den Großherzog von Luxemburg in seiner Residenz besuchen, findet hier in gut unter« richteten Kreisen keinen Glauben.
Ausland.
PrzemySl, 12. October. Wegen Ermordung ihres Wachtmeisters wurden vom hiesigen Kriegsgericht zwei Husaren zum Tode, 30 zu Festungshaft verurtheilt, 15 frei- gesprochen.
PariS, 12. October. Von dem wegen Spionage verhafteten früheren Polizei-Commissar Schwartz wird mitgetheilt, derselbe sei von seinem Postdn als Poltzei-Com- miffar am Bahnhofe von Hallein entlassen worden, weil er vertrauliche Schriftstücke, die ihm vom Präfecten zugeschickt worden waren, conservativen Blättern mitgetheilt hat. Aus einer späteren Unterredung geht hervor, daß Schwartz einem sozialistischen Blatte chiffrirte Telegramme vom Ministerium übermittelte. DaS Blatt bediente fich derselben zu heftigen Angriffen gegen einen hohen Beamten des Ministeriums. In diesem Augenblick ist man damit beschäftigt, die bei Schwartz beschlagnahmten Correspondenzen zu sichten.
Pari», 12. October. Die Regierung läßt offictös erklären, eine Annexion MadagaScarS würde ernste internationale Schwierigkeiten herbeiführen. Am 5. August 1890 erkannte Frankreich Englands Protectorat über Sansibar an und gleichzeitig erkannte England Frankreichs Protectorat über Madagaskar an. Eine Annexion hätte daher diplomatische Weiterungen verursacht, welche Frankreich mindestens für überflüssig hält.
Konstantinopel, 12. October. Die Zahl der a r m e n i s ch e n Opfer bet der letzten Metzelei In Trapezunt wird auf 200 geschätzt- die christliche Bevölkerung der verschiedenen Riten, welche ein eigenes Stadtviertel bewohnt und daher gemeinsam den Angriffen ausgesetzt ist, flüchtete nach der Citadelle, in welcher sie internirt ist.
Konstantinopel, 12. October. Die Antwort der türkischen Regierung auf die Collectivnote der Botschafter bestreitet theilweise die erhobenen Beschuldigungen von Ausschreitungen der Behörden sowie der türkischen Bevölkerung und schreibt die Hauptschuld an den Vorgängen -en Armeniern zu. Die Antwortnote besagt sodann, daß nur zwei Fremde infolge ihrer Aehnlichkeir mit Armeniern verhaftet, aber bereits entlassen wurden und daß eine Commission sich mit der Untersuchung der Maflenverhaftungeu beschäftige. Ferner gibt die Note diejenigen Maßnahmen bekannt, die zur Erhöhung der Sicherheit und Beruhigung der Christen und Fremden ergriffen worden seien und daß der Scheik ul Islam eine beruhigende Kundmachung an die SoftaS erließ, sowie daß eine gleiche Kundmachung an die
Bevölkerung in den Zeitungen und durch Plakate in den verschiedenen Stadttheilen veröffentlicht' worden sei. Schließlich erklärt die Note, daß alle Vorsichtsmaßregeln ergriffen worden und strenge Instructionen an die Behörden und die bewaffnete Macht ergangen seien und stattet dann den Botschaftern den Dank der Regierung für die angebotene Intervention ab.
Neueste
WolffS telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Berlin, 13. October. Der Reichskanzler Fürst zu Hohenlohe, sowie der russische Minister des Auswärtigen, Fürst Lobanow, find heute Abend 61/* Uhr aus HubertuS- stock hier wieder eingetroffen.
Berlin, 13. October. Heute Abend 7^ Uhr findet bet dem Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe zu Ehren deS russischen Ministers des Auswärtigen, Fürsten Lobanow, ein Diner statt, zu welchem namentlich geladen sind: der russische Botschafter Graf von Osten-Sacken, daS Personal der russischen Botschaft, die Staatssecretäre Dr. v. Bötticher und Freiherr Marschall v. Biberstein, der italienische Botschafter Graf Lanza, sowie der französische und der öfter- retchisck ungari'che Geschäftsträger.
Metz, 13. October. Der Verweser der Bürgermeisterei fordert die Bewohner durch Maueranschläge auf, ihre Häuser vom 15. bis zum 18. d. Mts. zu schmücken, da der Besuch Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin erwartet wird. Der Tag des Besuches ist bisher noch nicht bestimmt. ,
Depeschen bei Bure«u .Herold".
Berlin, 13. October. Der Ingenieur Pfeiffer, welcher bekanntlich am 21. v. M. in der Kölner Spionage- Affaire verhaftet wurde, wird, wie verlautet, in kürzester Frist von dem Moabiter Untersuchungsgefängniß nach Leipzig zur Untersuchungshaft überführt werden.
Berlin, 13. October. Der russische Minister des Auswärtigen, Fürst Lobanow, ist gestern Abend 6 Uhr hier eingetroffen und von den Mitgliedern der russischen Botschaft am Bahnhofe empfangen worden.
Bromberg, 13. October. In dem preußischen Grenzorte Pol an o wo haben dem „Browberger Tageblatt" zufolge drei russische Grenzsoldaten einen Raubmord verübt. Eine Gastwiuhtn und deren Dienstmädchen wurden erschossen, die Tochter der er Heren lebensgefährlich verwundet.
Triest, 13. October. Die Polizei verhaftete den gefährlichen, aus Italien entflohenen Anarchisten Josef Giorgt.
Konstantiuspel, 13. October. Die Wache vor dem kaiserlichen Palais ist neuerdings wieder durch eine EScadron Dragoner und eine Batterie Artillerie verstärkt worden. Die in der Moschee deS Sultans Mohamed des Eroberers aufgefundenen Flugschriften lauten: „Unsere Vorfahren haben das osmanische Reich gegründet und daS große Reich vergrößert. Die heutige Regierung ist im Begriff, daS Reich in den Abgrund zu stürzen, was nicht geduldet werden darf."
H. Straßburg i. E., 14. October. Der Kaiser erließ auS Hubertusstock folgendes Telegramm an den Statthalter von Elsaß ° Lothringen: „Ich erfahre soeben aus den Zeitungen die Kunde von dem abscheulichen Morde des Fabrikherrn Schwartz auS Mülhausen. Ich bitte daher Euer Durchlaucht, in meinem und der Kaiserin Namen unser innigstes Beileid der unglücklichen Wittwe auszudrücken. Wieder ein Opfer mehr der von den Socialisten angefachten RevolutionS-Bewegung. Wenn unser Volk sich doch ermannte!
Wilhelm."
Gieße», ben 14. Octobcr lt&5
Empfang. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen am 12. October u. A.: Den Domänenpächter Brennemann von Ober Erlenbach, den Professor Dr. Behaghel, Rector der LandeSuniverfität Gießen, den Geheimen Kirchenrath Professor D. Kdftlin von Gießen, den Oberftlieutenant Cullmann, Commandeur des Gendarmerie- DistrictS Oberheflen.
♦♦ Kirchliche Dieustuachrichte«. Ernannt wurden: Pfarr« vicar Heußel zu Sickenhofen zum Pfarrverwalter daselbst- Pfarrvicar Stotz zu Langftadt zum Pfarroicar für Büttel« vorn - Pfarramlscandidat Werner zu Rimhorn zum Verwalter der zweiten Pfarrstelle zu Nieder Modau (Ernsthofen), mit Wirkung vom 1. November l. I. an.
Allr Annoncen-Bureaux bei In- und Auslände» nehme» Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
•* Aus dem Bundesamt für das Heimathweseu. Der Ortsarmenverband Gießen klagte gegen den OrtSarmenver- band Weilburg auf Erstattung von 3 Mark, welche der Kläger zur Beschaffung von Schuhwerk für den Arbeiter Hohlfeld verausgabt hatte. Er begründete diesen Anspruch damit, daß H. bereits zuvor in Weilburg neue Schube dringend nothwendig gehabt, solche auch erbeten habe. Sie seien ihm aber nicht gegeben worden, sondern starr dessen habe er Reisegeld zur Weiterreise nach Wetzlar erhalten. ES liege sonach Abschiebung vor. Der Beklagte bestritt dies. Schuhe seien dem H. nicht gegeben worden, weil er sich da- malS noch im Besitze brauchbaren Schuhwerks befunden habe. Daß ihm Reisegeld gegeben worden sei, liege daran, daß er fußkrank gewesen sei und daher nicht habe wandern können. Der Bezirksausschuß zu Wiesbaden erkannte auf Klageabweisung, weil Abschiebung nicht erwiesen sei. Zur Begründung seiner Berufung führte der Kläger aus, daß er bie Klage auf Veranlassung deS Landarmenverbandes angestellt habe, um dem Unfug zu steuern, daß gewohnheitsmäßig von allen Seiten Landstreicher mit abgerissenem Schuhwerk nach Gießen abgeschoben würden, um sich dasselbe dort erneuern zu lassen. Abschiebung liege unzweifelhaft vor, da der Br- klagte zugegeben habe, daß er dem fußkranken H. Reisegeld gegeben habe, anstatt ihn heilen zu lassen. Das Bundesamt für das Heimathwesen erkannte jedoch am 12. October er. auf Bestätigung der Vorentscheidung auS folgenden Gründen: Daß H. schon in Weilburg neue Schuhe nothwendig bedurft habe, sei nicht erwiesen. (H. selbst ist nicht aufzufindeu gewesen und der betreffende Magistratsbeamte wußte fich der Sache nicht mehr zu entsinnen.) Ob im Uebrigen Abschiebung vorliege, sei unerheblich, da Curkosten vom Kläger ja nicht aufgewendet worden feien.
♦♦ Technische Hochschule Darmstadt. Die Festlichkeiten anläßlich der Einweihung der neuen Gebäude der Technischen Hochschule am Montag, 28. October, sind wie folgt festgesetzt: lO1^ Uhr Vormittags Festzug der Studierenden vom alten Gebäude nach den neuen Gebäuden. 12 Uhr Festact in der Aula des neuen Hauptgebäudes, nachher Rund- gang. 4 Uhr Festessen im großen Saale der „Vereinigten Gesellschaft" (Preis des trockenen Couverts 5 Mk.), 81/) Uhr (präcis) Festcommers der Studierenden im „Orpheum".
♦♦ Alle schlecht schreibenden Damen und Herren, deren Handschrist oft rätselhaften Inschriften starke Concurrenz macht, wollen wir auf den in den nächsten Tagen beginnenden Cuisus deS Calligrapheu Herrn O. Gottlieb aufmerksam machen, welcher jedem seiner Methode sich Anvertrauenden in fünf Lectionen eine schöne und gefällige Schrift beibrtngr. Wie zahlreiche Zeugnisse beweisen, ist die Lehrweise deS Herrn Gottlieb eine solche, wonach ein jeder eine schöne, deutliche und leserliche Handschrift fich aneignen muß. Wir empfehlen allen jungen Leuten, an den Unterrichtsstunden theilzunehmen, sie werden den größten Nutzen davon haben, und bitten, Meldungen bis zum 19. d. M. bet der Expedition dss. Bl. zu machen.
•• Patent Anmeldungen. Heizkörper mit Luftleitschau- feln (Zusatz zum Patente 83,291): Hugo Buderus, Hirzenhain, 4. 2. 95. Anzün^Vorrichtung für Gasöfen u. dgl.: Derselbe 13 6. 95.
»♦ Gebrauchs»!' r Eintragungen. Antriebsvorrichtung für Fahrräder bette* er Radzahl, bei welcher Kurbelscheiben mit dem eigentlichen Triebrad durch Stangen verbunden sind und diese durch excentrisch gelagerte Tritthebel bethätigt werden: M. Levi, Homberg a. d. Ohm, 26. 6. 95. Tragbarer SicherheitScontact für Kassenschränke u. dergl. mit verstellbarem, auf contsche Contactfedern wirkendem Pendel: F. Baumann, Gießen, 17. 8. 95.
Das Sauerkraut wird theuer! Diese Mittheilnng werden zweifellos alle Hausfrauen mit Bedauern entgegen- nehmen. In einer in Neuß abgehaltenen Versammlung von Sauerkraut Fabrikanten deS Ober- und Niederrheins, die sehr zahlreich besucht war, wurde festgestellt, daß die Ernte- aussichten von Gemüsen, speziell des Weißkohls, nicht nur in den Rheinlanden, sondern in ganz Deutschland und auch in Holland sehr schlecht seien, daß in manchen Districten sogar eine völlige Mißernte zu verzeichnen wäre. Die Aussichten seien derart, daß kaum die Hälfte deS Ertrages früherer Jahre zu erwarten sei, in Folge dessen habe der Weißkohl heute schon den dreifachen Preis wie vor drei Wochen er» reicht. Die Versammlung beschloß daher einstimmig, die Sauerkrautpreise erheblich zu erhöhen.
Daubriuge», 13. October. Bei der am 5. d. Mts. stattgefundenen Gemeinderathswahl wurden unsere drei bewährten seitherigen Gemeinderathömitglieder: Cigarren- fabrtkant Wilh. Schäferl., Landwirth Karl Hämmerle,


