Ausgabe 
15.8.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. ISO

Der

Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener Aamittenötälter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Zweites Blatt. Donnerstag dm !K. August 1898

Wefiener Anzeiger

Keneral'-Mnzeiger.

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chralisöeikage: Gießener Aamilienölätter

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

All: Annoncen«Bureaux deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Theil.

Gießen, 12. August 1895.

Betr.: Herbstübungen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Nach einer Mittheiluog der Großh. Intendantur der 25. Division war der zur öffentlichen Vergebung der Stellung von Fuhrwerken zur Fortschaffung der Verpflegungs' und BiwakSbedürfniffe während der diesjährigen Herbstübungen der Großh. (25.) Division stattgehabte Termin ohne Erfolg geblieben.

Wir müssen Ihnen deshalb empfehlen, allen Seitens der Truppen an Sie herantretenden Forderungen auf Stellung von Fuhrwerken zur Anfuhr von Fourage rc. sofort statt- zugeben.

I. V.: Dr. Melior.

Gießen, den 13. August 1895.

Betr.: Die Einziehung der Beiträge für die JnvaliditätS- und Altersversicherung.

DaS Großherzogliche Kreisamt Sieben

au die mit Erhebung der Beiträge betrauten

Stellen der Landgemeinden des Kreises.

Wir sind veranlaßt, unfl darüber zu vergewissern, ob nicht bet der einen oder anderen Stelle noch Rückstände auS vorderen Jahren vorhanden find. Den etwa Säumigen geben wir daher unter Bezugnahme auf das Amtsblatt des Vor­standes der Versicherungsanstalt Nr. 7 sub III und Nr. 17 aub II hiermit auf, die Beitreibung der rückständigen Poften alsbald zu bewirken und sehen bis Ende September l. I. den Berichten sammtlicher Stellen darüber entgegen, ob alle Rückstände erledigt sind.

Die Großh. Bürgermeister wollen den mit Besorgung rubr. Geschäfte betrauten Gemeinderechnern dieses Blatt zur Einsichtnahme mittheilen und sich letztere bescheinigen laffen.

I. V.: Dr. Melior.

totale* und provinzielles#

-r. Londorf, 12. August. Einem hiesigen Kleinbauer verendeten am Samstag kaum eine Viertelstunde nach dem Füttern zwei werthvolle Schweine. Man ver- muthet Vergiftung.

n, Altenstadt, 12. August. Als letztes Haus an der Straße nach Lindheim steht unsere neue Molkerei, die im Rohbau schon soweit vollendet ist, daß die Mauerung der Lager für die Maschinen begonnen werden konnte. Der stattliche Neubau sticht mit seinen Rundfenstern aufs vortheil- Hafteste ab von den nach ländlicher Bauart in einfacher, schmuckloser Weise errichteten übrigen Häusern. Es wird emsig an der Vollendung gearbeitet, und hofft man, den Betrieb noch vor Ablauf des jetzigen Quartals eröffnen zu können. Ganz in der Nähe der Molkerei, auf einer kleinen Anhöhe nach Rodenbach hin, liegt ein Theil unserer weithin bekannten Obstanlagen. Die meisten Aepfelbäume hängen zum Brechen voll, auch solche mit Sorten, die selten ge- rathen. Wir gehen einer sehr guten Aepfelernte entgegen. Bon sachkundiger Seite wird der Ertrag in unserer Ge­markung aus weit über 3000 Malter geschätzt. Da die Aepfel nicht überall gerathen, so werden sie für den kommenden Herbst ein gesuchter Artikel sein. Das geht auch schon daraus hervor, daß schon mehrmals Händler und Aepfelwein- producenten hier waren, welche, allerdings bis jetzt noch immer vergeblich, Kausabschlüffe für Herbstlteferung machen wollten. Sie boten bis za 10 Mark das Malter wie sie der Baum liefert. Dieser Preis wurde auch gestern vorläufig von der Obstverwerihungs-Genossenschaft Wetterau" zur Auszahlung an die liefernden Genoffen festgesetzt. In dem uns be­nachbarten Rodenbach, daS sich ebenfalls durch seine Obst­baumzucht einen Namen erworben hat, hängen die Aepfel­bäume nicht so voll, wie bei uns, auch die Kirschen, welche dort viel angebaut sind, lieferten blos einen Zweidrittel-Ertrag. Da aber die Preise hohe waren der Gentner wurde im Durchschnitt für 10 Mark verkauft gingen immerhin wett über 7000 Mark in der sehr kleinen Gemeinde ein. Man sieht aus Vorstehendem, die Obstbaumzucht ist lehr lohnend. Allerdings muß man bet der Auswahl des Bodens, der Lage und der Sorten sorgfältig zu Werk gehen und die Pflege der Bäume schon in der Jugend nur einer sachkundigen Hand anoertrauen.

^Freiensteinau, 13. August. Au die Stelle des hier kürzlich verstorbenen practtschen Arztes Dr. Heinrich Lehr ist Herr Dr. Schäffer aus Gießen getreten. Derselbe hat seinen Vorgänger schon während deffen Krankheit im verfloffenen Winter längere Zett vertreten und sich als Arzt während dieser Zeit gut eingeführt.

§ Crainfeld, 13. August. Die Arbeiten an der hiesigen Wasserleitung sind in letzter Zeit sehr vorgeschritten, so daß schon einige Haus-Anschlüsse vorgenommen werden konnten. Die Arbeiten werden noch vor Eintritt des Winters fertig werden. Damit ist hoffentlich jeder Waffercalamität, wie wir solche in den Sommern 1892 und 1893 und im Winter 1893/94 erlebt,^vorgebeugt.

§ Au8 dem Kirchspiel Crainfeld, 13. August. Wie ver­lautet, will sich der practische Arzt Dr. Bruchhäuser, z. Z. in Nierstein, demnächst in einem der Orte Bermuthshain, Grebenhain oder Cratnseld ntederlassen.

§ Herchenhaiu, 11. August. Heute Nachmittag feierte in unserer schön geschmückten Kirche der Gustav-Adolf- Verein (Zweig-Verein im Decanat Schotten) sein Jahresfest. Der Besuch des Festes war ein sehr großer, nicht allein auS hiesigem Kirchspiel, sondern auch aus den umliegenden Kirch­spielen Crainfeld, Burkhards, Gedern usw. Herr Pfarrer Keller von hier eröffnete den Gottesdienst und hielt auch dann den liturgischen Gottesdienst ab. Nach dem predigte Herr Pfarrer Ort von Herbstein auf Grund Matthäi 14, 1416 über die gute und wichtige Sache des Gustav-Adolf- Vereins. In Verhinderung deS Präsidenten sprach dann Herr Pfarrer Muhl aus Bobenhausen II über die Aufgabe deS Gustav-Adolf-Vereins und erstattete dann den Rechen­schaftsbericht der beiden letzten Jahre. Die Fest-Collecte ergab die Summe von 33 Mark. Die geplante Nachfeier im Freien auf der Herchenhainer Höhe mußte wegen der etwas ungünstigen Witterung und der sehr vorgerückten Zeit aus­fallen.

; Harbach, 12. August. Bet der heute dahier statt­gehabten GemeinderathSersatzwahl machten von 87 Stimmberechtigten nur 20 von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Wiedergewählt wurde Herr Johannes Schmitt III. mit 20 Stimmen, neugewählt die Herren Heinrich Schmitt III. mit 17 und Georg Münch IV. mit 16 Stimmen.

Homberg a. O., 11. August. In unserm Städtchen, das nur 1400 Einwohner zählt, zogen im Jahre 1870 35 Mann ins Feld, wovon 6 auf dem Felde der Ehre blieben gewiß viel für eine so kleine Gemeinde. Bis jetzt sind noch 13 Veteranen am Leben, welche sich theilweise in guter, theil- wetse in weniger guter Gesundheit befinden- auch sind einige von hier verzogen. Daß unsere Gemeinde stets viel Soldaten stellt, beweist, daß heute etwa 37 Mann von hier im activen Dienste stehen. D. T. A.

Vermischtes.

* Besonderer Beachtung möchten wir die folgende Mit- theilung derVolksrundschau" empfehlen:Einen ener­gischen Act der Selbsthilfe gegen Schwindel-Concurrenz hat der Gewerbeschutzverein von Cottbus unternommen, indem er an den Ecken der Straßen Schilder folgenden Inhaltes anbrtngen ließ:Trauet nicht falschen Schildern und Preisen im Schaufenster. Landleute, Frauen, Arbeiterinnen! Vor­sicht ! Traget Euer schwer verdientes Geld nicht in Schwindel- Geschäfte, -Ausverkäufe, -Concursmaffen-Ausverkäufe, -Ab- zahlungS - Bazare. Kauft nicht Ramsch und Schundwaare! Kauft nur bei anständigen Geschäftsleuten und Handwerkern für gutes Geld gute Maare. Gute Maare hält bester und länger!" Um Denjenigen, welche wirkliche Ausverkäufe ver­anstalten, die nicht auf Täuschung deS Publikums und bloßen Kundenfang hinauslaufen, Gelegenheit zu geben, die Wahr- heit ihrer Angaben der Oeffentlichkeit gegenüber zu beweisen, ist der Verein erbötig, Schilder mit obiger Aufschrift zum AuSlegen in den Schaufenstern abzugeben. Das Schild bietet gleichzeitig ein gutes Anziehungsmittel für Kauflustige! Der Verein bittet daher Jeden, der von dieser Vergünstigung Gebrauch machen kann, sich in seiner Geschäftsstelle persönlich oder schriftlich zu melden unter Bribringung von Beweisen, welche geprüft werden. Nach dieser Prüfung wird der Verein öffentlich bekannt geben, welche Geschäftsinhaber oder Handwerker einen wirklichen Ausverkauf veranstalten, aller­dings ohne Zuführung neuer Waare (sonst nehme ja ein Ausverkauf nie ein Ende). Wer kann, melde sich. Händler, welche schon einen oder mehrere Ausverkäufe dem Publikum vorgespiegelt haben, brauchen sich nicht erst zu melden, der Verein würde ihnen nicht glauben, noch Vertrauen schenken."

* Achtet auf die Butter! Ein Schweizer Arzt, Dr. R o t h, hat Butter-Untersuchungen angeftellt, die ein vielfach inter-

essirendeS Resultat zu Tage gefördert haben. In zwei von zwanzig Butterproben fanden sich virulente Tuberkelbacillen. Gestützt auf diese Befunde ist nun zu verlangen, daß der Butter als Trägerin des Tuberkelgiftes mehr Aufmerksamkeit geschenkt werde, als es bisher geschehen ist. Um die Mög­lichkeit der Uebertragung von Tuberkelkeimen durch die Butter herabzumtndern, käme einmal die Beschaffung einer sicher nicht inficirten Milch in Betracht, und zum andern die Frage, ob man nicht Butter auS einer inficirten Milch Her­stellen könne, die nicht mehr infectiöS wirkt. Eine dahin sührende Methode wäre die, den Rahm mehrmals aufzu­kochen, um dadurch die Tuberkelbacillen abzutödten, oder vor der Abrahmung die Gefammtmilch durch Erhitzen zu stertlisiren. Dieses letztere Verfahren wird von einigen Genostenschafts- Molkereien in Deutschland bereits befolgt. Die von den Genossenschaftsmitgliedern angefahrene Milch wird hier zwei Mal auf 70 Grad Celsius erhitzt und dann erst durch die Centrifuge abgerahmt. Die abgerahmte Milch, welche die Bauern dann wieder mit nach Haufe bekommen, ist hierdurch auch sterilisirt worden, und dadurch hat sich die Möglichkeit, daß im Stalle durch Verfütterung der Magermilch Fütte- rungStuberculose entstehe, vermindert. Daß nun alle Butter­producenten dieses Verfahren sich aneignen, kann das con- sumirende Publikum zum eigenen Schutze dadurch erreichen, daß es ausdrücklich Butter aus ftertlifirtem Rahm verlangt.

Technische Fortschritte.

Dachbedeckungen aus «emeiitguk» Die Absicht, gute haltbare und wohlfeile Dachbedeckungen zu besitzen, hat in neuester Zett dazu geführt, den Cementguß für solche Zwecke heranzuztehen und es entstanden verschiedene Arten von Dachsteinen, die in ihrer Zusammensetzung eine gut auSsehende dichte Dachfläche erzeugen. Sie besitzen zumeist plattenartige quadratische Gestalt und haben an ihren Rändern Falze, die den Schluß beim Eindecken hervorbringen, andere Cementdachsteine ähneln den sogen, französischen Falzziegeln, die aus Thon gebrannt werden und in letzter Zeit vielfach verwendet wurden. Zu dieser Art gehören auch die von der Firma A. Wohl­farth in Leipzig-Reudnitz angefertigten Dachsteine aus Cementguß, die nicht allein ein gutes Aussehen besitzen und eine gleichmäßige Dachfläche ergeben, sondern auch sehr dicht schließen und keinen Mörteloerfirtch als Dichtungsmittel bedürfen. Ihre Oberfläche ist mit Längsrtllen versehen, außerdem haben sie eine schwarze, rothe oder graue Färbung, wodurch es möglich ist, die Dächer mit ge­schmackvoller Musterung auszustatten. Nach den bisherigen Er­fahrungen sind solche Cementgußdachsteine vollständig wetterfest und deshalb mögen sie der Beobachtung aller Bautechniker und Haus­besitzer empfohlen werden.

Die rationelle Bezeichnung von «Lfte«, Stand- gefä-en rc. DieDrog.-Ztg." empfiehlt folgendes Verfahren, das ein gutes und dauerhaftes Anbringen lacktrter Papierschilder er­möglicht. Die mittels Signir-Apparat bedruckten Papierschilder werden mit einer Lösung von Gummi arabicum (1:2) oder gutem Stärkekleister auf die Gefäße ausgeklebt und mit einem Tuche glatt- gestrichen, damit alle etwa entstandenen Luftbläschen entfernt werden; man streicht daher auch stets von der Mitte auS und achtet darauf, daß der Rand des Schildes fest anklebt. Zum völligen Austrocknen werden die Gegenstände etwa 8 Tage an einem warmen Orte bei Seite gestellt. Die Schilder werden dann mittels eines feinen, breiten Pinsels wiederholt mit einer Lösung von Gummi arabicum (1 : 5) bestrichen, nur hat man bei dem ersten Anstrich daraus zu achten, daß er rasch und dünn ausgeführt wird, ein Abweichen des Schildes ist alsdann nicht zu befürchten. Sobald die Gummischicht genügend stark ist, was man sehr leicht erkennt (dreimal wird meistens genügen), bestreicht man die Schilder zwei- bis dreimal mit folgendem Lack: Mastix 4 Theile, Sandorac 2 Theile, Kampfer 1 Theil, absoluter Alkohol 8 Theile und Terpentinöl 4 Tberle. Einen anderen sehr guten Lack soll man erhalten durch Auflösen von 10 Theilen weißem Schellack in 25 Theilen absolutem Alkohol und Zusatz von 1 Theil Copaioabalsam. Die Gummilösung wie der Lack sind stets etwas über daS Schild htnauszustrAchen, damit der Papierrand ebenfalls gut durchtränkt wird. Ein Zuviel ist nach dem Trocknen leicht mit einem scharfen Messer zu beseitigen. Es mögen zum Lackiren von Papierschildern vielleicht einfachere Vor­schriften bestehen, wem aber daran gelegen ist, dauerhafte Schilder zu besitzen, mag sich die kleine Mühe, wie vorstehend angegeben, nicht verdrießen lassen. Das Gummiren des Schildes nach dem Aufkleben Hal den Zweck, das Eindringen des Lackes in das Papier und damit das Flecktgwerden zu verhindern. ES kann dazu auch ein mehrmaliger Anstrich mit Collodium empfohlen werden.

Reinigen von Pinsel«. Zu Oelfarbenanstrich dienende Pinsel können mittelst Terpentinöl oder auch mittelst einer Auflösung von Schmierseife leicht gereinigt werden, so lange die zwischen den Haaren sitzende Farbe noch frisch ist, nicht jedoch, wenn sie nach längerer Unterbrechung deS Gebrauchs deS Pinsels bereits erhärteten. In diesem Falle würde durch Anwendung von Natronlauge wohl ein Wtederauflösm des verharzten Oeles zu bewerkstelligen sein, jedoch würde das Material des Pinsels durch die Lauge gleichzeitig zu sehr angegriffen werden. Ein Mittel, um hartgewordene Oel- färbe zu erweichen, ist Sodalösung. Eine solche empfiehlt Dircctor Spenrath in derBad. Gewerbe-Zeitung" auch zur Reinigung hart­gewordener Pinsel, da die Soda den Haaren in keiner Weise schadet. Der Genannte bringt eine frische einprocentige Auflösung in An­wendung, die Pinsel werden in dieselbe eingesteckt und unter gelegen lichem Durchkneten solange darin gelassen, bis vollständiges Auf­weichen stattgefunden hat; allerdings beansprucht die Procedur einen Zeitraum von mehreren Wochen.