Ausgabe 
15.3.1895 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

1S95

Freitag den 15. März

Vierteljähriger

K-L

Zlints- und 2lnze»^eblatt für den Krck Gieren

Alle Anlloncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm«

chratisbeikage: chießener Kamitienbkätler

Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtliche»» Theil

LN

§ 5

Neuheiten

EilMklW fmb

2O»2

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für de« folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr.

hie

810

imlung

n »Hessischen Hof.'

korstandSwabl, [2176

CocaUs unO

K. Liudhei«, 12. März. Die Ueberführung der Leiche des hier verstorbenen Schriftstellers Herrn Dr. Leopold von Sacher-Maso ch von hier nach Heidelberg fand heute Mittag um 1 Uhr statt. Eine zahlreiche Trauerversammlung, unter welcher die Gesangvereine von Eichen und Ensheim und die beiden Musikvereine von Lindheim und Echzell waren, gaben demselben das Geleite bis vor das Dorf. Am Trauer­

hause sangen die beiden Gesangvereine Choräle und Herr I Ziegler von Eichen hielt eine Ansprache, in welcher derselbe die Verdienste und den großen Fleiß des Verstorbenen hervor­hob. Unter Trauergeläute und Trauermärschen, welche die beiden Musikvereine abwechselnd spielten, ging der Trauerzug durch das Dorf. Beim Abschiede vor dem Dorfe sprach Herr Nürnberger Ranstadt dem Verstorbenen Scheideworte nach.

vringerloha.

Dn»ch die Post brzog« i Mark 50 PL,.

Redaktion, Expedition und Druckerei: ZLulftraße Ar.1. Fernsprecher 51.

Und der Klang aus milden Lüften

Deutsche» Reich.

Darmstadt, 13. März. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen gestern Nachmittag 12V, Uhr das Bureau der Landesiynode, bestehend aus den Herren: Kirchenrath D. Walther, erster Präsident, Decan Römheld und Director Brand, Schriftführern, welche die Ehre hatten, die anläßlich der Geburt der Prinzessin von der Landes­synode beschloffene Glückwunsch-Adresie zu überreichen, welche rote folgt lautet:

Allerdurchlauchtigster Großherzog!

Allergnädigster Großherzog und Herr!

Mit Preis und Dank gegen Gott hat die gegenwärtig zu einer Tagung versammelte Landessynode die frohe Kunde von der Geburt einer Prinzessin vernommen und erlaubt sich ihre aufrichtigsten Glückwünsche Eurer Königlichen Hoheit und durchlauchtigsten Gemahlin ehrfurchtsvollst darzubringen.

In Freud' und Leid treu zu ihrem Fürsten stehend, ersteht die Landessynode für die Neugeborene und das durch­lauchtigste Elternpaar Gottes reichsten Segen; möge die Gnade de« Allmächtigen über dem jüngsten Glied unseres Regenten- hauseS walten jetzt und immerdar!

In tiefster Ehrfurcht

Eurer Königlichen Hoheit allerunterthanigste evangelische LandeSsynode. Darmstadt, 12. März 1895.

Der Großherzog empfingen die Abordnung aufs huld­vollste und beauftragte dieselbe, der LandeSsynode Seinen herzlichsten Dank für die in der Adresse ausgesprochenen guten Wünsche zu übermitteln.

Seine Königliche Hoheit der Groß Herzog haben aus Beranlasiung der am 11. d. Mts. erfolgten glücklichen Geburt einer Großherzoglichen Prinzessin den Betrag von 1000 Mark zum Besten der hiesigen Armen zu spenden geruht.

Nr 63 Zweites Blatt

Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Wettsaasen nnd Nieder Ohmen.

Zu Wettsaasen und Nieder-Ohmen, im Kreise Alsfeld, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Gießen, den 13. März 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen, gez.: v. Gagern.

irr

DamenconfectionIleiderstossen «.Beide

Durch außerordentlich gängige Einkäufe stnd wir in der Lage, ganz Kervorragendes zu 6id<n- Aug, Montanus Nacht, Inh.: R. & M. Imheuser, Giessen, Markt IO.

Bekanntmachung,

betreffend Schafräude zu Treisbach im Kreise Marburg.

Die zu Treisbach, im Kreise Marburg, ausgebrochen gewesene Schafräude ist erloschen.

Gießen, am 13. März 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

gez.: v. Gagern.

Der ebener Adriger erscheint täglich, »u Ausnahme deS MvntagS.

Die Gießener Mamttie«drLtter »erden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt.

Unser Garten im Marx

In das weit geöffnete Fenster lacht golden die späte Märzsonne herein. Aus dem Gesimse steht ein weißblühendes Alpenveilchen und steht aus seinem Tops hinab in den hauten Gatten, defs-n frisch gegrabene Beete in der Sonne dämpfen. Die Dunste steigen un­aufhörlich in zarten Schleiern hinauf in die sonnige Luft, wie Dankesopfer der Creatur nach den endlich abgewendeten Nöthen und Schrecken des so langen eisigen Regiments des Winters. Ihr Schweben und Wiegen in der Loft gleicht nicht den luftigen, leicht­fertigen Frühlingstänzen der Mücken- und steig.n sie hinan, und es ist, wie wenn aus Gebüsch unb Hecke da und dort, leise Seufzer sich zu ihnen gesellten, mit ihnen himmelwärts JU ^Auch"'den Blüthenschwestern des Alpenveilchens entging das nickt sie richteten ihre mit den scharf zuruckgeschlagenen Kronen- blätte'rn schon wißbegierig aussehenden Blü'hengesich^en einander nahe und sahen sich fragend an. Aber keines wußte Bescheid. Sie konnten nur Vermuthungen austauschen.

Einige plumpe stahlblaue Fliegen summten am sonnigen Fenster ab und zu. Sie setzten sich auf das warme Brett, ließen sich die Sonne auf ihren schillernden Panzer scheinen, putzten sich Ruffel und Beine, dann haschten sie wieder täppisch nacheinander Die zu be­fragen, nahm sich das Blumenstöckchen ein Herz. Aber die wußten nun gar (volksthümlichc Bezeichnung für Cyklamen)",

sagte sogar -ine der Befragten rum Enttetzen der zarten Alpenveilchen, laß doch das pimpelige Gefrage! Was geht das uns an? Wir stiegen erst heute früh aus unserer Wintertonne unten hi^ ersten Spalierlatte: ein warmer Buckel, das ist letzt unser Platftr alles andere ist unS Wurscht!"

O liebe Kinder", neigte sich jetzt eine schwanke Rebranke des HauSspaliers hinter der Fuge des Fensterladens hervor:o liebe Kinder, danket Golt, daß ihr davon nichts wißt. Diese ernsten Dunstopfer, diese Seufzer? Wie hat Thier und Pflanze in den langen furchtbaren Ettztagen deS Januar und Februar gerungen! Wie muthig und wie mit treuem Gottvertrauen kämpften wir Ge­prüften um unser schwaches Leben! Denkt euch, die armen Vögel, die Thiere des Walb-s, wie doch so wenige konnten ja der Mild- thätigkeit der Menschen fortgesetzt theilhaftig werden. Der bitterste Hunger, die alles erstarrende Kälte. Mit welchen Gefühlen sahen so viele allabendlich die Sonne im köstlichsten Abendgold untergehen; bluttgroth nach den entsetzlichen Nächten über den SiS- und Schnee­feldern wieder auftauchen. Wie viele Herzen der Treuesten der Treuen bewegten in allem Elend noch hoffnungsfreudig ihr letztes warmes Blut: der rothauflodernde Tag, die allgütige Sonne, konnten sie nicht endlich ihrem Jammer ein Ende machen, Hilfe bringen H Und wie viele schlugen langsam, still verzweifelnd aus. Ade, ihr erhofften Blüthentage den letzten Sonnenstrahl im Auge, der keine Hilfe brachte, sanken die verhungerten erstarrten Körper in die sich erbarmende tiefe Schneedecke, von Myriaden glitzender Sternchen mitleidig umfangen! Und was litten wir arme an den Ort gebannten zarteren Pflanzen ? 25 Jahre stehe ich an meiner geliebten Haus­mauer. Kein Winter hat es noch über mich vermocht: in diesem entsetzlichen Etsregiment find alle meine Arme, die nicht die etwas schützende Nähe der Holzverschalung der Fenster genossen, bis aufs Mark erfroren gesprengt ihre Rinde, Hol,; gesprengt ihr Frühlingshoffen. Man wird mich fürsorglich zurückschneiden, ich werde doppelt meine Schuldigkeit zu tbun suchen, aber auch doppelt in diesem heißersehnten Frühling weinen!"

Tiefer neigten sich die Blüthengeficktchen in innigem Mitgefühl, jetzt kannten sie der ersten Dankesopfer Bedeutung! Träumend sahen sie in das geheimnißvolle Weben.

Jetzt erhoben sie sich plötzlich, süß durchfchauert: in metallisch teinen seelenvollen Tönen schwang sich das erste Lied der Schwarz- droffel aus der blühenden Kornelkirsche über leise grünendes Busch­werk durch den Garten:

Hehre Morgenglockentöne HimmelSgrüße schwingen Sanft ins Thal, das blumenschöne. Die gar lieblich klingen

iitherlehrer »iM1®1,

Iw»*1*

n: A-rfl -°" [eeib).

Utlf« M

HM

iorn ahmender auf Wei-

-Ml uhne. w*lt, ahnh«Mbc 51. , Io), -ktttz.W i 9 Uhr pr. : nsaiWlmtz. |: Ziehe hirc«>ar. 'M,mm

Der Lorstand1

ftntn unter Ä *

---- Äcnpfieg^

Weckt, mit leisem Wehen, Hoch auf Bergen, tief in Grüften, Frohes Auferstehen l" t

Jubelnd hallte das Echo des nahen ParkwSIdchens dasFrohe« Auferstehen" zurück : Hunderte von lieblichen Stimmen wurden da wach, dem Anstoß, den die treue Gartenamsel gegeben, zu antworten. Munter ertönt der Schlag des zurückgrkehtten Roibrehlchens, der Melodienschatz der Sing, Roth- und Wachholderdrosseln, der Ruf der Bergfinken und der fein klirrende Sang des BerghLnflingS der mit seinem Dioditt - beit btblbet usw., nach Norden weiterziehend, den ^^"^^es^gewaltig in den Garten. Noch ist der Boden feucht, meist noch kalt, ja in vielen Lagen venath noch der Schn« des zähen Winters Nachtrab. Auf den weichen Wegen enkt sich de« Gartenfreundes Schritt nach dem bekannten trauten Plätzchen die Schneeglöckchen blühen dort; blühten, herzlich begrüßt, still dort schon in seiner Kindheit Tage und werden da blühen, wenn wir AUe nicht mehr find. Was sich um den BegriffSchneeglöckchen Alle« schlingt und webt hier zergliedern zu wollen, wäre vermessenes^ Be­mühen. Das muß im leise knospenden deutschen still für sich gesunden und empfunden werden; wer das nicht rann, dem nützen auch die Glockenspiele tönender Worte nichts.

Wer beugt sich da nicht nieder, das leise Läuten der ersten Frühlingskinder zu belauschen, zu vernehmen! Weniger, ber,Wind ist's, der das Glockenspiel bewegt, sondern kleine fleißige Glöcknerinnen, die nach der langen Noth in noch schwerfälligem Fttlg, mit stille« Glück die erste Honigspende ein Heims en die Bienchen.

Jetzt zieht mit munterm Flügelschlag der erst- ^"ronensalter vorüber; er hat anderSwo Arbeit. Aber sieh h^. -in poesievoll b^ flügeltes Geschöpfchen als Glöcknerin des Lenzes SoUte.das wirklich eineFliege" sein! Aus hoher Lust hat es sich hernieder gelaffen auf einem Blüthenglöckchen zu ruhen; wie freundlich grüßend es mich anblickt! Du kommst von fernher, ich seh DirS an. Hat auch Dich die mächtige Kaiserglocke des hohen FrühlingSdomS geweckt, bet weiche Norbwest Dich ben brausenben Rhemstrom beraufgetragen zu uns, wo er nochjung unb unerfahren?" Du "El in meinem Gärtchen; labe Dich an feinen Blüthen nach all bem Winterharm. Doch höre, wenn Du wieberkehrst, verhülle Dem schönes Auge nicht mit finnigem Blüthenstaub. Frei muß eS sich zeigen, um Art unb Namen zu erkennen: nur ssolchen FrühlingSgästm ist ber köstlichste Honig in !unserem Blumengarten gewährt. Jetzt ist's im Schwarm der fleißigen Bienen verschwunden. Kehrt et roUber®egen Monatsende wird es Zett, im Garten die Arbeiten, sofern der Boden abgetrocknet, aufzunehmen. Kein Ueberstürzen, aber auch kein Zögern bei günstiger Zeit!

Salat-, Gewürz- und Supp-nkräuter, Carotten, Rotherüben, Schwarzwurzeln, Zwiebeln, Mangold, Erbsen, Blumenkohl, Kohlrabi, Wirsing, Weiß- unb Rothkohl, auch Puffbohnen, eröffnen mit der Saat in den sorgfältig vorbereiteten Beeten ben Tanz. Um stets grüne Erbsen zu haben, wiederholt sich die Saat von 14 zu 14 Tagen. Gevflanzt werden Schnittlauch, Estragon, Lawendel, Pfefferminze, Thymian usw.; aus alten Stöcken laffen sich durch Thetlung mehrere neue gewinnen. Die grotesk hervorbrechenden Rbabarberlriebe werden angehäufelt. Wer ein halbwarmes Frühbeet besitzt, vertraue ihm die Samen von Radieschen, Frührettigen, Lauch, Salat, Zwiebeln, Sellerie, Gurken, sogar Melonen an.

Die diesmal schwer geprüften Weinstöcke und seinen Coniferen sind vom Winterschutz zu befreien, nachzusehen; erstere wenn noch nicht geschehen, zu beschneiden. Bis herunter erfrorene Eonfferm was sich erst später zeigt sind nicht mehr zu retten. Pstrstch- unb Aprikosenspaliere, Überhaupt alle Obst Formbäume und lungere Hochstämme können beschnitten, junge Obftbäume, Beeren- und Zier­sträucher gepflanzt werden. Die Rosen bleiben am besten noch ver­wahrt; dagegen kann die liebenswürdige Gärtnerin nach ihrem Samen- kästchen greifen unb in die freunblich bereiteten weichen Beete unb Rabatten Rittersporn, Liebeshainblumen, Kornblumen, Mohn, Reseden, Löwenmäulchen, Schönauge, Schleifenblume, Chineser- und Busch- nelfen, auch Malven säen; letztere beide blühen erst im nächsten Jahr. Sommerflor kann auch in Kistchen unb Topfen am Fenster deS warmen Zimmers aus Saat herangezogen werden; die Pflänzchen müffen aber bald gelichtet, versetzt, häufig der Lust «uSgeietzt unb spater, wenn erstarkt, in das freie Reich Florens des Gartens ver- pflanz^wer en^thig (ft jn biefem J,hre dem grausam gelichteten Völkchen ber hochnützlichen Meisen schützend Nistkästchen in den Kronen dec Bäume ber Hausgärten barjubieten unb diese Hutten Uilien Sommerglücks vor Katzentücken zu bewahren.

Heinrich Frhr. Schilling von Canstatt, Friedrichshafen am Bodensee.

Gießener Anzeig erÄ

Kenerat-Wnzeiger.

mz.

^ntfe AbendunterhaltMß d findet nunmehr m n Festsaale des Cafö 2186

^er Vorstaud.

ere'm.