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1893
M. 163 Drittes Blatt. Sonntag den 14. Juli
Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme bc5 Montags.
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Gießener Anzeiger
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Deutsches Reich.
Berlin, 12. Juli. Dem Vernehmen nach ist der Entwur der Bestimmungen über die am 1. December d. I. abzu haltende Volkszählung nach den Vorschlägen der Vertreter der Landesstatistik aufgestellt. Ec soll sich in sachlicher Beziehung von den bisher bet Volkszählungen geltenden Bestimmungen nicht unterscheiden, dagegen sollen in formeller Hinsicht Vereinfachungen vorgesehen sein, welche das ganze Zäh geschäft erleichtern und trotzdem die Richtigkeit desselben besser als bisher sicherstellen.
— Die Action Deutschlands in Marokko, an dessen Küste drei deutsche Kriegsschiffe angekommen sind, um für die Ermordung deS Kaufmannes Rockst roh Genugtuung zu fordern, wird von den Franzosen mit gespanntester Aufmerksamkeit verfolgt. Die ersten Pariser Blätter enthalten sich vorläufig noch deS Urtheils, dagegen beginnen aber die Hetzblätter bereits Lärm zu schlagen und mit Angriffen auf Deutschland vorzugehen. Der „Jntransigeant" wirft frech Deutschland vor, den Conflict mit Marokko vom Zaune gebrochen zu haben, um in Marokko Fuß fassen zu können.
Vermischte».
* Schmalkalden, 11. Juli. Das „Schmalkald. Tgbl." schreibt: Schon wieder haben wir von einer Feuersbrunst zu berichten. Diesmal handelt es sich nicht um einen Brand, den die Tüchtigkeit unserer wohlgeschulten Feuerwehren zu bewältigen vermochte, ein ganzer Ort, so zu sagen, ist dem vernichtenden Element zum Opfer gefallen: Brotterode ist heute nur noch ein rauchender Trümmerhaufen. Noch in unserer gestrigen Blattausgabe konnten wir kurz mittheilen, daß in Brotterode Grotzfeuer ausgebrochen war- die ersten Nachrichten kamen hier gegen 2 Uhr an, eS fehlte aber an bestimmten Nachrichten, da in kurzer Zeit das Feuer das Postamt und die Telegraphenleitung im Ort verheert hatte uni) damit jeden Verkehr abschnitr. Gegen 3 Uhr langte über Kleinschmalkalden die Botschaft an, daß Brotterode in Flammen stehe und Hülfe nothwendig sei. Sofort begaben wir uns dorthin, aber wir sahen nur ein Rauch- und Flammenmeer und einige abseits gelegene Häuser, wie der Schützenhof, die Höh', die Trift, sonst war von dem großen Ott, der im Ganzen 842 Gebäude hat, nichts mehr übrig geblieben. Die von uns eingezogenen Erkundigungen ergaben, daß das Feuer bet scharfem Winde in dem Anwesen des im Unterdorf wohnenden Schneiders Gustav Peter ausgekommen ist. Mit welcher Geschwindigkeit das Feuer sich verbreitete, geht aus der Thatsache hervor, daß binnen Vr bis 8/< Stunden der ganze Ort vom Feuer ergriffen war, das raffelnd und praffelnd in die Häuser fuhr und durch die von Heu vollgepfropften Hausböden und vollen Scheunen immer wieder reichliche Nahrung fand. Bis hinauf zur Kirche raste das Feuer und äscherte dieselbe
ebenfalls ein. Außerdem sind das Amtsgericht, die Pfarrei, die Post, das Bürgermeisteramt, die Apotheke, der Gasthof „Zum Jnselsberg", „Zum Thüringer Hof", „Krone", „SchmeltngS Wirthschaft", „Deutscher Kaiser", „Restaurant Langlotz" u. s. w., die sämmtlichen, thcils recht stattlichen Häuser der Brotteroder Kaufmannschaft und Fabrikanten vom Erdboden verschwunden. Man kann sich gar keine Vorstellung machen von dem großen Unglück, welches so rasch über Brotterode gekommen und keine Feder ist im Stande, zu schildern, welche Noth und welches Elend über die Betroffenen hereingebrochen. Die Industrie des Ortes ist vernichtet, sämmtliche Waarenvorräthe der exportirenden Kaufleute, jeder Ambos, jeder Hammer, kurz jegliches Werkzeug, womit die armen Bewohner in fleißiger Hände Thälig- keit ihr Brod verdienten, ist verbrannt, nichts, gar nichts mehr können sie ihr eigen nennen, nur was sie mit einem Griff nach dem Wichtigsten mitschleppen konnten auf der Flucht vor dem rasenden Feuer ist ihnen geblieben und das liegt nun auf freiem Felde. Neben den wenigen Habseligkeiten hocken jammernde Männer und Frauen, schreiende Kindchen. Das Vieh läuft frei umher und die Männer sind auf der Suche nach ihrer Kuh, den Schweinen oder der Ziege. Viel Vieh wird vermißt, es ist wahrscheinlich verbrannt. Zwei Frauen sind in den Flammen umgekommen. Mehrere Erwachsene und Kinder fehlen. — Wie fest steht, ist das Feuer zwischen 12 und 1 Uhr Mittags ausgebrochen, heftiger Südwind trieb das Flugfeuer im ganzen Ort umher, und bald hier bald dort standen Häuser in Flammen, binnen kurzer Zeit in sich zusammenstürzend. Die Feuerwehren, welche aus allen umliegenden Orten herbeigeeilt, waren vollständig machtlos, sie mußten vor der Gluth und dem Qualm zurückweichen; mehrere Spritzen, man sagt 5, find mit verbrannt. Gegen 1/2 6 Uhr Abends traf ein Zug der freiwilligen Feuerwehr von Schmalkalden ein, der zunächst sich mit dem Ablöschen der Trümmer um die neue Schule, welche wunderbarer Weise erhalten geblieben ist, zu beschäftigen hatte. Später mußte die Mannschaft nach dem unteren Theile des Ortes — nach Herges zu — eilen, da hier die noch übrig gebliebenen Häuser von Neuem zu brennen begannen. Die Arbeit dauerte die ganze Nacht hindurch. Selbstverständlich ist die Brandstätte noch nicht abgelöscht, tagelang werden die Flammen noch emporlodern, da es z. Z. auch an Wasser fehlt. Leider besteht hierdurch auch die Gefahr, daß den Geschäftsleuten die Geschäftsbücher, welche sie in die Kellerräume brachten, um sie vor den Flammen zu schützen, noch vernichtet werden. Hülfe thut dringend Noth l
Ma. Frankenberg, 12. Juli. Das bet dem Förster, V. in Schreufa dienende Mädchen hat ihr kleines Kind mit Hülfe einer zweiten Person um gebracht, und die Leiche im Walde verscharrt. Nach Eintreffen des Staatsanwalts aus Marburg legte die Rabenmutter ein Geständniß ab, worauf es gelang, die Leiche aufzufinden und auszugraben.
* Berlin, 10. Juli. Der „Vorwärts" meldet, der Verfertiger der Höllenmaschine zu dem Attentate auf den Berliner Polizeiobersten Krause sei ein früherer Oberfeuerwerker und späterer Polizetbeamter, der zuletzt in der Sophten- straße wohnte. Seine Tochter sei in Männerkletdern nach Fürstenwalde gefahren und habe das Packet zur Post gegeben. Die Tochter wurde bereits am vorigen Donnerstag verhaftet, leugnet jedoch, mit der That in Verbindung zu stehen. Von dem Vater fehlt jede Spur. — Eine Anzahl durchgegangener Cavalleriepferde richtete auf der Berlin'PotSdam-Magdeburger Eisenbahn allerlei Verwirrung an. Die Pferde (von der 2. EScadron des 1. Garde-Ulanen- Regiments) stürmten in rasendem Galopp von Baumgarten- brück dem Bahnkörper der Eisenbahn zu. Unmittelbar bei Bahnhof Charlottenhof war die Holzschranke geschlossen, weil ein von Magdeburg kommender Güterzug gerade Einfahrt in den Bahnhof hatte. Die wilden Pferde zerbrachen nun die eine Sette der Schranke und rannten auf den Bahndamm und direct nach dem Perron von Station Charlottenhof. In diesem Augenblick fuhr der Güterzug ein und die in einem wirren Kräule zusammengedrängten Pferde geriethen zum Theil in den Zug. Ein Pferd kam zwischen zwei Güterwagen und wurde von dem Zuge eine Strecke weit mit- geschleift und schrecklich verstümmelt. Es wurde später, nachdem der Güterzug angehalten hatte, tobt hervorgezogen. Ein weiteres Pferd bekam von dem Zug einen solchen Stoß, daß es zur Seite fiel und nach etwa einer halben Stunde verendete. Ein drittes Pserd wurde von dem Güterzug gegen einen Lattenzaun geschleudert, der dadurch ganz schief gedrückt wurde, während das Pferd durch die spitzen Latten starke Verletzungen am Leibe erhielt. Trotzdem das Blut in Strömen aus seinem Körper floß, galoppirte das Thier mit den noch übrigen acht Pferden auf dem Bahnkörper weiter nach Potsdam zu. In der-Nähe der Nuffebrücke bei der Wannseebahn konnten die Thiere aufgehalten werden.
* Original - Mittheiluugen über Marineweseu. Nachdem im vorigen Jahre und auch im Anfang dieses Jahres Handel und Schifffahrt von Deutschland nach Nord- und S ü d - Amerika eine nicht unbedeutende Beeinträchtigung gegen früher gezeigt hatten, ist im Laufe dieses Jahres eine erhebliche Besserung eingetreten. Einen erfreulichen Beweis für die Belebung des überseeischen Verkehrs bietet die neueste Segelliste des Norddeutschen Lloyd in Bremen. Der Norddeutsche Lloyd wird im Monat August nicht weniger als 21 transatlantische Dampfer von der Weser abfertigen und zwar 9 Schnelldampfer und 2 Dampfer der Roland-Linie nach Newyork, 4 Dampfer nach Baltimore, 2 Dampfer nach Brasilien, 2 Dampfer nach dem La Plata und je einen nach Ostasien und Australien. Auch für die nächste Monate find die Aussichten für Handel und Verkehr erheblich günstiger als im Vorjahre.
tfcuilkten.
Wochkndricsc an» der Residenz.
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadt, 11. Juli.
Lommervergnüguugell. — Rennen des hesfischen Reitervereins.
Heiß ist's hier! Und die Hitze, glaube ich, verführt die Menschen zur Unsoliditöt, denn wenn man eben allabendlich •bie sonst so stillen Straßen unserer Residenz durchwandert, Iberen unheimliche Ruhe früher höchstens einmal durch ein ausgelassenes Studentenfüchslein, das sich über irgend einen ivohlvollführten „Ulk" etwas geräuschvoll freute, gestört wurde, glaubt man kaum mehr in dem einst so aristokratisch ruhigen Darmstadt zu sein. Musik erschallt von allen Enden und Ecken und, was das Wunderbarste ist, die Concert-Gärten, in denen die Capellen spielen, sind stets überfüllt von Menschen.
So sollen beispielsweise zu dem in vergangener Woche stattgehabten, von der Direction des Sommertheaters int Verein mit der Capelle des 1. Infanterie- (Leib-Garde-) Regiments veranstalteten Sommerfeste im Städtischen Saal bau an 2000 Eintrittskarten verkauft worden sein. Indessen das könnte man schon begreifen, wenn so etwas einmal vorkäme, aber, wie schon gesagt, Veranstaltungen unserer hiesigen vier Militärcapellen erfreuen sich alle des regsten Besuches, ja sie genügen den vergnügungssüchtigen Refidenzlern nicht einmal, es werden noch auswärtige Capellen zugezogen, damit ihr Durst nach Amüsement nur gestillt wird. Vergnügungssüchtig sind sie, ja das ist wahr, und am meisten merkt das die Direction des Sommertheaters, denn werden Operetten gegeben, da ist das Haus voll, mit den modernen
Dramen, die in dankenSwerther Weise ins Repertoire ausgenommen wurden, hat die Leitung des Instituts nun einmal kein Glück. Auch die zweimalige Aufführung von Sudermanns „Schmetterlingsschlacht" zog ebenso wie die vorhergehenden Darbietungen dieser Gattung, recht schlecht. Allerdings wird ja wohl auch der größte Theil der Menschheit in der „Schmetterlingsschlacht" eben wenig finden, worüber er sich freut — ich sage nicht, sich amüsilt, denn das ist nicht immer nöthig — aber interessant war es doch, ein Stück, von dem alle Welt spricht und über das soviel geschrieben wurde, auch einmal zu sehen. Und die Aufführung des Werkes war gut, man konnte sie sehen. „Nu denn nicht", sagt die Direction des Sommertheaters mit einem preußischen Staaismanne, und führt eben schlauer Weise mehr Operetten auf. Indessen Gerhart Hauptmanns „Die Weber" soll, wie man hört, noch herauskommen. Hoffen wir da auf besseren Besuch!
Im Vereinsleben der Sradt geht es trotz der drückenden Hitze auch recht geräuschvoll her. Gerade in letzter Woche haben wieder mehrere der größten hiesigen musikalischen Korporationen umfangreiche Festivitäten abgehalten, so der Mozart-, der Instrumental- und der Cäcilien-Vecein rc. — Sommerfeste natürlich, — indessen getanzt wird dabei, allS lebte man im dicksten Winter.
Eine ebenfalls von einem nach mehreren Tausenden zählenden Publikum besuchte Veranstaltung waren die großen Sommer-Rennen des hessischen R eiter Vereins , die am vergangenen Sonntag auf der Rennbahn am Jagdschloß Kranichstein zum AuStrag kamen. Neben dem gewohnten Publikum, das diese hipptschen Kämpfe stets zu besuchen Pflegt, den Angehörigen der ersten militärischen und civilen Kreise der Stadt, hatten sich besonders zahlreiche Landwirthe aus der Umgegend eingefunden, besonders aus
den Pferde züchtenden Orten des RiedeS und man muß zugestehen, daß wenn auch ihre „Gefährte" manchmal einen etwas komischen Eindruck neben den prachtvollen StaatS- carossen der Darmstädter, Frankfurter und Bockenheimer Fuhrwerksbesitzer machten, doch das Pferdematertal, das sie ihr eigen nannten, jeden Vergleich wohl aushalten konnte. Der Magnet, der besonders die Landwirthe zum grünen Rasen am Kranichfteiner Schloß gezogen haben mag, ist offenbar das „Bauernrennen" gewesen, das die Direction des Rennvereines diesmal feit einer langen Reihe von Jahren wieder in ihr Programm aufgenommen hatte. Es fand ein „Trab"- und ein „Galopprennen" für Landwirthe statt, zu ersterem stellten sich 15, zum zweiten 12 Pferde dem Starter zur Verfügung. Dabei war Bedingung, daß die gemeldeten Pferde im landwirthschaftlichen Betrieb verwendet werden und die Reiter derselben Mitglieder des Hessischen Pferdezuchtvereins sind. Außer diesen beiden enthielt das Programm noch fünf Rennen, für die gleichfalls wie für die genannten namhafte Geld« oder werthvolle Ehrenpreise zur Verfügung standen. Leider sollten die Veranstaltungen nicht ohne Unfälle verlaufen. Vier Reiter stürzten und nahmen Schaden, indessen dürften drei davon heute wieder hergestellt sein, während einer, Lieutenant Freiherr Schenk zu Schweinsberg, von den 24er Dragonern, ein beliebter Herrenreiter, der beim Passtren der Kastanienallee vom Pferde gegen einen Baumstamm geworfen wurde und einen mehrfachen Schädelbruch erlitt, sodaß das Bewußtsein bis heute noch nicht zurückgekehrt und leider nur wenig Hoffnung auf Wiederherstellung vorhanden ist.


