Triest. 12. Mai. Unter der hiesigen Bevölkerung herrscht große Noruhe und Aufregung, weil seit gestern wiederholt leichte Erderschütterungen wahrgenommen wurden.
PnriH, 12. Mai. Unter den hiesigen socialiftischen Gruppen sind ernste Meinungsverschiedenheitejustzu Tage getreten, weil über eine Kundgebung am Jahrestage der sogenannten Blutegelwoche eine Einigung nicht erzielt wurde.
Paris. 12. Mai. Die collectivistischen Dissidenten haben darauf verzichtet, während den Festlichkeiten in Kiel anläßlich der Eröffnung des Norb-Oftsee-Canal» durch Bebel und Liebknecht Dorträge abhalten zu laffen.
CocoUs nnO protiiMjkllef,
Meßet», den 13. Mai 1895.
** Empfang. Seine König!.Hoheit der Großherzog empfingen am 11. Mai u. A. den Hofrath Walb, den Amts« richtet Eckstein von Nidda, den Professor Dr. Braun von Gießen.
•* Kleinbahn Gießen—Bieberthal. Das von der Eisenbahn- Bou-Gesellschast Hager & Laußberg in Köln ausgestellte Project einer Kleinbahn von hier durch daS Bieberthal und zu den dort belegenen reichen Manganeisenstein-Gruben und Kalksteinbrüchen scheint seiner baldigen Verwirklichung entgegen zu gehen. Nachdem bereits im Vorjahre die DermessungS« arbeiten für diese Linie begonnen und die Verhandlungen mit len Behörden und Interessenten eingeleitet wurden, hat sich nunmehr, wie wir bereits berichteten, die Stadt Gießen in ter Stabtverorbneteu-Sitzung vom 25. April d.I. bereit erklärt, daS zum Bahnbau erforderliche Gelände zur Verfügung zu stellen. — Wir wollen hoffen, daß nun auch die Gemeinden Heuchelheim und Rodheim, welchen durch die Bahn eine birecte Verbindung mit der Stadt Gießen und den Hauptbahnen gegeben wird, diesem Beispiele folgen werden und daß sie, indem sie der Baugesellschaft ebenfalls bezüglich der Geländestellung entgegenkommen, ihr Interesse an dem Unternehmen bekunden.
* • Beginn des Schulunterrichts. Von ärztlicher Sette wird uns geschrieben: Seit heute beginnt der Unterricht in der höheren Töchterschule früh 7 Uhr, statt, wie bisher, um 8 Uhr. Nach früherer Zeitrechnung würde das heißen, der Unterricht beginnt bereits gegen 6% Uhr. Die Kinder müssen demnach, zumal wenn sie entfernter von der Schule wohnen, spätestens um 6 Uhr aufstehen. Es ist gewiß nicht zu bezweifeln, daß die Behörden, die diesen früheren Beginn angeordnet haben, dafür gewichtige Gründe haben. Anderseits kann aber auch nicht in Abrede gestellt werden, daß recht gewichtige Gründe gegen diese Einrichtung bestehen. Diese Gründe sind sanitärer Natur. Den sanitären Interessen der Kinder entspricht eß nicht, wenn dieselben bereits früh um 6 Uhr aus dem Schlaf? geweckt werden. Man frage doch einmal die Mütter oder sehe sich selbst einmal d>e Kleinen an, wenn sie, noch schlaftrunken, au» dem Bette gejagt werden. Ein kindlicher Organismus bedarf viel Schlaf, viel mehr als der des Erwachsenen. Das Schlafbedürfniß ist in der Kindheit am größten, im Greisenalter am geringsten. Am Schlafe sollte in den Jahren des WachSthumö am allerwenigsten gespart w-rden. Man kann dem erwidern, man solle die Kinder dem entsprechend früher zu Bett schicken. Das ist leicht gesagt. Jeder Erwachsene weiß von sich selbst, daß man schlecht einschläft, wenn noch Tageshelle besteht. Wer aber ermüdet ist, schläft in den Tag hinein trotz TageShelle, bis er genügend erfrischt ist. Man kann darum bie Rinber nicht schon um 7 ober 8 Uhr, zur Zeit, wo im Sommer erst bie erfrischenbe Kühle beginnt, inS Bett schicken, schon deßwegen nicht, weil sie nicht einschlafen. Will man durchaus erreichen, daß bie Schule im Sommer früher geschlossen wirb, bann kürze man die Pausen zwischen b;n einzelnen Stunden ab; aber man kürze doch nicht an dem dem kindlichen Organismus Nöthigsten, dem Schlafe.
* * Pr. Neue« Theater. Heber bie gestrige Wteberholung des „VogelhänblerS" sei heute nur in aller Kürze gesagt, baß sie eine ausgezeichnete war. Eine eingehende Besprechung ber Vorstellung behalten wir unS für morgen vor.
• * Neues Theater. Am Dienstag Abenb kommt „Der Freischütz", Oper von C. M. v. Weber, als BolkSvorstellung zu gewöhnlichen Preisen, am Mittwoch Abenb „Martha", Oper von Flotow, als letzte Vorstellung zur Aufführung. Durch bie Bemühungen des Herrn (5 ballier ist eS Herrn Director Pollak gelungen, Herrn Buff-Gießen zu einem nochmaligen Gastspiel für Mittwoch Abend zu gewinnen. Herr Buff- Gießen wirb in „Martha" bie Rolle beS Lyonei übernehmen.
•• 22. MittelrheinischeS KreiStunnest in Gießen vom 6. bis 10. Juli. Die Arbeiten nehmen einen erfreulichen Fortgang. Die EinzelauSfchüffe wetteifern mit dem GesammtauSfchuß förmlich in ihrer Thätigkett, um Alles, waS sich jetzt schon erledigen läßt, zu gutem Ende zu führen. Dem Turn» aus schuß ist eS gelungen, durch Verträge mit leistungsfähigen Lieferanten bie besten Geräthe für das Turnen zu erhalten- ber turnerische Theil beS Festes kann sich vollstänbig programmmäßig entfalten, denn er bleibt unbeeinflußt von der Witterung, weil vier ben Festplatz sozusagen umgebenbe grobe Turnhallen zur Verfügung stehen, falls ungünstiges Wetter daß Turnen im Freien unmöglich machen sollte. Die Anmeldelisten sinb an die einzelnen Vereine versandt und steht ein zahlreicher Besuch von Turnern auS allen Gauen des Kreises, denen sich hoffentlich recht viele sonstige Gäste anschließen werden, zu erwarten. Turnerisch wird besonders noch interessiren ein Damenturnen, ein Schülerwett- tarnen, sowie verschiedene Turnspiele. WaS bie Übrigen Ausschüsse betrifft, so sei zunächst mitgetheilt, baß ber WohnungSauSschuß bereit» über eine stattliche, täglich sich mehrenbe Anzahl guter Bürgerquartiere verfügt. Der W i r t h s ch a s t S a u S s ch u ß hat mit ben in Betracht kommenben Getränkelieferanten günstige Verträge abgeschlossen, so bah vor Allem ben Gästen ein guter Truuk Wein ober Bier zu mäßigem Preise gebeten wirb. Die Namen ber Festwirthe
bürgen dafür, daß auch in Spenen nur Vorzügliche» und PreiSwürdigeS verabfolgt wirb. Der Finanzau»ichuß steht bereits jetzt vor ber erfreulichen Thatsache, daß allein von den Mitgltedem der beiden hiesigen Turnvereine 48 000 Mark GarantiefondS gezeichnet wurden, und ist so gut wie sicher, daß die Einwohnerfchaft'GießenS hohe Beträge garantin. Die Unterhandlungen, die ber Bergnügung»au»schuß bereits mit den hiesigen Vereinen führte, lassen auf Be- theiliguug sämmtlicher geselligen, Gesang-, Sport:c. Vereine schließen, so baß bie festlichen Veranstaltungen, so besonberS der Festzug unb bie auf dem Festplatz ftattfinbenben Gesangs- Borträge u. s. w. vielversprechenb werben. — Der vorläufig noch im Geheimen wirkende Wetterausschuß sorgt hoffentlich bafür, daß ein heiterer Himmel herabschaut auf daS 22. Mittelrheinifche KreiSturnfest in Gießen. Gut Heil!
♦♦ Vienenjüchtenerein. Die gestern bet Herrn Philipp Bauer in ber Bahnhofstraße ftattgehabte Versammlung ber Bienenzüchter au» Gießen unb Umgegenb war gut besucht. Aber letber mußte man mit bem Dichter au»rufen: „Man gebuchte ber Tobten, ber Tobten." Denn bie Unbilben be» WinterS unb späten Frühjahr» haben fast allen Imkern so manchen Liebling beß Bienenstanbe» geraubt. Manche schon in ber Bienenzucht ergraute und recht erfahrene Züchter haben ihre sämmtlichen Völker verloren. Wenn auch jetzt für bie noch lebenden Völker bei dem Blüthenretchthum unb ber warmen Temperatur Grunb zur Hoffnung auf bessere Au»- fichten vorhanben ist, so ist boch ber Besuch von Bienenzüchterversammlungen nach ben letztjährigen Erfahrungen umsomehr geboten; benn guter Rath kommt nie zu spat.
*♦ Rabfahrsporl. Bc, dem gestern in Herborn statt- gesunbenen Früh jahr»-Bezirksfest de» NorbbezirkS be» GaueS I des beutschen RabfahrbunbeS errang ber Gießener Rabfahr Verein ben zweiten Preis im Corsofahren, ein prachtvoll gearbeitete» Album. Der erste Preis wurde ihm nur durch die überlegene Anzahl der Fahrer von dem Nachbarvereine Dillenburg mit 4/io Punkten streitig gemacht. Der Preis ist in dem Laden des Herrn Uhrmachers Otto, Bahnhofstroße, ausgestellt.
Befitzwechsel. Das Seuling sche HauS Nord- anlage 29 ist an den Installateur und Fahrradhändler Conrad Hamel, am Asterweg wohnhaft, für den Preis von 39,000 Mk. verkauft Morden.
**W. Verhaftung wegen Meineid unb Verleitung zu diesem Verbrechen. Am DienStag voriger Woche verhandelte bie Strafkammer in zweiter Instanz gegen Wittwe Stauf von Grünberg. Dieselbe sollte die jungen Gänschen einer Nachbarin gerupft haben und war vom Schöffengericht dieser- halb wegen Sachbeschädigung zu drei Tagen Gefängniß ver- urtheilt. Vor der Strafkammer erzielte die die Berufung verfolgende Angeklagte ein fretsprechendeß Unheil. Am Freitag nun sind die Dienstmagd Menz unb bie Wittwe Stauf, erstere wegen des bringenden Verdachts eines geleisteten Meineids, die letztere wegen Verleitung zu diesem Verbrechen in Haft genommen, nachdem durch Staatsanwalt Zimmermann an Ort und Stelle Erhebungen stattgefunden haben.
** Ausgewanderte Militärpflichtige. Die Großh. Staats- anwaltfchaft zu Gießen fordert 61 Militärpflichtige der Provinz Oberheffen auf, die als Wehrpflichtige ohne Er- laubniß das Bundesgebiet verlassen ober nach erreichtem militärpflichtigen Alter sich außerhalb beß Bundesgebiets aufhalten und sich somit dem Dienst beS stehenden Heeres ober der Flotte zu entziehen suchen, in dem am 17. Mai 1895, Vormittags 8 Uhr, vor der Strafkammer des Großh. Landgerichts der Provinz Oberheffen in Gießen ftattfinbenben Hauptverhandlungstermin zu erscheinen.
** Manöver-Dispositionen. Unser Regiment wird am 20. August per Eisenbahn nach Griesheim befördert, um in ber bortigen Gegenb daS Regiments- unb Brigabe-Exerciren vorzunehmen. Nach 14 Tagen kehrt baß Regiment ebenfalls per Eisenbahn zurück, um bann mit bem 115. Infanterieregiment in ber Gegenb bei Fulba ein sechstägiges Brtgabe- Manöver abzuhalten.
** Zu Massenbesuchen bet reichSläudischeu Schlachtfelder anläßlich ber 25jährigen Gebenkfeier wollen sich die Kriegervereine am 14. August in Frankfurt treffen, mit Sonberzug nach Straßburg fahren, am 15. August Wörth besuchen, am 16. Straßburg, am 17. unb 18. Metz unb die anliegenden Schlachtfelder besichtigen, am 19. da» Niederwald-Denkmal besuchen unb nach Frankfurt zurückreisen.
** Für SangeSbruder. Der GesammtauSschuß beS Deutschen SängerbunbeS wirb sich Ende Mai in Stuttgart versammeln unb vom 31. Mai über Pfingsten bis 3. Juni bort tagen. Gegenstanb ber Derhanblungen sind theilweise, in gemeinschaftlicher Berathung mit dem Stuttgarter Festausschuß, die Feststellungen der Grundzüge für bas 5. Deutsche Bundessängersesi, daS, wie bekannt, 1896 in Stuttgart gefeiert werben soll. Die Zeichnungen für den Garantiefonds für bitte» Fest haben nunmehr bie ansehnliche Höhe von 262 825 Mk. erreicht,- angcmelbet haben sich bis jetzt schon ca. 14000 Sänger. Der Festplatz wirb 880 Ar (Wiener Sänger-Festplatz 520 Ar) umfassen.
** Siderne Zwanzig Pfennig Stucke bett. Die burch bie Blätter gehende, auch von unß einem auswärtigen Blatte entnommene Mittheilung, baß bie kleinen Zwangigpfennigftücke von ben Postkassen eingezogen würben, ist nach un» von Postbeamten geworbener Mittheilung unrichtig.
** Poftpersonolnachrichten. Versetzt sinb: ber Ober- pofibirection»fecret5r Ehler» von Darmstadt nach Essen (Ruhr) behus» Uebernahme einer Postkassirerstelle daselbst, ber Postsecretär Neutze von Erfurt nach Darmstabt behus» Uebernahme einer Büreaubeamtenftelle 1. Klasse bet ber Ober- Postdirection, der Postverwalter Mulch von Neustadt (Odenwald) unter Ernennung zum Ober-Postassistenten nach Friedberg (Hessen), der Telegraphenassistent Bormann von Darmstadt nach Neustadt (Odenwald) behus» Uebernahme der Vorsteherstelle be» Postamt» III baselbst. — Ernannt ist zum Büreauasfifteuten bei der Ober - Postdirection der Poftassistent Baum, ferner find ernannt: zu Ober«
Postassisienten die Posiasfistenteu Andreß in Darmstadt Boxheimer in Friedberg (Hessen), Dochnahl in Darm- nabt, Grenz in Großgerau, Henkel, Heußlein und Jost in Mainz, Kämmerer unb Rornbörf er in Darm» stabt, Kredel in Michelstadt, Krumm in Norm», Rumpf in Alzey, Kunz in Mainz, Möser in Mainz, Gg. Müller in Michelstadt, Nohl in Mainz, G. Schäfer in Ben»helm Schmitt in Offenbach Main), Heinrich Schneider in Darmstadt, Störger in Nidda und Strub in Mainz- zu Ober-TelegraphenaffistentLn die Telegraphenasfisiemen Betzendorfer und Brandan in Mainz, Dietz in Offen dach (Main), Joh. Müller in Bingen (Rhein) und H. Müller in Gießen. — Angestellt sind al» Post» assiftevten: bie Postanwärter Beck in Darmstadt, Hammann in WormS, Spitz fad en in Offenbach (Main) unb Zeh fug in Gießen- al» Telegraphenassistent der Telegraphrn- anwärtcr Görnert in Mainz. — Gestorben ist der Post- fecretär a. D. Baillet in Mainz.
*• Die Postkarte kann in diesen Tagen auf da» fünf» undzwanzigjährige Bestehen in Deutschland zu- rückblicken. Dom damaligen „Oberpostrath" Stephan auf bet Allgemeinen beutschen Postcouserenz in Karlsruhe im Jahre 1865 ohne Erfolg in Vorschlag gebracht, würbe sie 1869 auf Anregung des Professors an der Militär-Akademte zu Wien-Neustadt, Emanuel Herrmann», durch den Generalpostdirector v. Maly in Oesterreich eingeführt, 1870 folgte bie Norddeutsche Postverwaltung. Zunächst konnte sich da» Publikum nicht an bie Form ber offenen Mittheilungen gewöhnen, allein nach und nach breitete sich diese» neue Mittel zur Erleichterung de» brieflichen Verkehr» immer weiter au» unb gewann schon balb wegen ber bebeutenben Vereinfachung und ber Ersparniß an Zeit, Arbeit unb Gelb einen gewaltigen Umfang, ber sich naturgemäß von Jahr zu Jahr steigert. 1892 betrug z. B. bie Zahl bet bei deutschen Reichspoften aufgegebenen Postkarten ungefähr 343 Millionen. Kleine Veränderungen in der Herstellung der Marten in Bezug aus Größe, Papier, Druck konnten erklärlicherweise nicht außbleiben, unb ein richtiger Marken- unb Postkarrensammler wird eß sich nicht haben entgehen lassen, auch darauf sein Augenmerk zu richten. Dem für derartige Feinheiten nicht geübten Auge fallen fie kaum auf. Wie viele mögen z. B. schon beachtet haben, daß tu den beiden oberen durch Punkte auSgeführteu Linien jetzt ein Punkt gewöhnlich fehlt? Daß baß nicht bloßer Zufall ist, läßt sich bei ber Sorgfalt, mit der bie ReichSbruckerei, welche bie Postkarten herftellt, zu Werke geht, ohne Weiteres annehmen. Unb in ber That, auch biefe „Kleinigkeit" hat ihren Zweck unb kann sogar zur Prüfung ber Aechtheit von Postkarten bienen. Die „D. v.-Z." gibt bafür folgenbe Erklärung: „Um bie Zeit be» Drucke» für bie ReichSbruckerei ersichtlich zu machen, wirb bei den Druckformen in ben beiden erwähnten Linien der 5., 10., 15., 20., 25. unb 30. Punkt von link» ober recht» fort- gelassen ober auS ben Druckformen auSgeftoßen, waS auch bei ben gebogenen Formen ohne befonbere Schwierigkeit ausführbar ist. So fehlt auf ben Karten vom September 1894 ber 15. Punkt von recht», auf denen vom November 1894 der 25. von recht», auf denen vom Januar 1895 der 5. von links u. f. w." Außerdem findet man, wenn man bie Postkarten gegen baS Licht hält, borkt ein Wasserzeichen, ba» au» einem Buchstaben, wozu jetzt bie G, B, C, D, E, L, M, S, W unb Z verwandt werben, und den letzten beiden Ziffern der Jahreszahl besteht, in welchem baS Papier geliefert ist. Die ReichSbruckerei stellt augenblicklich auf den für diese Zwecke dienenden RotatiouSmaschinen täglich 900,000 Stück her, waS ungefähr dem Bedarf der deutschen Postanstalten entspricht. Ein bleibendes Andenken haben sich die „Feldpost- Correspondenzkarten" im deutsch-sranzöfischen Kriege 1870/71 erworben, die den Verkehr zwischen ben im Felde Stehenden unb bereu Angehörigen zu Hause In außerorbentlicher Weife erleichterten unb von ben Kriegern selbst nach den Anstrengungen des Tage» noch gern geschrieben wurden, um ein Lebenszeichen in die Heimath gelangen zu lassen ober von bleiern unb jenem Vorfall in dem buntbewegten Treiben eine» DaterlandSoertheibigers Kunde zu geben. AuS kleinen Anfängen hervorgegangen, hat sich da» unscheinbare Stückchen Papier also zu einer gewissen Machtstellung entwickelt und kann heutzutage „im Zeichen be» Verkehr»" von keine« Eulturvolk mehr entbehrt werben.
§ Ober Ohmen, 10. Mat. Bei ber gestern im hiesigen Bezirk ber Freiherrlich Riebefel scheu Waldungen abgehalteuen Breuuholz-versteigeruug erreichten bie Preise eine in ben letzten Jahren nicht bagewefene Hohe. Während in anderen Jahrgängen da» Brennholz meist, nachdem da» Haupt bedürfniß gedeckt, dem Ende der Versteigerungen zu im Preise zurückging, zeigt sich gegenwärtig gerade bie umgekehrte Erscheinung. Bei ber gestrigen Versteigerung kosteten burchschnittlich 4 Raummeter Buchen-Scheitholz 34—36 Mk., Buchen-Prügelholz 26-28 Mk., Buchenstöcke 22—24 Mk., 6 Raummeter Bucheu-Oberholzreiier 9—10 Mk. Im vorigen Jahre kaufte mau in denselben Waldungen da» Brennholz für die Hälfte de» jetzigen Preise».
△ Mainz, 12. Mai. Die von dem hessischen „Damp f- kessel-Ueberwachuug». Verein" zur Heranbildung eines tüchtigen Heizerstandes gebildete „Heizerschule" hat heute hier mit einer öffentlichen Prüfung ihren zweiten Eursu» geschlossen. An demselben beteiligten sich 46 Heizer, und zwar von jedem Alter. Bei dem von vier Ingenieuren unter Leitung de» Herrn Dberingenieur» Göhring von Offenbach ertheiUeu Unterricht wurde besonder» Rücksicht genommen auf die in der Praxi» be» Heizer» vorkommenden verschiedenen Verrichtungen an dem Dampfkessel, sowie auf die polizeilichen Bestimmungen und Handhabung der vorgefchriebeneu Sicherheit»vorrichtungen und auf ben rationellen unb sparsamen Betrieb beß Kessel». Nach ber stattgehabten Prüfung, an welcher eine Reihe auswärtiger Ingenieure theilnahmen, erfolgte ber Schluß be» Cursu» mit einer Ansprache be» Vorsitzenden be» Kesselüberwachung»-Derein», Eommerztenrattz


