Ausgabe 
11.8.1895 Drittes Blatt
 
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Nr. 187 Drittes Blatt. Sonntag den 11. August

1898

Der Hießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags.

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Gießener Anzeiger

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Amtlicher The»!.

Gießen, 8. August 1895.

Betr.: Die Ausführung des Unfallversicherungs-Gesetzes. LaS Grotzherzogliche Kreisamt Gießen OA die «rotzh. BLrgermeiftereirrr M Kreises.

Da

1. die rechtzeitige Anmeldung von versicherungspflichtigen Betrieben gemäß § 35 ff. des Unfall-Verficherungsgesetzes vom 6. Juli 1884 nicht in jedem Falle rechtzeitig, viel­mehr vielfach erst auf weitere Verfolgung deS GenossenschastS- VorstandeS,

2. die Anmeldung zur Selbstverficherung gemäß § 49 a des Genossenschaft- - Statuts von selbstversicherungspflichtigen Bauhandwerkern nach den bestehenden Bestimmungen ist ausnahmslos jeder allein ohne versicherungspflichtige Personen selbstständig arbeitende Bauhandwerker, ob ständig oder mit größeren oder kleineren Unterbrechungen ist gleichgültig, sowie jeder Bauhandwerker, welcher nicht regelmäßig einen Lohnarbeiter, d. h. an mindestens 250 Tagen im Jahr beschäftigt, der Selbstversicherung und Anmeldepflicht binnen 4» Wochen nach Beginn des Gewerbebetriebes oder nach Aufgabe der regelmäßigen Beschäftigung eines Lohnarbeiters unterworfen eben­falls selten erfolgt und

3. die im Bezirke zur Ausführung gelangenden Regiebau« arbeiten im Sinne des Bauunfallversicherungsgesetzes vom 11. Juli 1887, wie in § 22 a. a. O. vorgeschrteben, nur theilweise vorschriftsmäßig zur Nachweisung kommen, zum Theil erst auf besonderes Verlangen des Vorstandes, zum Theil, wie auf Grund der Erfahrungen angenommen werden darf, aber gar nicht, bezw. erst dann, wenn ein Unfall eingetreten ist,

sind wir veranlaßt, die Beachtung der vorgenannten Vor­schriften Ihrer fortgesetzten Ueberwachung zu empfehlen. Auch wollen Sie darauf bedacht sein, daß die Nachweisungen über die zur Ausführung kommenden Regiebauarbeiten gemäß § 22 a. a. O. regelmäßig vorschriftsmäßig an den Vorstand der Hess. Naffauischen Baugewerks-Berufsgenossenschaft zur Vorlage bezw. Ueberweisung gelangen.

I. V.: vr. Mellor.

CocoUs rrnd provinzielles,

Butzbach. 6. August. Von dem Vorstande der Kölner Schuhmacher-Innung langte dieser Tage ein SchreibenAn die Getreuen von Butzbach" hier an mit der Bitte, sich in Friedrichsruhe doch verwenden zu wollen, daß die in

I^uilleton.

Wochenbriefe ans der Residenz.

(Originalbertcht deSGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 8. August.

Vorkläuge vom Kriegerfest.

Darmstadt steht schon völlig unter dem Zeichen der Kriegerfeste, obwohl jene erst am kommenden Sonntag ihren Anfang nehmen. Wo man hinkommt in der Gesellschaft am Stammtisch, in den Zeitungsredactionen, auf den städtischen und staatlichen Bureaus, überall hört man fast von nichts anderem mehr, ja sogar in den Schulen der Stadt bildet bet Schülern wie Lehrern das bevorstehende Fest in hervorragender Weise Gegenstand der Discussion, denn noch ist nicht bestimmt, in welcher Art jene sich bet den Feierlichkeiten betheiligen, wenigstens soweit Ich von glaubhafter Seite erfahre. Fast alltäglich erscheinen in den hiesigen Tagesblättern größere Artikel, die sich mit einzelnen Theilen des Festprogrammes beschäftigen, fast täglich sind Sitzungen der einzelnen Com­missionen, Ausschüsse 2C., mit einem Worte, die Berathungen und Vorbereitungen halten die ganze Stadt In einer regel­rechten Erregung, einer gewissen fieberhaften Thätigkeit, der man sich selbst kaum ganz entziehen kann. Mittlerweile sind auf dem Festplatze alle möglichen Handwerks- und Gewerbs­leute thätig, um demselben ein würdiges Aussehen zu bereiten. Die große Festhalle ist durch die Dachdecker, Zimmerleute und Schreiner äußerlich wiederum völlig hergestellt, denn Regen, Schnee und Wind hatten an dem gewaltigen Holzbau doch mancherlei Zerstörungen angerichtet, die dem Werke ein gewissermaßen ruinenhaftes Aussehen gaben, und dies wurde noch erhöht dadurch, daß in den großen GlaSfenftern, die

derAusstellung der Ehrengeschenke zum 80. Geburtstage deS Fürsten BiSmarck in Berlin" sich befindlichen BiSmarckS GeburtSragSstiefel doch nach Köln überwiesen würden, für die am 18. August beginnendeFachausstellung der deutschen Schuhmacherei". Die Herren hatten sich bereits an den Fürsten Bismarck mit der Bitte gewandt, ihnen die Geburts tagSstiesel für die Ausstellung gütigst zu überlassen, von dorten war ihnen jedoch die Nachricht zugekommen, daß Se. Durchlaucht gerne gewillt sei, der Bitte nachzukommen, sie möchten sich aber zuvor noch die Einwilligung von Butzbach einholen. In dem Schreiben aus Köln heißt es nun unter Anderem, daß der stolzeste Saal Deutschlands, der große Gürzenich, von der Stadt Köln für die Ausstellung bewilligt sei und man wünschte nun gerne, die betreffenden Geburtstags- sttefel den die Ausstellung besuchenden Fachleuten zu zeigen, um dadurcherstens den Patriotismus zu heben und zweitens die große Fertigkeit des deutschen Schuhmachergewerbes zur Geltung zu bringen." Indem schließlich befürchtet wird, daß die Berliner Ausstellung diesesKleinod" vor Schluß der Ausstellung (Ende August) nicht gerne hergeben wird, so hofft man doch, alle Hindernisse mit Hilfe von Butzbach und Friedrichsruhe hinwegzuräumen, damit diesesherrliche Stück deutscher Schuh­macherei" allen Besuchern gezeigt werden kann, denn diese sinnreiche Gabe wird für alle deutschen Schuh­macher hochinteressant sein und alle deutschen Herzen für das Deutschthum begeistern!" Von den Getreuen sind nun alle Schritte geschehen, daß die Stiefel nach Köln kommen dürften und zwar hat bereits der Director der Berliner Ausstellung sich erboten, die Stiefel persönlich an den neuen Bestimmungsort zu bringen. W. B.

n. Echzell, 9. August. Unser Marktflecken ist durch Er­richtung einer Molkerei um einen schönen Neubau reicher geworden. Diese wurde unmittelbar an der Horloff erbaut, in der Nähe des Platzes, auf dem wahrscheinlich der Bahn­hof errichtet wird. Der stattliche Neubau steht jetzt unter Dach und besteht aus einem LängShaus mit daranstoßendem Seitenbau, in welchem die Maschinen aufgestellt werden. Mit der Aufstellung derselben wird in nächster Zeit begonnen werden und das Unternehmen wahrscheinlich zu Beginn des letzten Jahresquartals dem Betriebe übergeben werden.

n. Von der Nidda, 9. August. Die Aussichten für die Jagd, die man jetzt nach beinahe vollbrachter Getreideernte ziemlich sicher hat, sind nur theilweise günstig. Es wurden sehr viele Rebhühnernester beim Kleemähen zerstört, so daß die Hühnerjagd bei uns wenig ergiebig sein wird. Besser sind die Aussichten für die Hasenjagd. Selbst vom ersten Satze find schon ziemlich starke Junge vorhanden, so daß Freund Lampe auch in solchen Jagdgebieten, die infolge des herannahenden Endes der Pachtzeü voriges Jahr tüchtig

man nach den früheren Festen an Stelle der Transparente eingesetzt hatte, auch fast keine Scheibe mehr unversehrt ge­blieben war, allerdings war daran nicht eben nur Schnee, Sturm und Regen Schuld, sondern es gab noch andere Ele« mente, die es sich zum Vorsatz gemacht zu haben schienen, nachzuhelfen, wo jener Macht zu Ende war. Jetzt hat man die großen Fensteröffnungen ebenso wie die Wände zur An­bringung von auf weißer Leinwand gemalten Bildern benutzt, die der Bedeutung des Festes entsprechende Personen oder Scenen in theilweise wirklich künstlerisch-werthvoller Dar­stellung, beispielsweise die von Hoftheatermaler Schwedler gemalte Ansicht des Niederwald-Denkmals, wiedergeben. Mit ganz besonderer Sorgfalt scheint das Festcomits darüber zu wachen, daß die leiblichen Bedürfnisse der zu erwartenden Gäste befriedigt werden können, denn nicht nur sind, wie Ihnen bereits neulich berichtet, mit den Gastwirthen der Stadt die nöthigen Vereinbarungen getroffen, damit die große Menge der Ankommenden entsprechend veriheilt sei, sondern auch die bei der Festhalle befindliche Küche ist in solcher Weise erweitert und mit Kochherden und gewaltigen Kochkesseln rc. derartig ausgestattet worden, daß sie geradezu riesigen Ansprüchen genügen kann, wenn sie ganz im Betrieb sein wird. Auch für den sich jedenfalls in nicht geringem Grade entwickelnden Durst ist hinlänglich gesorgt. Drei hiesige und zwei aus­wärtige Brauereien haben auf dem Festplatze große Hallen errichtet, in denen ihre Biere zum Ausschank gelangen. Besonders patriotisch lassen sich die Weinwirthe auf ihrer Karte an, Namen, die bis dato kaum in irgend einem Lager gefunden worden sein dürften, existiren auf derselben, neben dem obligatenKrtegerwetn", der ja schließlich Verwandte in demTurnerwein" usw. besitzt, credenzt man die Marken Chambord",Gravelotte",Orleans",Germania" u. a. m.

abgeschossen wurden, eben doch häufig angetroffen wird. Nicht so rasch hat sich der Rehwildftand gebessert. Es gingen im letzten Winter zu viele Altthiere ein und bedürfte er mehr der Schonung, als man ihm gemeinhin bei der geringen Ausdehnung der Jagdgebiete und den vielen Jagdpächtcrn angedeihen läßt.

Literatur nnd Anirsr.

Von Hauptmann TanerasErnste rrnd heitere Er­innerungen eines Ordonnanzoffiziers im Jahre 1870/71* ist im 6. H. Beck'schen Verlag in München zur Jubelfeier der Stege von 1870/71, wie bereits gemeldet, eine illustrirte Prachtausgabe im Erscheinen begriffen. Soeben geht uns Lieferung 2 und 3 wieder mit reichstem und gediegenstem Bilderschmucke versehen, zu. Das Lob, das wir der ersten Lieferung gezollt haben, findet aus diese Lieferungen uneingeschränkte Ausdehnung. Außer zwei großen Doppel- Vollbildern (Die 1. bayer. Jäger bei Beaumont am 30. August" und derAngriff auf den Park von Monvtlliers am 1. September 1870") enthalten dieselben noch eine ganze Reihe prächtiger Vollbilder und eine wahre Fülle von Textillustrationen. Daraus Einzelnes hervorzuheben, würde zu weit führen. Wir können nur neuerlich betonen, daß der Reichthum dieses Bilderschmuckes zu einem erstaunlich billigen Preis (nur 50 Pfg. für eine Lieferung) geboten wird und empfehlen die Subscription aus dieses einzigartige schöne Prachtwerk Allen, die das Andenken an die große Zeit von 1870,71 hochhalten, wiederholt aufs Wärmste. Die Darstellung wird in der dritten Lieferung bis zur Schlacht von Sedan geführt, der auch noch die vierte Lieferung gewidmet sein wird.

Neueste Erfindungen und Erfahrungen* auf den Gebieten der practischen Technik, Electrotechnik, der Gewerbe, In­dustrie, Chemie, der Land- und Hauswirthschaft rc. (A. Hartlebens Verlag in Wien). Pränumerationspreis ganzjährig für 13 Hefte franco 7.50 Mark. Einzelne Hefte für 60 Pfg. in Briefmarken. Diese gewerblich, technische Zeitschrift,welche in ihrem zweiundzwanztgsten Jahrgang erscheint, verfolgt nur rein practische Zwecke. Die Mit­arbeiter sind nur Männer der Praxis, welche am besten die wirklichen Bedürfnisse der Techniker und Industriellen zu ermessen verstehen. Die Zeitschrift, reich an Originalbeiträgen und constructtoen Ab­bildungen, bietet einen vollständigen Ueberblick über alle Fortschritte im gewerblichen Leben. Besonders werthvoll erscheint es, daß in dieser Zeitschrift immer practische Wege zu neuen Erwerbsarten, verbesserte Arbeitseinrichtungen und practische Anleitungen zur Er­höhung der Concurrenzfähigkeit gegeben werden. Dadurch empfiehlt sich dieselbe von selbst für jeden Vorwärtsstrebenden.

A. Gretscher, Giessen Neustadt 55. Giessen empfiehlt Loose aller genehmigten Lotterien. ===== Prompte Zusendung der Gewinnliste. =

SvvTKkMi UM UM U U ocrte. Man schreibe um Muster

MM WF M M unter Angabe oeS Gewünschten.

von Elten & Keussen, Seidenwaaren-Fabrik, CrefOra«

Gut sollen sie alle sein, so versichert w nigstens das Comite, dasnach den sorgfältigsten Proben von sachverständiger Seite" zu diesem Resultate gekommen ist. Wirklich, in solchen Augenblicken könnte man doch Gelüste nach der arbeitsreichen Würde eines Comiremitgliedes haben!

Soweit bis jetzt feststeht, finden zwei große Festmahle statt, das erste am 17. August wird die Mitglieder der Behörden, der Festausschüsse und der bei den Vorbereitungen für die Erinnerungsfeierlichkeiten besonders thätigen Vereine in der Festhalle vereinigen, das zweite am 18. August ist nur für die Feldzugstheilnehmer bestimmt, von denen sich mehrere Tausende hierzu angemeldet haben.

Damit den Besuchern des Festes ein bleibendes Andenken an dasselbe zu erwerben möglich sei, hat eine hiesige Druckerei ein sehr schönes Kriegergedenkblatt angefertigt, das die hessische Division in der Schlacht bei St. Privat, in geschmackvoller, reichverzierter Lichtdruckausführung darstellt. Ebenso wie dies Blatt wurde auch im Auftrage des Aus­schusses eine Festmedaille geprägt, deren Vorderseite das Bildniß des hochseligen Großherzogs Ludwig IV. mit dem Lorbeerkranz ziert, dieselbe trägt die Umschrift:Dem An­denken des ruhmreichen Führers der hessischen Division. Darmstadt, August 1895." Die Kehrseite zeigt das Landes- Kriegerdenkmal, das Eiserne Kreuz und die Umschrift:Zur Erinnerung an die glorreichen KriegSjahre 1870/71." Die Medaille ist in Britanniametall und in Bronce gefertigt und wird sicherlich an den bevorstehenden Festtagen viele Liebhaber finden. Man sieht, das Comite hat gesorgt, daß alle billigen Wünsche der Gäste befriedigt werden können, hoffen wir nun noch aufetwas" trockenes und wärmeres Wetter, damit die viele Mühe nicht nutzlos aufgewandt sei.