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Nr. 265
Der chfeßener Aazeiger erscheint täglich, .mit Ausnahme de» Montag».
Die Gießener
Jlamitten-tLtter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelrgt.
Zweites Blatt. Sonntag den 10. November 189»
Mchener Anzeiger
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♦ Die Schlacht bei Lühe» verkauft. Das Rundgemälde im „SReuen Panorama" am Hauptbahnhof zu Frankfurt a. M., das bekanntlich die Schlacht bet Lützen nach historischen Aufzeichnungen genau wiedergibt, wurde dieser Tage an ein Konsortium nach aufwärts für eine bedeutende Summe verkauft. Das Panorama wird einige Wochen geschlossen - die Wiedereröffnung mit einem neuen Bild soll noch diesen Winter stattfinden. Die Schlacht bei Lützen bleibt nur noch kurze Zett tn Frankfurt a. M. ausgestellt.
• Wal kostet da8 Studium in Berlin? Diese für weite Kreise wichtige Frage hat neulich auf Veranlaffung des italienischen Ministeriums für Ackerbau und Handel die Akademische Revue zu beantworten gehabt. Die Anfrage bezog sich auf das juristische und medtctnische Studium. Nach der von amtlicher Seite ertheilten Auskunft ergibt sich für einen promovirten Dr. juris tn Berlin die Summe von circa 1300 Mk., für ben Dr. med und praktischen Arzt der doppelte Betrag. Im Einzelnen setzen sich die Kosten folgendermaßen zusammen: JmmatciculationSgebühr 18 Mk., Examentaxen für die medtcinische Facultät 242 Mk., PromotionStaxen der juristischen 355 Mk., der medicioischen 440 Mk., Colleg- Honorare für alle zur Ablegung der Staatsprüfung nöthigen Vorlesungen, Curse rc. in der juristischen 400 bis 500 Mk., in der medicintschen 800 bis 1200 Mk. ES kommen hinzu für Drucklegung der Differtation circa 150 Mk., für den Bücherbedarf eines Juristen 300 Mk., für den Medtciner, einschließlich der Instrumente, mindestens 500 Mk. Hierzu kommen natürlich noch die Kosten für Wohnung, Kleidung und Unterhalt. Für einen Juristen, der nicht am Wohnorte seiner Eltern studirt, sind mindestens 5000 Mk. als Ge- samwtkosten anzunehmen, für einen Mediciner bet ^/^ähriger Studienzeit 7600 bis 8000 Mk. Das Studium eines Bau^ Ingenieurs, der nicht bei seinen Eltern wohnt, darf bei vierjähriger Studienzeit auf circa 6000 Mk. berechnet werden.
• Wenn man Schulze beißt. In der B.-Straße in Berlin befindet sich ein Haus, dessen Wirth, ohne die Folgen zu bedenken, noch zweien seiner Miether erlaubt hat, den ungewöhnlichen Namen Schulze, den er selbst trägt, zu führen. Bor einiger Zeit sollte nun des „Wirth- Töchterlein", mit Namen Emma, tn den Stand der heiligen Ehe treten. Wie es bei solchen Gelegenheiten der Fall zn sein pflegt, wurden von den Freunden und Verwandten die HochzeitS- geschenke der angehenden jungen Frau am vorhergehenden Tage tn'S HauS des PapaS geschickt. Am gleichen Tage hatte aber des Flurnachbars Töchterchen, die nicht nur den Vatersnamen Schulze führte, sondern auch — ein Spiel des Zufalls — auf den Rufnamen Emma hörte, ihren Geburtstag. Da nun auch solch ein Tag nicht ohne die üblichen Geschenke vorüber zu gehen pflegt, so gab eS bet den Doppel-SchulzeS den ganzen Vormittag über die heilloseste Verwirrung. Jeden Augenblick ging die Klingel, bald rechts, bald links, und irgend ein Bote kam mit einem Packet „für Fräulein Emma",
bis es endlich gegen Mittag, als bereits mehrere Hochzeitsgeschenke beim GeburtStagSkinde, verschiedene Geburtstags- angebinde beim Hochzeitskinde abgegeben waren, dem Hochzeit»- papa Schulze denn doch zu arg wurde. Eine drastische Maßregel machte der „confusen Beschicht" ein Ende. AIS der nächste Bote kam, um ein Geburtstagsgeschenk zu bringen, wurde er vom Klingeln durch ein an der Sntreethür angebrachtes Plakat abgehalten, worauf tn riesigen Buchstaben geschrieben stand: „Halt! Hier wohnt der HochzeitS- Schulze!" Das Beispiel fand beim Nachbar sofort Nachahmung, denn alsbald prangte vis-i-vis ein ähnliches Plakat, nur mit der Bezeichnung, daß hier der Geburtstags- Schulze wohne. Wie nach Beendigung eines Krieges die Gefangenen, so wurden daraus von beiden Parteien unter großer Heiterkeit die Geschenke ausgetauscht. Das Geburtstagskind möchte aber das nächste Mal am liebsten Hochzet'.s- geschenk- entgegennehmen.
• Laibach, 1. November. In Rudolphswerth und auf der ganzen Unterkrainer Bahn macht das Abenteuer eines Eisenbahnzuges viel von sich reden. ES geschah nämlich, daß der um halb 5 Uhr Morgens von Rudolphswerth nach Hönigstein und Laibach abgehende Zug nicht nach der bezeichneten Richtung, sondern auf der nach Strascha ziehenden Theilstrecke dahinrollte. Erst in Strascha bemerkte man den Jrrthum und nun fuhr der Zug nach Rudolphswerth zurück und daun mit einer Verspätung von 40 Minuten gegen Hönigstein weiter. — Ein solcher „Jrrthum" steht wohl einzig da!
♦ Das Paradies der Weintrinker ist in diesem Jahre jedenfalls Spanien. Nach dem Madrider Blatte „La Correspondencia de ESpana", eines der verbreitetsten Blätter der Halbinsel, ist der Ueberfluß an Wein, der dieses Jahr in manchen Gegenden von Kastilien geerntet wird, so groß, daß es unmöglich ist, den Wein unterzubringen. An einigen Orten theilten die Weinbergbesitzer den Ertrag mit Denen, die die Weinlese besorgen. Manche wiederum ziehen vor, die Trauben einfach hängen zu laffen, da daS Einbringen nicht die Kosten lohnt. Die Cantara ober Arroba Wein, gleich elf unb ein halbes Liter, wirb zu einem Real, zwanzig Pfennig, angeboten.
♦ Die kleinen, elektrisch betriebenen Flügel-Ventilatoren, wie man bteielbcn bet uns jetzt häufig in Restaurants findet, find in Amerika viel mehr in allgemeinem Gebrauch nifb kamen besonders während des letzten heißen Sommers daselbst recht in Aufnahme. DaS Personal eines Comptoirs in einer amerikanischen Stadt, welches jedenfalls viel freie Zeit und keine Beaufsichtigung hatte, wußte nun von einem im Arbeitsraum aufgestellten Ventilator noch einen anderen Gebrauch zu machen, indem die talentvollen Merkursjünger auf jeden Flügel eine Zahl klebten und nun eine regelrechte Roulettbank improvifirten, nämlich auf beliebige Zahlen Wetten und Einsätze machten, hierauf da- Roulett durch momentane Schließung des Stromes in Umdrehung versetzten und den in einer gewissen Stellung oben ober unten schließlich stehen
bleibenden Flügel als Gewinner annaDmen. Die Freude dauerte so lange, bis schließlich der Prinzipal von der Sache erfuhr und den Erfinder des amüsanten Spieles mit Entlassung regalirte. (Mitgetheilt vom Internationalen Patent- bureau Carl Fr. Reich eit, Berlin NW.)
♦ Fälscherkünste. In Frankreich, wo die Fälschung deß Honigs besonders schwunghaft betrieben wird, halsen sich bisher die Käufer gegen unreelle Waare damit, daß sie überhaupt keinen reinen Honig in Gefäßen kaufen, sondern nur die vollen Honigwaben, aber auch das wird nicht mehr lange versangen. Wie nämlich die „Revue scientifique“ mittheilt, hat man dort jetzt ein Verfahren ersonnen, vermittels dessen aus Paraffin mit Zusätzen von Wachs und Zucker die Wackß- zellen des Bienenstockes täuschend rachgemacht werden. In diese künstlich hergestellte Honigwabe wird bann der ebenfalls auf chemische Wege componirte Honig eingebracht- zur Erhöhung der Täuschung werden noch in einige Zellen ein Paar tobte Bienen gegeben und der oorsichtigste Honigfreund kann bann erst recht aufsitzen, so daß er für halbsoviel gefälschten HonigS, als er etwa im Glase erhalten würde, gar noch den doppelten Preis bezahlt. Dabei kommt in Betracht, daß die künstliche Honigwabe lammt Kunsthonig noch immer um 50 pCt. billiger herzustellen ist, alß daS echte Product.
Citeratur und Kunst.
— Mit den uns heute von der SchriftenvertrtebSanstalt tu Weimar zugegangenen Heften Nr. 7 und 8 des Oisrid Mylius'ichen RomaneS „Bienema««- Erben oder DaS geraubte Testament" können wtr den spannendsten Fortgang des io naturgetreue und lebensvolle Schilderungen enthaltenden Rowanes freudig constatiren. Wir lernen in diesem Original Roman immer mehr erkennen, daß mit demielben dem deutschen Lese-Publikum eine billige und wirklich gute Lectüre zugeführt wird. Die Weimarer Schristtnvertii-bsanstalt bietet dadurch, daß sie den Roman in Heften A 10 Pfg. geschmackvoll ausgestattet und nebenbei mit künstlerisch auSgesührten Illustrationen versehen, erscheinen läßt, Jedermann Gelegenheit, sich in den Besitz des unterhaltendsten Lesestoffes zu billigsten Preisen zu setzen.
— Katechismus der Trichinenschau von F. W. Rüfsert. Dritte, vermehrte unb verbesserte Auflage. Mit 52 Abbildungen. In Original-Leinenband 1.80 Mark. Verlag von I. I. Weber in Letvzig. Die vorliegende neue Auflage dieses BucheS hat wiederum eine starke Vermehrung des Inhalts erfahren. Der die Trichinenschau selbst ausübende Verfasser ist unablässig bemüht, Erfahrungen darin zu sammeln und namentlich die Methode der Arbeit zu durchdenken. Dieselbe stellt die Sicherheit des Ergebnisses obenan, berücksichtigt aber auch die Zeitersparniß. Der van der Naturgeschichte der Trichine handelnde Theil ist in der ersten Auflage von dem Geheimen Hofrath Proflssor Dr. R. Leuckart in Leipzi« dmchgesehen worden; sie ist seinerzeit von diesem und anderen deutschen Gelehrten in so gründlicher Weise erforscht worden, daß ihrer Darstellung in diesem Merkchen nur äußerst wenig hinzuzufügen gewesen ist.
Bei der Redaction eingegangcne Bücher rc.:
— Die Wahrheit. Halbmonatsschrift zur Vertiefung in die Fragen und Aufgaben des Menschenlebens. Herausgeber: Ehr. Schrempf. Monatlich zwei Hefte 8’. Preis vierteljährlich 1.80 Mk. Heft 51. Fr. Frommans Verlag (E. Hauff) Stuttgart.
Fenilleton.
Wochendrirse aus der Residen).
(Originalbericht des „Gießener Anzeigers").
Z. Darmstadl, 7. November.
Gründung eines neuen vezirksvereins. AnS dem «oucertsaol.
Bo« Sroßh. Hoftheater.
Sine außerordentlich rührige Thätigkeit entfalten seit einiger Zeit die bürgerlichen unb vor Allem bie grunbbesitzenben Kreise unserer Stabt in der Behandlung der das Wohl der ganzen Residenz sowohl als auch der einzelner Thetle und ihrer Bewohner betreffenden Fragen. Unb zwar beschränkt sich diese Thätigkeit nicht mehr auf die Mitarbeiterschaft Einzelner an diesen Fragen, sondern die fleißigste Agitation jener hat es fertig gebracht, daß Gleichgefinnte und Jnteresfirte sich zu Bereinigungen zusammenschloffen, um so gemeinsam und deshalb wirksamer handeln zu können. So habe ich Ihnen vor längerer Zeit schon von der Gründung des sog. MathildenhöhvereinS berichten können, nach deffen Muster sich dann die Bewohner der „Altstadt" und neulich, wie bereits gemeldet, auch die des SoderviertelS zusammenschloffen. In der vergangenen Woche hat nun eine stattliche Anzahl von Einwohnern der früheren Vorstadt Bessungen einen „Bessunger Bezirksverein" constituirt, um sich der Wahrung der Interessen des südlichen StadttheilS und dessen besonderer Hebung hauptsächlich anzunehmen. Hoffentlich gelingt eS den so rasch emporgewachsenen Vereinigungen, den inneren Contact untereinander zu behalten, damit über dem Wohl Einzelner die
Jutereffen des Ganzen keine Einbuße erleiden. Gerade jetzt, wo die Neuwahlen zur Stadtverordneten-Versammlung in Aussicht stehen und die Socialdemokraten die „Genossen" durch auffallende Straßenplakate rc. zum vereinten Handeln energisch auffordern, ist eS gewiß anzuerkennen, wenn die Ordnungsparteien fick zusammenschließen, indeffen müffen fie fich stets bewußt bleiben, daß Reformen Zeit zur Einführung nöthig haben und deshalb nur in absehbarer Ferne Erreichbares verlangen. Ob aber dies von allen den in der kürzlich vorn ersten Vorsitzenden des Mathildenhöh-VeretnS verfaßten Flugschrift „Brennende Fragen" aufgeftellten Forderungen gelten kann, wird fraglich erscheinen müssen. Daß die Errichtung einer elektrischen Straßenbahn und eines VolkS- schwimmbadcß nicht zu jenen bezeichneten zu weitgehenden Forderungen gehört, bedarf keiner Erwähnung. Das find Wünsche der gefammten Einwohnerschaft, deren Befriedigung möglich ist und an deren Verwirklichung unsere Stadtverwaltung hoffentlich bald herantritt.
In den Concertsalen herrschte in der vergangenen Woche wiederum außerordentlich reges Leben. Unter den stattgehabteu zahlreichen Veranstaltungen standen hinsichtlich ihres guten Besuche- zwei große Wohlthätigkeitsconcerte, in denen namentlich hervorragende Mitglieder unserer Hofoper und deS Hoforchesters ihre künstlersschen Kräfte freiwillig in den Dienst der Humanität stellten. Das erste Concert fand statt zum Besten des SindergotteSdiensteS unb der Krippe des ElifabethenstifteS, baß zweite zum Besten der barmherzigen Schwestern. Auch die Allerhöchsten Herrschaften zeichneten eine der Veranstaltungen, die übrigens beide sowohl einen
hervorragenden künstlerischen wie finanziellen Erfolg hatten, durch Ihre Allerhöchste Anwesenheit auS.
Im Großherzoglichen Hoftheater beendete die Prevosti die kurze Reihe ihrer Gaftdarftellungen am vergangenen Sonntag. Am besten gefallen hat fie allgemein als „Violetta" tn Verdis wLa Traviata“, denn jene Partie liegt ebensowohl ihrer Stimme bedeutend günstiger, wie die der „Carmen", als auch der schauspielerische Theil derselben der Beanlagung der Künstlerin weit eher entspricht. Indessen genial war sie in beiden Rollen. Trotz der mit nicht zu unterschätzenden Strapazen verbundenen Gastspielreisen, auf denen die Prevosti sich doch fast baß ganze Jahr hinburch befinbet, hat baß herrliche Organ an melodiösem Klang noch nicht baß Mindeste eingebüßt und durch ihre Darstellungß- kunst feiert bie Künstlerin, trotzbem fie jebe ihrer Rollen doch einige hundert Mal spielt, stetß wieder neue Triumphe. Auch Se. König!. Hoheit der Großherzog dankte der vom Publikum in geradezu enthusiastischer Weise Gefeierten in längerer Unterredung für den hohen Kunstgenuß, ben ihre hervorragenden Leistungen geboten.
Im Schauspiel brachte bie vergangene Woche Shakespeares „Sommernachtstraum" tn ganz neuer, geradezu feenhafter Jnscenirung, kommenden Freitag und Dienötag steht die Aufführung der Wallenstein-Trilogie bevor, die jedenfalls außerordentlich zahlreich besucht wird- auch ein ans vier Abende berechnete- Gastspiel deS Dresdener Kammersängers Anthes wird der December noch bringen, also Genüffe in Hülle und Fülle.


