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Der Lietzener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme de« Monlag».
Die Gießener AsmittenSfäller werden dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
Zweites Blatt. Donnerstag den 10. October
Gießener Anzeiger
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Deutsche» Reich.
Darmstadt, 8. October. DaS Großherzogliche Paar besuchte während seines gestrigen Jncognilobesuches in München die beiden Ausstellungen, die Ateliers von Löfftz und Andrea, sowie die neue Akademie. — Großfürst und Großfürstin Sergius und Großfürst Paul kehrten heute von Paris hierher zurück und begaben sich nach WvlfS- garten.
Berlin, 8. October. Das Handschreiben Kaiser Wilhelms, welches der Flügeladjutant Oberst v. Moltke dem Kaiser von Rußland kürzlich nach Zarskoje-Selo überbrachte, ist vom Zaren durch ein ebenfalls eigenhändiges Schreiben erwidert worden, das Oberst v. Moltke nach feiner Rückkehr aus Petersburg dem Kaiser in Schloß Hubertusstock überreicht hat. Das Schreiben des Deutschen Kaiser- soll sich, wie bestimmt verlautet, auf das von ihm vngefertigte Gemälde allegorischen CharacterS bezogen haben, welches er dem Zaren durch den Flügeladjutanten v. Moltke hat als Geschenk zustellen lassen. Man darf daher wohl annehmen, daß die schriftliche Erwiderung deS Kaisers Nikolaus gleichfalls Bezug auf dieses Gemälde genommen und daß sie vermuthlich den Dank des russischen Herrschers für die ihm erwiesene Aufmerksamkeit auSgedrückt hat. Eine besondere politische Bedeutung kann also dem stattgehabten Briefwechsel zwischen den beiden mächtigsten Monarchen Europas kaum betgemessen werden, dennoch bleibt der Vorgang bemerkenS- werth genug, bekundet er doch mindestens die ungetrübte Fortdauer der zwischen Kaiser Wilhelm und dem jungen Ruffenkatser bestehenden freundschaftlichen persönlichen Beziehungen, und das ist für den Frieden Europas immerhin wichtig genug. Oberst v. Moltke hat vom Zaren eine kost- bare goldene Tabakdose erhalten, welche in prächtigen großen Diamanten den NamenSzug des jetzigen russischen Herrschers aafweift.
— Der Freiherr von Hammerstein bringt sich der öffentlichen Meinung Deutschlands noch fortgesetzt in Erinnerung, wenngleich er schon fern im gelobten Lande der Hetne'schen „Freiheits- und Gleichheitsflegel" weilen soll. Nach dem Stöcker'schen „Volk" hat der flüchtige Freiherr angeblich nicht weniger als 387 Briefe zur Characterisirung seiner früheren Freunde und Parteigenossen ^hinterlassen. Diese Briese sollen, wie daS „Volk" weiter mitzutheilen weiß, in ihrer Mehrheit die stärksten Majestätsbeleidigungen enthalten, vermuthlich werden sie auch den Reichstag beschäftigen. Achtzig von ihnen sind, wie eS heißt, zur Deröffent- lichung in Broschürenform in den nächsten Tagen bestimmt gewesen, welche Absicht jedoch vorläufig wieder einen Aufschub erfahren hat.
Ausland.
Belgrad, 7. October. Die radilale „Male novine" tritt für den rückhaltlosen Anschluß Serbiens an den Dreibund ein. Angesichts der Lage Europas müsse sich Serbien, meint das Blatt, klar entscheiden, zu wem es sich halten wolle. ES sei unverkennbar, daß England auf Seiten des Dreibundes stehe. Für jeden serbischen Politiker müsse aber der Umstand maßgebend sein, daß Oesterreich-Ungarn Serbiens mächtigster und wichtigster Nachbar, Mitglied des Dreibundes fei und auch Rumänien sich demselben ange- schloffen habe.
Der Krieg von 1870(71,
pfchildert durch Ausschnitte aus ZeitungS-Nummern jener Zeit.
(Nachdruck verboten.)
10. Oktober.
Jede andere Nation würde, nachdem sie so besiegt ist, Vie Frankreich, um Frieden bitten. Frankreich thut eS nicht. Herr Favre bietet uns für daS Blut, das wir der- zsssen, Geld, viel Geld, aber nichts als Geld, und alle Parteien stimmen ihm bei. Frankreich hat bisher keinen stegreichen Krieg geführt, ohne seinem Gegner Land, Leute nnt) Festungen abzunehmen oder ihn zu einem Vasallen und Knechte zu machen. Fast ganz Deutschland weiß davon zu «zählen, ja, daS ganze Europa von Madrid bis Moskau aber wenn Frankreich unterliegt, dann gilt das entgegen- gesetzte Gesetz, dann ist sein Boden „heilig", dann gibt eS keine Scholle Landes und keinen Stein seiner Festungen her; bann bittet es mit möglichst pathetischen Redensarten den fitgreichen Feind, er möge sich doch nun gütigst entfernen, nnb bietet ihm einen Zehrpfennig an, damit er wieder glück- ich zurückgelangen kann „zu Muttern". Im Falle des Sieges ist der Franzose TschingiSkhan und Tamerlan, im
Falle der Niederlage Elihu Burritt. Dieser ThierS z. B. ist sein ganzes Leben hindurch nicht müde geworden, sich nach dem deutschen Rheine heiser zu schreien. Er hat noch am 15. Juli 1870 „Rache für Sadowa" geschnaubt und behauptet, ein solcher Krieg sei an sich gerecht und nothwendig, nur fei er leider jetzt noch nicht genug vorbereitet und nicht diplomatisch geschickt eingeleitet. Dieser Ferrh wollte uns sogar bloß deßhalb schon den Krieg erklären, weil wir unS geneigt gezeigt hatten, unter Umständen einer sehr kostspieligen und schwierigen Eisenbahn, welche unseren Interessen entspricht, eine Unterstützung zukommen zu lassen. Der Graf von Keratry, jetzt republikanischer Präfect von Parts, klatschte am 6. Juli frenetischen Beifall, als der Herzog von Grammont Deutschland den Krieg ankündigte, und rühmte sich dessen auch noch in der Sitzung vom 15. Juli mit den Worten: „Ich war der erste, welcher zugestimmt hat." Herr Favre selbst hat in einer Anzahl von Reden und Programmen „Sadowa" für Napoleons größten Fehler erklärt und nach „Revanche" geschrieen und zwar stets um fo lauter, je friedfertiger sich die Regierung Napoleons zeigte. Die ganze Opposition hat dasselbe gethan. Heute, wo sie an der Regierung ist, versichert sie mit eiserner Stirn: „Wir haben diesen Krieg stets verdammt",- und in demselben Augenblicke, wo sie dies versichert, versucht sie von Neuem mit kraftlosen Händen die Kriegsfackel zu schwingen. Sie will uns mit „Geld" abfinden. Kann man mit Geld bezahlen den Schimpf, die Schmach, die Knechtschaft, die Beraubung, welche man uns anthun wollte? Kann man mit Geld bezahlen das edle Blut, daS Deutschland vergossen? Deßhalb, trotz aller sentimentaler PiepmeierundrepublikantscherPhantastevundDoct'.inäre,heraus mtt Elsaß und Lothringen I WaS wir damit machen, wird unsere Sache fein. Aber „ohne Gerechtigkeit hat eß kein Interesse mehr, daß Menschen aus Erden leben", sagt der alte Emanuel Kant, der auS — Königsberg war, wo Napoleon den Frieden dictiren wollte. Magd. Ztg.
18. Generalversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins.
Die letzte öffentliche Versammlung deS in Frankfurt abgehaltenen Frauentages wurde Mittwoch Nachmittag um 3 Uhr eröffnet. Frl. v. Braunmühl, München, führte in ihrem Referate: „Der Erwerb der Frauen im Kunstgewerbe" aus, daß der pecuniäre Gewinn im Kunstgewerbe bis jetzt nicht im Verhältniß zu den Leistungen der Frauen stehe. ES fei meist ein spontaner Erwerb durch Bazare und Ausstellungen, kein LebenSerwerb. Die Frauen müffen sich bemühen, neben der theoretischen die practische Ausbildung zu erlangen; Rednerin hebt drei Punkte als erftrebenSwerth hervor: Zulassung der Frauen in die kunstgewerblichen Fachschulen und Etablissements und Verbindung mtt Geschäfts inhabern. Frl. Langerhannß sprach hierauf über: „Vorbildung und Stellung der Oberlehrerin in Preußen". Sie betonte, welch segensreichen Einfluß die wissenschaftlich gebildete Lehrerin in den oberen Klassen der höheren Mädchenschule auszuüben vermöge. Sie toteß darauf hin, daß im Hinblick auf die Wichtigkeit dieser Stellung die Ausbildung eine durchaus gründliche fein müsse und hob hervor, daß die jetzt vielfach angenommene Studienzeit von nur zwei Jahren völlig ungenügend fei. Ausbildung der L hrerinnen auf der Universität würde am besten dieser Gefahr der Oberflächlichkeit vorbeugen.
Im Anschluß an dieses Referat behandelte Frl. Dr. Windscheid-Leipzig das Thema: „Die Gymnafialcurse für Mädchen". Die Nothwendigkeit, den Frauen eine Vorbildung zu geben, welche sie zum Besuche der Universität berechtigt, führte zur Gründung von Mädchengymnasien. Es existieren deren augenblicklich 3 in Deutschland: in Karlsruhe, Berlin und Leipzig. Diese Anstalten haben sich bis jetzt befriedigend entwickelt und berechtigen zu schönen Hoffnungen. Die Rednerin betonte, daß neben der Erwerbung von Kenntnissen die Charakterbildung zu fördern sei und zwar eine solche, welche die Mädchen zu selbstständigen verantwortlichen Persönlichkeiten erziehen. Die Mädchenghmnasien hätten hier eine wichtige culturelle Aufgabe zu erfüllen. Frau Dr. Naue berichtete sodann über den „Verein Arbeiterinnenheim in München", dessen Heim tausenden von jungen Mädchen Erwerb und Unterkunft verschafft.
Zu dem jetzt folgenden Vortrag von Frl. Helene Lange- Berlin erwies Ihre Maj. die Kaiserin Friedrich die hohe Ehre ihres Besuchs. Die Vortragende erörterte die verschiedenen Gesichtspunkte, aus denen man sich die Frauenbewegung conftruirte. Zum größten Theil sieht man die ganze Frauenfrage aus dem Gesichtspunkte der Noth an; man glaubt die Frage zu lösen, wenn man Mittel vorschlägt,
dieser Noth abzuheifen. Einen bisher noch nicht betretenen Standpunkt nimmt eine kürzlich erschienene Schrift von Felicie Ewart ein: „Die Emancipation in der Ehe". Es wird darin ausgesprochen: die Frauenfrage kann nur durch die verheiratete Frau gelöst werden. Auf die Möglichkeit hin, den Beruf auch in der Ehe auSzuüben, sind die für Frauen in Anspruch zu nehmenden Berufe zu prüfen. — Die Vortragende wendet sich in eingehender Kritik gegen diese Auffassung. Die Befähigung an der Lösung der Frauenfrage mitzuarbeiten sei individuell und nicht an eine bestimmte soziale Eigenschaft gebunden. Die Rednerin zeigt, wie unmöglich die Durchführung eines selbstständigen Berufs für die Durchschnitts fron und Mutter sei, wie schwer dadurch in den meisten Fällen die Familie geschädigt werde, und wie die Qualität der beruflichen Frauenarbeit dabei leiden müsse. — Um aber den verfügbaren Kräften Spielraum zu geben, um die unleugbare Lücke in dem Dasein so vieler vcrheiratheter wie nnverheiratheter Frauen zu schließen, dazu sei das beste Mittel: Betheiligung an der Arbeit i m Dien st e des Gemeinwohls. Nur durch diese Arbeit aber könne allmählich die Lösung der wirklichen Frauenfrage erfolgen. Diese sei keine Jungfern- und keine Wittwenfrage, sondern die Frage: soll die Frau daS volle Menschenrecht freier Entwickelung ihrer Persönlichkeit, voller Entfaltung ihrer Fähigkeiten haben wie der Mann? Soll sie ihre Eigenart, die jetzt nur in der Familie zur Geltung kommt, im Culturleben zum Ausdruck bringen und sie ihre Pflicht der Menschheit gegenüber thun dürfen? Von dieser Auffassung ausgehend, ist die concrete Arbeit auf den einzelnen Gebieten in Angriff zu nehmen: die Erweiterung der BerufSthättgkeit, die Thetlnahme an öffentlicher Armen- und Krankenpflege, am Erziehungswefen, an der Regelung der MäßigkcitS- und Sittlichkeitsfrage, an der Arbeit der Communalverwaltungen. Die Vortragende spricht dem hohen Gast des Vereins, der Kaiserin Friedrich, den Dank der deutschen Frauen dafür aus, daß sie zuerst die Organisation der Frauenarbeit von diesem Gesichtspunkte aus in Angriff genommen habe. Nachdem die Vorsitzende, Frl. Schmidt, den Vertretern der Stadt Frankfurt, sowie den Damen des FrauenbildungSvereins daselbst ihren wärmsten Dank für die überaus herzliche Aufnahme ausgesprochen hatte, schloß sie den Frauentag.
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* Berlin, 5. October. Auf einen sehr gewandten Hochstapler fahndet die hiesige Criminalpolizei. Es handelt sich um den 1868 in Berlin geborenen Kaufmann Wilhelm Ernst Max Hadrian, der sich feiner erhaftung durch die Flucht zu entziehen verstanden hat. Der Hochstapler, dem die gewandtesten Umgangsformen sehr zu statten kommen, spielt die verschiedensten Rollen. Bald tritt er alß Dr. jur. v. Arnim auf, bald alß Dr. Adrian, hier alß Forst- affeffor, dort alß Maler Romann, anderßwo wieder als Chemiker Raumer. Die Gastwirthe, die er ganz be- sonderß heimgesucht hat, wußte er dadurch sicher zu machen, daß er umfangreiche Bestellungen auf Dinerß und festliche Veranstaltungen für Vereine und Studenten-Ver- binbungen machte. Daß Lieblingsthema der Unterhaltung ist für den Schwindler der Sport. Dabei verschmäht er es auch nicht, Einsätze für Rennwetten in Empfang zu nehmen, die natürlich niemals bis an den Totalisator oder einen sonstigen Wettveranftalter gelangen. Der Hochstapler, der vielfach mit Erfolg gearbeitet hat, ist von untersetzter Gestalt, hat schwarzes Haar, einen röthlichblvnden mit den Spitzen nach Oben gedrehten Schnurrbart und blaue Augen.
Citeratur rind Arrrrst.
— »Mein Hauß «eine Welt, Monatsschrift für dar geistige und wirthschastliche Leben der Frau" — ist der Titel einer Zeitschrift, welche sich die Ausgabe gestellt hat, den Sinn für das Hans bei den Frauen zu pflegen, nicht bloß durch eine Fülle von kleinen Anregungen, wie man sie in den Hausfrauen - Zeitungen findet, sondern auch durch wohlüberlegte längere Aufsatzreihen. Die Monatsschrift (Verlag von Max Pasch, Berlin SW., Ritterstr. 50), welche von Johanna von Sydow herausgegeben wird, wendet sich somit an alle denkenden Hausfrauen, welche aus ihrer Lectüre einen dauernden Gewinn daoontragen wollen. Das Octoberheft, das durch ein Gedicht von Zoö von Reuß eingeleitet wird, enthält die vortrefflich geschriebenen Artikel: „Mutter und Söhne" von W. v. Gehren; „Nicht zu vertraulich" von I. Berger; „Der Schirm und seine Geschichte"; „Briefe eines Hausfreundes", sowie den Beginn einer äußerst fesselnden Novelle: „Ein Dämon" von E Döring. Der practische Theil bringt die interessanten Plaudereien: „Der Einkauf im October"; „Kürbis"; „Der Garten" und die kochende Hausfrau findet reichlichen Stoff in dem auch die einfache Tafel berücksichtigenden Speisezettel mit zahlreichen neuen Recepten. Der Preis des eleganten Heftes ist 50Pf.; ober Mk. 1.50 vierteljährlich.


