Ausgabe 
8.2.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 83

Der chietz-ner Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme dcS Montags.

Die Gießener J»«miktenvtä1ter werden dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigelegt

Zweites Blatt. Freitag den 8. Februar___

(siebener Anzeiger

Kenerak-Wnzeiger.

1895

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] Hralisbeitage: Kießener Jamilienökätter

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Vermischtes. I

Ueber eine «rucke zwischen zwei Welltheilen wird aus Konstantinopel berichtet: Das seit längerer Zeit sowohl von der türkischen Regierung als auch von der französischen Quai« Gesellschaft geplante Project einer überseeischen Verbindung der orientalischen mit der anaiolischen Eisenbahn soll dem­nächst verwirklicht werden. Wie verlautet, soll in nächster Zeit dem französischen Consortium, welches die Construcrion des Konstantinopeler Qua'S und der Hafenanlagen zur Zufriedenheit der türkischen Regierung gegenwärtig zur Aus­führung bringt, die Concefsion verliehen werden zur Er- ttchtuug einer eisernen Brücke, welche daS europäische und das asiatische Ufer des Bosporus miteinander verbinden wird. Bier türkische Marine-Osfiziere und zwei französische Ingenieure untersuchen gegenwärtig daS Beit des Bosporus zwischen Gerat Burnu und Haidar-Pascha, um festzustellen, ob der Bau einer Brücke zwischen den beiden Punkten aus­führbar ist. An der Küste von Gtombul sind die Unter­suchungen schon beendigt und sehr befriedigend ausgefallen- auch daS bisherige Ergedniß am Gestade von Haidar Pascha läßt annehmen, daß der Boden des Bosporus fest genug ist, um den Coioffalbau darauf anzuführen. An fast allen Stellen der projeciirten Linie ist daS Waffer gleich tief. Die Eisenbrücke soll auf acht Riesenpfeilern ruhen- zwischen den beiden mittleren Pfeilern soll die Brücke eine Höhe von 72 Meter über den Meeresspiegel erreichen, damit auch Dampfer mit den höchsten Masten hindurchpassiren können. Die Vorarbeiten zu diesem Riesenwerk sollen im Laufe des Sommers in Angriff genommen werden. Die Kosten dürften sich laut Voranschlag auf etwa 60 Millionen Franc- belaufen.

Seltsame Spitznamen für die Berliner Dienstmänner, Namen, derenEntstehung- Ursache", wie ein Mitglied dieser rothmützigen Gilde dem23. T." schreibt,bis jetzt noch kein Philosoph, Naturforscher, Professor, Theologe, keine

Bibliothek, keine Universität" hat ergründen können, dem Verzeichniß dieser Spitznamen wollen wir folgende her» au-heben:Trompeter",Postillon",Seiltänzer",Opern­sänger",Eiserner mit dem Etsenarm",Messer und Gabel", Im Sarge",Feuerländer",Speck,"Jurist I" undII", Professor",Minister",Sprachlehrer",Droschke",Augu- stus der Edle",Ramsch",Olk-män",Der Schneidige", Littauer Angler",Milch",Windmühle",Philosoph", KalbSauge",Holzhacker",Brillenkönig",Näse",Nacht­eule",Pflaumenfritze." Einer führt den langathmigen NamenGerman der Dicke, im Juli der Dünne." Auf dem Anhalter Bahnhof hat ein Dienstmann, der sich dort nur des Morgens und des Abends blicken läßt, die Bezeichnung Ktckeriki Krähhahn" erholten. Unter den Linden walten u. a. ihres AmtesThonröhre",Ohrring",Rippen­brecher",Der Kleine." All diese Namen haften den Be­treffenden so fest an, daß sie in der gesammten Gilde auS- schließlich gebraucht werden.

Literatur und Aunft.

Samariter". Unter diesem Titel erscheint seit Anfang dieses Jahres im Medic. Verlag von Seitz L Schauer in München eine Halbmonatsschrift für das gesummte Samariter- und RettungSwesen. Der Mitardeiterkreis, in dem sich Autoritäten aller­ersten Ranges b. finden, verbürgt von vornherein einen Inhalt von besonderem Interesse. Den Herren Aerzten sei das Blatt ebenso warm empfohlen wie den Magistraten, RettungSgesellfchaften,Sanitäis- colonnkn, Samaritervereinen, Geistlichen und allen Denen, die von Beruf oder aus Humanität dem Samariterwesen nahe stehen. Wir wünschen dem Blatte eine recht weitgehende Verbreitung, die durch den billigen Abonnementspreis von 1 5j Mk. pro Quartal besonders erleichtert wird.

Der Palast der Weltausstellung in Paris im Jahre 1900 macht den Franzosen viel Kopfzerbrechen, da sie wieder einmal das Bedürsniß haben, die Welt in Erstaunen zu fetzen. Die zu diesem Behufe ausgeschriebene Concurrenz hat seltsame Er­gebnisse gezeitigt. DieModerne Knnft" (Verlag von Rich. Bong, Berlin, L Heft 60 Pf.) macht in ihrem elften Heft zwei der ein-

aU£ . gesandten Entwürfe ihren Lesern zugänglich. Auf dem einen krönt den bis aus zwei Dritlheile abgetragenen Eiffelthurm eine riesige Weltkugel, auf dem anderen strecken zwei das Gebäude flankirende Elephanten ihre Rüssel derartig aus, daß die Höhlungen berfelbm als Aufzüge dienen, in denen die Besucher zu einem das Ganze krönenden RestauralionS-Pavillon hinaufgesührt werden. Es ist ein besonderes Verdienst derModerne Kunst", unsere zur Bewunderung des Fremdländischen hinneigenden Landsleute gelegentlich aus diese unkünstlerischen Ausschreitungen aufmerksam zu machen. Im Gegen­satz zu solcher Sensationshascherei führt in demselben Hest Georg Malkowsky den Lesern in !)L Friese eine echt deutsche Künstlernatur vor, einen Thiermaler, der sich mit nordischer Gründlichkeit in die Thierscele hineinlebt und ihre Bethatigungen auf Grund ernsthafter Beobachtung wiedergtebt. Eine anschauliche Schilderung deS Heidelberger Corpslebens" von Gustav Klilscher, eine feine novellistische Studie von Heinrich MannDer Löwe' bilden den übrigen Inhalt der prächtig ausgenatieten Nummer, unter deren Kunstbeilagen wir das große VollbildBesuch beim Heiligenmaler" von Kaczor BatowSky besonders hervor Heven möchten.

Universum, Jllustrirte Familien-Zeiischrift (Verlag des Universum, Dresden). Das 9. Heft deS elften Jahrgangs der beliebten Zeitschrist enthält: Ludwig Ganghofer: Schloß Hubertus. Roman. (Fortsetzung.) Balduin Groller: Der gute Rath. Mit Illustrationen von P. Rieth. Gräfin Hedwig Ritlderg: Im fallenden Schnee. Dr. H. I. Klein: Naiurkenntniß und Aberglaube im Alterthum und im Mittelalter. W. von Potenz: Wie die Ehrenwolmsdorfer z« ihrem Pastor gekommen sind Novelle. Wilhelm Jensen: Die Glocken von Greimharting. Eine Chiemgau-Novelle aus eiter Zeit. Ferd. Pfohl: Engelbert Humperdinck, mit Porträt. W. Stoß: Wie kalt ist der Schnee? Wintergewitter. Paul Schumann: Adam Ries, mit Abbildungen. Der Tempel von Segesta. Unterseeische Photo­graphien. Bildertexte. Humoristisches. Büchertisch. Räihsel und Spiele. Welttelephon. Von den Illustrationen nennen wir nur die Kunstbeilagen und Vollbilder: Felix Ehrlich: Treu im Glauben. G. Vuillier: Der Tempel von Segesta. Hugo Mieth: Der Dorf­organist. Wierusz-Kowalski: Winternacht. Der Preis des Hefte- beträgt trotz deS reichen Inhalts nur 50 Pfennige bei jeder Buch- handtung.

Vorkehr, Land- und VoUswirthjchaft.

Jimvur-, 6. Februar. Frucht markt. Rother Weizen X 11.30, weryer Wetzen X 11.20, Korn X 8.25, (Setfte X 6.40, Hafer ** 5 20.

Feuilleton.

Unser Gsrtcn im Februar.

Eine langandauernde Schneedecke, wie sie die gütige Natur in tiefem Winter fast überall über unsere heimaihlichen Gärten breitete, ist wie ein weiches wollenes Winterkleid, das des Körpers Wärme und Gesundheit wahrt.

Schneereiche Winter blüthenreiche Lenze! Unsere Muttererde tritt dann nicht erkältet in die langersehnte Werbezeit, sondern ge­stärkt, in warm pulstrender Lebenskraft, bereit, die goldenen Strahlen ter Frühlinge forme zu neuem, segensreichen Schaffen in ihre ver­borgenen Werkstätten einziehen zu lassm.

Wenn die Macht der anhaltenden Kältetage gebrochen, der Thauwind, vom Miltagsmeer her brausend, seine Pflicht gethan, und die wiedererwachte Sonne freundlich herablächelt, da hört der Garten­freund in hohen Lüften wohl schon den Schrei deS wiederkehrenden Falken ein Alarmruf für das sich sonnende wachsame Hühneroolk. Die erste Feldletche ist in der zartgrünen Winterung zu sehen; reise­müde kehrt ein Pärchen Holztauben im Morgenroth zum Heim des traulichen Parkwaldes zurück und o Wonne! beim Nachbar drüben ist wahrhaftig der neue Staar heute im allen Häuschen eingetroffen! Gr sah uns schon, grüßte, leise schwatzend, ein bischen magerer als Im Herbste und flog dann mit seinem Weibchen geschäftig hinüber nach der Gänsewiefe. LiebeS Mätzchen, kommst du am Ende nicht au früh!'/ Und auch du, mein weißes Bachstelzchen? Was willst tu schon im kahlen Spargelfeld? Du wippst so fröhlich, als wenn ter EiSmann mit feinem Hungersack schon über alle Berge! Noch lauert der schlimme Ost und manch Nestchen Schnee hängt noch oben.

Ein sonniger Spälfebruar-Nachmiltag. In die Betrachtung zweier merkwürdigen Ausnahmen der Knospenbiidung unserer Laub­hölzer vertieft, treffen wir einen Gartenfreund mit der Scheere be­waffnet an seinem Buschwerk. Er bewundert die doch einzig da­stehendennackten" Knospen des Schlingstrauches (Viburnnm lantana) und der Schießbeere (Rhamua frangula). Jetzt stutzt er: Was hör ich drüben überm Hag, wa- durch die Hecke schallen? LeiseS Spaten­klirren, einige stillzufriedene Pfeiftacte:Drei Rohosen im Garten, Drei Rosen im Feld". Wahrhaftig, der Alte steht da, vor dem Häuschen und gräbt, und das flinke blauäugige SuSchen bringt dem Großvater die Harke und das Gartenkörbchen mit Düten und Biiefchen.

Ei grüß Gott, Nachbar Fleißig! Ihr grabt schon! Jst's nicht ein wenig früh?"I ja, das schon. Aber es ist ja mein Süd- beetchen. Da am Haus gehts schon. Da hat Nord und Ost nichts iu sagen. Decken kann ich auch und beschatten. Schm Sie, ich säe dann da ein wenig Erbsen, Puffbohnen und dort will ich noch Salat und ein bischen Carotten einbringen. Bei uns da oben gehts schon. Ja 40 Jahren hab ichs 29mal schon so machen können, wenn der Staar früh kam. Nichts schmeckt ja auch bester als so was Frühes, Eigenes ohne Kosten! Mistbeet ist ja was Schönes. Hatte früher nid); fSete um diese Zeit schon Blumenkohl, Sellerie, Lauch, Gurken und natürlich Radieschen, selbst Liebesäpfel und spanifchen Pfeffer. Uber, lieber Gott, die Schererei wurde mir zu groß. Da heißts immer bei der Hand fein, Zudecken, Abdecken, Lüften, Schattiren, Packen. Dem kleinen Mann kostet Mist und zerschlagene Scheiben auch zu viel. Da gab ichs auf.

Morgen, Herr Nachbar, geht- dran, meine Bäumchen und Lcerensträucher befchneiden. Mich alten Racker freut das jährlich

mehr! Heften thu ich erst später. Und Pfropfreiser hab ich schon gestern geschnitten. Hab ein paar schöne von derJosephine" für Sie aufgehl''en: Die Birn ist recht tragbar, auch lang gut.

Schi- sten Dank, Herr Fleißig, dafür bekommen Sie welche vonKönst Karl"; die hat Ihnen ja mehr gefallen als mir."I ja, da machen Sie mir eine F.eude mit!" Nun hat Suschen ein An­liegen:Und, Grotzväterchen, darf ich nicht auch gleich ein paar Blumen dort beim Hausbänkchen aussäen?"Je nun, warum nicht mein Kind; ja, ja! aber Du nimmst jetzt nur mal Rilterfporn, Reseden und von Deinem schönen gefüllten Mohn; fürs andere ist'« noch zu früh." DaS ist Suschen recht, und es will mit seinem kleinen Spaten ans Werk gehen.Einen Augenblick, Fräulein Suschen: Was macht Ihre Zimmerblumenzucht?"Ach danke, der geht es ja ganz gut. Die Hyazinthen und Tulpen sind jetzt abgeblüht und weg- gestelli. Die rothen Nelken blühen noch schön. Ich hab ja j-tzt Margarethennelken und Pantoffelblumen in Töpfe gesäet. Auch einige Knollenbegonien, Cannas und Zwergdahlien eingelegt: für Großvaters Kaffee-Plätzchen! die ersten Tuberosen pflanze ich jetzt auch ein!" Diel Glück! das wird ein reizender Flor werden. Und eine schöne große Hortensie darf ich Ihnen wohl dazu spenden? die sollen Sie von den meinen haben!" Auf Suschens Wangen blühen Freuden­röschen:Ach Sie find zu gütig!"

Auf Wiedersehen, Herr Fleißig! Auf Wiederfehen, Fräulein Suschen! Apropos, die Heckenscheere schick ich Ihnen mit dem neuesten Practtfchen" auch rüber; unser Weißdorn soll, hüben und drüben, wieder zeigen, daß es auch einmütige Gartennachbarn undracker­lose" Weißdornzäune gibt!"

Ja freilich, Herr Treulich, sonst wär'tz ja ganz gräulich!" klingts noch munter durch die Hecke, al« bet Gartenfreund sich zurückzog.

Auf der anderen Seite feines Gartens da grenzte der Nachbar Beinling an. Der war ein großer Imker vor dem Henn. So streckte denn ein stattliches Bienenhaus feine obere Kehrfette über die halbhohe Mauer. Es steht zum nachbarlichen Compostplatz herüber, in dessen Nähe ein Häufchen zufarnmengelesener Steine ein trauliches Stillleben fristet. Da lagen einmütig bei einander eine wahre Hensel'sche Augenweide große und kleine Kiesel, Kalksteine, ein Brocken Steinkohle, Klingstein und Basalt. War es die warme Sonne ober sonst eine Anregung: bem Völkchen warS nach bem langen Winterschnee fröhlich ums Herz. Als be8 Gartenfreunbes Fuß heranschritt, waren sie offenbar in Erinnerungslust schon bei Schcffel'scher Feuchtsröhlichkeitsstimmung angelangt. Minetalhcll klang es im Chorus:

Doch im Gefelse wohnt heute noch Ein seltsam Tönen unb Klingen, Als wollt es von seliger Jugenbzeit Ein Lieb ber Sehnsucht uns singen.

Jetzt winkt ber Händler, die Walze kracht Und der Bauer wird beschummelt.

O Jerum! wer hätte das je gedacht: Wie riesig sind wir verbummelt!

Und ein goldgelb Tröpflein Natrolith Im geschwärzten Stein oft erscheinet . . . Das sind die Thränen, die der Basalt Der gesprengten Molasse weinet!"

Und da hing eins, wirklich. Der Edelstein, den ein findiger Goldschmied am Fuße deS Hohentwiel in Geschmeide faßt.Puhl

Das ist gar nichts, Lappalie! Mich mahlt man nicht zu Steinmehl! Ich bebemdje einfach die Welt. Treibe das stolze Meerschiff über den Ocean, daS Dampfroß um den Erdenrund! Millionen Mafchinen hauche ich R esenkrafl ein, erhelle, trotz Blitzlicht, die Nacht der Städte" warf sich der Brocken Steinkohle in die Brust! Habt ihr Lasten schon etwas von Anilin, von Carbol, Benzol, Naphtaliu gehört? oder gar von Benzo« äure unb ihren Abkömmlingen, dem Salicyl. . ."unb dem famosen Pseudozucker Saccharin?" wolltest Du sagen, warf mit erregtem Summen ein Bienchen ein, bas, vom ersten Ausflug matt, sich auf bem Klingstein niedergelassen. Hie» sitze ich und beuge mich tief vor euch Gesteinen allen, vor Dir, biederer Kalkstein, und besonders vor Dir, Du stolze Weltbezw'nger in Steinkohle! Dttne Verdienste sind unsterblich. Aber mit drohender Kralle geratet mir nicht auf Abwege, hörst Du! Auf Dinge, die eine vorhandene Gottesgabe nachläufchen wollen, eine Gottesgabe, die uns ernährt und erhält! Kannst Du aus Deiner Theei schmiere die GotteSgabe Zucker bilden? Du meinst, diese sei nur zufällig Nährmittel für Mensch und Thier? Versündige Dich nicht an ber fütloigenben Weisheit des allgütigen Schöpfers! Nimm unS $lütbeninfiden den nährenden Zucker des Nektar unserer Blüthen- und Blumenwelt und ersitze ihn mit DeinemBenzoLsäure-SMfintd" (Saccharin), ras trotz unheim­licher Süße keine Spur von Nährkrast hat, so rühren wir es nicht an: wir müssen sterben. Und weißt Du, was dann geschieht?: Die Befruchtung der wichtigsten Nährpflanzen der Thiere, der wichtigsten Cullur- und Nutzpflanzen der Menschen wird aufhöreu diese herrliche Pflanzenwelt und mit ihr das Thierreich, bai Menschengeschlecht werden umkommen, verhungern, unter gehen! Du kannst mit Deiner Theerntorte unseren Honig, den Zucker auS der ehrlichen Rübe aus dem Zuckerrohr, selbst den aus der Stärke der Kartoffel, den Süßholz-, Ahorn-, Palm-, Malz-, Mannazucker nie­mals nachbilden und niimals ersetzen! Webe! dem Menschengeichlecht, daS die süße Nährgabe ber Schöpfung verschmähte, um seine irdischen Leiber an eine Säure zu gewöhnen, die ihm Zuckersüße voräfft' an einen Tödtestoff für die kleinsten pflanzlichen Lebewesen, von denen der Schöpfer einen Theil dazu bestimmt, im menschlichen Leibe zum Wohlbefinden des Organismus durch Förderung der Verdauung beizutragen! Noch brauchen Mensch und Thier zum Leben, zum Frohsein das Natürliche! Hörst Du: bring sie von diesem Grund­satz nicht ab!" Dann schwirrte da« Bienchen mit den Flügeln, neigte grüßend feine Fühler, erhob sich und flog heimwärts.

Der Garttnsreund blieb in Gedanken versunken noch stehen. Nein, nein, bei Gott, da» Bienchen hat Recht: am göttlichen Grund­gesetz fistbalten! Dem Volksglück kann dergleichen nicht nutzen, unserem Obst- und Gartenbau auch nicht und unserer landwirthscvaft- lichen Industrie nur schaden. Ja, ja: mag auf Gebot des ArzteS das Stelnkohleniheerpräparat den armen Fettsüchtigen und Zucker­kranken den Geschmack des ihnen verbotenen Zuckerö vortäuschen. Wir Naturfreunde lassen es links liegen, selbst wenn eS süß ein- balfamirten Leichen gleich unsere Eßwaaren und Getränke vor dem verderblichen Zahn ber Zeit eine Spanne zu bewahren im Stande sein kann. Der Krämer, Wirth und Zuckerbäcker zc. aber, bet uns in Nahrungs- unb Genußmittrln, ohne dus zu sagen, anstatt des ZuckersSaccharin" für unser ehrliches Geld reicht, der fälscht, betrügt.

Dann hob er die Kohle auf, steckte sie ein: unter dem nach­mittäglichen Kaffeekochtopf und qualmte sie übelgelaunt Dann fiel ihre Glulh zusammen: sie transit gloria mundi!

Heinrich Frhr. Schilling o. Cannstatt.