Ausgabe 
7.7.1895 Drittes Blatt
 
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Nr. 157

Drittes Blatt

Sonntag den 7. Juli

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Amts» und Anzeigeblatt rur den Ureis Gieszen.

Die Gießener AumilieuvtLIter werben dem Anzeiger wöchentlich dreimal beigdegt.

Vierteljähriger ZoonuementspreiLt 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Redaction, Expedition unb Druckerei:

Kchntstratze^r.7.

Fernsprecher 51.

Der

-ießener Anzeiger erscheint täglich, »it Ausnahme deS Montags.

Kchener Anzeiger

Kenerat-Nnzeiger.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Dorm. 10 Uhr.

Hratisöeitage: Gießener Kamitienötätter.

All- Annoncen-Bureaux des In. und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Die unter den Schweinen in der Gemeinde Launsbach, Kreis Wetzlar, amtlich festgestellte Rothlaufseuche ist erloschen.

G.ießen, den 4. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen. __________________o. Gagern.

Gießen, den 4. Juli 1895.

Bekanntmachung.

Betr.: Die Vorschriften deS Arbeiterschutzgesetzes vom 1. Juni 1891 über die Arbeitsbücher und die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter und Arbeiter­innen.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Land­gemeinden des Kreises.

Wir sehen der Vorlage der in Gemäßheit der Vorschrift unter 0 Ziffer VII der gedruckten Anweisung vom 26. März 1892 an uns einzureichenden Uebersicht der in Ihren Ge­meinden vorhandenen Fabriken und diesen gleichüehenden Anlagen, in welchen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, unter Verwendung des Formulars G. «fr. Ausschreiben vom 7. Februar 1893 (Anzeiger Nr. 35) diS zum 20. December d. I. entgegen.

Als den Fabriken gleichstehende Anlagen find anzusehen: 1. Hüttenwerke, Zimmerplätze und andere Bauhöfe, Werfte und solche Ziegeleien, über Tage betriebene Brüche und Gruben, welche nicht blos vorübergehend oder in geringem Umfange betrieben werden, Bergwerke, Salinen und Auf­bereitungsanstalten, unterirdisch betriebene Brüche oder Gruben.

2. Werkstätten, in deren Betrieb eine regelmäßige Verwen­dung von Dampskraft stattfindet und in denen durch elementare Kraft (GaS, Wind, Wasser, Electricität) be- wegte Triebwerke nicht bloS vorübergehend zur Verwendung kommen.

Sollten in Ihren Gemeinden Fabriken und denselben gleichstehende Anlagen, in denen Arbeiterinnen oder jugendliche Arbeiter beschäftigt werden, nicht vorhanden sein, so ist dies binnen der oben genannten Frist berichtlich anzuzeigen.

v. Gagern.

Gießen, den 4. Juli 1895.

Betr.: Die Unterstützung von Familien der zu Friedens- Uebungen einberufenen Mannschaften.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

au die Großh. Bürgermeistereien des Kreises.

Für die Folge werden Ihnen die vollzogenen An­weisungen rubr. Betreffs nicht mehr mit einem besonderen Begleitschreiben, sondern k. H. zugesandt werden.

Die Unterstützungen sind, ohne daß dies einer besonderen Anweisung Ihrerseits bedarf, aus der Gemeindekasse vorlags- weife auszuzahlen.

Die Belege sind gelegentlich der Abführung der Kreis­kassebeiträge, jedoch spätestens bis zum 1. November jeden Jahres, dem Kreiskassenrechner zuzurechnen, wobei es einer besonderen Quittung über den Rückempsang Seitens der Rechner nicht bedarf. Falls zu Anfang November zur Zahlung der Kreiskassebeiträge nicht genügende Mittel vorhanden sind, dann kann die Zusendung der Belege mittelst Einschreibebriefes unter Betdrückung des Bürgermeisterei- Siegels unter der Bezeichnung Militaria" an die Kreis- kaffe erfolgen.

Gegenwärtige Verfügung wollen Sie den Gemeinde- Einnehmern zur Einsicht mittheilen.

v. Gagern.

Bekamttmachmtg,

betreffend die Veranstaltung von Verloosungen innerhalb des Großherzogthums.

Das Comits zur Abhaltung des Viebmarktes in Vilbel beabsichtigt mit dem am 20. August l. Js. daselbst stattfindenden Viehmarkte eine Verloosung von Vieh, sowie von landwirth- schaftlichen Gebrauchsgegenständen zu verbinden, um die Mittel zur Prämiirung von Vieh zu gewinnen.

Das Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver­loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 5000 Loose zu 1 Mark das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindefteus 60 o/0 des Bruttoerlöses aus dem Verkauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind.

Zugleich ist der Vertrieb der Loose in der Provinz Oberhessen und dem Kreise Offenbach gestattet worden.

Gießen, den 5. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Bekanntmachung,

betreffend: Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe.

Auf Grund des § 105 b Abs. 2 der Gewerbeordnung und des § 2 der Bekanntmachung Großherzoglichen Ministe­riums des Innern und der Justiz vom 26. März 1892 wird anläßlich des dahier ftattfindenden 22. Mittelrheinischen Kreis-Turnfestes für

Sonntag, de« 7. Juli 1895 die Verkaufszeit für das Handelsgewerbe auf die Stunden von 11 Uhr Vormittags bis 7 Uhr Nachmittags ausgedehnt.

Gießen, den 1. Juli 1895.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

I. V.: Wolff, Regierungs-Assessor.

Dermtfcfctes»

* Frankfurt a. M., 4. Juli. Die Thi erankäufe des Zoologischen Gartens sind während des Monats Juni ganz besonders reichliche gewesen,- sie betrugen 80 Thiere- geschenkt wurden 26, und mehrere im Garten geboren. Unter den neuen Vögeln ist besonders ein Tr uth ahn g ei er interessant, vom Aussehen eines gemeinen Puters, bis auf den krummen Geierschnabel. Zwei prächtige H okkos sind Geschenke von Freunden des Gartens. Aus dem Nachlaß deS Herrn Commerzienraths Schramm zu Offenbach wurden 7 Damhirsche dem Garten zugeführt, sodaß die Damhirsch­heerde jetzt 22 Stück zählt, womit man einen ganzen Wild­park bevölkern könnte. Vorübergehend befindet sich im Garten

Feuilleton.

Wochrndriefe aus drr Residenz

(Originalbericht desGießener Anzeigers").

Z. Darmstadt, 5. Juli.

Die RoseuanSstelluug. Vom Schriststellervereiu. Wettrennen. Verschiedenes.

Am Donnerstag der letzten Woche ist, wie schon neu­lich im Residenzbriefe gemeldet wurde, die große Rosen- auSstellung im Großherzoglichen Orangeriehause deS Beffunger HerrngartenS eröffnet worden. Der Gartenbau­verein hat mit der gelungenen Veranstaltung dieser Aus­stellung einen schönen Beweis von seiner Leistungsfähigkeit gegeben und an reicher Anerkennung hat es ihm nicht ge­fehlt. In Gegenwart von mehreren hohen Angehörigen der Grobherzoglichen Familie und hoher Würdenträger wurde die Ausstellung von dem Präsidenten des Vereins, Herrn Rentner Müller, eröffnet, und dann trat das geladene Publikum gleich einen Rundgang durch die einzelnen Abtheilungen an. Die Königin der Blumen war natürlich in erster Linie ver­treten- aus Darmstadt hatten zahlreiche Handelsgärtner und Private werthvolle Exemplare von Rosenstöcken in großer Anzahl gesandt und von auswärts waren deren gleichfalls sehr viele, darurter solche aus weiter Ferne, eingetroffen. Allerhand Seltenheiten gab es da zu bewundern und daS Gesammtbild der Rosenabtheilung der Ausstellung war in der Thal prächtig. Neben den Rosen waren auch viele andere Blumen vertreten, auch Obstsorten waren in hübschen Arrangements ausgestellt, wir erwähnen nur die kostbaren Trauben, die von der Großherzoglichen Hofgartenverwaltung geliefert worden waren. Auch der jetzt so beliebte Brauch, gedeckte Tafeln mit Blumen zu bestreuen, wurde an reich mit Silberzeug geschmückten Tischen veranschaulicht. Am meisten gefielen die Arrangements der großen Trierer Gartenbaufirma I. Sambert u. Söhne, die fast in allen Abtheilungen vertreten war und die denn auch für die an­erkannt beste Gesammtleistung von allen Ausstellern mit de« ersten Preise, dem vom Großherzog gestifteten Ehren­preise, belohnt wurde. Die sämmtlichen übrigen Preise es

war deren eine recht stattliche Anzahl gelangten gleich­falls zur Vertheilung. Der Besuch der Ausstellung, der ja naturgemäß nur eine ganz kurze Dauer beschieden sein konnte, war durchaus befriedigend, auch von auswärts waren Dank der bewilligten Fahrpreisermäßigung viele Garten- und Blumenfreunde erschienen.

Der jüngst gegründete Journalisten- und Schrift- stellerverein hielt am vergangenen Samstag im Re­staurantZur Oper" seine gut besuchte Monatsversammlung ab, die sehr anregend und gemüthlich verlief. Nachdem man verschiedene Dinge geschäftlicher Art erledigt hatte, legte der Vorfitzende dar, wie man die einzelnen Bereinsabende in Zukunft gestalten wolle. Den Mittelpunkt des Programms sollen jedesmal Borträge literarischen Inhalts bilden oder Erörterungen von Fragen, die für die Schriftftellerwelt ein allgemeines Interesse besitzen. Den gemütlichen Theil des Abends verschönten wiederum Solovorträge hiesiger hervor­ragender Künstler. So erfreute Herr Musiikdirector Senfs, ! der verdienstvolle Dirigent desMozartvereinS", durch den prächtigen Vortrag mehrerer Lieder, Herr Concertmeister Müller von der Großh. Hofcapelle spielte zwei Concert- stücke von Bruch und Dieniavski mit großer Vollendung. Ein Toast und dreifaches Hoch lohnte die stets liebens- würdigen Künstler, die dem jungen Verein ihre freundliche Unterstützung gewidmet halten. Die Vereinsabende sollen nun während der Sommermonate ausgesetzt und erst im Sep­tember wieder ausgenommen werden.

Das große Sommer-Wettfahren des Bichcle- Club am letzten Sonntag nahm den programmmäßigen Verlauf. Es gehörte zu den interessantesten Wettkämpfen, die in Darmstadt im Radfahren ausgefochten wurden. Große Erfolge heimste namentlich Herr Hosemann vom Kaisers­lauterner Radsahrerverein ein, der öfters als Erster durch das Ziel ging.

Am nächsten Sonntag hält nun der H e s s i sch e R e i t e r - verein fein seit langer Zeit projecrirteS Rennen in Kranichstein. Das Programm umfaßt sieben Nummern: 1) Trabrennnen für Landwirthe, 2) Galoppreiten für Land- winhe, 3) Flachrennen, 4) Hinterjagdrennen, 5) Rennen für Chargenpserde, 6) Schweres Jagdrennen, 7) Leichtes Jagd­rennen. Die Nennungen find sehr zahlreich eingelaufen und

so werden wir im nächsten Briefe wohl über interessante Wettkämpfe berichten können.

Die Sommer-Conc erte im Saalbau brachten am Montag eine interessante Abwechselung: Die Bismarck- Kürassiere aus Halberstadt gaben auf ihrer Durch­reise ein recht gut besuchtes Concert und ernteten großen Beifall.

Das im letzten Briefe erwähnte Sommerfest des Humanitas" wurde am Samstag programmmäßig ge­feiert. ES brachte Concertvorträge der Capelle Hilge und Chorgesange des trefflichen Mitgliederchors unter der Leitung des Herrn Mufikdirectors Keifer. Der Garten war präch­tig illuminirt und zum Schluß fehlte natürlich das übliche Tanzvergnügen nicht, dem die Jugend bis zur frühen Morgen­stunde huldigte.

Das tSommertheater mußte in dieser Woche ein paar Tage unfreiwillig feiern, da der Saalbau für andere Veranstaltungen vergeben war, jedoch hat fich das Unter­nehmen nun bereits in der Gunst des Publikums befestigt und sein Gelingen ist nunmehr bis zum Schluß der Spiel­zeit, die bis Ende August dauern soll, gesichert.

Auch im Skating-Rink-Orpheum gab eS in der verflossenen Woche volle Häuser, feit dem 1. Juliarbeitet" dort ein neues Personal. Die dressirten Bären haben ihre Schuldigkeit, als Zugkräfte zu wirken, bestens erfüllt und nun sind dieSix Julians", eine englische Damentruppe, an ihre Stelle getreten.

Indessen beginnt es in Darmstadt immer stiller zu werden. Dietobte Saison" nimmt bereits ihren An­fang und im Laufe der nächsten Woche wird wie alljährlich die große Auswanderung der Sommerfrischler undd Bade- curgäste beginnen. Im Odenwald ist die Zahl der Sommer­frischen ganz bedeutend angewachsen und manch stilles Plätzchen gilt jetzt als Luftcurort, das sich noch vor wenig Jahren von dieser Ehre gar nichts träumen ließ. Auch die Zahl der Durchgangstouristen ist ganz außerordentlich gestiegen, so daß man nun nicht mehr von dem mit Unrecht vernach­lässigten Odenwalde sprechen kann. Seine Schönheiten find jetzt in ganz Deutschland bekannt und locken viele Tausende herbei.