Freitag den 5. Zuli
Zweites Blatt
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2lnrts- und Anzeigeblutt für den TLreis Gietzen
F Hratisöeitage: Gießener Kamitienökätter
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vom .... 18 . .
bis .... 18 . . crepirten oder getödtetm Thiere.
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Annahme von Anzeigen zu der Nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.
Namen der Besitzer
Alle Lnnoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehm?« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
Der krepirten oder getödleten Thiere
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Loge 4 und 8 Uhr.
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schlingen, ist eine furchtbare Waffe gegen dickfelliges Kanäle?- papier. Die Zeit liest der Reichskanzler von einem circa 1/2 Meter hohen Marmorobelisken ab, dessen Sockel eil- mit silberhellem Glöckchen ausgerüstetes Uhrwerk birgt Durch Läutewerke kann der Kanzler den persönlichen resx.
den Namen „Marmorsaal" führt- an ihn schließt s Säulenhalle, welche sich an der Südgrenze des sßat zur Königsgrätzerstraße hinzieht. Fürst Hohenlohe sie nicht zu benutzen, er geht nur im Park spazier' un zwar bei jeder Witterung.
Bemerkungen über Krankheit, wenn solche durch den Thierarzt festgestellt ist, sowie über die Art der Beseitigung der Ea- daver.
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♦ BreSlau, 1. Juli. In der hiesigen Volksbadeanstalt für Frauen stürzten infolge deS Einsturzes einer Brücke gegen 20 Personen in daS Wasier, mehrere wurden verletzt.
* München, 3. Juli. Nach einer Blättermeldung soll in Haidhausen eine Erzieherin, welche demnächst Hochzeit halten wollte, infolge von Arzneiverwechselung eines Apothekers an Vergiftung gestorben sein.
* Paris, 2. Juli. Das Feuer inderGodtllot'schen Fabrik, welches man schon erstickt glaubte, brach um 9 Uhr Abends wieder an einigen Stellen aus. Die bedrohten Gebäude wurden geräumt- die benachbarten Häuser wurden ebenfalls vom Feuer ergriffen. Fünf Spritzen traten in Thätigkeit. Zwei Arbeiter der Fabrik und ein Feuerwehrmann wurden neuerdings verletzt- um Mitternacht gelang es des Feuers Herr zu werden.
• Eine Wanderung durch das Reichskanzler > Palais wird in der „N. A. Z." in folgender Weise geschildert: Wendet man sich im Flur des Palais zur Rechten, so gelangt man in einen nach dem Park zu belegenen Saal, in welchem die Staatsrathssitzungen abgehalten werden- die Wandflächen schmücken dunkelgerahmte Kupferstiche der preußischen Könige und der drei Kaiser. Von diesem Saale aus führt zur Rechten eine Thür in das Arbeitszimmer des Herrn Reichskanzlers. Die Fenster dieses Zimmers gehen ebenfalls nach dem Park hinaus- der Fürst hat seinen Arbeitstisch am zweiten Fenster aufgeschlagen, so daß er der Thür, durch welche wir eintreten, gegeoüberfitzt und das Licht von der rechten Sette erhält. Einfacher kann man sich mit der Einrichtung nicht abfindeu, als es der Fürst gethan. Da sieht man eine ganz gewöhnliche Schreibunterlage, ein weiß- porzellaneneS Tinten- und Sandfaß, einen Löscher, eine Scheere, kurz Alles, was auf einen Schreibtisch gehört, in derselben Qualität, wie wir es in fast jedem öffentlichen Bureau finden. Auf dem Tintenfasse liegen drei Federhalter — „Stück für Stück einen Stlbergroschen". Auch das Petschaft, das große LeseglaS, die Leuchter, Zündholzständer, Ctgarrenruheu rc. find von derselben Einfachheit. Ein brouceneS Papiermeffer von etwa 30 Centimeter Länge, dessen schweren Griff Broncestreifen spiralenförmig um-
Tabelle
über die in der Gemeinde.....
Bureaudiener herbeirufen, über seinem Haupte schwebr ein bequasteter Klingelzug. Am Schreibtisch sitzt der v> auf einem lederbezogenen Rohrstuhl. Der Bequem!^': dient ein vor dem Pfetlerspiegel aufgestellter @orgerlUlj! der mit Lesetischchen ausgerüstet ist. Neben dem (paep- säulenumgebenen Majolikakamtn grupptren sich um ^mev ovalen Tisch resedafarbene Fauteuils, zu Füßen eines eh großen OelbtldeS des Herzogs von Ratibor. An der überltegenden Wand zieht sich unter einem Oelgemä^' cß Kaisers Wilhelm I. ein fünfetagigeS Regal tn
welchem sich Bücher und Acten überetnanderthürm'p- langen Gesimse beleben Photographieen von Fami'^v' .n gehörigen des Fürsten Hohenlohe und in wechselnd^ bemalter Humpen, Gläser und Jagdtrophäen. Für Sucher ist tu reichem Maße gesorgt- kein Tisch ohne Feuerze^S "no Cigarrenruhe, aber Alles auch in einfachster Aussttt^' Fürst Hohenlohe raucht am liebsten Cigarretten, und & russisches Fabrikat. An das Arbeitszimmer schließt fr otr Billardsalon, angefüllt mit Reiseerinnerungen und 3ubl.aum® geschenken. Hier findet sich unter den Ehrengaben, daS dankbare Elsaß-Lothringen seinem scheidenden St widmete, auch das Broncerelies des Fürsten, welche dem Familienwappen den fürstlichen Wahrspruch: ”5jX flammis orior“ trägt. Hier, wie in den Sälen ber CT ten Etage schmücken werthvolle Oelgemälde und Kupfers.'^ Wände- den Ehrenplatz unter den letzteren hat ein Kaisers erhalten, unter das der Monarch eigenb.^'d0 'en-. Unterschrift und daS Datum: „Straßburg, . U./i. ~
gesetzt. Durch mehrere elegante Salons gelangt nan Speisezimmer nach dem Katsersaal mit der goldvergit'" Musikloge. Daran stößt der langgestreckte Tavzsac'' £r
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1 Carl, Aachen.
Der fUfctwet Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.
Die Gießmer Iamitieuvkätter werben dem Anzeiger Wöchentlich dreimal beigelegt.
amt die unerläßliche Forderung aufgestellt: „Behufs fortlausen- . der Controlen der Beschaffenheit sind die Eissorlen des Handels einer periodisch wiederkehrenden Untersuchung zu unterwerfen." Stets aber sollte man es sich für die allgemeine Praxis angelegen sein lassen, nicht in das abzukühlende Getränk hinein, sondern nur um dasselbe herum Eisstückchen zu thun, wie es ja beim Champagner fast allgemein üblich ist.
Eine noch schwerere Anklage abe'' muß gegen einige Sorten des künstlich Gefrorenem erhoben lr.rden. Wie oft mag da schon Magenkrampf, Erbrechen, Kolik u. s. w. auf die Plötzlich wirkende Kälte des Eises oder auf den übermäßigen Genuß der anderen Speisen geschoben worden sein, während die Schuld einzig und allein in den giftig wirkenden Bestandtheilen des , Gefrorenen zu suchen war. Zahlreich sind die Fälle, wo die medicinische Wissenschaft dies unumstößlich feststellen konnte. , Zuerst war es Dr. Orfila in Paris, der in den vierziger Jahren mehrere Hundert Vergiftungsfälle durch Gefrorenes im Cafe der Rötende de Paris beobachtete. Personen, die ; weiter nichts als Vanilleeis genossen hatten, erkrankten sogleich ; oder nach mehreren Stunden an den heftigsten Kolikschmerzen ; unter den Anzeichen einer allgemeinen Vergiftung, von denen sie sich erst nach Tagen oder Wochen erholten. Dr. Orfila ließ nun nach genauer Untersuchung aller Bestandtheile des : Gefrorenen, der Gefäße und Utensilien, in seiner Gegenwart Eis fabriciren, das sich aber auch wieder als giftig erwies. Da erließ er einen Appell an die medicinsche Welt, Alles aufzubieten, um dies Räthsel der Eis-Sphinx zu lösen. Jedoch vergebens. Wieder kamen Massenerkrankungen nach Genuß von Gefrorenem vor in den fünfziger Jahren in Leipzig, in Bergen, Altona, München, Wien, kurzum, je mehr man darauf achtete, desto unheimlicher erschien diese neue Krankheitsursache. Namentlich erregte es in Wien großen Schrecken, als zur Zeit der Cholera in einer Nacht die meisten Besucher deS K. K. Hofoperntheaters nach dem Genuß von Eis erkrankten. Allmählich fand man aber, daß stets Vanille-Eis oder, wie 1860 in Amiens, anderes Rahmeis der schuldige Sünder sei, nie dagegen Fruchteis. Man unterscheidet nämlich zwei Arten von Gefrorenem: Rahmeis und Fruchteis. Ersteres besteht aus süßem Rahm, Eidotter und Zucker, dem irgend ein Gewürz: Vanille, Chocolade, Orangeblürhen, Kaffee zugesetzt werden - letzteres dagegen besieht meist aus Zuckersyrup, Citronensaft I und dem frisch ausgepreßten Saft von Erdbeeren, Himbeeren
Gießen, am 3. Juli 1895.
Betreffend: Maßregeln zur Unterdrückung des Milzbrandes in der Wetterau.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großherzoglichen Bürgermeistereien Mendorf a.d.Lahn, Bellersheim, Bettenhausen, Birklar, Dorf-Gill, Eberstadt, Großen-Linden, Grüningen, Holzheim, Hungen, Inheiden, Klein-Linden, Langd, Lang-Göns, Langsdorf, Leihgestern, Lich, Mufchenheim, Obbornhofen, Ober-Hörgern, Rabetts- hausen, Rodheim, Steinheim, Trais-Horloff und Utphe.
Sie werden, insoweit Sie noch im Rückstände sind, an baldige Einsendung der in unserem Ausschreiben vom 23. August 1880 — Anzeiger Nr. 201 — vorgeschriebenen Tabelle nach dem unten abgedruckten Muster über die in dem letzten halben Jahre crepirten Thiere erinnert, wobei namentlich in der Spalte „Bemerkungen" die Angabe über die Krankheit des Thieres und die Art der Beseitigung des Cadavers nicht zu vergessen ist.
Gießener Anzeiger
Kenerat-Wnzeiger.
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2 Mark 20 Pfg. zu»
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Durch die Post bezo^ 1
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Fernspreu, 51.
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Kuiilleton.
Eis auf der Anklagebank.
Von Dr. H. Grumbach. (Nachdruck verboten).
„Nur der Jrrthum ist das Leben, und d^ Wissen ist der Tod", sagt schon unser großer Schiller, und b^rum zieht auch der richtige Feinschmecker so gern den undurchdringlichen Schleier der Maja über die Küchengeheimnisse d^s tiefften Souterrains. Aber der forschenden Wissenschast hoLe Pflicht ist es, diesen Schleier zu lüften und zum Wohle der Menschheit die nackte Wahrheit darzustellen. j
Wenn wir auf einem Spaziergange einem durstiges, aber froschscheuen Fräulein ein Glas Wasser aus dem Tümpeil einer überschwemmten Wiese credenzen würden, so könnten höchstens mit einem abweisenden „Pfui!" beglückt werden!- doch siehe, am selbigen Abend nimmt die vom Tanz erhitzte, frosch- und wasserscheue Schöne mit dankbarem Blick ein Stückchen Wieseneis in die lauwarme Limonade. Aber daran Hat sie noch nicht gedacht, daß nun auch auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege die große Menge Thierkenne und Schmarotzerlarven in ihren Organismus gelangen. Nach den Untersuchungen des Kaiserlichen Gesundheitsamtes werden nämlich zwar : die anorganischen Bestandtheile des Wassers beim Frieren erheblich vermindert, aber gerade die organischen fast gar nicht. Auch die Untersuchungen des Kunsteises haben ähnliche Resultate ergeben: in einem Cubikcentimeter Eis waren 528 bis 1610 hoffnungsvolle organische Keime, die mit Schmerzen ihrer Erlösung harrten. Im perlenden Champagner, wie im kühlenden, parfümirten Zuckerwasser lauert also in dem so unschuldig blinkenden, weißen Eisftückchen der heimtückische Feind eoenso gut, wie in hohler Hand aus stehender Pfütze im Trun! des durstgepeinigten, fahrenden Handwerksburschen. „Aber drvon hat der Arzt bei Erkrankungen doch nie etwas erwähnt!" höre ich da einwenden. Gewiß! Als die Trichine gefunden und ihre furchtbare Schädlichkeit erkannt wurde, da schlugen auchjalle die Hände über dem Kopf zusammen und riefen: „Bis jetzt hat man doch aber nie etwas von Trichinenkrankheit gehät!"
Bei wie vielen Magen- und Darmkranken muß sichrer , Arzt eingestehen, daß er das „Woher" und „Wie" sich licht erklären kann. Mit Recht hat nun das Kaiserliche Gesundhits- '
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u. s. w. Die giftigen Substanzen müssen also, da - ^Vorkommen nur beim Rahmeis beobachtet worden ist, i: und Eigelb, oder in der Vanille enthalten sein. A><^ °'?cn in Hamburg Erkrankungen von Danille-Cr^me, .au» ater solche von Sahnen- (Rahm-) Speise vor, welche di;ei^en Bestandtheile wie Vanille-Eis enthalten. Tatsächlich nun Eigelb und Rahm bei gegenseitigem Contaclr unter gaffen Temperaturverhältnissen in saure Gährung > iber unb Milchsäure, die giftig wirkt und auch das Zinn d« ;r Gefri leicht löst. So berichtet Dr. H. Bultot üb^.r ein"1, ‘-’a ' wo ein Limonadenhändler ihm Vanille-Eis zur cherr «i^r tet' suchung brachte, weil er es durch seine entlassenen ^bhr'.uugen verunreinigt glaubte. Das ganze Eis war bläuli^ • Diese abnorme Färbung war aber verursacht dl'urm ^lei, welches aus dem zur Bereitung des Eises benutzten br 'i-^iugcn Zinngefäß stammte. Das vorher schon oft m der maschine fabricirte Fruchteis dagegen hatte nie i" <e! 01 Blei gezeigt.
Einige Aerzte behaupten auch noch, diese Der > L’n° 1 könnten von der Vanille herrühren. Die umreifci 1 janl schoten enthalten nämlich einen scharfen Saft, welch. lt Indianer des Staates Oaxaka, ehe sie zur Trocknung _oc schreiten, durch Einstechen von Nadeln ausfließen lassen^ v könnte sich somit um giftige, noch unreife und von dem sch 1< r* ” Fruchtsafte noch nicht befreite Schoten der Vanille hm ■ e * Dies ist jedoch nicht wahrscheinlich, denn es sind bisher rt 1 aus der medicinischen Praxis, noch aus dem wirthschaftl l^cn Leben Fälle bekannt, wo Vamllc .... und für sich im : in der Chocolade oderZuchat zu anderen Speisen äh "tw giftige Wirkungen gehabt hätte. Die ganze Schuld - ■ " /
bis die Erfahrung anders darüber en-scheidet, auf dem M-, beladenen Gewissen des Rahm und Eigelb yaft-n. D .e c ü i müssen den Vorwurf geduldig ertragen, bis sie hr mit HiU" eines erleuchteten Jünger- der Wissenschaft von ihrer. < abwälzen können. v
So lauern nicht nur im crystallklaren, einfachen Wa: « ■ eis mit heuchlerischer Tücke die lebendigen, kleinen Ange Y , sondern auch 'm künstlichen, mit aller Sorgfalt zuocr - - , Speiseeis vereinigen sich die chemischen Agentren y T
angebrachter Harmonie, um des Menschen Freuden unc nüsse zu verkümmern.
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