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1895
Nr. 105 Drittes Blatt. Sonntag den 5. Mai
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Ans den Verhandlungen der Zweiten Kammer der hessischen Stände.
nn. Darmstadt, 3. Mai 1895.
Die Sitzung wird um 9 Uhr eröffnet. Nach Verkündigung neuer Einläufe und Berichtsanzeigen tritt die Kammer in die Berathung des Antrags Haas u. Gen. auf Bewilligung weiterer Mittel für landwirthschastliche Zwecke, insbesondere Ueberwetsung von je 6000 Mk., zusammen 12,000 Mk., zur Förderung der Viehzucht an die landwirth- schaftlichen Provinzialveretne, sowie 15,000 Mk. als einmaligen Beitrag zu den Kosten der im lausenden Jahre ab> zuhaltenden landwirthschastlichen Ausstellung in Gießen. Für die Annahme des Ausschußantrags, der die Bewilligung der Beträge dem Hause empfiehlt, treten die Abgg. Dael von K -th und Wernher ein.
Abg. Heidenreich stellt noch einen Antrag hinsichtlich der Beschränkung des Zuschusses zu Preisen und wird derselbe sowie der Ausschußantrag angenommen.
Ein Gesuch deS jüdischen UnterthanS Moses Bar - kovtz zu Großkarben um Aufnahme in den hessischen Unter- thanen- Verband wird gegen die Stimmen der Antisemiten angenommen.
Ein Gesuch ouf Errichtung einer Apotheke zu Münzenberg findet keine Genehmigung, da Seitens der Regierung ein Bedürfniß hierfür nicht anerkannt wurde.
Von Seiten der Regierung ist der Kammer eine Vorlage gemacht worden über die weitere Befristung der für Bezüge aus Anlaß deS landwirthschastlichen NothstandeS im Jahre 1893 an die Staatskasse geschuldeten Beträge. Diese wettere Befristung hat sich in Rücksicht auf die durch die vorjährigen landständischen Beschlüsse in der zinslosen Befristung der Schuldigkeiten bis zum 1. December 1894 und der Uebernahme sämmtlicher Frachtkosten aus die Staatskasse erforderlich gewordene Umarbeitung bezw. Neu- aufftellung der Heberegister, welche bis zum 1. December 1894 nicht vollendet werden konnte und bis jetzt gedauert hat, als nothwendig erwiesen. Der Ausschuß ist mit der geplanten Maßnahme einverstanden, glaubt aber, daß die zinslose Befristung nicht, wie von der Regierung gewünscht, bis zum 1. Juli 1895, sondern bis zum 1. December 1895 zu gewähren ist. Der Ausschuß hält die Lage der Landwirthschaft in Folge der niederen Getreidepreise und anderer Umstände für eine so äußerst schwierige, daß diese Vergünstigung für berechtigt anerkannt werden muß. x
Abg. Dael v. Köth und Abg. HaaS empfehlen dem Haus die Annahme der Vorlage.
Dies geschieht von der Kammer einstimmig.
Feuilleton.
A » s Eifrrs« cht.
Von G. Struder.
(Nachdruck verboten.)
In einer Stadt am Rhein saßen eines Nachmittags zwei Herren in einem öffentlichen Gartenlocale hinter einer Flasche Wein beisammen. Der eine von ihnen war der reiche Rentner und Junggeselle Heinrich Fleischer, ein etwa sechs- unddretßigjähriger, kräftig gebauter Mann, mit einem wohlgenährten und gutmüthigen Gesicht, und der andere war ein kaum fünfundzwanzig Jahre alter hübscher Mensch mit verschmitzten Augen, welcher den Namen Fritz Werner führte. Der letztere war EommtS an der Bank, welcher Fleischer sein Baarvermögen anvertraut hatte, und dort hatten sich die beiden Herren kennen gelernt. Als Herr Fleischer dem jungen Manne vorhin im Garten zufällig begegnete, hatte er ihn gutmüthig zu einer Flasche Wein eiugeladen, waS von diesem sofort bereitwilligst angenommen worden war. Der ersten Flasche war jedoch rasch die zweite und die dritte gefolgt, so daß zu der Zeit, wo die folgende Unterhaltung stattfand, die Stimmung des Herrn Fleischer eine stark gehobene genannt werden durfte.
„Sie haben gut reden, mein lieber Herr Werner," sagte er, nicht eben geistreich lächelnd zu diesem. „Ja, wäre ich noch in Ihren Jahren, so wäre es für mich ein Leichtes, bald eine hübsche Frau zu bekommen, von einem alten Kerl Wie mir wollen dagegen die Weiber nichts mehr wissen, wenigstens diejenigen, welche jung und hübsch find und gleichzeitig auch Geld haben. Ich aber will weder eine alte noch eine häßliche, noch eine arme Frau haben, iznd darum werde ich mein ganzes Leben Junggeselle bleiben."
Die Vorlage der Großh. Regierung wegenßErrichtung I einer Obstbauschule in Verbindung mit der landwirth- schaftlichen Winterschule zu Friedberg wird, nachdem Graf Oriola in vorzüglicher Rede die Nothwendigkeit derselben für Oberheffen nachgewiesen und auch Staatsminister Finger sich für Errichtung einer solchen Schule ausgesprochen hat, im genehmigenden Sinne des Ausschußantrages einstimmig bewilligt, nachdem noch ein Zusatzantrag deS Abg. Jöckel: „Daß auch den landwirthschastlichen Provinzialvereinen ein Einfluß auf Gestaltung des Schulplanes gestattet sein soll-, angenommen wurde.
Ebenso wurde die Vorlage der Regierung wegen Anstellung eines weiteren C ultur-Jngenieurs mit dem Amtssitz zu Friedberg in Oberheffen, wofür jährlich der Betrag von 7250 Mk. gefordert wird, nach den AuSschuß- anträgen genehmigt.
Für die Herstellung des h ess isch en Landes-Krieg er- denkmals am Bois de la Cuffe bei Metz resp. für Restau- rirung desselben und für Erwerbung des noch erforderlich werdenden Geländes werden von der Regierung nach dem Antrag des Abg. Vogt 6000 Mk. gefordert. Der Betrag wird ohne Debatte genehmigt.
In Zweiter Kammer wurde Seitens der Abg. Wolz und Genossen s. Z. der Antrag auf Erbauung einer Verbindungsbahn von Ba benh ausen mit der Rodgaubahn bei Dudenhofen oder Nieder-Roden gestellt. Die Regierung hat sich in ablehnendem Sinn diesem Project gegenüber ausgesprochen, da zunächst abgewartet werden müsse, bis die Bahnen von Offenback nach dem Rodgau fertig gestellt seien und dann das Berkeyrsbedürfulß übersehen werden könne. Die Mehrheit des Ausschusses kann nur diese Ansicht der Regierung theilen. Die Minderheit des Ausschusses (HaaS-Offenbach, Schroeder und Vogt) wünschen Prüfung und Erwägung.
Die Kammer beschließt mit-großer Mehrheit dem Antrag keine Folge zu geben.
Einem Ansinnen der Regierung auf unentgeltliche lieber« lasiung des Geländes des Treburer und des Ziegelhüttendammes, sowie auf Gewährung eines Beitrages an den Kreis Groß-Gerau behufs Herstellung einer hochwasser- freien Kreis Straße von Rüsselsheim nach Raunheim resp. auf Verwilltgung von 2775 Mk. wurde einstimmig stattgegeben.
Für die Hochbauaufseher der neueingerichteten Hochbauämter ist von der Regierung als Ortszulage für Wohnungs- geldzuschuß der Betrag von 750 Mk. jährlich gefordert. Der Ausschuß beantragt, diese Forderung abzulehnen, weil die fragliche Anforderung sich als die erste finanzielle Consequenz der ohne Zustimmung der Stände ja im Widerspruch mit der Zweiten Kammer über die Trennungs
frage mehrfach zum Ausdruck gekommenen Anschauungen durck geführte Neuorganisation darstellt. Da auch bis heute noch keine Zustimmung der Stände zu dieser Organisationsänderung vorliegt, lehnt die Kammer die Anforderung einstimmig ab.
Ebenso wird da- Gesuch hessischer Zahnärzte um Gleichstellung mit den approbirten Medicinalpersonen und demgemäß Befreiung von der Einkommensteuer einstimmig abgelehnt.
Bezüglich des Einkommensteuergesetzes und des CapitalrentenfteuergesetzeS beschloß die Kammer Be- harren auf den früheren Beschlüssen.
Bezüglich des dritten Nachtrags zum Gesetz über die Nebenbahnen, insbesondere die Strecken Laubach—Mücke, beschloß die Kammer Beitritt zum Beschluß Erster Kammer.
Hierauf vertagte sich die Kammer biß nach dem 20. Mai.
Deutscher Reichstag
83. Sitzung. Freitag, den 8. Mai 1895.
Die Vorlage, betreffend Aufhebung des Bürgermeistergesetzes für Elsatz-Lothringen wirb debattelos in 3. Lesung angenommen.
ES folgt die erste Lesung deS Nachtragsetats (Einweihung deS Nordostseecanals).
Staatssecretär v. Bötticher: DaS große vaterländische unternehmen, der Nordostseecanal, geht seiner Vollendung entgegen und wird voraussichtlich in der zweiten Hälfte deS Juni eröffnet »erden können. Der Gedanke, dielen Act feierlich zu begehen, ist von den verbündeten Regierungen lebhaft aufgegriffen worden. Wenn »ch mir vergegenwärtige, mit welcher Bereitwilligkeit 1886 die Bedeutung des Nordostseecanals von Ihnen gewürdigt worden ist, und ferner, wie seitdem wiederholt aus Ihrer Mitte Wünsche an uns herangetreten sind, Ihnen den Canal vorzuführen, so zweifle ich nicht, daß unser Vorschlag einer größeren Feier auch heute Ihre Zustimmung finden wird. Das Fest soll aber nicht nur ein nationales sein, e» sollen auch die befreundeten Seemächte hei angezogen werden. Die Einladungen zur Theilnabme an der Canalfeier sind an die sämmt- lichen europäischen Seemächte und an die Vereinigten Staaten ergangen und von denselben freundlich und entgegenkommend beantwortet worden. Der Baufonds würde zu den Kosten nicht mehr ausreichen. Deshalb kommen wir mit diesem Anträge, in der Erwartung, daß der Reichstag bereit sein werde, durch die Bewilligung der Kosten die Feier zu einer vaterländischen, nationalen zu gestalten. Ich freue mich, daß das Präsidium deS Reichstages sich bereits geneigt erklärt hat, zu den Vorbereitungen der Feier mitzuwirken. Die Einweihung des Suezcanals hat seiner Zeit 50 Millionen gekostet. Die Canalbauverwaltung hat sehr sparsam gewirthschaftet, fie hat 700000 Mark etwa an den ausgeworfenen Baukosten gespart (Heiterkeit). Ja, Sie dürfen dabei nicht übersehen, daß die Bauverwaltung noch mehr geschaffen hat, als ursprünglich vorgesehen war, fie hat u. A auch noch eine Brücke gebaut. Und ich glaube wohl auS- sp.ecyen zu können, daß etwa die Hälfte des heute geforderten Betrages durch Rückeinnahmen der Canalbauverwaltung werden gedeckt werden. Auch hier gilt: pro patria eat, dum ladere videmur.
Abg Bebel (Soc.): Bereits 1846 hätten Marx und Engel« die erste Anregung zu dem Nordostsee - Canal gegeben. Demgemäß hätten auch vor 10 Jahren seine Freunde der Canalvorlage zugestimmt, obwohl dieselbe damals hauptsächlich mit militärischen Interessen begründet worden sei. Seine Freunde hätten sich gesagt, daß
„Entweder find Sie ein Pessimist," erwiderte der jüngere der beiden, „oder Jbre Worte hatten nur den Zweck, meinen Widerspruch herauSzsssordern und mich dazu zu veranlassen, Ihnen einige Complimente über Ihr stattliches, jugendkräftiges Aeußere und Ihre sonstigen Vorzüge zu machen. Ein Mann wie Sie, der sollte sich nicht mit der Aussicht auf glänzenden Erfolg um das schönste und reichste junge Mädchen bewerben dürfen! ? Dafür wissen Sie selbst doch viel zu gut, waS Sie vorstellen und was Sie werth sind, als daß Sie aufrichtig solche kleinliche und verzagte Gedanken hegen könnten."
Herr Fleischer lächelte geschmeichelt und nahm mit Behagen einen kräftigen Schluck aus seinem Glase zu sich.
„Nun ja, freilich," meinte er still vergnügt, „eß gibt allerdings noch Männer genug, mit denen ich es ruhig aufnehmen würde, wenn eß sich darum handelte, einem Mädchen den Kopf zu verdrehen, und wahr ist es auch, daß ich mich seit einiger Zeit darnach sehne, mir einen Hausstand zu gründen. Ich hätte mich daher auch bereits ernstlich nach einer Frau umgesehen, wenn . . . wenn nicht . . . aber Sie werden mich vielleicht auslachen, wenn ich eß Ihnen sage."
„Eher würde ich mir die Zunge abbeißen, Herr Fleischer, ehe ich daß thäte. Bitte, sprechen Sie also nur ganz offen."
„Nun, so sollen Sie eß denn wissen, ich glaube nämlich, daß ich bereits verliebt bin."
Trotz seines Versprechens platzte Werner in ein lautes Gelächter aus.
„Entschuldigen Sie meine Heiterkeit," sprach er endlich zu seinem ihn mit zorniger Verlegenheit anstarrenden Bekannten. „Aber eß kam mir so Überaus komisch vor, daß Sie in ein weibliches Wesen verliebt find und doch nicht zu wissen scheinen, auf wen als Ihre Zukünftige Sie Ihr Augenmerk richten sollen."
„Darin kann ich nichts so Komisches finden," brummte
der erstere in zunehmender Befangenheit, „denn ein Man« mit meinem (Selbe kann doch unmöglich eine arme Ladenmamsell heirathen."
Wie um dem spöttischen Blicke seine« Gefährten sich zu entziehen, schaute Herr Fleischer nach einer Seiteneinrichtung in den Garten, und da überzog sich sein ohnehin stark ge« rötbetes Gesicht plötzlich mit einer wahren Purpurgluth. So aufmerksam ruhten seine Augen auf zwei achtlos an den beiden Herren vorüberwandelndkn Damen, einer älteren und einer jüngeren, daß Werner daß Benehmen desselben auffiel und er der Richtung dessen Blicken folgte. Schmunzelnd betrachtete er eine Weile die erregte ober vielmehr entzückte Miene Fleischerß, und dann huschte blitzschnell ein pfiffiges Lächeln über sein intefligenteß Geficht.
„Ein reizendeß Mädchen, diese Kleine," sprach er mit langsamer Betonung, „wahrhaftig, in die könnte ich mich sofort verlieben. Kennen Sie dieselbe vielleicht, Herr Fleischer?"
„Ob ich fie kenne?" stammelte dieser aufs Höchste verwirrt. „Nun ja, allerdings, ,ch habe fie schon zuwetlen ge- sehen, da ich meine Handschuhe in dem Geschäft kaufe, in welchem fie angestellt '.st."
„Also habe ich recht geraden, eß ist die nämliche Dame, in welche Sie verliebt sind! Weiß Gott, Sie haben einen vorzüglichen Geschmack, genau denselben wie ich, denn auch ich finde das Fräulein entzückend. Da Sie jedoch durch Ihr Geld davon abgehalteu sind, ihr ernstlich den Hof zu machen, so erlauben Sie mir g^wiß, daß ich sie kennen zu lernen suchen u- d ihr jetzt sofort folge, um zunächst ihre Wohnung in Erfahrung zu bringen."
(Fortsetzung folgt).


