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4.4.1895 Zweites Blatt
 
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1895

Donnerstag den 4April

Zweites Blatt.

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Aints- nut' 2lnjeigeblatt für beitKreis Gieren.

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größter Hochachtung

Verlag von LSalther Siedler,

Ergebenst

Adam Reiner».

totales «nd provinzieller.

i. Friedberg, 1. April. Gin großartiger Zug, an dem ILnnntliche hiesigen Schulen und sonstigen Lehrtnstitute, die »trschiedenen Vereine, der Stadtvorstand und die Bürger« meister deS Kreises Theil nahmen, bewegte sich heute unter Borantritt der Musikcapelle deS 118. Infanterieregiments m der Burg nach dem Biereichenplatz, wo eine mit Bändern gtschmückle junge Elche aus dem Sachsenwald zur Erinne« rang an den heutigen Geburtstag des Fürsten BiSmarck ge« pflanzt wurde. Herr Rechtsanwalt Windecker hielt die schwungvolle Festrede, dabei ein Bild von Bismarcks Tbaten eutwerfeud und hinweisend aus die Bedeutung der Eiche, bei stärksten BaumeS, eines Symbols deS starken Reiches, bei unser großer Kanzler geschaffen. Abends sand noch ein ltark besuchtes Bankett im Saalbau statt. Die Schluß« »r»sung am Seminar findet am nächsten Freitag statt. 4(0 Zöglinge der Oberklasse unterziehen sich derselben.

n. Bönstadt, 1. April. Am Samstag wurde unser seit« tedger Bürgermeister Hofmann mit großer Majorität all» solcher wiedergewählt. Gestern pflanzten wir unter allseitiger Theilnahme zum Andenken an den 80. Geburtstag bei Fürsten Bismarck eine Eiche auf einem freien Platz luaerhalb des OrteS.

A Mainz. 2. April. Der gestrige Festcommers zu Ehren des 80jährigen Geburtstages deS Fürsten BiS« marck hatte sich aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung eines so zahlreichen Besuches zu erfreuen, daß die riesigen itiäume unsererStadthalle" fast zu klein waren und die Spätkommenden sich nur mit Mühe ein Plätzchen erringen konnten. Den Anfang des CommerseS bildete der Vortrag M BiSmarckmarscheS von Eichelberg, worauf zunächst von d>er Musik die Jubel-Ouveriure von Weber intonirt wurde. Sodann brachte Oberbürgermeister Dr. Gaßner ein Hoch aef den Kaiser und den Großherzog aus, worin er die beiden Souveräne als Friedensfürsten feierte. Hieran schloß sich die Nationalhymne, auf welche Ernst Scheren­der g einen von ihm verfaßten, stimmungsvollen Prolog zum Vortrag brachte. Sodann folgten zwei von dem Liederkranz »orgetragene GefangSoorträge und dann die von Jmmobilien- director Brand gehaltene Festrede auf den Fürsten Bis- »arck. In großen Zügen schilderte Redner daS ganze Trachten und Thun BiSmarckS, den er als den größten Staatsmann unseres Jahrhunderts feierte. Nach der mit großer Begeisterung aufgenommenen Festrede und dem-aber« maligen Vortrag verschiedener Lieder und Gesangsvorträge er­öffnete Geh. Commerzienrath St. C. Michel den Reigen der Trinksprüche mit einem Hoch auf daS Vaterland, worauf Dr. Görz ein solches 'auf die Armee ausbrachte, in deren Kamen Gouverneur von Holleben dankte. Den letzten »fsteiellen Trinkspruch brachte Dr. Reinach auS und zwar »uf die Damen.

Vermischtes.

* Von», 2. April. Der Fabrikbesitzer Franz Guilleaume, Inhaber der Firma Franz Anton Mehlem, machte auS Anlaß Hei Geburtstags des Fürsten Bismarck eine Stiftung von SO 000 Mk. für seine Arbeiter.

* Augsburg, 2. April. Das Schwurgericht verurtheilte toen Müller Raurach von Rudolstadt, der auf der Hochzeits­reise seine Frau in Lindau in den Bodensee gestoßen hatte, jju» Tode.

* Laubau (Pfalz), 2. April. Dem Ausstellungsausschuß f'-itr die unter dem Protektorate Seiner Königlichen Hoheit Kei Priuzregenten Luitpold von Bayern stehendeFach- Sewerbe-Ausstellung für daS Hotel« und WirrhschastS- Nahrungsmittel, Getränke und HauShaltungSgegen« ffiände" zu Landau in der Pfalz wurde von der Kiuiglichen

Deutsches Reich.

Berlin, 2. April. Fürst BiSmarck hat die großen Anstrengungen, die für ihn der erste April gebracht, ver« hältnißmäßig gut überstanden, nur fühlt er sich begreiflicher Ißdfe ermüdet und abgespannt. Vermuthlich wird et sich daher die nächsten Tage über möglichste Schonung auferlegen nüffeu.

Die Zahl der dem Fürsten Bismarck zu feinem 80. Geburtstage zugegangenen Glückwunfchbriefe beträgt etwa 2000, diejenige der Glückwunschtelegramme ec. 20000. Unter den letzteren befinden sich solche der deutschen Bundesfürsten, soweit dieselben nicht durch besondere Abgesandte gratuliren ließen, wie von vielen fremdländischen Fürstlichkeiten.

Militär-Verwaltung daS nahezu inmitten der Stadt gelegene ErerzierhauS nebst dem dabei liegenden und rundum elnge* zäunten Exerzierplatz bereitwilligst zur Versügung gestellt. Die Ausstellung findet bestimmt vom 7. bis 15. Juli statt. Zu der nachgesuchten Lotterie, zu welcher 10000 Loose ä 1 Mk. zur Ausgabe gelangen sollen, die Gewinngegenstände aber von den Ausstellern sämmtlich angekauft werden müffen, wurde von der Königl. Regierung der Pfalz die Genehmigung ertheilt. Die Anmeldungen zur Ausstellung nehmen einen erfreulichen Fortgang und kommen die Aussteller aus allen Gegenden Deutschlands, ebenso sind schon Anmeldungen auS Oesterreich Ungarn und Italien eingelausen. Der AuSstellungS- ausschuß ist heute schon vor die Frage gestellt, eine zweite große Halle zu erbanen. Für die Aussteller selbst ist der Ausstellungsplatz sehr bequem. DaS Exerzierhaus liegt ganz eben und hat drei breite Eingänge, sodaß auch die schwersten Gegenstände mit Leichtigkeit an ihren Standort gebracht werden können, außerdem geht ein Bahngeleise biS an den Ausstellungsplatz. Electricttät, GaS- und Wasserleitung werden zur Zeit auf den Ausstellungsplatz und in die Halle

CUetaiwe unb Hunft.

Di« Kritik, Wochenschau des öffentlichen Le'oenS. Her«s gegeben von Karl Schneidt. Verlag von Hugo Storm, Berlin V., Glediischstr. 35. Abonnement vierteljährlich 5 Mk. /^elne Heste 50 Pfg. Auch Heft 26 dieser in unparteiischem Sinne fltlcltden Zeitschrift enthält wieder viel des Jntereffanten .und Beherztgens- wrrthen. _____________

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Eingesandt.

Gieße«, den 2. April 18to.

Sehr geehrter Herr Redacteur l

Auf die Mttthetlung der Frau Lange-PraetoriuS inRr.78 ^bres geschätzten Blattes habe tch die Ehre Nachstehendes zu erwidern, um es alSdann ein für alle Mal dem geehrten Publikum zur gefälligen

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28. v M. in Marburg, ungefähr eine Stunde voc Aufführung von Donna Diana": es würde am Abend wiederum sehr leer und fit habe infolge dessen keine Lust, zu spielen. 36 ma4tc oWb*n* He Dame auf ihre Verpflichtung aufmerksam und setzie noch hinzu V-» doch bedeutende Kosten durch die Reife, Zettel, Annoncendluck usw. erwachsen wären und doch eigentlich jebet Gast der Gefahr auSgestA sei, vor leerem Hause spielen zu müssen. Ich wollte^aber, meon d»S Geschäft am folgenden Tage in Gießen sich nicht besser gestaltete» ^ ihrer -tngegangenen Verpflichtung gern entheben..Diese Unterredung hat, wie mir Herr Regisseur Ntemeier bestätige kann, ohne Zeuge« vor dem Saalbau in Marburg stattgefunden, da Herr Ntemei«, d« anfangs zugegm, sich sofort nach Einleitung de« KesmächS zrmück og. Nach dieser Unterredung habe ich mit der Dame überhaupt kein Wort mehr ^®ud£anfle Praetortus kam an dem Abend

nach fuhr mit uns zurück und verließ noch in derselben Nacht tnsofir« heimlich die Stadt Gießen, *18 tch nicht die öeringste Ahnung davo« hatte. Erst als tch am andern Morgen der Dame auf Wunsch die Kassenberichte ihrer Gastspiele rufenden wollle, erfuhr tch der« Abretfe Dies zur Steuer der Wahrheit. ,

Bevor ich nun mit einer gerichtlichen ^age gegen diese« Vertragsbruch vorgehe, werde tch zuvörderst das Urthetl des Bühnen- Schteds-GertchtS anrufen, welches tch seiner Zeit dem hochverehrt« ^bTnÄ^\& Herr Redacteur, die Versicherung

Sxamenschtmrreu. Ein wie liebenswürdiger Examinator der verstorbene Professor vr. Rubo in Berlin war, da- von, fo schreibt dasSerL Tagebl.", erzählen nun nach dem Tode deS allseitig beliebten ManneS die Assessoren und Referendare im Bezirke des Kammergerichts ein paar nied- tche Geschichtchen. Namentlich wenn Rubo mit einigen be- ouderSstrengen" Examinatoren gemeinschaftlich zu prüfen lotte, hielt er eS für seine Pflicht, den Examinanden goldene Brücken zu bauen, er lobte ihre Antworten, wenn sie zu« trafen, entschuldigte die Mängel und richtete die Fragen oft o ein, daß er den Prüflingen die Antwort fo zu sagen in den Mund legte. So fragte er zuweilen:2Ber hat den Zollverein mit Maßen bemvtzl?A und nahm von de« chmunzelnden Candidaten die Antwort ^Motz und Maßen freundlich entgegen. Häufig leitete er besonders ,/schwere Fragen mit der tröstenden Bemerkung ein:ffienn Sie es nicht wissen, schadets nichts." So examinirte er einmal mit wenig Erfolg einen jungen Juristen über die verschiedenen Altersgrenze, der Handlungssähigkeit, DeliciSsähigkeit und Sidesmündl^keit, und als er gar keine Antwort bekam, sagte er-Wie alt sind Sie denn, Herr Sandidat? Wenn Sie eS nicht wissen, schadet« nichts." Als dagegen ein Candidat sich Über das Vergehen des sogenanntenFutterübergriffs wohlunterrichtet zeigte, das im letzten Abschnitt des letzten Paragraphen im Strafgesetzbuch behandelt w>rd, sagt Rubo anerkennend:DaS ist wirklich viel, daß Sie daS wiffen, eS steht so weit hinten." Durch solche Bemerkungen wurde stets die Temperatur, die zuweilen in dem Parterresaal an ! der Lindenstraße recht schwül werden kann, angenehmer, aber : allgemeine Heiterkeit entstand, wenn Rubo, der ein hoch« geschätzter Kommentator des Strafgesetzbuches war, iu humoristischer Art aufLücken" in diesem Rechtsbuch ober tu der deutschen Strafproceßordnung aufmerksam machte. So mißfiel ihm der Artikel 6 im § 366 des Strafgesetzbuchs, weil er dahin lautet, daß mit Geldstrafe bis zu 60 Mark ober mit Haft bis zu vierzehn Tagen bestraft wird:Wer Hunde auf Menschen hetzt." Einen Hund darf man also hetzen? fragte Rubo scherzend. Ferner war ihm der Inhalt des § 484 der Strafproceßordnung nicht ausreichend. Dort wird von derVollstreckung der Todesurtheile" gehandelt und es wird gesagt:Bei der Vollstreckung müssen zwei Mitglieder des Gerichts erster Instanz, ein Beamter der Staatsanwaltschaft, ein GerichtSschreiber und ein Gesangnitz- beamtet anwesend sein." Unter dieser genau bestimmten Corona vermißte Rubo den doch zweifellos wichtigen Scharf« richteraund folgerte humoristisch daraus, daß eigentlich dem­gemäß der Staatsanwalt die Execution vorzunehmen hätte. AIS ihm aber einmal ein Candidat erwidert, daß auch der .Haupt"persou, deS Delinquenten", in dem Paragraphen tetne Erwähnung g«h»n fei, bekannte er sich für gefchiagen. Ferner pflegte er bei dieser Gelegenheit zu fragen:Sie wissen doch, Herr Candidat, daß dem Delinquenten am Tage

Hinrichtung alle Wünsche, die irgendwie angängig find, erfüllt werden. WaS muß ihm aber unter allen Umstände« abgeschlagen werden?" und wenn, wie es meistens bei dieser Frage der Fall war, keine Antwort erfolgte, sagte Rubo schmunzelnd:Der Kopf." Durch diese Examen­schnurren ganz besonders, die sicherlich noch eine reiche Sr- gänzunz leicht erfahren können, wird das Andenken an den liebenswürdigsten und nachsichtigsten Examinator, der wohl je daS Kammergericht betreten hat, lange fortlebe«.