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3.8.1895 Zweites Blatt
 
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9t«. 180 Zweites Blatt. Samstag dm 3. August 189»

Gießener Anzeig er

Keneral-Mnzeiger

Amts- und Anzeigeblatt für den ISw« tlncfzen.

Hratisöeikage: Gießener Aamitienökätter

All: Annoncen-Bureaux deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

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Innahme von Anzeigen zu der Nachmittag- für de, folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- Dorm. 10 Uhr.

sundheitsscheinen der Großh. Kreisveterinärarzt Herr Oehl in Schotten ermächtigt.

IV. Landwirthe und Metzger bedürfen, sofern sie nicht ebenfalls mit Vieh Handel treiben, der Gesundheitsscheine im Allgemeinen nicht.

Es ist indesien zu empfehlen, daß sich Jeder mit solchen Scheinen versieht: einestheils weil nur dann bei dem Ver­kauf des zu Markt gebrachten Thieres an den Händler der bei dem Abtrieb des Thieres vom Markt erforderliche Schein von dem den Markt überwachenden Großh. Kreisveterinär­arzte alsbald ausgestellt werden wird, wenn die Seuche­freiheit des Ortes der Herkunft des Thieres festgeftellt ist, anderntheils weil der Auftrieb der Thiere, deren Besitzer mit Scheinen versehen, ohne weitere thierärztliche Untersuchung zum Markte zugelasien ist, sobald die Scheine polizeilich controlirt und ordnungsmäßig befunden sind.

V. Den Großh. Bürgermeistereien des Kreises empfehlen wir, sowohl die vorstehenden Bestimmungen in entsprechender Weise zur Kenntniß der Betheiligten zu bringen, als auch für die Ausstellung ordnungsmäßiger Gesundheitsscheine, so­weit solche ihre Zuständigkeit berührt, besorgt zu sein. Der Unterschrift ist das Siegel beizufügen.

Auch verweisen wir noch auf die Bekanntmachung vom 5. Juni 1891, Kreisblatt Nr. 44.

Schotten, den 26. Juli 1895.

Großherzogliches Kreisamt Schotten. Schönfeld.

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den Sommermarkt zu Schotten betreffend.

Zur Durchführung der veterinärpolizeilichen Ueber- «achnng des am 5. und 6. August l. I. dahier stattsindenden MkhrmrkteS kommen die nachstehenden Bestimmungen zur An- etitbung und werden dieselben daher hiermit zur allgemeinen Kenntniß gebracht.

I. Der Markt beginnt um V-4 Uhr früh. Vor dieser Zeit dürfen keine Thiere auf der Straße aufgestellt werden.

Zuwiderhandlungen werden mit Geldbuße bis zu 60 Mk. bestraft. .

II. Viehhändler, welche Thiere zu dem Markt bringen ober bringen lassen, müssen mit Zeugnissen versehen sein, in welchen bescheinigt ist, daß die Thiere sich seit mindestens 1 Tagen in seuchefreiem Zustand an dem Ort der Unter- ftlhMg befunden haben.

Diese Zeugnisse (Gesundheitsscheine) können in Gemeinden, welche länger als einen Monat gänzlich seuchefrei sind, von den Ewßsi. Bürgermeistern (Beigeordneten) ausgestellt werden bann, wenn nicht innerhalb des Ortes ein zur Ausstellung der Scheine ermächtigter Thierarzt wohnt. Sonach müssen Händler, welche an einem Orte wohnen, an welchem ein zur Ausstellung der Gesundheitsscheine ermächtigter Thierarzt feinen Sitz hat, mit von letzterem ausgestellten Scheinen

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Die Gesundheitsscheine für Schafe und Schweine m Lreibheerden können nur von einem dazu ermächtigten Thier- rrzte ausgestellt werden.

Für Thiere aus der Gemeinde Hartmannshain ist der Antrieb nur gestattet, wenn eine Bescheinigung Gr. Kreis- irterinäramts Schotten vorgezeigt wird, inhaltlich deren die Thiere 7 Tage in seuchefreiem Zustand sich befunden haben.

Die Gesundheitsscheine müssen enthalten: Ort und Saturn der Ausstellung, Namen des Besitzers der zu trans- flsitii enden Thiere, jedes mitzusührende Stück Rindvieh nach TWecht, Alter, Farbe und Abzeichen, die Zahl der mit- Mhrenden Schweine und Ziegen. Die Scheine sind fünf Saoe giltig.

Die über das angetriebene Vieh beigebrachten Gesund­heitsscheine werden revidirt, jedoch den Besitzern alsbald oieber zugestellt werden.

Der Schein muß nur dann erneuert werden, wenn die betreffenden Thiere in anderen Besitz übergehen, oder wenn )i: Gültigkeitsdauer des Scheins an dem Markttage erlischt.

III. Im Kreise Schotten ist zur Ausstellung von Ge-

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Feuilleton.

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1895.

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er und bflüf b®- «11t in der Druckerei.

Freundestrrue.

Eine Erzählung von K. Wagemann.

(Schluß.)

Wohlmann war selber von der Weihe des Augenblicks sehr ergriffen, als daß er gleich hätte antworten können. Zeigend nahm er Carls Hand und drückte sie herzlich-

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in sagte er:

Wie werde ich dem Sohne meines Lebensretters eine .je Bitte abschlagen können? Ich freue mich außerordent- ity, daß ein gütiges Geschick mir gestattet, auf diese Weise S iMine Dankespflicht gegen Ihren Vater abzutragen. Elisens 2? .Herz gehört ja Ihnen bereits."

tvMöge Gott seinen Segen geben I" fügte die Mutter 1887 tfLgfy hinzu, indem sie Carl die Hand reichte. Ihre Augen O innen feucht geworden.

1001- Auf dem Bahnhofe gab Wohlmann eine Depesche nach & Laase auf, daß sie erst übermorgen zurückkommen würden, wolle zunächst einen alten Freund besuchen. In Halber- op Wutot 1061||ibi wurde übernachtet. Am anderen Morgen früh setzten 103 die Reise fort, westwärts gtngs, auf Oberbergen zu. Eine Lsndlv- <»r ' brachte sie vollends ans Ziel.

330 j z/$ßte werden Vater und Mutter staunen V* jubelte Carl, it*<cti»-^r7oi88 wird eine Freude sein."

T^Fährpreis Um bk Eltern und Geschwister zu überraschen, ließ - w er nicht zur Dorfftraße einfahren, die vor dem Hause hinlief, faibern den Feldweg entlang, hinter dem Hausgarten.

Meister Eichner saß gerade mit seiner Frau allein im qfcumer, besorglich erwägend, wo ihr Carl denn wohl so ___ , Da flog die Stubenthür auf, der Vermißte tmt ein, ein bildhübsches Mädchen an der Hand haltend.

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-dt. Daubringen, 31. Juli. Es find bereits schon einige Wochen verflossen, als eine Anzahl hiesiger junger Männer, durch Turnvater Jahns Lehren begeistert, und den hohen Werth der Turnerei erkennend, sich zusammenschaarten und einen Turnverein gründeten. Die Zahl der Mit­glieder beträgt 38 incl. Zöglinge. Mögen dem jungen Verein noch recht -viele, nicht nur turnende, sondern auch solche Mit­glieder, die den Verein pecuniär unterstützen, beitreten. Am vergangenen Sonntag unternahm die Lollarer Turnerschaft einen Turngang nach Daubringen, und fand dort ein gemein­sames Volksturnen statt. Nachdem dieses beendet, wurden im Vereinslocale bei Gastwirth Albach noch einige fröhliche Stunden verbracht, und schloffen diese mit einem dreifachen Gut Heil" auf das fernere Wachsen, Blühen und Gedeihen des Turnvereins Daubringen. Möge die gute Sache nach dem schönen Anfang auch einen gedeihlichen Fortgang nehmen, und möge diesem jungen Verein auch die Theilnahme der Bürgerschaft Daubringens in vollem Maße entgegen gebracht werden. Gut Heil!

Vater, Mutter, ich bringe Euch meine Elise!"

Welch verdutzte Gesichter machten die Eltern! Dem Vater wollte eS nicht recht in den Sinn, ein fremdes Mädchen, einFräulein" noch dazu, so mir nichts, dir nichts als Schwiegertochter anzunehmen; aber wie konnte er einem so lieblichen Wesen eine Unfreundlichkeit sagen! Die Mutter brachte nur hervor:Kinder, dann setzt Euch doch erst hin!"

Da erschien Wohlmann mit seiner Frau auf der Thür- schwelle. Einen Blick warf er in die Stube, dann ließ er seine Frau los und mit dem Ausruf:Er ist es, er ist es wirklich!" eilte er auf Eichner zu.

Eichner, alter Freund, kennst Du mich nicht mehr, Deinen Kriegskameraden Wohlmann?"

Eichner starrte den Ankommenden einen Augenblick an, dann sprang er auf, lief ihm entgegen und schloß ihn in die Arme.

Wohlmann, sDu lebst, Du bist nicht gestorben? Sei mir tausendmal willkommen! Ist denn das Deine Frau? Ist das Deine Tochter?"

Gewiß, alter Freund! Und sieh, durch die Liebe der Kinder haben sich die Väter wiedergefunden!"

Nun will ich an ein Wunder glauben!" rief Eichner und faltete die Hände. Ihm und seiner Frau kam alles zu urplötzlich.

Wohlmann nahm wieder das Wort:

Arnold, Du bist aber doch bei Metz begraben!"

Ich bei Metz begraben?" erwiderte dieser gedehnt unb faßte sich an den Kopf, wie um sich vom Gegentheil zu überzeugen. Die Anderen konnten sich des Lachens nicht erwehren.Was fällt mir denn da ein?" setzte er nach längerer Pause hinzu.Als ich wieder zum Bewußtsein kam, redete man mich erst immer mit Fechner an. Derselbe Name stand an meinem Bette und auch

n. Ans der Wetterau. 31. Juli. Die Getreideernte geht bis jetzt sehr rasch von statten. Die Frucht ist unkraut- frei und der Klee dazwischen hat in Gegenden, in denen der Regen spärlich fiel, kaum die Höhe der stehenbleibenden Stoppeln erreicht. So kommt sie dann rasch ins Seil und heim. Wenn das Wetter günstig bleibt, ist die Ernte bis zum 10. August bewältigt. Die Qualität der Körner ist sehr gut, die Quantität fällt dagegen sehr verschieden aus. Besonders hört man die sehr schöne Gerste loben. Unsere Landwirthe haben seither fleißig von derselben eingefahren und hoffen sie als Brauerwaare besser wie zu Mehl- und Futterzwecken verwerthen zu können. Das Getreide wird bei uns vielfach im Accord geschnitten und verdienen die Leute ein für ihre Verhältnisse recht schönes Stück Geld dabei, zumal fast alle Familienglieder dabei beschäftigt werden können. Dieses Jahr nun ist der Verdienst für den einzelnen deshalb geringer, weil alle Fruchtarten gleichzeitig reifen, wodurch mehr Arbeiter ins Feld gestellt werden müssen. Man zahlt für den Morgen Frucht zu mähen meistens drei Mark, zu schneiden 60 Pfg. mehr- für gleichzeitiges Binden weitere 50 Pfg. An anderen Orten beträgt der Preis für das Mähen auch bloß Mk. 2.50. Maschinen zum Schneiden der Frucht sieht man äußerst selten.

n Stockheim. 31. Juli. Nach dem Verwaltungsbericht der hiesigen Actien - Zuckerfabrik wurden im ab­gelaufenen (dem 11) Geschäftsjahr 847,630 Ctr. Rüben mit einem Kaufpreis von Mk. 540,937.99 von 4552 Morgen verarbeitet, sodaß der Durchschnittsertrag vom Morgen auf rund 186 Centner kommt. Der Zuckergehalt betrug durch­schnittlich 12,20 pCt. und war 0,07 pCt. höher als im Vorjahr. Auch für die hiesige Fabrik war daß abgelaufene Geschäftsjahr infolge der Ueberproduction sehr ungünstig. Der Centner Zucker wurde im Durchschnitt mit Mk. 9,508 verwerthet gegen Mk. 14/859 in 1892/93J und Mk. 12,9ß3 in 1893/94. Die Ausbeute betrug im Ganzen 90098,08 Ctr. Täglich wurden 6325 Ctr. Rüben verarbeitet. Der Gewinn beläuft sich auf Mk. 5657.13.

-e. Neu-Ulrichstein, 1. August. Monatsbericht der Arbeiter-Colonie pro Juli 1895. Ende Juli 1895 sind in der Colonie stellen-, resp. arbeitslos 43 Mann. Dieselben Verth eilen sich aus das Groß- herzogthum Hessen 10- Königreich Preußen: Regierungsbezirk Kassel 3, Regierungsbezirk Wiesbaden 4, Provinz Rhein­lande 9, Provinz Westfalen 2, Provinz Sachsen 1, Provinz Berlin 1 , Provinz Schlesien 1, Provinz Pommern 1 - Königreich Bayern 2, Königreich Sachsen 3, Thüringen 3- freie Stadt Homburg 1 - Ausland: Oesterreich 1. Hiervon waren: Arbeiter 16, Bäcker 4, Buchbinder 1, Graveure 1, Kaufleute 2, Kellner 1, Krankenwärter 1, Landwirthe 1,

in meinem Zeuge. Mein eigenes aber war nirgends zu finden."

Aha, nun geht mir ein Licht auf!" fiel Wohlmann ein,da ist eine Verwechselung mit dem Zeuge geschehen."

Du kannst Recht haben," sagte Eichner lebhaft,und diese Verwechselung habe ich am Ende auch meinem Typhus zuzuschreiben. Aber wie geht es Dir denn, Kamerad? Ein Wunder, daß Du wieder hoch gekommen bist- da unter dem Dornenstrauche sähest Du zum Verzweifeln aus."

Wohlmann faßte Eichners Hand.

Ich danke Dir in Ewigkeit für Deine Treue! Mir geht es jetzt ausgezeichnet. Das größte Möbelgeschäft in M.....gehört mir, und Elise ist mein einziges Kind.

Dein Carl muß bei mir als Werkführer und Theilhaber eintreten, längst bedarf ich eines solchen. Und Du sollst künftig aller Sorgen ledig sein, da- verspreche ich Dir- Du hast es um mich tausendfach verdient."^ .

Und nach den Worten WohlmannS geschah eS. Bald feierten Carl und Elise Hochzeit. Er bewies sich als ein geschickter und umsichtiger Werkführer in deS Schwieger- Vaters Geschäft. Seine Möbel wurden weit und breit ge­rühmt und gekauft. Das Geschäft vergrößerte sich so, daß man einen Comptoiristen anstellen mußte. Und wer bewarb sich um die Stelle? Raffers Schwiegersohn, HanS Windig. Er war durch seine leichtfertige Geschäftsführung in Concurs gerathen, und weil der Schwiegervater für ihn gutgesagt hatte, sollte auch dessen Haus und Hof unter den Hammer kommen. Seine einst so hochfahrende Tochter aber mußte sich einstweilen durch Nähen etwas zu verdienen suchen. Carl zögerte keinen Augenblick, bei seinem Schwiegervater ein Wort für HanS Windig einzulegen. Derselbe erhielt denn auch die Stelle, nachdem Herr Wohlmann so viel zum Gehalt zugelegt, daß es für eine kleine Familie ausreichte.