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Der Vorstand.
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Sonntag den 3. März
Zweites Blatt.
Nr. 53
1S95
vierteljähriger
Kenerat-Wnzeiger.
Zlint-- und Anzeigeblatt für den Aireis Gieszen
1 chratisbeitage: Gießener Aamitienötätter.
Annahme Don Anzeigen zu der Nachmittag» für bex folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» Corrn. 10 Uhr.
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Der
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Gießener Anzeiger s
Gesundheitszustand und Sterblichkeit im Kreise Gießen im Jahre 1894.
5m Manzen sind im Berichtsjahre im Kreise Gießm 1526 Personen cestorben. Bei Annahme einer BcvS kerungszahl von rund 1500 Einwohnern mehr als am 1. December 1890, wobei nur die constattrte Zunahme der Stadt Gießen gerechnet, die Einwohnerzahl der Canboite aber die gleiche wie bei der letzten Volkszählung ist = 75 936, berechnet sich daher die Sterbeziffer zu 20,09 vom ! Lausend. '
Diese Zahl ist eine an sich schon im Vergleiche mit früheren i Jahren rechi günstige, sie ist aber d.nnoch in Wirklichkeit zu hoch. , Da» richtige Sterbeoerhältniß erhält man, wie früher schon örter i dargeleal wurde, erst dann, wenn man von der angegebenen Zahl der Gesarnrnt Todesfälle die 227 in Gießen verstorbenen Ortsfremden (darunter waren 59 Kreisangehörige, 39 Kreissremde und 129 Ausländer) abrechnet und die darin enthaltenen 59 K-eiSangehörigen wieder zuzädlt. Aus diese Weise gelangt man zu 1358 Sterbefällen im ganzen Kreise und refultht daraus eine Sierbeziffer von 17 88%) gegen 22,03e/oo in gleicher W ise vom Jahre 1893, aus die damals mit 75 200 allerdings wohl etwas zu niedrig angenommene Bevölke- rimgSzahl.
Wie in einer anderen Veröffentlichung schon dargelegt wurde, batte die Stadt Gießen in 1894 bei einer aus 22 100 erhöhten Einwohnerzahl 290 Sterdesälle ihrer oitseinbetmischen Bevölkeiung und berechnet sich do>aus eine ganz ungewöhnlich günstige Sterbez-ffer ron 13,12 °/oo. Nimmt man nun die Einwohnerzahl sämmtliwer T9 Orte des Landkreises (75 936 - 22 100) zu 53 836 an und st.llt tiefer die Zahl der den genannten Orten zukommenden Sterbeiälle, einschließlich 59 in klinischen Anstatt n zu Gießen verstorbener K>ets- ongehöriger gegenüber (1526 — (290 4- 227) 4- 59 = 1068 Sterbefälle), so erhält man die Sterbeziffer sämmtlicher Orte des Landkreises mit 19 83°/.o gegen 23,75%» in gleicher Weises berechnet vom I ihre 1893.
Wollte man nun die Sterbeverhältnifle der Stadt Gießen und der Landbevölkerung des KreiseS einfach nach diesen Sterbeziffern bl'urthetlen, so würde daS Uttheil natürlich sehr zu Gunsten der Stadt Gießen aussallen; um dies jedoch nicht mehr als in berechtigter Weise zum Ausdruck zu bringen, muß doch noch verschiedenes ändere berücksichtigt und in der Hauptsache geltend gemacht werden, d^ß eine Garn'son- und Universitätsstadt wie Gießen, nach welcher eine so große Zahl von jungen gesunden Leuten im widerstandS- sthtgsten ->lter, außerdem noch durch Schulen, Industrie, als Dienstboten u. s. w. sich hinwenden, und bei der Einwohnerzahl mitgezählt treiben — eine für die Verhältnißzahl der eintretenden Sterbefälle »ettavS günstiger zusammengesetzte Bevölkerung hat, als die sißhaste Landbevölkerung deS Kreises. Ausdrücklich muß aber hervorgeboben werden, daß für daS Jahr 1894 die Sterblichkeit der Landbevölkerung
Feuilleton.
Aus der hessischen Franzoseryeit.
1806—1814.
Von Dr. Otto Buchner.
(Fortsetzung und Schluß.)
Auch die Bildergallerie wird besucht, „welche, einige ' Stücke ausgenommen, recht schlecht ist. DaS Gebäude aber . ist schön, bemerkenswerth sind noch die sich >ort befindenden 1 Monumente der Römer." Mit den gleichzeitig anwesenden ' österreichischen Offizieren verlebten unsere deutschen Jäger , manchen vergnügten Abend, dagegen hatten sie auch einmal ; einen fürchterlichen Spektakel mit französischen Offizieren. > „Einer von der 1. Compagnie verlor die Hand, man schoß *uf unsere Leute und man glaubte schon eine völlige Revolution zu sehen. Es wurde aber alles bald getilgt."
E. Bekker in seinem „Gedenkbuch der Freiwilligen" erwähnt dieses Ereigniß vom 27., 28. und 29. Juni ebenfalls. „Auflauf wegen eines würdigen österreichischen Staks- asfiziers. Jäger Noack (Forstmann von Bessungen bei Darmstadt) wird dabei schwer in die Hand verwundet. Die Veranlasser, französische Offiziere, werden gefangen und bestraft."
Ein anderer ähnlicher Streit auf dem Broteaux jenseits der Rhone wurde nur mit Mühe gedämpft. Zwischendurch lernt aber unser Gießener Jäger die praclische Seidenraupen» jncht kennen.
So dürftig das Tagebuch ist, so liest man doch aus jeder Seite desselben den jungen, gebildeten und strebsamen Beobachter heraus, der, da keine kriegerische Lorbeeren zu pflücken sind, so viel wie möglich seine Kenntnisse zu bereichern sucht.
Der Krieg ist zu Ende und der Heimweg wird am 2. Juni angetreten auf einem kürzeren Wege. Auf dem barsch nach Besangon beobachtet er die Salinen in Lons Iö Saulnier und Saline, sowie „den berühmten Canal, den Napoleon graben ließ, um den Rhein mit der Rhone zu »erbinbcn; es ist eine herrliche Arbeit, die ungeheuersten Felsen sind ausgehauen worden, doch wurde dieses schone Mrk leider nicht beendet." Ein Dorf bei Besantzon ist z«nz zerstört, „sodaß wir Hunger leiden und im Walde NachtS , üvvakir en mußten." Bei einem anderen Quartier vergißt 1
Keuchhusten kam zwar in sehr allgemeiner Verbreitung nicht vor, doch sind 10 Sterbfälle an dieser Krankheit constattrt worden, an Unterleibstyphus kamen 3 Sterbfälle vor, davon betrafen zwei Annerod und einer Allendorf a. b. Lda., zu einer weilen Verbreitung gelangte die Krankheit an beiden Orten nicht. Wettere epidemische Krankbettcn haben eine erwähnenswertbe Bedeutung nicht erlangt.
Wochenbettfieber führte 8 Sterbfälle herbei und sieben Frauen sind in Folge fonstiger Zufälle bet und nach der Geburt gestorben.
Der Lungenschwindsucht erlagen im Landkreise, auf den sich alle hier gemachten Angaben beziehen, 110 Personen und an Tuberculose anderer Organe 43 An Lungenentzündung sind 114, an sonstigen entzündlichen Elkrankungen der AthmungS-Organe 75 Sterbfälle festgestellt worden; 18mal wurde Gebtinfchlapfluß und 27mal Herzerkrankungen todtlich. An Darmcatarrh und Brechdurchfall erlagen 12, an allgemeiner Abzehrung 9 und an angeborener Lebensschwäche und Mißbildungen 21 Kinder, fämmtltch im ersten Lebensjahre. Bet 40 Erwachsenen und 182 über 60 Jahre alten Personen werden je Neubildungen und Altersschwäche als Todesursache angegeben. 144 Personen sind als an anderen benannten Krankheiten und 85 an unbekannter Krankheit verstorben bezeichnet.
Zuletzt haben wir noch 14 tödtlich gewordene Verunglückungen, 10 Fälle von Selbstmord und einen Fall von KlndeStödtung durch Fahrlässigkeit tm Landkreise zu erwähnen. Von den 1068 Sterb- fällen ist die Todesursache nur in 785 Fällen durch ärztliche Angabe feftgestellt worden.
Gießen, 23. Februar 1895.
«roßherzogliche» «reiSgesundheitSamr.
— Di» Kritik, Wochenschau des öffentlichen LebenS. Her»«S- gegeben von Kari Schoetdt. Verlag von Hugo Storm, Berlin Gledttfchstr. 35. Abonnement vierteljährlich 5 Mk. Einzelne Hefte 50 Pfg. Heft 21 vom 23. Februar 1895 enthält: „Vor Dieben wird gewarnt!" Von Earl Schneidt. „Die Gleichberechtigung der Fra» in Amerika." Von Eliza Jfchenhäufer. „Deutfche Lyrik." Don Otto Erich Hartlvben. „Zur Psychologie der Heilsarmee." Don HannS von Gumpenberg. „Der Niedergang in der Musik." Don Paul Ertel. „Bonaoarte als Liebhaber." Von FrvdSric Maffow. Vorn Büchertisch usw.
deS Kreises sowohl, als namentlich der Stadt Gießen tm Vergleich mit den oorausgegangenen Jahren eine sehr günstige gewesen ist.
Von den einzelnen Quartalen war, wie tast immer, mit 308 Sterbelällen das dritte datz günstigste, dann folgte das vierte, weiter das zweite und mit (479) S erbefällen am meisten belastet war das erste Quartal. Von den einzelnen Jahresmonaten hatte diesmal der August mit 90 die geringste Zahl der Gesammtsterbe- fälle, dann folgten October (93), September und November (beide mit 100). Die größte Zahl batten Januar mit 202, Februar mit 147 und März mit 148. Für die beiden ersten Jahresmonate mindestens hat die seit Ende November 1893 im Krerse wieder aufs getretene Influenza Epidemie zum Zustandekommen der hohen Sterblichkeit mrtgewirkt.
Wenn wir nun in Folgendem die 79 Orte deS Landkreises allein mit den 1068 Sterbiällen betrachten, so betraten von diesen 165 Kinder im ersten Lebensjahre, 252 solche von 2 big 15 Jahren. Dabei war gegen den 10jährigen Durchschnitt das Procentoerhältniß der verstorbenen Säuglinge zu der Gesammtsterbitchkeit ein sehr günstiges, es betrug 15,44 pEt. gegen sonst fast 19 pCt., dagegen war das gleiche Verhältniß bet den Kindern von 2—15Jabren, vorzugsweise wegen der häufigeren tödllichen Bräunekranlheiten, wie auch schon im Vorjahre, ein ungünstige, eö: 23,59 pEt. gegen 19,60 im Durchschnitt. Die Todrsfälle der Erwachsenen bis zu 60Jahren betrugen 295 und über 60 Jahre alte Personen starben 356. In den b-iden letzteren Altersklassen waren die Sterbeverhältnisse gegen die Vorjahre beträchtlich günNigere.
Von epidemischen Krankheiten muß zunächst der Influenza gedacht werden, welche vom November 1893 her, im südlichen Theile des Kreises beginnend im Januar und im nordöstlichen Theile des Kreises selbst noch im Februar fortbestand. Masern haben im Berichtsjahre im ganzen Kreise keinen Sterbfall bewirkt, dagegen sind in Folge von Scharlach Erkrankungen, welche zwar nirg.ndS in sehr großen Epidemien, jedoch ziemlich weit verbreitet auftraten, in acht Gemeinden dcs Landkrerfes zufammen 12, fast gleichmäßig auf die vier Quartale des Jahres verihcilte Todesfälle eingetreien. Diphtberitis und Croup haben zusammen (105 und 14) 119 Sterbfälle in 38 Orten zur Folge gehabt. Stärke» heimgefucht wurden im Berichtsjahre von Bräunekrankhetten einzelne Orte in der Umgebung von Gießen: Annerod, Daubringen, Grvßen-Buseck, Heuchelheim. Klein-Linden, Lollar, Rödgen und Wlescck, weiter namentlich Orte deS Horloffthales, nach der Grenze deS Kreises Büdingen hin, in denen zum Thetl auch schon 1893 die Krankheit heftig aufgetreten war, wie Hungen, Stetnhetm, vor allen aber durch eine lange dauernde fchwere Epidemie Treis-Horloff (334 Ein«.) mit 12 Sterbfällen und ebenfalls wieder, wenn auch in geringerem Grade, Utphe In den genannten zwölf Orten allein sind durch Bräunek-ankheiten 76 Todesfälle eingetreten. Das Auftreten bet Krankh'it war am heftigsten in ber ersten Jahreshälfte, insbesondere im ersten Quartal; auf dre zweite Jahreshälfte kommt weniger als 1/< ber Sterbfälle des Jahre«.
Citeratar tmfc Knnft
— -Deutscher Soldatenhort*, illustrirte Zeitschrift für da» deutsche Heer und die Marine. Herausgeber: General-Lieutenant z. D- H. v. Below. Preis pro Quartal 1.80 Mk. Verlag von Karl Siegismund. Berlin"W.,Mauerstraße68. VI. Jahrgang Heft 15 erschien soeben.
er nicht zu erwähnen, daß er in einer Scheune Nachts von Flöhen arg gepeinigt wurde, es muß also ganz besonders schlimm gewesen sein, so daß auch der Sänger unter den Freiwilligen in Bekkers Gedenkbuch in die Seiten greift:
„Wie pauvre hier das arme Land, Es ist ja eine Sünd und Schänd. So nahe bei der großen Stadt Der Fetnd gar arg gehauset hat. Nicht Wein, noch Käsebrod noch Bier, Zum Bett dient draus die Stubenthür.
x Im alten, leeren, schlechten Haus Da toben Wanze, Floh und Laus."
Bei Dammerkirch, wo die Jäger das Elsaß betreten, ist die Nahrungsnoth groß und das Fleisch von gefallenem Vieh muß herhalten. „Bei Rheinweiler passirten wir den Rhein über die von den Oesterreichern geschlagene Schiffbrücke." Und nun führt der Weg durch Baden. Ein Rasttag gibt Gelegenheit zum Besuch von Baden-Baden, dem Conversationshaus, dem alten und neuen Schloß. „Die himmlischen Aeolsharfen im alten Schloß nicht zu vergessen." Auch Mannheim betrachtet er sich gründlich. So gelangen sie die Bergstraße entlang endlich am 4. Juli durch Darmstadt, „wo unS die Bewohner dieser Stadt recht herzlich empfingen. Vor Darmstadt lagerten wir und wurden von den Bewohnern mit Wein usw. überhäuft- dieser Tag wird mir ewig im Andenken bleiben. Wir kamen in unsere Can- tonierungen nach Langen usw."
„Juli 10. Auf meinen 19. Geburtstag hatten wir im Wolfsgarten bei Darmstadt Revue vor dem Prinzen Emil von des Morgens 5 bis 11 Uhr. Dieser Tag war sehr heiß."
„August 5. Marschirten wir nach Arhcilgen aus. Des Abends kam Plötzlich die Ordre des Großherzogs, daß unser Corps aufgelöst sei. Den Abend marschierten wir noch nach Langen."
„August 8. Nach Gießen, wo wir mit außerordentlicher Freude empfangen mürben.*
„August 9. Erhielten wir von dem Oberstlieutenant Weber unsere Abschiede."
„August 11. Rückte das brave Leibregiment in Gießen ein, welches sehr feierlich empfangen wurde. DeS Abends wurde von den hiesigen Honoratioren ein Freiball für die Offiziere dieses Regiments und die Freiwilligen im Einhorn gegeben."
Auf einen Aufenthalt von 31 Tagen in Lyon folgte also ein sehr bequemer und langsamer Rückmarsch von 34 Tagen bis Darmstadt, ein Aufenthalt in Langen und Umgegend von 32 Tagen, auf welche noch 3 Tage Marsch bis Gießen folgte.
Der friedliche Feldzug der hessischen freiwilligen Jäger hatte also vom 29. März bis zum 9. August gedauert.
Doch wurden die Jäger nicht ohne Sang und Klang und Dank heimgeschickt. „Auf Allerhöchsten Specialbesehl Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogen" erhielt jeder Jäger vom Oberkriegskolleg zu Darmstadt d. d. 5. Aug. 1814 eine gedruckte Urkunde.
„Nachdem durch die eingetretene friedliche Verhältniffe Deutschlands der rühmliche Zweck, wofür die freiwillige Jäger auf den Ruf des Vaterlandes die Waffen ergriffen haben, erreicht und dieses Corps nunmehr auf S. K. H. deS Großherzogs Allergnädigsten Befehl von den übernommenen Pflichten des Militär-DiensteS wieder freigegeben und auf« gelößt worden ist, so wird in Gemäßheit dessen, der bei der . . . Compagnie stehende.......auS
......hiermit in seine frühere bürgerliche Verhältnisse aus dem Corps wiederum entlassen und demselben das gegenwärtige Patent mit der Erlaubniß, die Uniform des Corps in seinem Grade als Auszeichnung fevner tragen zu dürfen, zu seiner ehrenvollen Legitimation zugestellt. V»n S. K. H. dem Großherzogen noch besonders hierzu gnädigst beauftragt, bezeichnet man dem Inhaber dieses die vollkommene Zufriedenheit mit seinem Betragen, und dankt für den bewiesenen Eifer und die Opfer, welche er mit Nachsetzung seiner häuslichen und bürgerlichen Verhältniffe freiwillig S. K. H. und dem Vaterland dargebracht hat. Nicht minder wird hiermit die Zusicherung ertheilt, daß alle diejenige Vortheile, welche der Aufruf vom 28. December v. I. allen denjenigen verheißt, die sich freiwillig zum Kampf für die gute Sache Deutschlands stellen würden, auch ihm, wie jedem würdigen Genoffen des Corps zu Theil werden, unb die gegebene Zusicherungen erfüllt werden sollen. Urkundlich rc.
Damit ist die Franzosenzeit in Heffen zu Ende. I« gewisser Art kehrte sie erst 1870—71 wieder, wo Heffen abermals von Franzosen überschwemmt wurde, aber nur von gefangenen. Möchte unser Vaterland recht lange von einem neuen Kriege verschont bleiben.


