Ausgabe 
3.2.1895 Zweites Blatt
 
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Nr. 29 Zweites Blatt. Sonntag den 3. Februar

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rrfrfjrint täglich, ent «uSRahme drS Kentagl.

®k Gießemr A,«»tkr«»örL11er werden dem Anzeiger WGcheutlich dreimal deigelrgt.

Gießener Anzeiger

Kenerak-Mnzeiger.

1895

Vierteljähriger A-a»«e«catsprei»r 2 Mark 20 Pfg. vringcrloha. Durch die Post bczoI« 2 Mark 50 Pfg.

Äebaction, ExpcdiNoK und Druckerei:

-chulstraße Vr.T. Fcrvsprccher 51.

Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gieyen.

I Kr-tisöeilage: Ki-ßm-r K-miNmSkätt-r. j

Nus dem Verwaltungsbericht der Grotzh. Bürgermeisterei Gießen für daS E'atsjahr 1893/94.

(Schluß.)

Branntwein-AuSschank und Kleinhandel. Zur Aeußerung über das Bedürfniß zum Branntwein-Ausschank wurden der Stadtoerordneten-Veriammlung tm Ganzen 36 Gesuche vor- gelegt, wo, unter 29 Übergänge bestehender Wnthschaften in andere Hände; die Bedürsnißfi age wurde in 35 Fällen bejaht, in einem Fall verneint. Desgleichen wurde bei sechs vorgelegt.n Gesuchen um Erlaubntß zum Kleinhandel mit Branntwein (worunter ein Ucbergang einer bestebenden Verkaufsstelle in andere Hände) die Bedürsnißfrage Ni »ier Fällen bejaht, in zwei Fällen verneint.

Die in Bett, ff der Sonntagsruhe unterm 7. September 1893 gegebene anderweitige Festsetzung der Arbeitszeit hat keine weitere Anfechtung crfabr en, sie wird von den zunächst Berührten mehr und »ehr als eine Wohlthat empfunden.

Die Parzellenoermessung nahm nach der am 1. No­vember 1892 erfolgten Errichtung der Stelle eines Stadtgeometers einen befriedigenden Fortgang, ohne indeß zu dem erwünschten 2lh> schluß zu gelangen. - WAMWU

Zwecks Linderung des landwtrthschaftlichen Noth- ßandeS durch L-istung von Bethülsen Seitens des Staates wurde nuterm 13. Juli 1893 ein Ortsausschuß gebildet, durch besten Ver­mittelung für 17 Empfänger bezogen wurden: 32900kg FuttermaiS zu 3823.80 Mk., 4000kg Pilmkuchen und Erdnußkuchen zu532.25 Mk., 64440 kg Torfftreu zu 1117.24 Mk., zusammen 5473.29 Mk.

Tabakbesteuerung. Anläßlich deS dem Reichstag vor- gelegten Entwurfes einer Tabakfabrikatsteuer und mit Rücksicht auf die besondere Bedeu'ung dieses Industriezweiges sür unsere Siadt hat die Stadtoerordneten-Versammlung eine Resolution gegen die geplante Steuer gefaßt. (Wir theilten dieselbe bereits in Nr. 267 nn 1893 im Worlaute mit und veröffentlicht, n in demselben Jahrgange auch eine Reihe von Artikeln s. Nr. 264, 266, 268 deren Sinn sich deckt mit den Erläuterungen, die die Stad'verordneten-Versamm- long ihrer Eingabe an den Reichstag vom 20. November 1893 bei­fügte. Red.) In dem Bericht heißt eS am Schluste: Wenn schon durch den am 19. April 1894 eingetretenen Schluß des Reichstage- der fragliche Gesetzentwurf nicht mehr zur Verhandlung gekommen ist, so entspricht eS doch leider wieder der augenblicklichen Lage dieser Steuersrage, wenn wir von Neuem und auch an dieser Stelle Hin­weisen müssen auf die schweren Schädigungen, welche gerade für imsere Stadt und deren Umgebung aus der noch immer nicht auf- gegebenen Tabakfabrikatsteuer erwachsen würden.

Die fachmännische Inoentarisirung deS städtischen Archivs konnte in Ermangelung des dasür in dem umgebauten Nebengebäude der Bürgermeisterei zu schaffenden Arbetts- und Auf­bewahrungsraumes nur wenig gefördert werden.

ES erübrigt nun noch, Etniaes aus dem VerwaltungSberichtc tzeS Gas- und Wasserwerks Gießen hier mitzutheilen.

1. Gaswerk. Der Gelammt-Gasverbrauch vom 1. April 1893 bis dahin 1894 betrug 786,277 cbm., gegen das Vorjahr mehr 2829 cbm. Die umfangreichere Anwendung des GaSglühlichlS, wohl auch die allgemeine geschäftliche Nothlage schloffen einen er­heblich höheren Privatgebrauch an Leuchtgas aus und wird flch hierin wohl auch für das nächste Jahr nicht viel ändern; indesten st eine Zunahme des Verbrauchs an Hetz- und KraftgaS zu er­

warten, so daß allmählig Ersatz für den Ausfall an Leuchtgas ent­stehen dürste. An Kohlen wurden 2,724,700 Kg. verbraucht, da'unt-r 2,704,700 Kg. zur Gaserzeugung, gegen 2,814,969 Kg. im Vorjahre. 100 Kg. Kohlen ergaben 29,cbm. Gas, 68,u Kg. Eok.S, 5,«et Kg. Theer, 9, Kg. Ammoniakwaster. Die Ge- sammtherstellungskosten für 1 cbm. erzeugtes G-s berechnen sich auf 13,6e Pfg, für 1 cbm. verkauftes GaS auf 15,07 Pfg. Der Gefammt-GaSv er brauch vkrthetlt sich auf die einzelnen Ver- brauchsgrupven wie folgt: Prtvatbeleuchtung: 462,176 cbm., Kraft- und H^izaaS 61,906 cbm., Straßenbeleuchtuna 179,391 cbm., GaS- und Waste,werk 21,200 cbm., Verdichtung uno Verlust 61.604 cbm. Die Anzahl der Gasflammen für Privatabnebmer betrug am 1. April 1893 für Beleuchtung 8483, für Heizung 581. Die An­zahl der Gaskraftmaschinen betrug 28 mit 58'/, Pserdekräften, der Gasverbrauch einer Pferdekraft dieser Motoren betrug im Jabres- durchschnitt 76 cbm. Die Anzahl der öffentlichen Gas- laternen betrug 506, darunter 176 Richtungslalermn, sie erfuhr im Berichtsjahr eine Zunahme von 17 Laternen; zu ihrer Bedie­nung waren 10 Laternenwärler erforderlich; die Anzahl der öffent­lichen Petroleumlaternen betrug roch 17 Stück Die Kosten der Straßenbeleuchtung betrugen (einschließlich Pstroleumbeleuchtung) 23,988 Mk. 52 Pfg. Es verbrauchte eine Richtungslaterne in 3517 Brennstunden 563 cbm. Gas Mk. 72.38 tm Jahre, eine ge­wöhnliche Laterne in 1574 Brennstunden 252 cbm. GaS Mk. 32 40 im Jahre. Die durchschnittliche Tagesabgabe an Gas betrug 2154 cbm., die stärkste stündliche Gasabgabe (am 30. November 1893) 519 cbm. 3m Gaswerk wurden umfangreichereNeuheistellungen an Betriebsapparaten wie an Baulichkeiten vorgenommen. DaS GaSrohrnetz erfuhr eine Erweiterung (und zwar nach Abzug herauS- aenommener alter Leitungen) von 2700 Meter, außerdem wurden 320 Meter Zuleitungen für Straßenlaternen und P ivatgasabnehmer ge egt, die Gesammtlänge aller Leitungen betrug34,200 Meter oder 4,56 deutsche Meilen. Der kubische Inhalt des Gelammt-oh'netzes ist 145 cbm. DaS GaSemrichtungsgeschäst war ein lebhaftes, die Verwendung deS Gases zu Koch- und Heizzwecken nimmt stetig zu. Aus der Ueberficht über die Einnahmen und Ausgaben ist ersichtlich, daß, nachdem für 4 pEt. Zinsen 19,827 Mk. 50 Pfg. und für Amortisation 25,000 Mk. zur Stadtkaste abgeführt waren, ein Be- trtebSübeischuß von 30,521 Mk. 60 Pfg. erzielt wurde, welcher in seiner ganzen Höhe zu den Betriebseinnahmen der Stadt heran- gezog'N werden soll. Der Schuldenstand beträgt am 31. März 1894 für daS Gaswerk 484,246 Mk. 53 Pfg.

2. Wasserwerk. Der in den Hochbehälter gelangte Quellen­erguß für das Betriebsjahr 1893/94 betrug unter Zuarundelegung der zwölfmonallichen Messungen durchschnittlich 552.68 cbm. den Tag und unter Zurechnung bc5 ZulaulenS von überschüssigem Wasser auS der Kasernenleitung insaesammt 205 984 cbm. für das Jahr. Es wurde verbraucht zur Abgabe an Private 107 441 cbm., für öffent­liche Zw cke 47 933 cbm., im Gas- und Wass-rwe-k 10 167 cbm., an Ueberlauf 19 845cbm., Verlust einschließlichAusspülung 2 - 598 cbm. Die Selbstkosten des in den Hochbehälter gelangten Wassers beliefen sich auf 22 Pfg. per cbm., des verkauften WasserS auf 29,71 Plg. Die Anzahl der aus der Quellwasserleitung gespeist werdenden öffentlichen Dcntildrunnen betrug 32, daneben bestanden noch 20 Pumpbrunuen. D>e Anzahl der Hauswasteranschlüsse hat sich im Berichtsjahre um 52 Stück vermehrt, ste betrug am 1. April 1894 742 Stück, aus denen mindestens 1850 Familien mit Mass.r versorgt wurden. Der Wasterverbrauch eines Hausanschlustes betrug durch­schnittlich 151,82 cbm. ober 0,42 cbm. per Tag, die Anzahl der Straßenhydranten 139 Stück. Die Qualität deS Masters wurde

nach den vom chemischen Untersuchungsamt für die Provinz Ober-- hesten vorgenommenen wöchentlichen Untersuchungen alsrecht gut" bezeichnet. Neben den lautenden Unterhaltungsarbeiten wurden eine Reihe Neuherstellungen ausgesührt; das Wofferrohrnetz selbst erfuhr eine bedeutende E< Weiterung, insgesammt 1875 Meter, die Gesammt­länge bei städtischen WasterrohrnetzeS einschließlich der Haupt- zule'tuugen bis zum Hochbehälter batte am 1. April 1894 eine Aus­dehnung von 34 200 Meter ober 4,56 deutsche Meilen. Der cubische Inhalt desselben betrug 556 cbm. Die Rechnung des WasterwerkS ergab, nachdem 20 362 Mk. 83 Pfg. für 4 pEt. Zinsen zur Stadt- last' abgeiührt waren, einen Baarüberschuß von 13 562 Mk., welcher zur Schuldentilgung bezw. zur Abschreibung an der Schuld detz Werkes verwendet werden soll. Der Schuldenbestand betrug am 31. März 1894 für das Wasserwerk 504 248 Mk. 43 Pf.

Citeratur unb ICtmft

«i«e Wiener Modefrisur für da» Jahr 1895 hat die Wiener Friseurgenossenschafl soeben wieder fertipg'stellt, die für die« Jahr maßgebend s '» dürfte. Das neueste (14.) Heft der beliebten F-milienzeilschrist ,Äüt Alle Welt" (Berlin W., Deutsches Verlag«, haus Bong & Eo., Pnis de» V erzehntagShefteS 40 Pfg.) bringt Abbildungen derselben und Anleitung zur Selbstherstellung. Vo» den prachtvollen Illustrationen deS Heftes verdient daS große, doppel­seitige BlattJa^dflühstück" von Henseler hervorgehoben zu werde» und von Erzählungen ist neben den Romanen eine köstlich launige M>litärhumor> SkeIck kenne Dir nanu, mein Sohn" (aus bem Leben des alten Wränget) von Hermann Ferschke besonder? zu nennen. ES ist überhaupt eine Freude, die Erzählungen dieses hervorragende» Familienblattes zu lesen.

DaS neueste Heft (1) der unter der Redaction von Bertha von Suttner im Verlage von E Pierson in Dresden erscheinend« Zeitschrift .Die Waffe« «iederl- hat wiederum einen mannig­faltigen uno reichhaltigen Inhalt. Wir heben au8 demselben Nach­stehendes hervor: Graf Bothmer: Vor und nach Weihnachten. Mo-itz Adler: Die allgemeine Wehrrfltcht. Ludwig Fulda: ES wird einmal. Ivan Tu'genj^w: Hängt ihni Die Ansicht« emes französischen Admiral«. Bertha von Suttner: Die europäische Lage. Dritte Jahresversammlung der öst rreichischen Ges.llschaft der Friedensfreunde. Epigramme. Berta Kätscher: Die Auf­führung deS TrauerspielsDer ewige Friede". Friedens-Chronik deS Jahres 1894. Zeitschau. Gegen die Friedensbewegung. Gegen den Krieg. Correspondenz. Literarisch s. AuS dm Fachschriften. Aus her Presse. Aus den Friedensvereinen. Vermischtes. Briefkasten. Bei reichem Inhalt und vorzüglich« Ausstattung kostenDie Waffen nieder!" jährlich nur 6 Mk.

Eingesandt.

Gieße«, 2. Februar 1896.

Wie auS dem Jnseratentheile zu ersehen, hält der Gießener Zitherclub (Wohltbätigkeit-verein) zweigrotze Maskenbälle ad und zwar am 3 und 9. Februar. Es wäre daher sehr erwünscht, den rührigen Vorstand tn diefm Unternehmen, von leinen Mitglieder», Fr-unden und Gönnern tüchtig zu unterstützen, zumal der Re nertra, zur Bekleidung hiesiger armer Kinder zu Weihnachten bestimmt ist.

Feuilleton.

Wochendriesc ans der Residenz.

(Originalbericht deSGießener Anzeiger".)

Z. Darmstadt, 31. Januar.

Dir Feier des Geburtßfeyes Seiner Majestät deS Kaiser». Stiftuagtzfest deS Mozart Vereins.

Auch in diesem Jahre wurde daS GeburtSfeft nusereS Kaisers in der hessischen Residenz in allen Kreisen der Bevölkerung feierlich begangen. Es kann indeffen aicht über sämmtliche aus diesem Grunde arrangtrten Fest­lichkeiten an dieser Stelle berichtet werden, sondern nur einiger besonders glanzvoll verlaufener sei gedacht. Unter denen ist an erster Stelle die vom Ludwtgs- GeorgS-Gymnasium im großen Saale deS Städtischen Saalbau vor Sr. Großh. Hoheit Prinz Wilhelm von Hessen und einem nach vielen Hunderten zählenden Publikum ver­anstaltete Borfeier des TageS am vorigen Mittwoch zu nennen. DaS Programm wies zwei Thetle auf, im ersteren wechselten patriotische Gesänge des Chores der Anstalt mit Darbietungen ider Schülercapelle und Declamationen Einzelner ab. Der zweite Theil brachte den Vortrag der sechs von Eduard Kremser bearbeiteten altniederländischen Volkslieder auS der 'Sammlung des Adrianus Valerius vom Jahre 1626, der durch die Schülercapeüe, den Knabenchor und einige Solisten ßrhr exact zur Ausführung gebracht wurde.

Am vergangenen Freitag Abend feierte bann die g e- siammte Darmstädter Studente«schaft den Tag Lurch einen glänzenden Festcommers ebenfalls im Städtischen Saalbau. Zu dem CommerS, der unter dem Präsidium des Ausschuß Vorsitzenden ftattfanb, war auch der Director der Hochschule, Herr Professor Dr. LepfiuS, und eine große Zahl »ob Professoren und Doccnten erschienen. Die (Batterien

des weiten Saales waren von einem reizenden Damen- Publikum fast Überfüllt. Reden und Toaste wurden auS- gebracht selbstverständlich auf Sk. Majestät den Kaiser, Se. König!. Hoheit den Großherzog, auf den Fürsten Bismarck rc. Herr Director LepsiuS überbrachte die Grüße WallotS an die Studenten seiner früheren Alma mater und commandirte einen Salamander auf Se. Excellenz Herrn Staatsminister Dr. Finger.

Am SamStag Abend fand großer Zapfenstreich der ganzen Garnison statt. DaS MusikcorpS deS Infanterie-Regiments Nr. 115 zog vor das Neue Palais und spielte mehrere Stücke, die Ihre Sönigl. Hoheit die Großherzogin vom Fenster auS anhörten.

Der Sonntag brachte echtes Kaiserwetter. Ein klarer, heller Winterhimmel wölbte sich über der Stadt, die Sonne schien und die Luft war nickt übermäßig kalt. Schon am frühen Morgen begann das Treiben. Vom Stadtkirchthurm ertönten Choräle, die Musikchöre der einzelnen Regimenter bliesen Tagreveille, daS der Infanterie, brachte vor dem Neuen Palais ein Ständchen. Öffentliche und Privatgebäude hatten reich geflaggt. Die Kasernen aller Truppen waren mit Guirlanden, Wappen und Fahnen prächtig herausgeputzt. Um 11 Uhr fand in der protestantischen und in der katholiichen Stadtkirche feierlicher MilitärgotteSdienst statt, von dem auS sich die Truppen in geschlossener Ordnung unter Musik­begleitung zum Paradeplatz begaben. Die nunmehr statt­findende Parade wurde vom Generalmajor v. Bismarck com- mandirt und vom Generalmajor v. Oppen abgenommen. Ersterer brachte das Hoch auf Se. Majestät den Kaiser auS, worauf eine auf dem Exercierplatze aufgestellte Batterie 101 Salutschüsse abgab.

Nachmittags um 2 Uhr fand im Städtischen Saalbau Festessen statt, an dem sich ca. 150 Personen betheiligteu. Bei demselben toastete Herr Staatsminister Dr. Finger, Exc., nach längerer begeisterter Rede auf Se. Majestät den Kaiser,

Herr Oberbürgermeister Morneweg auf Se. König!. Hoheit den Großherzog. Auch ein Glückwunschtelegramm ging a» den Kaiser ab. Die Offiziere und Militärbeamten hielte« in ihren Casinos Festmahle, die Mannschaften wurden in de» Kasernen bewirthet.

Am Abend hatte der Kriegerverein eine große Festfeier im Saalbau, bei der Herr Reichstagsabgeordneter Dr. Osann u. A. sprach. Im Hofiheater wurde bei festlich beleuchtete« Hause Humperdincks OperHänsel und Gretel" und da- SiemS'sche BalletHeben in der Hochsaison" gegeben. Nach Beendigung derselben sand eine Huldigung vor der Kaiser- büfte statt. Das Haus war auSverkaust. Ihre Königliche Hoheit die Großherzogin und die Prinzessin Alexandra vo» Coburg, sowie Se. Großb. Hoheit Prinz Wilhelm von Hesse« wohnten der Aufführung bei. Auch sonst wurde allent­halben der Tag durch BereinSfestlichkeiten und reichbesuchte Festesien wie im Hotel -Zur Traube" und imHessische« Hof" würdig begangen.

Durch die in der vergangenen Woche stattgehabte» patriotischen Festlichkeiten waren künstlerische Darbietunge» sonsiiger Art ziemlich verdrängt worden. Nur ein großes Gonceit hatte statt, das bei Gelegenheit deS Stiftungsfeste» deS MozartvereinS gegeben wurde. Zu demselben war neben Herrn Hofschauspieler Edward von unserer Hofbühne eine in letzterer Zeit oft mit Ruhm genannte Sängeri», Fräulein Margarethe Petersen aus Kopenhagen ge­wonnen worden. Die Dame sang eine Reihe von Lieder« theilS in deutscher, thetlS in ihrer Muttersprache mit hin­reißender Wirkung und wurde Gegenstand begeisterter Ova­tionen. Außerdem wirkte neben dem festgebenden Vereine unter Leitung des Herrn MusiktzirectorS Richard ©enff als Jnstrumentalsolist Herr Hugo Schlemüller, ein virtuoser Cellist, mit. An daS Concert schloß sich ein flotter Ball an, der äußerst zahlreich frtquentirt »ar.