resultatlose Unterredung miteinander. In- zwischen war dem General Wiwpffen an. gekündigt worden, daß die deutsche Artillerie sofort daS Feuer wieder eröffnen würde, falls um 10 Uhr Vormittags die Capitu- larion nicht gesichert sei. Wimpffen mufcte fi4 endlich in das Unabänderliche fügen und die von Moltke aufgesetzten und Seiten des Königs bereits genehmigten Capitu- laiionSbedlngungen unterzeichnen, was um 11 Uhr im Schlöffe Bellevue bei Frsnoi» geschah. 1 Uhr Nachmittags erschien Söniq Wilhelm, nachdem ihm der Vollzug der CapitulationS-Urkunde mitgerheilt worden war, in Schloß Bellevue, gefolgt vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm, und Harn daselbst eine bewegte viertelstündige zeugen- lose Unterredung mit seinem hohen Ge. fangeuen- an dem weiteren Gespräche de- theiligte sich dann auch der Kronprinz. Nach dem Berlaffen von Bellevue besuchte der König auf einem ausgedehnten Rund, ritte die BivouakS sämmtlicher Armeecorps, von den Truppen überall mit brausender
Begegnung Aönig Wilhelms 1. mit Napoleon III. am 2. September 1870.
König folgende Antwort an Napoleon nieder: „Indem ich die Umstände, unter denen wir unS begegnen, bedauere, nehme ich den Degen Eurer Majestät an und bitte Sie, einen Offizier zu bevollmächtigen, um über die Capitulation der Armee zu verhandeln, welche sich so brav unter Ihrem Befehle geschlagen hat. Meinerseits habe ich den General v. Moltke hierzu bestimmt. Wilhelm."
Mit dieser schriftlichen Antwort kehrte General Reille nach Sedan zurück, während der König, nachdem er noch verschiedene Bestimmungen wegen der CapitulationSverhand- lungen getroffen hatte, in sein Hauptquartier Vendreffe zurück- fuhr. Mit unbeschreiblichem Jubel wurde er auf dieser Fahrt von den Truppen, unter denen sich die Kunde von dem ftattgehabten großen Ereigniffe rasch verbreitet hatte, begrüßt. In der Nacht zogen sich die beiderseitigen Truppen zurück, doch waren von der deutschen Heeresleitung alle Maßnahmen getroffen worden, um jedem vielleicht selbst jetzt noch ge- wagten Durchbruchsversuch des Feindes sofort energisch ent- gegenzutrcten, indessen erwiesen sich die Vorsichtsmaßregeln des deutschen Obercommandos als unnöthig.
Noch in der zehnten Abendstunde des 1. September wurden im Schlößchen Donchery die Capitulationsverhand- lungen eröffnet, zu denen französischerseits die Generäle Wimpffen, Castelnau und Faure nebst einigen Adjutanten, deutscherseits Moltke, Bismarck, PodbielSki und ebenfalls einige Adjutanten erschienen waren. Die Franzosen wollten sich aber durchaus nicht auf die Forderung MoltkeS der un- bedingten Kriegsgefangenschaft der Mac Mahon'schen Armee einlassen, anderseits weigerte sich jedoch Moltke, in das französische Verlangen eines 24stündigen Waffenstillstandes ein- zuwilligen, und erklärte, wenn die deutschen Bedingungen nicht bis zum nächsten Vormittag 9 Uhr angenommen sein sollten, würde die Beschießung Sedans wieder begonnen werden- gegen 1 Uhr Nachts wurden die Verhandlungen abgebrochen. Am 2. September schon frühzeitig trafen Napoleon und Bismarck auf dem Wege zwischen Sedan und Donchery zusammen und hatten dann in letzterem Orte die bekannte
Unterdessen fanden aber auch wüthende Kämpfe im Südwesten, Westen und schließlich Nordwesten von Sedan statt, wo neben dem 2. bayerischen Corps die Trupfien vom 5. und 11. CorpS und die Württemberger nacheinander in Action traten, während im Süden später noch das 4. Armeecorps eingriff. Auch auf diesen Seiten des mächtigen Schlachtfeldes mußten die Franzosen schließlich trotz ihres heldenwüthsgen Wider- ftandeS und kühner Vorstöße, zu denen namemlich der freilich erfolglose schneidige Angriff der Cavallerie-Brigade deS Generals de Galltset auf Truppenthetle des 11. Corps gehörte, überall weichen, und nun schloß sich der eiserne Ring immer enger um die letzte Feldarmee deS Franzosenkaisers. Die entscheidenden Schlußkämpfe fanden Nachmittags zwischen 2 und 4 Uhr im Norden und Nordoften SedanS, bei Jlly und'im Walde der Garenne, statt, sie vollendeten die Niederlage und die Ein- fchließung der Franzosen. Zwar versuchten sie im Süden noch einen letzten Durchbruch, der zeitweise die von den Bayern eroberte Position von Balan wieder in ihren Besitz brachte, aber bald wurden die französischen Bataillone abermals au- Balan hinaus
geworfen und bis dicht unter die Wälle von Sedan zurück- gl trieben. Das Finale des gesammten Schlachtentobens bildete die Beschießung der Stadt und der Festung Sedan und der daselbst zusammengrquetschten, theilweise schon demoralifirten französischen Truppen durch die auf dem linken MaaSufer ausgestellten deutschen Batterien. Als unter dem Feuer dieser Batterien die 5. bayerischen Jäger die Pallisaden am Brückenkopf bei Torcy überspringen wollten, wurde auf den Wällen SedanS die weiße Fahne aufgepflanzt und auf deutscher wie auf französischer Seite stellte man jetzt das Feuern ein — nun lag daS Schicksal der Mac Mahon'schen Armee in den Händen der Sieger?
Als die Beschießung des Platzes ausgehört hatte, sandte Köntg Wilhelm den Oberstlieutenant Bronsart v. Schellen darf, den späteren KriegSminister, nach Sedan, um die Uebergabe der Festung und der französischen Armee zu iordern. Der Parlamentair wurde zu seiner großen Ueber- raschung vor den Kaiser Napoleon geführt, von dessen Anwesenheit man im deutschen Hauptquartier bis dahin nichts gewußt hatte. Napoleon bezeichnete dem Oberstlieutenant v. Bronsart den General Wimpffen als den obersten Befehls- Haber der besiegten Armee, mit dem also auch zu unterhandeln sei. Der Kaiser selbst aber schrieb den berühmten «rief, den er dann dem König Wilhelm durch General Reille nach FrönoiS sandte. Das welthistorische kurze Schreiben lautete: „Monsieur mon frdre! „N’ayant pas pu mourir au milieu do mes troupes, il ne nie reste qu’ a remettre mon ep6e aux mains de Votre Majeste. Je suis de Votre Majeste le bon fröre — Sedan le 1. Sept 1870 — Napoleon“. Zu Deutsch: „Mein Herr Bruder: Da es mir nicht vergönnt war, in der Mitte meiner Truppen zu sterben, so bleibt mir nichts übrig, als meinen Degen in die Hände Eurer Majestät zu legen. Ich verbleibe' Eurer Majestät Bruder — Sedan, den 1. September 1870 — Napoleon." Als Graf Reille auf Befragen des Königs erwiderte, daß er nur beauftragt sei, die Ergebung des Kaisers persönlich zu überbringen, schrieb der
Begeisterung deerüßt. Kaiser Napoleon blieb bis zum 3. September Bormittags 9 Uhr in Schloß Bellevue und reiste an rt. r . Weronf über Belgien und Köln nach Sch'.otz
Wtth-lmShöhe bet Cassel, wo der so tief Gedemüthigte b:«- 19. März 1871 in leichter Hast verweilte.
Capitulation von Sedan brachte, abgesehen vom ^er Napoleon selbst, 83,000 Mann sranzösische Truppen, 2600 -Subalternoffiziere, 230 Stabsoffiziere, 39 Generäle unb einen Marschall in deutsche Kriegsgefangenschaft, unter dem von den Deutschen erbeuteten großen Material befanden sich 419 Feldgeschütze und Mitrailleusen, sowie 13S FestungS- geschützt, ferner 1 Adler, 2 Fahnen usw. In der Schlacht hatten die Franzosen einen Verlust von 3000 Tobten und 14,000 Verwundeten, sowie von 21,000 Gefangenen zu ver- zeichnen, die Deutschen verloren nn Tobten ebenfalls circa 3000 Mann, an Verwunbeten 5800 Mann. Die Durch- führung der Capitulation begann fofort, in Staffeln zu je 2000 Mann wurden die gefangenen Franzosen nach Deutschland transportirt. Die Besetzung von Sedan wurde den tapferen Bayern übertragen.
Die Katastrophe von Sedan beendigte den Krieg Deutsch, lands mit dem französischen Kaiserreiche, an deffen Stelle bereits am 4. September in Paris die Republik prodamut wurde, und schloß hiermit den Abschnitt deS gemaltem Rmgens zwischen dem deutschen und dem französischen Volke ab. Die Friedenshoffnungen aber, die man in Deutschland vielfach an das große Ereigniß von Sedan knüpfte, sollten sich gar bald als verfrüht Herausstellen, denn die neuen republikanischen Machthaber an der Seine dachten gar nickt daran, Frieden unter den von deutscher Seite gestellten Bedingungen zu schließen, war doch ihre Parole: „Kein Futz breit des französischen Territorium-, kein Stein von btn französischen Festungen wirb abgetreten!u Die brutsche Krieg-- führung stanb jeboch auch im Kampfe gegen die Bolk-Heere der neuen Republik ganz auf der Höhe ihrer Ausgabe, wie auch ber fernere Verlauf beS Krieges glänzend beweisen sollte.
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Alsfeld, den 1. August 1895.
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